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01.09.17

Professorentee von Kräuterparadies, Produktfoto

Kräuterpfarrer Künzle: Leben, Kräuterbuch und seine Teemischungen

Das Wichtigste in Kürze

Johann Künzle (1857 bis 1945) war ein katholischer Pfarrer aus der Ostschweiz und gilt neben Sebastian Kneipp als der bekannteste Kräuterpfarrer. Sein Büchlein „Chrut und Uchrut“ (Kraut und Unkraut) erschien 1911 und wurde rund zwei Millionen Mal verkauft. Von ihm stammt auch der Name Professorentee, den er Menschen widmete, die beruflich viel sprechen.

Lesezeit: etwa 5 Minuten

Wer war Kräuterpfarrer Künzle?

Johann Künzle wurde am 3. September 1857 in Hinterespen in der Ostschweiz geboren. Sein Vater war Gärtner und brachte dem Jungen früh die Namen der Pflanzen bei, auch die lateinischen. Diese Liebe zu den Kräutern begleitete ihn ein Leben lang.

Ab 1877 studierte Künzle Theologie und Philosophie im belgischen Löwen, 1881 wurde er zum Priester geweiht. Danach wirkte er in mehreren Gemeinden der Ostschweiz, unter anderem von 1896 bis 1907 als Pfarrer in Buchs im Rheintal und anschließend in Herisau im Appenzellerland.

Bekannt wurde er als Kräuterpfarrer Künzle. Neben Sebastian Kneipp gilt er als der berühmteste Kräuterpfarrer im deutschsprachigen Raum. Sein Name steht bis heute für volkstümliches Kräuterwissen aus den Alpen.

Von Wangs nach Zizers

1909 kam Künzle als Pfarrer nach Wangs bei Sargans. Dort förderte er den Tourismus im Dorf und gründete 1913 einen Kräutermarkt. Die Kräuter aus den Bergen rund um Wangs schätzte er besonders.

Seine Kräuterberatung war nicht unumstritten. Kritiker aus Kirche und Fachwelt sahen seine Arbeit skeptisch. 1920 versetzte ihn sein Bischof nach Zizers in Graubünden. Dort lebte und arbeitete Künzle bis zu seinem Tod als Unternehmer und Verfasser von Kräuterschriften. 1922, mit 65 Jahren, legte er in Graubünden eine Prüfung ab und bestand sie.

Johann Künzle starb am 9. Januar 1945 in Zizers. Schon 1939 war die Firma Kräuterpfarrer Künzle AG gegründet worden, die seine Teemischungen weiterführte. Teemischungen unter seinem Namen sind in der Schweiz bis heute erhältlich. In Wangs erinnert ein Rundweg mit Kräutertafeln an ihn.

Lose Hausmischung 7 Kräutertee in der Tradition von Kräuterpfarrer Künzle

Sieben Kräuter, lose gemischt: Unser 7 Kräutertee erinnert an die alten Hausmischungen.

Chrut und Uchrut: das berühmte Büchlein

1911 erschien Künzles bekanntestes Werk: „Chrut und Uchrut“. Der schweizerdeutsche Titel bedeutet „Kraut und Unkraut“. Künzle wollte damit zeigen, dass in vielen Pflanzen am Wegrand, die man als Unkraut abtat, wertvolles Wissen steckt.

Das Büchlein war klein, günstig und in einfacher, oft humorvoller Sprache geschrieben. Es richtete sich an Bauernfamilien und an alle, die die Pflanzen vor ihrer Haustür kennenlernen wollten. Der Erfolg war gewaltig: Rund zwei Millionen Exemplare wurden verkauft, und das Werk wurde in mehrere Sprachen übersetzt.

Weitere Schriften folgten, etwa „Der junge Botanist“ 1914, ein Volkskalender und die Monatszeitschrift „Salvia“. Künzles Ratschläge spiegeln das Wissen seiner Zeit. Wir erzählen hier seine Lebensgeschichte und geben seine damaligen Anwendungen bewusst nicht weiter.

Professorentee: Woher kommt der Name?

Unter den Teemischungen, die auf Künzle zurückgehen, hat der Professorentee den originellsten Namen. Künzle selbst erklärte ihn so: Der Tee sei für Leute gedacht, die wie Professoren, Kommandanten, Prediger, Lehrer, Gepäckträger an Bahnhöfen oder Ausrufer viel und laut sprechen müssen. Er beschrieb ihn als „sehr angenehmen und wohlschmeckenden Tee“, der sich als Familientee für jedermann eigne.

In seiner Beschreibung zählte Künzle Alpenkräuter mit klangvollen Mundartnamen auf: das „wohlriechende Schlüsselblümli“, das „Silbermänteli“ oder das St.-Benedikts-Kraut, das er „Nagelchrut“ nannte. Dazu kamen Pfefferminze und Quecke.

Unser Professorentee erinnert an diese Tradition. Er verbindet Nelkenwurzkraut, Kapuzinerkresse, Quecke, Spitzwegerich, Anserine, Hohlzahn, Silbermantel, Schlüsselblumenblüten und Pfefferminze. Kapuzinerkresse und Hohlzahn bringen eine kräftige, würzige Note, Spitzwegerich und Quecke machen ihn weicher und erdiger. Schlüsselblumenblüten setzen einen feinen floralen Akzent, die Pfefferminze sorgt für einen frischen Abschluss.

Pfefferminze fränkisches Blattkrüll, Zutat im Professorentee nach Künzle

Pfefferminze gehört schon in Künzles Beschreibung zum Professorentee.

Künzle und unsere Hausmischungen

Als unser Kräuterhof 1887 gegründet wurde, war Johann Künzle gerade 30 Jahre alt. Beide gehören in dieselbe Zeit, in der viele Familien ihre eigenen Hausmischungen hatten. Die Rezepte wurden von Generation zu Generation weitergegeben und je nach Garten und Wiese abgewandelt.

Diese Tradition pflegen wir bis heute. Unser 7 Kräutertee mit Birkenblättern, Schafgarbe, Wegwarte, Walnussblättern, Johanniskraut, Ringelblume und Brennnessel schmeckt würzig und herb, ganz wie die alten Hausmischungen. Der Haustee Helvetia trägt den lateinischen Namen der Schweiz und verbindet Beerenblätter, Hagebutte, Apfel und eine bunte Blütenwiese. Mehr über unsere Hausmischungen lesen Sie im Ratgeber Haustee.

Wer nach Künzles Vorbild selbst Kräuter kombinieren möchte, findet die Grundlagen im Beitrag Kräutertee selber mischen.

Haustee Helvetia mit Beerenblättern und Blüten, Kräutertee aus der Schweizer Tradition

Haustee Helvetia: Beerenblätter, Hagebutte und eine kleine Blütenwiese.

So bereiten Sie eine Kräutermischung zu

  1. Füllen: Einen Esslöffel der Mischung in ein Tee-Ei oder Teenetz geben.
  2. Aufgießen: Mit 250 ml sprudelnd kochendem Wasser übergießen.
  3. Ziehen lassen: Zugedeckt 8 bis 10 Minuten ziehen lassen und herausnehmen. Die genaue Angabe finden Sie bei jedem Produkt.

Sabines Tipp

Wer Künzles Ton kennenlernen möchte, kann „Chrut und Uchrut“ heute als Nachdruck kaufen oder im Projekt Gutenberg nachlesen. Ich lese darin vor allem wegen der Sprache. Namen wie Schlüsselblümli oder Silbermänteli klingen nach Bergwiese, und man bekommt Lust, beim nächsten Spaziergang genauer hinzuschauen.

Tee-Ei Kräuterkorb für lose Kräutermischungen wie den Professorentee

Im Tee-Ei Kräuterkorb haben lose Kräuter genug Platz.

Was Sie dafür brauchen

Alle Haustees ansehen

Häufige Fragen zu Kräuterpfarrer Künzle

Wer war Kräuterpfarrer Künzle?

Johann Künzle (1857 bis 1945) war ein katholischer Pfarrer aus der Ostschweiz. Mit seinem Büchlein „Chrut und Uchrut“ machte er Kräuterwissen einem breiten Publikum bekannt und gilt neben Sebastian Kneipp als bekanntester Kräuterpfarrer.

Was bedeutet „Chrut und Uchrut“?

Der schweizerdeutsche Titel heißt übersetzt „Kraut und Unkraut“. Künzle wollte zeigen, dass auch in vermeintlichem Unkraut am Wegrand viel Wissenswertes steckt.

Wo lebte Johann Künzle?

Er war Pfarrer unter anderem in Buchs, Herisau und Wangs bei Sargans. Ab 1920 lebte er in Zizers in Graubünden, wo er 1945 starb.

Warum heißt der Professorentee so?

Künzle benannte ihn nach Menschen, die beruflich viel und laut sprechen, etwa Professoren, Prediger, Lehrer oder Ausrufer. Er beschrieb ihn als angenehm und wohlschmeckend.

Was ist im Professorentee enthalten?

Unser Professorentee enthält Nelkenwurzkraut, Kapuzinerkresse, Quecke, Spitzwegerich, Anserine, Hohlzahn, Silbermantel, Schlüsselblumenblüten und Pfefferminze. Er schmeckt kräftig, würzig und leicht erdig mit frischem Abschluss.

Gibt es „Chrut und Uchrut“ noch zu kaufen?

Ja, das Büchlein wird bis heute neu aufgelegt, unter anderem in einer erweiterten Ausgabe. Den historischen Text finden Sie außerdem online im Projekt Gutenberg.

Quellen: Wikipedia: Johann Künzle · SRF: Johann Künzle · Projekt Gutenberg: Chrut und Uchrut · Graubünden: Pfarrer-Künzle-Weg Wangs