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30.10.26

Lungenkraut, 20 g – Kräuterparadies seit 1887

Lungenkraut: Die Frühlingsblume, die ihre Farbe wechselt

Das Wichtigste in Kürze

Das Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) ist eine heimische Frühlingsstaude aus der Familie der Raublattgewächse, die von März bis Mai in Laubwäldern und Gärten blüht. Typisch sind die weiß gefleckten, rauen Blätter und die Blüten, die sich nach drei bis vier Tagen von Rosarot nach Blauviolett umfärben, weil sich der pH-Wert in den Blütenblättern ändert. Seinen Namen hat es aus der mittelalterlichen Signaturenlehre: Die gefleckten Blätter erinnerten die Menschen an eine Lunge.

Lesezeit: etwa 6 Minuten

Was ist Lungenkraut?

Wenn im März die ersten warmen Sonnenstrahlen durch die noch kahlen Buchen fallen, leuchtet am Waldboden ein kleines Naturschauspiel auf: rosa und blaue Blüten an ein und derselben Pflanze. Das ist das Lungenkraut, einer der ersten Frühlingsblüher in unseren Laubwäldern.

Botanisch heißt es Pulmonaria officinalis, auf Deutsch auch Geflecktes oder Echtes Lungenkraut. Es gehört zu den Raublattgewächsen, wie der Borretsch und das Vergissmeinnicht. Der Name dieser Familie passt: Stängel und Blätter sind borstig behaart und fühlen sich rau an.

Lungenkraut ist eine ausdauernde Staude und wird 10 bis 30 Zentimeter hoch. Die Grundblätter sind leicht herzförmig, gelbgrün und mit rundlichen, oft scharf umrissenen weißen Flecken übersät. Sie bleiben auch im Winter grün. Die trichterförmigen Blüten sitzen in kleinen Büscheln am Ende der Stängel und erscheinen von März bis Mai.

Zu Hause ist das Lungenkraut in weiten Teilen Europas, in krautreichen Laub- und Buchenmischwäldern und an deren Rändern, vom Flachland bis ins Gebirge. In Deutschland ist es vor allem südlich der Donau verbreitet, also auch bei uns in Niederbayern.

Getrocknete Schlüsselblumenblüten, Frühlingsblüher wie das Lungenkraut

Die Schlüsselblume blüht zur selben Zeit wie das Lungenkraut.

Warum wechselt Lungenkraut die Farbe?

Das Farbenspiel ist das Markenzeichen des Lungenkrauts. Frisch geöffnete Blüten sind rosarot. Nach drei bis vier Tagen färben sie sich über Violett nach Blau um. Da an einem Blütenstand ständig neue Blüten aufgehen, sehen Sie immer beide Farben gleichzeitig.

Dahinter steckt ein kleines chemisches Kunststück. Die Farbe der Blüten stammt von Pflanzenfarbstoffen, den Anthocyanen. Diese verändern ihre Farbe je nach Säuregrad, ähnlich wie Blaukraut, das mit Essig rot und mit Natron blau wird. In den jungen Blüten ist der Zellsaft saurer, die Blüte erscheint rosa. Mit der Zeit ändert sich der pH-Wert in den Blütenblättern, und das Rosa wandert zu Blau.

Für die Insekten ist das ein praktisches Signal. Die jungen, roten Blüten enthalten mehr Nektar als die älteren, blauen. Besonders die Frühlings-Pelzbiene, eine Wildbiene mit langem Rüssel, fliegt bevorzugt die roten Blüten an. Der Nektar sitzt am Grund einer etwa einen Zentimeter langen Kronröhre und ist deshalb nur für langrüsselige Bienen, Hummeln und Schmetterlinge erreichbar. So wird das Lungenkraut im zeitigen Frühjahr zu einer wichtigen Tankstelle für die ersten Hummelköniginnen.

Woher hat das Lungenkraut seinen Namen?

Der Name führt uns weit zurück in die Geschichte der Pflanzenkunde. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war die sogenannte Signaturenlehre verbreitet. Nach dieser Denkweise hatte die Natur jede Pflanze mit äußeren Zeichen versehen, an denen der Mensch ihre Bestimmung ablesen sollte. Die weiß gefleckten Blätter erinnerten die Menschen damals an das Bild einer Lunge. Daher der Name, auf Lateinisch Pulmonaria, von pulmo für Lunge.

Heute betrachten wir die Signaturenlehre als ein Stück Kulturgeschichte. Sie zeigt, wie unsere Vorfahren versuchten, Ordnung in die Vielfalt der Pflanzenwelt zu bringen. Mit der heutigen Botanik hat sie nichts mehr zu tun.

Viel fantasievoller sind die Volksnamen. Weil an einer Pflanze rote und blaue Blüten sitzen, heißt das Lungenkraut im Volksmund „Hänsel und Gretel“, „Brüderchen und Schwesterchen“ oder „Ungleiche Schwestern“. Andere Namen sind Fleckenkraut, Lungenwurz, Hirschkohl, Blaue Schlüsselblume, Schlotterhose oder „Unser lieben Frauen Milchkraut“. Dieser Name soll auf eine Legende zurückgehen, nach der die weißen Flecken von Milchtropfen der Gottesmutter stammen.

Getrocknete Veilchenblätter, wie das Lungenkraut ein Frühlingskraut aus Wald und Garten

Das Duftveilchen blüht wie das Lungenkraut im zeitigen Frühjahr.

Lungenkraut-Arten erkennen

In Mitteleuropa gibt es mehrere Lungenkraut-Arten, die sich auf den ersten Blick ähneln. Achten Sie vor allem auf die Blätter:

  1. Geflecktes oder Echtes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis): herzförmige Grundblätter mit deutlichen, scharf begrenzten weißen Flecken. Die häufigste Art und die, die im Kräuterhandel als Lungenkraut verkauft wird.
  2. Dunkles Lungenkraut (Pulmonaria obscura): sieht sehr ähnlich aus, hat aber meist ungefleckte, dunkelgrüne Blätter.
  3. Weiches Lungenkraut (Pulmonaria mollis): große, samtig-weich behaarte Blätter ohne Flecken.
  4. Schmalblättriges Lungenkraut (Pulmonaria angustifolia): schmale, lanzettliche Blätter und tiefblaue Blüten.

Naturschutz: Mehrere Lungenkraut-Arten, darunter das Weiche, das Schmalblättrige und das Berg-Lungenkraut, sind in Deutschland besonders geschützt. Lassen Sie wild wachsende Lungenkräuter deshalb stehen und freuen Sie sich am Anblick. Für den Garten gibt es Pflanzen aus der Gärtnerei, getrocknetes Lungenkraut bekommen Sie im Fachhandel.

Lungenkraut im Garten

Im Garten ist Lungenkraut ein dankbarer Frühlingsgast für schattige Ecken, in denen sonst wenig blüht. Es mag Halbschatten bis Schatten, etwa unter Sträuchern, Obstbäumen oder an der Nordseite des Hauses. Der Boden darf humusreich, lehmig und frisch sein, staunasse oder sehr trockene Stellen mag es nicht.

Einmal eingewachsen, macht es kaum Arbeit. Nach der Blüte bildet es große, gefleckte Sommerblätter, die den Boden wie ein Teppich bedecken und Unkraut kaum eine Chance lassen. Alle paar Jahre können Sie größere Horste im Herbst oder direkt nach der Blüte teilen und an neuer Stelle einsetzen.

Lungenkraut sorgt auch selbst für Nachwuchs. Seine Samen tragen ein kleines, nahrhaftes Anhängsel, das Ameisen lieben. Sie schleppen die Samen fort und verbreiten die Pflanze so ganz nebenbei im Garten. Wer Hummeln und Wildbienen im zeitigen Frühjahr etwas Gutes tun will, setzt Lungenkraut zusammen mit Schlüsselblumen, Duftveilchen und Buschwindröschen.

Sabines Tipp

„Unter unserem alten Apfelbaum wächst seit Jahren ein Teppich aus Lungenkraut. Wenn ich im März morgens mit dem Kaffee hinausgehe, brummt es dort schon, während der Rest des Gartens noch schläft. Mein Rat: Pflanzen Sie es dorthin, wo Sie im Frühjahr oft vorbeikommen, damit Sie das Farbenspiel nicht verpassen.“

Lungenkraut getrocknet: Geschmack und Tee

Unser getrocknetes Lungenkraut stammt aus Serbien. Im Aufguss schmeckt es mild, krautig und zurückhaltend. Deshalb trinken es viele nicht nur pur, sondern als ruhige Grundlage in eigenen Kräutermischungen.

Für mehr Würze passt Thymian, für einen frischen, grünen Ton Spitzwegerich, dessen junge Blätter frisch gepflückt sogar ein wenig an Champignons erinnern. Getrocknete Schlüsselblumenblüten bringen Farbe in die Tasse, Veilchenblätter eine weiche Note. So entsteht ein kleiner Frühlingsstrauß zum Aufgießen.

  1. Mischen: Stellen Sie Ihre Kräuter nach Geschmack zusammen, das Lungenkraut als Grundlage, Thymian sparsam, denn er ist kräftig.
  2. Aufgießen: Mit heißem Wasser übergießen und abdecken.
  3. Ziehen lassen: Fünf bis zehn Minuten ziehen lassen, dann abseihen. Ein Löffel Honig rundet den Geschmack ab.

Wie Sie aus einzelnen Kräutern eine stimmige Mischung bauen, erklären wir in Kräutertee selber mischen. Allgemeine Tipps zum Aufbrühen finden Sie im Ratgeber Tee richtig zubereiten. Und wer heimische Kräuter liebt, sollte auch die Vogelmiere kennen, die schon im Vorfrühling im Garten grünt.

Getrocknetes Spitzwegerichkraut, passend zu Lungenkraut in einer Frühlingskräutermischung

Spitzwegerich bringt einen frischen, grünen Ton in die Mischung.

Getrocknetes Lungenkraut bewahren Sie am besten in einer gut schließenden Dose oder einem dunklen Glas auf, kühl und trocken. So behält es Farbe und Aroma über viele Monate.

Was Sie dafür brauchen

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Häufige Fragen zum Lungenkraut

Warum hat Lungenkraut rosa und blaue Blüten?

Die Blüten öffnen sich rosarot und färben sich nach drei bis vier Tagen blau. Grund ist eine Veränderung des pH-Werts in den Blütenblättern, der die Farbstoffe umfärbt. Da ständig neue Blüten aufgehen, sind beide Farben gleichzeitig zu sehen.

Wann blüht Lungenkraut?

Von März bis Mai. Damit gehört es zu den ersten Frühlingsblühern im Laubwald und im Garten und ist eine frühe Nahrungsquelle für Hummeln und Wildbienen.

Wo pflanzt man Lungenkraut am besten?

An einen halbschattigen bis schattigen Platz mit humusreichem, frischem Boden, etwa unter Sträuchern oder Bäumen. Pralle Sonne und sehr trockene Stellen mag es nicht.

Warum heißt Lungenkraut so?

Der Name stammt aus der mittelalterlichen Signaturenlehre. Die weiß gefleckten Blätter erinnerten die Menschen an eine Lunge. Heute gilt diese Denkweise als Teil der Kulturgeschichte.

Steht Lungenkraut unter Naturschutz?

Das Gefleckte Lungenkraut nicht, mehrere andere Lungenkraut-Arten aber schon, etwa das Weiche und das Schmalblättrige Lungenkraut. Lassen Sie wilde Pflanzen am besten stehen und kaufen Sie Gartenpflanzen in der Gärtnerei.

Wie schmeckt Lungenkraut-Tee?

Mild, krautig und zurückhaltend. Pur oder als Grundlage für Kräutermischungen, zum Beispiel mit Thymian, Spitzwegerich oder Schlüsselblumenblüten.

Quellen: Wikipedia: Geflecktes Lungenkraut · Bundesartenschutzverordnung, Anlage 1