Das Wichtigste in Kürze
Bartflechten (Gattung Usnea), auch Baumbart genannt, sind graugrüne bis gelbgrüne Strauchflechten, die in fädigen Büscheln von Ästen herabhängen. Eine Flechte ist keine Pflanze, sondern eine Lebensgemeinschaft aus einem Pilz und einer Alge. Bartflechten wachsen an Bäumen mit saurer Borke in niederschlagsreichen, kühlen Lagen und brauchen saubere Luft. Sicher erkennen Sie sie am weißen, elastischen Mittelstrang, der beim vorsichtigen Ziehen zum Vorschein kommt. In Deutschland sind alle heimischen Arten geschützt.
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Inhalt
Was ist Bartflechte?
Wer im Bayerischen Wald oder in den Alpen durch einen alten Bergwald wandert, kennt den Anblick: Von den Ästen der Fichten und Tannen hängen lange, graugrüne Bärte herab, die sich sacht im Wind bewegen. Fast meint man, der Wald sei ein wenig in die Jahre gekommen. Das sind Bartflechten.
Botanisch bilden sie die Gattung Usnea. Im Volksmund heißen sie auch Baumbart. Zur Gattung gehören viele Arten, bei uns etwa der Gewöhnliche Baumbart (Usnea filipendula), die Grubige Bartflechte (Usnea hirta) oder die Scheiben-Bartflechte (Usnea florida). Die bekannteste ist Usnea barbata, deren Beiname schlicht „bärtig“ bedeutet.
Bartflechten sind Strauchflechten. Sie wachsen buschig bis bartförmig, aus runden, fadenförmigen Ästen, die nur an einer Stelle an der Rinde festgewachsen sind. Meist werden sie fünf bis zehn Zentimeter lang. In Gebirgslagen mit sehr sauberer Luft können sie wesentlich länger werden. Ihre Farbe reicht von Grau bis Gelbgrün.
Ist Bartflechte eine Pflanze?
Diese Frage stellen viele, und die Antwort überrascht: nein, jedenfalls nicht im eigentlichen Sinn. Eine Flechte ist eine Lebensgemeinschaft aus zwei ganz verschiedenen Partnern, einem Pilz und einer Alge.
Der Pilz bildet das Gerüst. Er gibt der Flechte ihre Form, hält sie an der Unterlage fest und speichert Wasser. Die Alge lebt geschützt im Inneren und erzeugt mithilfe des Sonnenlichts Zucker, von dem auch der Pilz lebt. Allein könnten beide an einem kahlen Ast nicht bestehen, zusammen schaffen sie es. Diese Partnerschaft nennt man Symbiose.
Früher wurden Flechten zu den Pflanzen gezählt. Heute ordnet man sie den Pilzen zu, denn der Pilz bestimmt das Aussehen und wird nach ihm benannt. Für Wanderer und Kräuterfreunde bleiben sie aber, was sie immer waren: stille Bewohner alter Bäume.
Wo wächst Bartflechte?
Bartflechten wachsen an Nadel- und Laubbäumen mit saurer Borke, besonders an Fichten, Tannen, Kiefern, Lärchen und Birken. Sie lieben niederschlagsreiche Lagen, Nebel und kühle Kaltluftgebiete, wie man sie in Mittelgebirgen und den Alpen findet. Einige Arten kommen sogar in der Antarktis vor.
Ihr Wasser und alles, was sie brauchen, nehmen Flechten direkt aus der Luft und dem Regen auf. Was in der Luft ist, gelangt deshalb ungefiltert in die Flechte. Darum reagieren Bartflechten empfindlich auf Luftverschmutzung. Wo die Luft belastet ist, bleiben sie kurz oder verschwinden ganz. Lange, üppige Bärte zeigen dagegen saubere Luft an. Fachleute nutzen Flechten deshalb als Zeiger für die Luftgüte und kartieren sie über Jahre.
Übrigens: Bartflechten schaden dem Baum nicht. Sie sind keine Schmarotzer, sondern nutzen Äste und Stamm nur als Sitzplatz. Wenn an einem kranken oder abgestorbenen Baum viele Flechten wachsen, liegt das oft daran, dass durch die lichte Krone mehr Licht an die Äste kommt.

Fichtenharz und Bartflechte: zwei Düfte aus dem Bergwald.
Wie erkennt man Bartflechte?
An Bäumen hängen nicht nur Bartflechten. Mit diesen Merkmalen unterscheiden Sie sie von ähnlichen Arten:
- Farbe: Bartflechten sind grau bis gelbgrün. Braune bis schwarzgraue „Haare“ an Bäumen gehören meist zu einer anderen Gattung, Bryoria.
- Form: Die Äste sind rund und fadenförmig, nicht flach und bandartig.
- Der Zugtest: Ziehen Sie einen Faden vorsichtig auseinander. Bei der Bartflechte reißen zuerst nur die äußere Rinde und das Mark auf, und ein weißer, elastischer Mittelstrang kommt zum Vorschein. Dieses Merkmal ist typisch und fehlt den ähnlichen Arten.
- Kleine Auswüchse: An den Fäden sitzen oft winzige halbkugelige oder stiftförmige Höcker.
Ein netter Name am Rande: Das „Spanische Moos“, das in Filmen aus den amerikanischen Südstaaten von den Eichen hängt, sieht der Bartflechte so ähnlich, dass es nach ihr benannt wurde. Sein botanischer Name Tillandsia usneoides heißt „usnea-ähnlich“. Dabei ist es weder Moos noch Flechte, sondern eine Bromelie, also eine echte Blütenpflanze.
Naturschutz: Alle heimischen Bartflechten sind nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Bitte sammeln Sie sie nicht im Wald. Für den Zugtest genügt ein Faden, der bereits am Boden liegt.
Isländisch Moos, Irländisches Moos und Bärlapp: keine Moose
In der Kräuterkiste stehen gleich mehrere „Moose“, die gar keine sind. Die Namen stammen aus einer Zeit, in der man Moose, Flechten und Algen noch nicht genau unterschied.
Isländisch Moos (Cetraria islandica) ist wie die Bartflechte eine Flechte. Sie wächst als niedrige, krause Polster in Heiden, Tundren und Gebirgen des Nordens. In der Volksbotanik wurden Bartflechten und Isländisch Moos oft gar nicht auseinandergehalten. Isländisch Moos schmeckt kräftig herb und deutlich bitter und wird für Kräutertee verwendet. Auch die heimischen Arten dieser Gattung sind in Deutschland geschützt.

Isländisch Moos ist wie die Bartflechte eine Flechte und kein Moos.
Irländisches Moos (Chondrus crispus), auch Knorpeltang oder Carrageen genannt, ist eine Rotalge von den felsigen Küsten der Britischen Inseln. Aus ihr stammt das pflanzliche Geliermittel Carrageen. In Irland wird die Alge als Gemüse gegessen und für einen traditionellen Pudding gekocht.

Irländisches Moos ist eine Rotalge von der Atlantikküste.
Bärlapp (Lycopodium) schließlich ist eine uralte Sporenpflanze, deren Verwandte schon vor Hunderten von Millionen Jahren die Erde besiedelten. Im Volksglauben galt er als Schutzpflanze. Man band ihn zu Kränzen und hängte sie über Betten oder an die Wand. Seine feinen Sporen kennt man als „Hexenmehl“: Sie verpuffen in der Flamme mit einem hellen Blitz und wurden früher im Theater für Blitzeffekte verwendet. Alle heimischen Bärlappe stehen unter Naturschutz.

Bärlapp: eine Sporenpflanze mit langer Geschichte im Volksglauben.
Bartflechte kaufen und verwenden
Weil Bartflechten bei uns geschützt sind, kaufen Sie getrocknete Bartflechte im Fachhandel, statt sie selbst zu sammeln. Getrocknet ist sie hellgrau bis grünlich, fein verzweigt und federleicht.
Bei uns im Kräuterhof verwenden wir Bartflechte vor allem zum Räuchern. Auf dem Stövchen verglimmt sie mild und gibt einen feinen, waldigen, leicht erdigen Duft ab. Für eine Waldräucherung mischen wir sie gern mit ein paar Krümeln Fichtenharz und einigen Nadeln. Das duftet nach einem Spaziergang durch den Bergwald nach dem Regen. Mehr über das heimische Harz lesen Sie in unserem Ratgeber Fichtenharz und Kiefernharz, und wie das Räuchern auf dem Stövchen gelingt, erklärt Räuchern ohne Kohle.
- Stövchen vorbereiten: Ein Räuchersieb auf das Stövchen legen und das Teelicht anzünden.
- Auflegen: Eine kleine Prise Bartflechte auf das Sieb geben, bei Wunsch ein paar Krümel Fichtenharz dazu.
- Genießen: Die Flechte verglimmt langsam. Legen Sie lieber öfter wenig nach als einmal viel.
- Abschließen: Das Teelicht ausblasen, die Reste abkühlen lassen und den Raum lüften.
Sicherheit beim Räuchern: Stövchen und Kohle nur auf einer feuerfesten Unterlage verwenden und nie unbeaufsichtigt lassen. Kinder und Haustiere fernhalten, nach dem Räuchern gut lüften und den Rauchmelder nicht abdecken.
Sabines Tipp
„Wenn ich im Herbst im Wald unterwegs bin, schaue ich gern nach oben. Wo die Bäume lange Bärte tragen, weiß ich: Hier ist die Luft gut. Mitnehmen tue ich nichts, aber zu Hause lege ich ein wenig Bartflechte mit Fichtenharz aufs Stövchen. Dann ist der Wald für einen Abend mit im Wohnzimmer.“
Lagern Sie getrocknete Bartflechte in einer Dose oder einem Glas, trocken und dunkel. So bleibt der Duft lange erhalten. Welche Kräuter sich sonst noch zum Räuchern eignen, finden Sie in unserem Ratgeber Kräuter zum Räuchern.
Was Sie dafür brauchen
BartflechteGetrocknete Bartflechte zum RäuchernAnsehen
Fichtenharz, BurgunderharzDer bayrische Weihrauch für die WaldräucherungAnsehen
Räucherstövchen B mit HolzgriffSanft räuchern ohne KohleAnsehen
Räuchersieb 8,5 cmSieb für das StövchenAnsehen
Isländisch MoosHerb-bittere Flechte für KräuterteeAnsehen
Irländisches Moos CarrageenRotalge für Tee und KücheAnsehen
Bärlapp geschnittenSporenpflanze für KräuterkissenAnsehenHäufige Fragen zur Bartflechte
Ist Bartflechte eine Pflanze?
Nicht im eigentlichen Sinn. Bartflechte ist eine Flechte, also eine Lebensgemeinschaft aus einem Pilz und einer Alge. Früher zählte man Flechten zu den Pflanzen, heute zu den Pilzen.
Schadet Bartflechte dem Baum?
Nein. Bartflechten sind keine Schmarotzer. Sie nutzen den Baum nur als Unterlage und nehmen Wasser und alles Nötige aus Luft und Regen auf.
Warum zeigt Bartflechte saubere Luft an?
Flechten nehmen Wasser und Stoffe direkt aus der Luft auf und reagieren deshalb empfindlich auf Luftverschmutzung. Lange, üppige Bartflechten wachsen nur dort, wo die Luft sauber ist.
Darf man Bartflechte sammeln?
Nein. Alle heimischen Bartflechten sind in Deutschland besonders geschützt. Getrocknete Bartflechte bekommen Sie im Fachhandel, zum Beispiel bei uns im Shop.
Was ist der Unterschied zwischen Bartflechte und Isländisch Moos?
Beide sind Flechten, aber verschiedene Gattungen. Bartflechten hängen als fädige Bärte von Bäumen, Isländisch Moos wächst als niedrige, krause Polster am Boden von Heiden und Gebirgen.
Was ist Usnea barbata?
Usnea barbata ist eine Art aus der Gattung der Bartflechten. Der Beiname barbata bedeutet „bärtig“ und beschreibt die herabhängenden, bartartigen Fäden.
Quellen: Wikipedia: Usnea (Bartflechten) · Wikipedia: Flechte · Bundesartenschutzverordnung, Anlage 1