Das Wichtigste in Kürze
Die Mistel (Viscum album) ist ein immergrüner Halbschmarotzer, der in kugeligen Büschen auf Bäumen wie Apfel, Pappel, Linde oder Kiefer wächst. Ihre weißen Beeren reifen im Winter. Schon die Druiden schnitten sie mit goldenen Sicheln, und aus England stammt der Brauch, sich an Weihnachten unter dem Mistelzweig zu küssen. Die Beeren sind nicht zum Verzehr geeignet.
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Inhalt
Was ist die Mistel?
Wenn im November die Blätter gefallen sind, sieht man sie plötzlich überall: grüne Kugeln hoch oben in den kahlen Kronen. Das ist die Mistel, genauer die Weißbeerige Mistel mit dem botanischen Namen Viscum album. Sie gehört heute zu den Sandelholzgewächsen und ist eine der wenigen Pflanzen bei uns, die nicht im Boden, sondern auf Bäumen wurzelt.
Die Mistel ist ein Halbschmarotzer. Mit ihren grünen Blättern betreibt sie selbst Photosynthese. Wasser und die darin gelösten Salze holt sie sich aber über feine Senkerwurzeln aus dem Holz ihres Wirtsbaums. Ihre ledrigen, länglichen Blätter bleiben das ganze Jahr grün. Jedes Jahr gabelt sich jeder Trieb einmal, so entstehen die typischen Kugeln, die über einen Meter Durchmesser erreichen können. Wer die Gabelungen zählt, kann das Alter eines Mistelbusches grob schätzen.
Die Mistel ist zweihäusig: Es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Sie blüht unscheinbar gelblich im Spätwinter, die weißen, glasig schimmernden Beeren reifen im Spätherbst und Winter. Ihr Fruchtfleisch ist zäh und klebrig. Aus ihm wurde früher Vogelleim gekocht, daher der lateinische Name viscum, was „Leim“ bedeutet.

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Auf welchen Bäumen wächst die Mistel?
Am häufigsten sieht man Misteln auf Apfelbäumen, Pappeln, Linden, Weiden, Birken und Weißdorn. Auf Nadelbäumen wachsen eigene Unterarten, die Tannenmistel und die Kiefernmistel. Auf Eichen dagegen ist die Mistel selten. Gerade deshalb galt eine Eichenmistel früher als etwas ganz Besonderes.
Verbreitet wird die Mistel von Vögeln. Die Misteldrossel trägt sie sogar im Namen, im Winter fressen auch Seidenschwänze und Mönchsgrasmücken die Beeren. Die klebrigen Samen bleiben am Schnabel haften und werden an Ästen abgestreift oder mit dem Kot ausgeschieden. Eine verbreitete Erklärung für den deutschen Namen führt genau dorthin: zum „Mist“ der Vögel.
Obstbauern sehen die Mistel übrigens nicht so gern. Viele Misteln können einen alten Apfelbaum schwächen. Im Streuobst schneidet man sie deshalb im Winter heraus, und so kommen viele der Zweige auf die Adventsmärkte.
Welche Bedeutung hatte die Mistel bei Druiden und Germanen?
Der römische Schriftsteller Plinius der Ältere beschreibt in seiner Naturgeschichte, wie die Druiden in Gallien die Mistel ernteten. Ein Priester in weißem Gewand stieg auf eine Eiche und schnitt den Zweig mit einer goldenen Sichel. Der Zweig wurde in einem weißen Tuch aufgefangen. Für die Kelten war eine Eichenmistel heilig.
Wer mit Asterix aufgewachsen ist, kennt die Szene: Auch Miraculix klettert mit seiner goldenen Sichel auf den Baum, bevor er den Zaubertrank braut. Die Zeichner haben sich dabei ziemlich genau an Plinius gehalten.
In der nordischen Sage spielt die Mistel eine traurige Rolle. Die Göttin Frigg ließ alle Dinge schwören, ihrem Sohn Baldur nichts anzutun. Nur die Mistel hielt sie für zu jung und unbedeutend. Der listige Loki schnitzte daraus einen Pfeil und ließ ihn vom blinden Hödur abschießen. Manche Nacherzählungen schließen mit einem versöhnlichen Ende: Frigg habe die Mistel danach zur Pflanze des Friedens erklärt, unter der man sich küsst.

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Warum küsst man sich unter dem Mistelzweig?
Der Kuss unter dem Mistelzweig ist ein englischer Weihnachtsbrauch. Im 18. und 19. Jahrhundert hängte man in England zur Weihnachtszeit Mistelzweige an die Decke. Wer darunter stand, durfte geküsst werden und sollte den Kuss nicht verweigern. Charles Dickens erzählt in den „Pickwick Papers“ von einer fröhlichen Weihnachtsgesellschaft unter dem Mistelzweig.
Eine alte Regel besagt, dass man für jeden Kuss eine Beere abzupft. Sind alle Beeren weg, ist auch mit dem Küssen Schluss. Einem Paar, das sich unter der Mistel küsst, wünschte man Glück und eine lange gemeinsame Zeit. In Frankreich grüßt man sich zum Jahreswechsel bis heute mit „Au gui l’an neuf“, sinngemäß: „Mit der Mistel ins neue Jahr“.
Inzwischen ist der Brauch auch bei uns angekommen. Ein Mistelzweig über der Haustür oder im Türrahmen zum Wohnzimmer gehört für viele zur Weihnachtsdeko wie Adventskranz und Christbaum. Und wer an Silvester noch einen alten Brauch dazu nehmen möchte, findet Ideen im Ratgeber zum Räuchern an Weihnachten.
Wie hängt man einen Mistelzweig richtig auf?
- Zweig besorgen: Mistelzweige gibt es im Advent auf Märkten und beim Floristen. Wer selbst schneiden möchte, fragt den Baumbesitzer und schneidet nur in kleinen Mengen, in Schutzgebieten gar nicht.
- Frisch halten: Stellen Sie den Zweig ein paar Tage kühl in einen Eimer Wasser, bevor Sie ihn aufhängen.
- Aufhängen: Binden Sie ein rotes Band um den Stiel und hängen Sie den Zweig mit einem Haken in den Türrahmen oder über die Haustür.
- Ruhig trocknen lassen: An einem kühlen Ort bleibt die Mistel mehrere Wochen grün. Danach trocknet sie und behält ihre Form, oft bis Dreikönig.
Bitte beachten: Die Beeren und Blätter der Mistel sind nicht zum Verzehr geeignet. Hängen Sie den Zweig so auf, dass Kinder und Haustiere nicht herankommen, und sammeln Sie heruntergefallene Beeren gleich auf.
Auch getrocknet ist die Mistel schön: Kleine Zweige passen in Adventsgestecke, in Kränze oder in eine Schale mit selbst gemachtem Potpourri. Und in den Rauhnächten hängt der Mistelzweig bei vielen Familien bis zum 6. Januar.
Sabines Tipp
„Unter den Mistelzweig lege ich im Flur ein hübsches Tuch oder eine flache Schale. Dann bleiben heruntergefallene Beeren und Blättchen nicht auf dem Boden liegen, und der Zweig lässt sich am Ende der Weihnachtszeit sauber abnehmen.“

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WeihnachtspotpourriFestlicher Duft in der SchaleAnsehen
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Duftset WeihnachtsglückDuftlampe mit zwei WeihnachtsdüftenAnsehen
WinterzauberWintertee mit Sternanis, Orange und ZimtAnsehenHäufige Fragen zur Mistel
Warum küsst man sich unter dem Mistelzweig?
Der Brauch stammt aus England. Wer an Weihnachten unter dem Mistelzweig steht, darf geküsst werden. Nach alter Regel zupft man für jeden Kuss eine Beere ab, bis keine mehr übrig ist.
Ist die Mistel ein Parasit?
Sie ist ein Halbschmarotzer. Die Mistel bildet mit ihren grünen Blättern selbst Zucker durch Photosynthese, entnimmt dem Wirtsbaum aber Wasser und gelöste Salze.
Was ist Mistelkraut?
So nennt man die getrockneten und geschnittenen Blätter und Zweige der Mistel, ohne Beeren. Bei uns gibt es Mistelkraut als Einzelkraut, geschnitten oder fein gemahlen als Pulver.
Darf man Misteln selbst schneiden?
Die Mistel steht in Deutschland nicht unter besonderem Schutz. Schneiden Sie aber nur mit Erlaubnis des Baumbesitzers, in kleinen Mengen für den eigenen Bedarf und nie in Schutzgebieten.
Sind Mistelbeeren essbar?
Nein. Die Beeren sind nicht zum Verzehr geeignet. Hängen Sie den Mistelzweig außer Reichweite von Kindern und Haustieren auf.
Wann hängt man den Mistelzweig auf?
Meist ab dem ersten Advent. Viele lassen ihn bis Dreikönig hängen, manche auch über das ganze Jahr als Glücksbringer.
Quellen: Wikipedia: Weißbeerige Mistel