Das Wichtigste in Kürze
Die Große Brennnessel (Urtica dioica) ist eine heimische Staude, die an fast jedem Wegrand, Bachufer und Gartenzaun wächst. Ihr Brennen kommt von winzigen Brennhaaren, die bei Berührung abbrechen. In der Küche werden die jungen Blätter im Frühjahr wie Spinat, in Suppen oder als knusprige Chips verwendet, getrocknet ergeben sie einen mild-krautigen Tee. Dazu kommen Faser, Gartentradition und ein Schmetterlingsparadies.
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Inhalt
Was ist die Brennnessel?
Kaum eine Pflanze kennt man so früh im Leben wie die Brennnessel. Ein falscher Schritt beim Spielen, und schon brennt die Wade. Dabei lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Bei uns im Kräuterhof gilt die Brennnessel nicht als Unkraut, sondern als eine der vielseitigsten Wildpflanzen überhaupt.
Botanisch heißt die Große Brennnessel Urtica dioica. Der Name kommt vom lateinischen urere für „brennen“, der Beiname dioica bedeutet „zweihäusig“: Es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Die Staude wird meist einen bis anderthalb Meter hoch, hat einen vierkantigen Stängel und gegenständige, lanzettliche Blätter mit grob gesägtem Rand. Im Sommer hängen grünliche Blütenrispen aus den Blattachseln.
Daneben gibt es die Kleine Brennnessel (Urtica urens). Sie ist einjährig, bleibt niedriger und brennt eher noch stärker. Beide wachsen gern dort, wo der Boden reich an Stickstoff ist: an Komposthaufen, Viehweiden, Waldrändern und Bachläufen. Wer einen großen Brennnesselbestand findet, steht meist auf sehr fetter, stickstoffreicher Erde.

Getrocknete Brennnesselwurzel: hellbraune, faserige Stücke mit mild-krautigem Aroma.
Warum brennt die Brennnessel?
Das Geheimnis sitzt auf Blättern und Stängel. Die Brennhaare sind winzige Röhrchen, deren Wände mit Kieselsäure verstärkt sind. Ihre Spitze endet in einem kleinen Köpfchen, das bei der leisesten Berührung abbricht. Übrig bleibt eine scharfe Kante, die wie eine feine Nadel in die Haut dringt und ihren Inhalt abgibt.
In diesem Saft stecken unter anderem Ameisensäure, Histamin und Acetylcholin. Sie sorgen für das bekannte Brennen und die kleinen Quaddeln. Ein alter Trick der Sammler: Wer die Pflanze beherzt von unten nach oben anfasst, drückt die Haare an, statt sie abzubrechen. Sicherer sind aber Handschuhe.
Wichtig für die Küche: Durch Trocknen, Überbrühen, Kochen oder kräftiges Walzen mit dem Nudelholz brennen die Blätter nicht mehr. Getrocknete Brennnesselblätter aus unserem Sortiment brennen deshalb nicht mehr.
Brennnesselwurzel, Blätter und Samen
Von der Brennnessel werden drei Teile verwendet, und jeder sieht anders aus. Die Blätter kennt jeder. Getrocknet werden sie meist geschnitten angeboten, bei uns auch als „fränkisches Blattkrüll“, eine grobe, lockere Schnittform, in der die Blätter gut erkennbar bleiben.
Die Brennnesselwurzel ist ein verzweigtes, kriechendes Wurzelgeflecht mit gelblicher bis hellbrauner Farbe. Mit diesen Ausläufern erobert die Pflanze ganze Böschungen. Gegraben wird die Wurzel meist im Frühjahr oder im Herbst, wenn die Pflanze ihre Kraft im Boden hat. Getrocknet ist sie faserig und duftet erdig. Weil Wurzelstücke fester sind als Blätter, setzen viele sie für einen Tee zuerst einige Stunden kalt an und erhitzen sie dann.
Die Samen reifen im Spätsommer an den weiblichen Pflanzen. Sie sind klein, grünlich-braun und schmecken nussig. Alles über Ernte und Verwendung lesen Sie in unserem Ratgeber zu den Brennnesselsamen.

Brennnesselsamen: klein, nussig und ideal zum Bestreuen von Müsli und Salat.
Brennnessel in der Küche
Die Saison für frische Brennnesseln ist das Frühjahr, etwa von März bis Mai. Dann sind die jungen Triebspitzen zart und mild. Gesammelt werden nur die oberen vier bis sechs Blätter, möglichst abseits von Straßen, gedüngten Feldern und Hundewiesen. Mähen Sie einen Bestand im Sommer zurück, treibt er frisch und zart wieder aus.
Frische Brennnesseln schmecken grün, leicht nussig und etwas nach Spinat. So kommen sie bei uns auf den Tisch:
- Brennnessel-Spinat: Blätter mit Handschuhen waschen, kurz in kochendem Salzwasser blanchieren, abschrecken und hacken. In Butter mit einer Zwiebel und etwas Knoblauch andünsten, mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.
- Brennnesselsuppe: Zwiebel und Kartoffeln in Brühe weich kochen, zwei Handvoll Brennnesselspitzen für die letzten fünf Minuten dazugeben, pürieren und mit Sahne verfeinern.
- Brennnessel-Chips: Große, trockene Blätter mit wenig Öl und Salz einreiben, auf ein Backblech legen und bei 150 Grad etwa zehn Minuten backen, bis sie knusprig sind.
- Pesto: Blanchierte Blätter mit Walnüssen, Parmesan, Olivenöl und Salz pürieren.
Brennnesseln passen gut zu anderen Wildkräutern. Probieren Sie sie zusammen mit Vogelmiere im Frühlingssalat oder mit Sauerampfer in einer grünen Suppe. Außerhalb der Saison ersetzt das getrocknete Brennnesselpulver die frischen Blätter: Es färbt Nudelteig, Brot, Pfannkuchen und Smoothies kräftig grün.
Sorgfalt beim Sammeln: Sammeln Sie nur Pflanzen, die Sie sicher erkennen, und nur so viel, wie Sie brauchen. In Schutzgebieten ist das Sammeln nicht erlaubt.
Sabines Tipp
„Für eine Brennnessel-Latte schäume ich eine Tasse Mandelmilch auf, rühre einen Teelöffel Brennnesselpulver unter und süße mit etwas Agavendicksaft. Eine Prise Zimt obendrauf, fertig ist ein grünes Getränk für den Nachmittag.“
Wie schmeckt Brennnesseltee?
Brennnesseltee aus getrockneten Blättern ist hellgrün bis goldgelb und schmeckt mild, grasig und leicht krautig, ein wenig wie frisches Heu. Wer kräftigere Kräutertees mag, findet ihn vielleicht zurückhaltend. Gerade das macht ihn zu einer guten Grundlage für eigene Mischungen.
- Abmessen: 1 bis 2 Teelöffel getrocknete Brennnesselblätter in eine Tasse oder Kanne geben.
- Aufgießen: Mit einem Viertelliter kochendem Wasser übergießen.
- Ziehen lassen: 7 bis 8 Minuten ziehen lassen und abseihen.
Schön passen Pfefferminze, Zitronenmelisse, Hagebutte oder ein paar Rosenblüten dazu. Wie Sie dabei vorgehen, zeigt unser Ratgeber Kräutertee selber mischen.

Brennnesselpulver: färbt Nudelteig, Smoothies und Latte kräftig grün.
Brennnessel im Garten und in der Geschichte
Lassen Sie im Garten ruhig eine Ecke mit Brennnesseln stehen. Die Pflanze ist Futter für die Raupen vieler Schmetterlinge, darunter Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Admiral und Landkärtchen. Ohne Brennnesseln gäbe es diese Falter in unseren Gärten kaum.
Eine alte Gartentradition ist die Brennnesseljauche. Dafür setzt man etwa ein Kilogramm frische Brennnesseln mit zehn Litern Regenwasser in einem Eimer aus Holz oder Kunststoff an, rührt täglich um und lässt alles ein bis zwei Wochen gären. Verdünnt im Verhältnis eins zu zehn wird die Jauche dann als Dünger gegossen. Ein Deckel mit Luftschlitzen hält den kräftigen Geruch etwas in Grenzen.
Auch als Faserpflanze hat die Brennnessel eine lange Geschichte. Aus den Stängelfasern wurde über Jahrhunderte Nesseltuch gewebt, ein Stoff ähnlich wie Leinen. Im Ersten Weltkrieg, als Baumwolle knapp wurde, sammelte man in Deutschland Brennnesseln in großem Stil für Textilien. Und im Märchen „Die wilden Schwäne“ von Hans Christian Andersen strickt die Königstochter Elisa Hemden aus Nesseln, um ihre Brüder zu erlösen.
Was Sie dafür brauchen
Brennesselblätter fränkisches BlattkrüllGrobe Schnittform für Tee und MischungenAnsehen
Brennesselblätter PulverFein gemahlen für Teig, Smoothie und LatteAnsehen
BrennesselsamenNussig über Müsli, Salat und BrotAnsehen
Brennessel WurzelGeschnittene Wurzel für TeemischungenAnsehen
Brennessel Pflanzensaft BioPflanzensaft aus der BrennnesselAnsehen
Brennessel-HaarwasserHaarwasser mit Brennnessel für die HaarpflegeAnsehenHäufige Fragen zur Brennnessel
Wann erntet man Brennnesseln?
Für die Küche im Frühjahr von März bis Mai, solange die Triebspitzen jung sind. Zum Trocknen sammelt man die Blätter vor der Blüte. Die Samen reifen im Spätsommer, die Wurzel gräbt man im Frühjahr oder Herbst.
Brennen getrocknete Brennnesselblätter noch?
Nein. Beim Trocknen fallen die Brennhaare in sich zusammen. Auch Überbrühen, Kochen oder Walzen mit dem Nudelholz nimmt den frischen Blättern das Brennen.
Wie bereitet man Brennnesseltee zu?
1 bis 2 Teelöffel getrocknete Blätter mit einem Viertelliter kochendem Wasser übergießen und 7 bis 8 Minuten ziehen lassen. Der Tee schmeckt mild, grasig und leicht nach Heu.
Was ist der Unterschied zwischen Großer und Kleiner Brennnessel?
Die Große Brennnessel ist eine ausdauernde, zweihäusige Staude und wird über einen Meter hoch. Die Kleine Brennnessel ist einjährig, bleibt meist unter einem halben Meter und brennt oft stärker.
Wie sieht die Brennnesselwurzel aus?
Sie ist ein verzweigtes, kriechendes Wurzelgeflecht mit gelblicher bis hellbrauner Farbe. Getrocknet und geschnitten ist sie faserig und duftet erdig.
Kann man Brennnesseln roh essen?
Ja, wenn die Brennhaare vorher unschädlich gemacht werden. Dafür die jungen Blätter in ein Tuch legen und kräftig mit dem Nudelholz darüberrollen. Dann passen sie klein geschnitten in Salat oder Quark.
Quellen: Wikipedia: Große Brennnessel