Das Wichtigste in Kürze
Bärlapp ist eine uralte Sporenpflanze: Seine Verwandtschaft bildete im Karbon vor rund 300 Millionen Jahren riesige Wälder, aus denen unsere Steinkohle entstand. Bei uns wächst vor allem der Keulen-Bärlapp (Lycopodium clavatum) als kriechende, immergrüne Pflanze auf mageren Böden. Alle heimischen Bärlapp-Arten sind geschützt und dürfen nicht gesammelt werden. Seine gelben Sporen waren früher als „Hexenmehl“ und Blitzpulver berühmt.
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Inhalt
Was ist Bärlapp?
Wer im Nadelwald oder auf einer Heide genau hinschaut, entdeckt manchmal lange, grüne Ranken, die wie kleine Tannenzweige über den Boden kriechen. Das ist Bärlapp, eine Pflanze, die viel älter ist als jede Blume. Bei uns im Kräuterhof erzählen wir ihre Geschichte besonders gern, denn sie reicht weiter zurück als die der Dinosaurier.
Bärlappe sind keine Moose und auch keine Farne, sondern eine eigene, sehr alte Gruppe von Gefäßsporenpflanzen. Sie blühen nicht und bilden keine Samen. Stattdessen vermehren sie sich über winzige Sporen, wie Farne und Schachtelhalme.
Der bekannteste Vertreter bei uns ist der Keulen-Bärlapp (Lycopodium clavatum), auch Kolben-Bärlapp oder Wolfsklaue genannt. Seine Sprosse kriechen einen halben bis vier Meter weit über den Boden und bewurzeln sich immer wieder. Sie sind dicht mit schmalen, nur drei bis vier Millimeter langen Blättchen besetzt, die in einem feinen, hellen Haar enden. Dadurch sehen die Triebspitzen fast pelzig aus.
Aus den kriechenden Trieben wachsen aufrechte Äste mit langen Stielen, an deren Ende meist zwei gelbliche Sporenähren sitzen. Diese kleinen „Keulen“ haben der Art ihren Namen gegeben. Der Keulen-Bärlapp liebt saure, magere Böden in lichten Nadelwäldern, auf Heiden und Magerrasen.
Wie alt ist der Bärlapp?
Die Familie der Bärlapppflanzen gibt es seit mehr als 400 Millionen Jahren. Ihre große Zeit war das Karbon vor rund 360 bis 300 Millionen Jahren. Damals wuchsen ihre Verwandten, die Schuppenbäume und Siegelbäume, zu baumhohen Riesen von 30 Metern und mehr heran. Gemeinsam mit Riesenschachtelhalmen und Baumfarnen bildeten sie ausgedehnte Sumpfwälder.
Aus den Resten dieser Wälder entstand über Jahrmillionen die Steinkohle. In Kohlerevieren findet man bis heute versteinerte Rindenstücke mit dem typischen Schuppenmuster. Wenn also früher im Kachelofen Steinkohle glühte, brannten darin auch die Vorfahren des kleinen Bärlapps.
Ein naher Zeitgenosse aus dieser Urzeit ist der Schachtelhalm, den Sie als Zinnkraut kennen. Auch er ist ein lebendes Fossil, dessen Verwandte im Karbon baumhoch wurden.

Zinnkraut: der Schachtelhalm ist wie der Bärlapp ein Überlebender aus dem Karbon.
Woher kommt der Name Bärlapp?
Der deutsche Name Bärlapp setzt sich aus „Bär“ und dem alten Wort „Lappe“ für Pfote oder Tatze zusammen. Die pelzigen, sich verzweigenden Triebspitzen erinnerten an eine Bärentatze. Der botanische Name Lycopodium meint fast dasselbe, nur mit einem anderen Tier: Er kommt aus dem Griechischen und heißt „Wolfsfuß“. Daher stammt auch der Volksname Wolfsklaue.
Um die Pflanze ranken sich viele Bräuche. Im Volksglauben wurde Bärlapp zu Kränzen gebunden und über Betten oder an Wände gehängt. Eine alte Überlieferung besagt, dass Bärlapp in der linken Hosentasche Glück bei wichtigen Gerichtsverhandlungen bringen sollte. Auch die Druiden sollen ihn als heilige Pflanze verehrt haben. Mehr über solche Traditionen lesen Sie in unserem Ratgeber Kräuterbräuche.
Lange Zeit banden die Menschen Bärlappranken zu Girlanden und Kränzen, auch für Festtage und den Grabschmuck. Diese Beliebtheit hat der Pflanze geschadet, denn wo sie viel gesammelt wurde, ist sie selten geworden.
Was sind Bärlappsporen und warum heißen sie Hexenmehl?
Die gelben Sporen des Bärlapps sind fein wie Mehl, fühlen sich samtig an und sind stark wasserabweisend. Ihre bekannteste Eigenschaft zeigt sich am Feuer: Einzeln sind sie kaum entzündlich, doch in die Luft gestäubt und in eine Flamme geblasen, verbrennen sie in einem Augenblick zu einer großen, hellen Stichflamme.
Das machte sie früher zum „Hexenmehl“. Auf Jahrmärkten, im Theater und bei Zauberkünstlern sorgten die Sporen für Blitze und Feuerbälle aus dem Nichts, deshalb hießen sie auch Blitzpulver. Bis heute werden sie in der Bühnen- und Pyrotechnik für Feuereffekte eingesetzt.
Die Sporen hatten aber noch viele andere Aufgaben:
- Pillenpuder: Früher bestäubte man von Hand gedrehte Pillen damit, damit sie nicht aneinanderklebten.
- Spurensicherung: In der Kriminalistik dienten die feinen Sporen zum Sichtbarmachen von Fingerabdrücken.
- Physikunterricht: Im Kundtschen Rohr machen leichte Pulver wie Bärlappsporen Schallwellen sichtbar, weil sie sich in regelmäßigen Mustern anordnen.
- Trockene Finger: Ein beliebter Versuch zeigt, wie wasserabweisend die Sporen sind. Streut man sie auf Wasser, kann man einen Finger eintauchen und ihn trocken wieder herausziehen.
Sorgfalt: Bärlappsporen sind leicht entzündlich. Versuche mit Feuer gehören in fachkundige Hände und niemals in geschlossene Räume oder in die Nähe von Kindern. Bärlapp enthält Alkaloide: Frische Pflanzen und Sporen sind nicht zum Verzehr gedacht.

Isländisch Moos ist eine Flechte. Auch der Bärlapp ist kein Moos, obwohl er oft so genannt wird.
Ist Bärlapp geschützt?
In Deutschland sind alle heimischen Bärlapp-Arten besonders geschützt. Sie dürfen weder gepflückt noch ausgegraben werden. Auch auf europäischer Ebene stehen die Bärlappe in der Naturschutzrichtlinie der EU, und viele Arten gelten als gefährdet.
Der Grund liegt in ihrer Lebensweise. Bärlapp wächst extrem langsam. Seine Sporen keimen erst nach sechs bis sieben Jahren und bilden dann im Boden einen winzigen Vorkeim, der nur mit Hilfe von Pilzen überleben kann. Bis daraus eine neue Pflanze herangewachsen ist, die selbst Sporen bildet, vergehen zehn bis fünfzehn Jahre. Ein abgerissener Bestand braucht deshalb Jahrzehnte, um sich zu erholen.
Dazu kommt, dass seine Lebensräume selten geworden sind. Heiden, Magerrasen und lichte, karge Wälder verschwinden durch Düngung, Bebauung und dichter werdende Wälder.
Sabines Tipp
„Bei Waldspaziergängen schaue ich mir Bärlapp nur an und mache höchstens ein Foto. Für unsere Adventskränze nehmen wir Tanne, Kiefer, Efeu und ein paar Zapfen aus dem Garten. Der Bärlapp darf bleiben, wo er seit Jahrzehnten wächst.“
Wenn Sie Bärlapp für Ihre Kräutersammlung möchten, greifen Sie bitte zu getrockneter Ware aus dem Handel. Bei uns im Kräuterhof führen wir Bärlapp geschnitten, Angaben zum Produkt finden Sie auf der Produktseite. Wer sich für weitere ungewöhnliche Pflanzen ohne Blüten interessiert, findet in unseren Ratgebern zur Bartflechte und zu den Wildkräutern noch mehr zum Entdecken.

Bartflechte: noch ein faszinierender Waldbewohner ohne Blüten.
Was Sie dafür brauchen
Bärlapp geschnittenGetrocknetes Bärlappkraut aus dem HandelAnsehen
Zinnkraut geschnitten AckerschachtelhalmSchachtelhalm, ein Überlebender des KarbonAnsehen
Isländisch MoosEine Flechte mit dem Namen MoosAnsehen
BartflechteFaszinierende Flechte aus dem WaldAnsehen
Irländisches Moos CarrageenEine Rotalge, die Moos genannt wirdAnsehenHäufige Fragen zum Bärlapp
Darf man Bärlapp sammeln?
Nein. In Deutschland sind alle heimischen Bärlapp-Arten besonders geschützt und dürfen weder gepflückt noch ausgegraben werden. Getrockneten Bärlapp erhalten Sie im Handel.
Ist Bärlapp ein Moos?
Nein. Bärlapp gehört zu den Gefäßsporenpflanzen und ist näher mit Farnen und Schachtelhalmen verwandt als mit Moosen. Er hat echte Wurzeln und Leitbündel.
Was ist Hexenmehl?
So nannte man früher die gelben Sporen des Bärlapps. In die Luft gestäubt verbrennen sie an einer Flamme blitzartig, deshalb nutzte man sie für Feuereffekte im Theater und auf Jahrmärkten.
Wie erkennt man Keulen-Bärlapp?
An den langen, am Boden kriechenden Trieben mit dicht stehenden, schmalen Blättchen, die in einem feinen Haar enden, und an den meist paarweise auf langen Stielen sitzenden gelblichen Sporenähren.
Warum ist Bärlapp so selten?
Er wächst sehr langsam: Bis aus einer Spore eine fortpflanzungsfähige Pflanze wird, vergehen viele Jahre. Dazu wurde er früher viel für Kränze gesammelt, und seine mageren Lebensräume sind selten geworden.
Kann man Bärlappsporen essen?
Nein, Bärlappsporen sind nicht zum Verzehr gedacht. Sie wurden früher als Puder, für Feuereffekte und in der Spurensicherung verwendet.