Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
Ausgewählte Lieferanten & kleine Ernten
Handverlesene Premium-Qualität
Schneller Versand mit DHL

22.06.20

Zinnkraut geschn./Ackerschachtelhalm, 20 g – Kräuterparadies seit 1887

Zinnkraut (Ackerschachtelhalm): Botanik, Geschichte, Verwendung

Das Wichtigste in Kürze

Zinnkraut ist ein alter Volksname für den Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense). Er gehört zu den Schachtelhalmen, deren Vorfahren schon vor rund 300 Millionen Jahren im Karbon als baumhohe Wälder wuchsen. Seinen Namen verdankt er den harten, kieselhaltigen Stängeln, mit denen man früher Zinngeschirr blank scheuerte. Wer selbst sammelt, muss ihn sicher vom giftigen Sumpfschachtelhalm unterscheiden können.

Lesezeit: etwa 7 Minuten

Was ist Zinnkraut?

Wer im Frühsommer an einem Acker, einem Bahndamm oder einem Graben entlanggeht, sieht ihn oft schon von Weitem: kleine, hellgrüne Tannenbäumchen, die dicht an dicht aus dem Boden ragen. Das ist der Ackerschachtelhalm, den man bei uns in Bayern und in vielen anderen Gegenden Zinnkraut nennt. Andere Volksnamen sind Katzenschwanz, Pferdeschwanz und Scheuerkraut.

Botanisch heißt er Equisetum arvense. Der Gattungsname setzt sich aus den lateinischen Wörtern equus (Pferd) und saeta (Borste) zusammen. Gemeint ist der buschige Wuchs, der an einen Pferdeschweif erinnert. Der Beiname arvense bedeutet „auf dem Acker wachsend“.

Streng genommen ist Zinnkraut gar kein Kraut im üblichen Sinn. Der Schachtelhalm bildet nie Blüten und keine Samen. Er vermehrt sich wie die Farne über winzige Sporen und über seine weit verzweigten unterirdischen Ausläufer.

Fein gemahlenes Zinnkraut Pulver aus Ackerschachtelhalm in einer Schale

Fein gemahlen: Zinnkraut als Pulver.

Wie alt ist der Schachtelhalm?

Schachtelhalme gehören zu den ältesten Landpflanzen, die es heute noch gibt. Im Erdzeitalter des Karbon, vor rund 300 bis 360 Millionen Jahren, wuchsen ihre Verwandten als bis zu 20 Meter hohe Bäume. Zusammen mit Baumfarnen und Bärlappen bildeten sie riesige Sumpfwälder. Aus ihren Resten entstand im Lauf der Jahrmillionen ein Teil der Steinkohle.

Abdrücke dieser gegliederten Stämme findet man bis heute als Fossilien. Von der einst großen Pflanzengruppe ist nur eine kleine Gattung mit gut einem Dutzend Arten übrig geblieben. In Mitteleuropa wachsen neben dem Ackerschachtelhalm zum Beispiel der Sumpfschachtelhalm, der Waldschachtelhalm, der Winterschachtelhalm und der Riesenschachtelhalm. Wenn Sie also ein Büschel Zinnkraut in der Hand halten, halten Sie ein kleines Stück Erdgeschichte.

Wie erkennt man Ackerschachtelhalm?

Der Ackerschachtelhalm bildet im Jahr zwei ganz verschiedene Triebe. Im März und April erscheinen zuerst bräunlich-fleischfarbene, unverzweigte Stängel mit einer kleinen Ähre an der Spitze. Das sind die Sporentriebe. Sie streuen ihre Sporen aus und welken nach wenigen Wochen.

Erst danach schieben sich die grünen Sommertriebe aus dem Boden, die man als Zinnkraut kennt. Sie werden etwa 10 bis 50 Zentimeter hoch. Die dünnen Seitenäste stehen in Quirlen rund um den Stängel, Etage für Etage, wie bei einem kleinen Tannenbaum.

Den Namen Schachtelhalm erklärt ein altes Kinderspiel: Zieht man einen Stängel an einem Knoten auseinander, lassen sich die Glieder wieder ineinanderstecken wie kleine Schachteln. An jedem Knoten sitzt eine gezähnte Scheide. Die eigentlichen Blätter sind zu diesen winzigen Zähnchen geworden, die grüne Arbeit übernehmen Stängel und Äste.

Unter der Erde verbirgt sich der eigentliche Überlebenskünstler: Die Ausläufer reichen weit über einen Meter in die Tiefe. Deshalb kennen viele Gärtnerinnen und Gärtner den Ackerschachtelhalm vor allem als hartnäckiges Unkraut auf feuchten, verdichteten Lehmböden.

Getrocknete Brennnesselblätter, die gern zusammen mit Zinnkraut gemischt werden

Ein guter Partner in Kräutermischungen: fränkische Brennnesselblätter.

Woher kommt der Name Zinnkraut?

Die Stängel des Ackerschachtelhalms lagern viel Kieselsäure ein. Das macht sie hart und rau, Sie spüren es, wenn Sie mit dem Finger darüberstreichen. Früher, als Teller, Krüge und Becher in vielen Haushalten aus Zinn waren, nutzte man genau diese raue Oberfläche. Ein Büschel Schachtelhalm, etwas Wasser, ein wenig Geduld, und das Zinn glänzte wieder.

So kam die Pflanze zu ihren Namen Zinnkraut und Scheuerkraut. Auch Töpfe und Holzgeschirr wurden damit gescheuert. Der verwandte Winterschachtelhalm mit seinen besonders harten Stängeln diente Tischlern und Drechslern lange als feines Schleifmittel. Mit der Stahlwolle und dem Schmirgelpapier geriet dieses Wissen in Vergessenheit.

Zinnkraut sammeln: Verwechslung mit Sumpfschachtelhalm

Gesammelt werden die grünen Sommertriebe, vor allem im Mai und Juni, solange sie frisch und kräftig grün sind. Dabei ist Sorgfalt gefragt. Der Sumpfschachtelhalm (Equisetum palustre) sieht dem Ackerschachtelhalm zum Verwechseln ähnlich und ist giftig. Vor allem für Weidetiere ist er gefürchtet, Bauern nennen ihn auch Duwock. Achten Sie deshalb auf diese Merkmale:

  1. Seitenäste prüfen: Beim Ackerschachtelhalm ist das unterste Glied jedes Seitenasts länger als die Scheide am Hauptstängel, aus der der Ast entspringt. Beim Sumpfschachtelhalm ist es kürzer.
  2. Sporenähren beachten: Beim Ackerschachtelhalm sitzen die Ähren nur auf den bräunlichen Frühjahrstrieben. Der Sumpfschachtelhalm trägt seine Ähren oft auf grünen, verzweigten Trieben im Sommer.
  3. Standort ansehen: Der Sumpfschachtelhalm liebt nasse Stellen wie Gräben, Ufer und Sumpfwiesen. Der Ackerschachtelhalm wächst auf Äckern, an Wegrändern und Bahndämmen. Beide können aber nebeneinander vorkommen.
  4. Richtig trocknen: Breiten Sie die Triebe locker an einem luftigen, schattigen Ort aus und wenden Sie sie gelegentlich. Gut getrocknet bleiben sie grün und rascheln.

Sorgfalt beim Sammeln: Nehmen Sie nur Pflanzen mit, die Sie sicher bestimmen können, und lassen Sie im Zweifel alles stehen. Sammeln Sie nicht neben viel befahrenen Straßen oder gespritzten Feldern und nie in Naturschutzgebieten. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, greift zu kontrollierter Handelsware.

Wie verwendet man Zinnkraut heute?

Im Garten: Viele Gärtner setzen aus Schachtelhalm seit Generationen eine Brühe an. Traditionell weicht man dafür etwa 150 Gramm getrocknetes Kraut in zehn Litern Wasser einen Tag lang ein, lässt alles eine halbe Stunde köcheln und seiht es ab. Die Brühe wird verdünnt im Gemüsebeet und an Rosen ausgebracht. Das ist ein überlieferter Gartenbrauch, den jeder für sich ausprobieren mag.

Als Tee: Zinnkraut ist seit Langem Bestandteil vieler Kräutertees. Der Aufguss schmeckt mild, grasig und ein wenig erdig, fast wie frisch gemähte Wiese. Traditionell wird das Kraut nicht nur überbrüht, sondern einige Minuten gekocht und dann noch ziehen gelassen. Weil Zinnkraut selbst wenig Aroma mitbringt, mischen es viele mit Brennnessel, Minze oder Melisse. Wie das gelingt, lesen Sie in unserem Ratgeber Kräutertee selber mischen.

Als Pulver: Fein gemahlenes Zinnkraut lässt sich leicht in eigene Kräutermischungen einrühren. Außerdem gibt es den gepressten Saft der frischen Pflanze. Mehr über die Vielfalt der Kräuter im Becher finden Sie in unserem Ratgeber zu Kräutertee. Und wer gern an Weg- und Ackerrändern unterwegs ist, findet dort oft auch die Vogelmiere.

Flasche Zinnkraut Pflanzensaft, gepresst aus frischem Ackerschachtelhalm

Aus der frischen Pflanze gepresst: Zinnkraut Pflanzensaft.

Sabines Tipp

„Wenn ich selbst Zinnkraut sammle, mache ich vorher bei jedem Büschel den Seitenast-Test. Das dauert ein paar Sekunden und gibt Sicherheit. Und noch etwas: Probieren Sie ruhig einmal aus, einen angelaufenen Zinnbecher mit einem feuchten Büschel Schachtelhalm abzureiben. Dann verstehen Sie den Namen sofort.“

Was Sie dafür brauchen

Alle Einzelkräuter ansehen

Häufige Fragen zu Zinnkraut

Ist Zinnkraut dasselbe wie Ackerschachtelhalm?

Ja. Zinnkraut ist der volkstümliche Name für den Ackerschachtelhalm, Equisetum arvense. Der Name erinnert daran, dass man mit den rauen Stängeln früher Zinngeschirr scheuerte.

Ist Schachtelhalm giftig?

Giftig ist der Sumpfschachtelhalm, der dem Ackerschachtelhalm sehr ähnlich sieht. Deshalb ist die sichere Bestimmung beim Sammeln so wichtig. Achten Sie auf das unterste Glied der Seitenäste: Beim Ackerschachtelhalm ist es länger als die Scheide am Stängel.

Wann erntet man Zinnkraut?

Gesammelt werden die grünen Sommertriebe von Mai bis Juli. Die bräunlichen Sporentriebe im zeitigen Frühjahr werden nicht geerntet. Getrocknet wird luftig im Schatten.

Wie bereitet man Zinnkraut-Tee zu?

Übergießen Sie das geschnittene Kraut mit kaltem Wasser, bringen Sie es zum Kochen und lassen Sie es einige Minuten köcheln. Danach noch etwas ziehen lassen und abseihen. Der Geschmack ist mild und grasig, gut passt er in Mischungen mit aromatischen Kräutern.

Was ist der Unterschied zwischen Zinnkraut geschnitten und Pulver?

Geschnittenes Zinnkraut ist für Aufgüsse und Mischungen gedacht. Das Pulver ist fein vermahlen und lässt sich gut einrühren oder in eigene Kräutermischungen geben.

Wie wird man Schachtelhalm im Garten los?

Das ist schwierig, weil die Ausläufer sehr tief reichen. Regelmäßiges Ausreißen schwächt die Pflanze mit der Zeit. Da Schachtelhalm verdichtete, nasse Böden liebt, lohnt es sich auf Dauer, den Boden zu lockern und mit Kompost zu verbessern.

Quellen: Wikipedia: Acker-Schachtelhalm · Wikipedia: Sumpf-Schachtelhalm