Das Wichtigste in Kürze
Die Artischocke (Cynara cardunculus subsp. scolymus, oft Cynara scolymus) ist eine große Distel aus dem Mittelmeerraum und gehört zu den Korbblütlern. Gegessen werden die noch geschlossenen Blütenknospen: der fleischige Blütenboden und der untere Teil der Hüllblätter. Aus den getrockneten Laubblättern wird Artischockentee aufgegossen. Er schmeckt deutlich bitter, herb und pflanzlich und wird gern mit milderen Kräutern gemischt.
Lesezeit: etwa 7 Minuten
Inhalt
- Was ist die Artischocke?
- Wie bereitet man eine Artischocke zu?
- Artischockenblätter: Was steckt im Artischockentee?
- Wie schmeckt Artischockentee und wie bereitet man ihn zu?
- Artischocke als Bitterkraut: Likör, Aperitif und Tradition
- Kann man Artischocken im eigenen Garten anbauen?
- Was Sie dafür brauchen
- Häufige Fragen
Was ist die Artischocke?
Wer zum ersten Mal eine Artischocke im Garten blühen sieht, staunt. Aus einem mannshohen Busch mit silbrig-grünen, tief eingeschnittenen Blättern ragen faustgroße Knospen, die sich im Hochsommer zu leuchtend violetten Distelblüten öffnen. Hummeln und Bienen sind dann kaum noch davon wegzubekommen.
Botanisch ist die Artischocke eine Kulturform der Wilden Artischocke oder Cardy (Cynara cardunculus). Sie gehört zur Familie der Korbblütler, ist also mit Mariendistel, Silberdistel und Löwenzahn verwandt. Die Pflanze ist ausdauernd und wird ein bis zwei Meter hoch. Ihre Blätter sind groß, doppelt fiederschnittig und an der Unterseite filzig behaart.
Das, was auf dem Teller landet, ist der Blütenstand, botanisch ein Blütenkorb. Er besteht aus einem fleischigen Boden, auf dem dicht an dicht die späteren Röhrenblüten sitzen, umhüllt von vielen schuppenartigen Hüllblättern. Geerntet wird, solange die Knospe fest geschlossen ist. Öffnet sie sich, werden Boden und Blätter hart und faserig.
Der Name kam über das Italienische articiocco zu uns und geht auf das arabische al-ḫaršūf zurück. Die Artischocke wurde im Mittelmeerraum schon in der Antike genutzt; in der Renaissance wurde sie in Italien und Frankreich zum feinen Gemüse an Fürstenhöfen.
Wie bereitet man eine Artischocke zu?
Eine ganze Artischocke zu essen, ist ein kleines Tischritual. Man zupft Blatt für Blatt ab, taucht das untere, weiche Ende in eine Soße und streift das zarte Fleisch mit den Zähnen ab. Am Ende kommt das Beste: der Artischockenboden.
So gelingt die gekochte Artischocke:
- Vorbereiten: Den Stiel direkt unter dem Kopf abbrechen, dabei ziehen sich die harten Fasern mit heraus. Das obere Drittel der Knospe mit einem scharfen Messer abschneiden und die Blattspitzen mit der Schere kürzen.
- Vor dem Braunwerden schützen: Schnittflächen sofort mit einer halben Zitrone einreiben. Artischocken verfärben sich an der Luft schnell dunkel.
- Kochen: In reichlich Salzwasser mit einem Schuss Zitronensaft je nach Größe 20 bis 40 Minuten köcheln lassen. Ein Teller obendrauf hält die Köpfe unter Wasser.
- Garprobe: Lässt sich ein inneres Blatt leicht herausziehen, ist die Artischocke fertig.
- Servieren: Mit einer Vinaigrette, zerlassener Butter oder einer Knoblauch-Mayonnaise reichen. Wenn die Blätter gegessen sind, das haarige „Heu“ über dem Boden mit einem Löffel entfernen.
Kleine, junge Artischocken aus Italien oder Frankreich haben noch kaum Heu. Man kann sie putzen, vierteln und in Olivenöl mit Knoblauch und Petersilie schmoren oder hauchdünn gehobelt roh als Salat mit Zitrone und Parmesan essen.
Ein bekanntes Phänomen kennen Feinschmecker: Wer Artischocken gegessen hat, empfindet einen Schluck Wasser danach oft als leicht süß. Verantwortlich ist der Inhaltsstoff Cynarin, der für kurze Zeit die Geschmackswahrnehmung verändert. Weinkenner servieren zu Artischocken deshalb gern einen trockenen Weißwein oder einfach Wasser.
Artischockenblätter: Was steckt im Artischockentee?
Für den Tee werden nicht die Knospen, sondern die großen Laubblätter der Pflanze verwendet. Sie werden vor der Blüte geerntet, geschnitten und getrocknet. Weil die Blätter fleischig und wasserreich sind, entsteht beim Trocknen eine faserige, etwas klumpige Struktur. Die Farbe ist grau- bis olivgrün.
Schon beim Ernten merkt man, was die Blätter ausmacht: Wer sie kräftig anfasst, hat danach eine wachsartige, bitter schmeckende Schicht an den Fingern. Sie stammt von winzigen Drüsenhaaren auf der Blattoberfläche. Diese Bitterstoffe sind der Grund, warum Artischockentee so ausgesprochen herb schmeckt.

Mariendistelsamen: eine nahe Verwandte der Artischocke aus der Familie der Korbblütler.
Mit der Mariendistel teilt die Artischocke nicht nur die Familie, sondern auch die stachelige Distelgestalt. Mehr über die Verwandte lesen Sie in unserem Ratgeber zur Mariendistel.
Wie schmeckt Artischockentee und wie bereitet man ihn zu?
Artischockentee ist nichts für zarte Gaumen. Er schmeckt deutlich bitter, herb und pflanzlich, mit einem leicht grasigen Nachklang. Wer Espresso ohne Zucker, Enzian oder Chicorée mag, wird ihn schätzen. Wer bitter noch nicht gewohnt ist, beginnt am besten mit einer Mischung.
- Abmessen: 1 bis 2 Teelöffel getrocknete Artischockenblätter in eine Tasse geben.
- Aufgießen: Mit 250 ml kochendem Wasser übergießen.
- Ziehen lassen: 8 bis 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Je länger, desto bitterer.
Für eine mildere Tasse mische ich Artischockenblätter mit Melisse oder Pfefferminze, etwa im Verhältnis eins zu zwei. Auch ein paar Streifen Orangenschale oder eine Scheibe Ingwer runden den Geschmack ab. Wie Sie eigene Mischungen zusammenstellen, zeigt unser Ratgeber Kräutertee selber mischen.
Sabines Tipp
„Wer den bitteren Geschmack von Artischockentee erst kennenlernen möchte, lässt die Blätter nur fünf Minuten ziehen und gibt einen Löffel Honig und einen Spritzer Zitrone dazu. Mit der Zeit gewöhnt sich die Zunge an das Herbe, und viele unserer Kundinnen trinken ihn irgendwann ganz pur.“

Artischocken Pflanzensaft: der kräftig-bittere Saft aus den Blättern, pur oder mit Wasser verdünnt.
Wer den Geschmack der Blätter ohne Aufbrühen möchte, greift zum Artischocken Pflanzensaft. Er wird aus den Blättern gepresst, schmeckt ebenfalls kräftig herb und wird pur oder mit Wasser verdünnt in kleinen Mengen getrunken. Für Kinder ist er nicht gedacht.
Artischocke als Bitterkraut: Likör, Aperitif und Tradition
Bitter ist in der Küche des Mittelmeerraums ein geschätzter Geschmack. In Italien gibt es seit den 1950er-Jahren einen bekannten Kräuterlikör auf Artischockenbasis, den Cynar, dessen Name sich von Cynara ableitet. Er wird gern als Aperitif mit Soda oder Orange getrunken.
Auch bei uns hatten bittere Kräuter lange einen festen Platz: als Aperitif vor dem Sonntagsbraten, als Kräuterbitter nach dem Essen oder als herbe Zutat im Haustee. Die Artischocke steht dabei in einer Reihe mit Enzian, Wermut und Bitterklee. Einen Überblick über diese Geschmacksfamilie gibt unser Ratgeber zu Bitterkräutern.

Enzianwurzel: der Klassiker unter den bitteren Wurzeln, ideal zum Kombinieren mit Artischockenblättern.
Kann man Artischocken im eigenen Garten anbauen?
Ja, auch in Bayern gelingt das, mit etwas Pflege. Artischocken lieben einen sonnigen, warmen Platz und tiefgründigen, humusreichen Boden. Man zieht sie im Februar oder März im Haus aus Samen vor oder kauft junge Pflanzen in der Gärtnerei und setzt sie nach den Eisheiligen aus. Jede Pflanze braucht gut einen Quadratmeter Platz.
Im ersten Jahr bilden viele Pflanzen nur Blätter, ab dem zweiten Jahr erscheinen die Knospen. Geerntet wird von Juli bis September, solange die Köpfe geschlossen sind. Lassen Sie ruhig ein, zwei Knospen aufblühen: Die violetten Blüten sind eine Augenweide und ein Magnet für Insekten.
Frost verträgt die Artischocke nur schlecht. Im Herbst schneidet man die Stängel zurück, häufelt die Pflanze mit Erde an und deckt sie dick mit Laub, Stroh und einem Vlies ab. In sehr rauen Lagen gräbt man den Wurzelstock aus und überwintert ihn hell und frostfrei im Kübel.
Was Sie dafür brauchen
ArtischockenblätterGetrocknete Blätter für herben ArtischockenteeAnsehen
Artischocken PflanzensaftKräftig-bitterer Saft aus ArtischockenblätternAnsehen
EnzianwurzelBittere Wurzel für eigene KräutermischungenAnsehen
Melissenblätter geschnittenZitronig-milde Ergänzung für ArtischockenteeAnsehen
MariendistelsamenSamen der verwandten MariendistelAnsehenHäufige Fragen zu Artischocke und Artischockentee
Wie schmeckt Artischockentee?
Deutlich bitter, herb und pflanzlich mit leicht grasigem Nachklang. Wer es milder mag, mischt die Blätter mit Melisse oder Pfefferminze oder lässt den Tee kürzer ziehen.
Wie lange muss Artischockentee ziehen?
1 bis 2 Teelöffel Artischockenblätter mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und 8 bis 10 Minuten ziehen lassen. Je länger der Tee zieht, desto bitterer wird er.
Welcher Teil der Artischocke wird gegessen?
Gegessen werden die geschlossenen Blütenknospen: der fleischige Blütenboden und das untere, weiche Ende der Hüllblätter. Das haarige „Heu“ über dem Boden entfernt man vor dem Essen.
Woraus wird Artischockentee gemacht?
Aus den großen Laubblättern der Pflanze, nicht aus den Knospen. Sie werden vor der Blüte geerntet, geschnitten und getrocknet.
Wie lange kocht man eine Artischocke?
Je nach Größe 20 bis 40 Minuten in Salzwasser mit etwas Zitronensaft. Sie ist gar, wenn sich ein inneres Blatt leicht herausziehen lässt.
Ist die Artischocke eine Distel?
Ja. Sie ist eine Kulturform der Wilden Artischocke (Cardy) und gehört wie Mariendistel und Silberdistel zur Familie der Korbblütler.