Das Wichtigste in Kürze
Augentrost (Euphrasia) ist eine kleine, einjährige Wiesenblume mit weißen, violett geaderten Blüten und einem gelben Fleck im Schlund. Er ist ein Halbschmarotzer: Er hat grüne Blätter, zapft aber mit seinen Wurzeln die Wurzeln benachbarter Gräser an. Er blüht von Juli bis in den Herbst auf mageren Wiesen und Weiden. Seinen Namen verdankt er der Blütenzeichnung, in der man früher ein Auge mit Wimpern sah.
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Inhalt
Was ist Augentrost?
Man muss sich schon bücken, um ihn zu entdecken. Augentrost wird meist nur 5 bis 25 Zentimeter hoch, verzweigt sich buschig und trägt viele kleine Blüten. Auf einer Bergwiese im August können es Tausende sein, die wie ein weißer Schleier zwischen den Gräsern stehen.
Botanisch bildet der Augentrost die Gattung Euphrasia. Sie gehört heute zu den Sommerwurzgewächsen, früher zählte man sie zu den Braunwurzgewächsen. In Mitteleuropa wachsen mehrere Arten, die sich nur schwer auseinanderhalten lassen, etwa der Große Augentrost (Euphrasia rostkoviana) und der Steife Augentrost (Euphrasia stricta). Oft fasst man sie unter dem Namen Euphrasia officinalis zusammen.
Augentrost ist einjährig. Er keimt im Frühjahr, blüht im Sommer, streut im Herbst seine Samen aus und stirbt dann ab. Im nächsten Jahr wächst er nur dort wieder, wo genug Samen auf den Boden gefallen sind.
Warum ist Augentrost ein Halbschmarotzer?
Auf den ersten Blick ist Augentrost eine ganz normale grüne Pflanze. Er hat Blattgrün und kann mit Hilfe des Sonnenlichts selbst Zucker bilden. Unter der Erde aber geht er einen eigenen Weg: Seine Wurzeln bilden kleine Saugorgane, mit denen sie sich an die Wurzeln von Gräsern heften. So holt er sich Wasser und darin gelöste Stoffe von seinen Nachbarn.
Botaniker nennen solche Pflanzen Halbschmarotzer. Ein bekannter Verwandter auf der Wiese ist der Klappertopf. Und hoch oben in den Bäumen lebt die Mistel nach demselben Prinzip.
Den Bauern war der Augentrost früher nicht immer recht. Weil er die Gräser schwächt, fiel die Heuernte auf manchen Wiesen magerer aus. Daher stammen Volksnamen wie Milchdieb oder Wiesenwolf. Heute sieht man das anders: Wo die Gräser etwas zurückgedrängt werden, haben viele andere Wiesenblumen Platz. Wiesen mit Augentrost sind deshalb oft besonders bunt, so wie die Bergwiesen, aus denen unsere Heublumen stammen.

Auch eine Wiesenblume: getrocknete Gänseblümchen.
Wie erkennt man Augentrost?
Die Blüte des Augentrosts ist nur etwa einen Zentimeter groß, lohnt aber einen genauen Blick:
- Blütenform: Die Blüten sind zweilippig. Die Oberlippe ist kurz und leicht gewölbt, die Unterlippe größer und in drei Lappen geteilt.
- Zeichnung: Die weißen Blüten tragen feine violette Streifen, die zur Mitte hin zusammenlaufen. Im Schlund sitzt ein leuchtend gelber Fleck. Diese Zeichnung weist den Insekten den Weg zum Nektar.
- Blätter: Die kleinen, eiförmigen Blätter stehen gegenständig am Stängel und sind am Rand scharf gezähnt.
- Standort: Augentrost wächst auf mageren, wenig gedüngten Wiesen und Weiden, an Böschungen, auf Heiden und auf Bergwiesen bis hoch in die Alpen.
- Blütezeit: Je nach Art und Höhenlage von Juli bis in den Oktober.
Besucht werden die Blüten von Bienen, Hummeln und Schwebfliegen. Fehlen die Insekten, kann sich manche Art auch selbst bestäuben.
Woher kommt der Name Augentrost?
Der Name Augentrost ist ein Stück Kulturgeschichte. In der feinen Blütenzeichnung mit den violetten Strichen und dem gelben Fleck sahen die Menschen früher ein Auge mit Wimpern. Nach der Signaturenlehre, einer Denkweise des Mittelalters und der frühen Neuzeit, las man aus solchen Ähnlichkeiten zwischen Pflanze und Mensch geheime Zeichen der Natur. So kam die Blume zu ihrem deutschen Namen. Mit heutigem Wissen hat diese Deutung nichts zu tun, als Sprachgeschichte ist sie aber spannend.
Der botanische Name Euphrasia stammt aus dem Griechischen und bedeutet Frohsinn oder Freude. In der griechischen Sage war Euphrosyne eine der drei Grazien, die für Anmut und Fröhlichkeit standen. Ein heiterer Name für eine zierliche Blume.

Blau wie der Sommerhimmel: Kornblumenblüten.
Kann man Augentrost im Garten ziehen?
Wer eine Augentrost-Pflanze kaufen möchte, wird in der Gärtnerei selten fündig. Als einjähriger Halbschmarotzer braucht er Gräser in der Nähe und lässt sich kaum im Topf ziehen. Möglich ist es, Samen im Herbst direkt auf eine magere, etwas lückige Wiese oder einen wenig gedüngten Rasen zu streuen. Die Samen brauchen die Winterkälte, um im Frühjahr zu keimen. Mit etwas Glück blüht der Augentrost im folgenden Sommer, und wer nicht zu früh mäht, hat ihn in den Jahren danach immer wieder.
Sorgfalt in der Natur: Augentrost ist in manchen Gegenden selten geworden, weil magere Wiesen verschwinden. Pflücken Sie ihn nicht in Naturschutzgebieten und lassen Sie wilde Bestände stehen, damit sie sich aussäen können. Getrocknetes Augentrostkraut aus kontrolliertem Anbau bekommen Sie bei uns im Shop.
Gern kombinieren unsere Kundinnen das Kraut mit anderen Wiesenblumen zu eigenen Mischungen. Anregungen dafür finden Sie in unserem Ratgeber Kräutertee selber mischen.

Purpurne Köpfchen von der Sommerwiese: Rotklee.
Sabines Tipp
„Wenn Sie im Spätsommer über eine Bergwiese wandern, nehmen Sie eine kleine Lupe mit. Knien Sie sich hin und schauen Sie sich eine Augentrost-Blüte ganz aus der Nähe an. Die feinen Linien und der gelbe Fleck sind wie gemalt. Dann versteht man gut, warum die Menschen früher so viel in diese kleine Blume hineingelesen haben.“
Was Sie dafür brauchen
AugentrostDas getrocknete Kraut mit BlütenAnsehen
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Kornblumenblüten blau mit KelchBlaue Blüten für schöne MischungenAnsehen
RotkleeblütenPurpurne WiesenblütenAnsehenHäufige Fragen zum Augentrost
Wann blüht Augentrost?
Je nach Art und Höhenlage von Juli bis Oktober. Auf Bergwiesen ist der August oft die schönste Zeit, um ihn zu entdecken.
Wo wächst Augentrost?
Auf mageren, wenig gedüngten Wiesen und Weiden, an Böschungen und auf Heiden. Besonders häufig ist er auf Bergwiesen in den Alpen und den Mittelgebirgen.
Warum heißt Augentrost so?
Die Blütenzeichnung erinnerte die Menschen früher an ein Auge mit Wimpern. Nach der alten Signaturenlehre bekam die Pflanze daher ihren Namen. Es handelt sich um eine Deutung aus der Kulturgeschichte.
Ist Augentrost ein Schmarotzer?
Er ist ein Halbschmarotzer. Er hat grüne Blätter und bildet selbst Zucker, holt sich aber über seine Wurzeln Wasser und gelöste Stoffe von benachbarten Gräsern.
Kann man Augentrost im Garten anbauen?
Das ist schwierig, weil er Gräser als Wirte braucht. Am ehesten gelingt es, die Samen im Herbst auf eine magere Wiese zu streuen. Als Topfpflanze eignet er sich nicht.
Wo kann man Augentrost kaufen?
Pflanzen gibt es nur selten. Saatgut finden Sie bei Anbietern für Wildblumen, getrocknetes Augentrostkraut bekommen Sie bei uns im Shop.
Quellen: Wikipedia: Augentrost