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10.07.20

Ginkgoblätter, 20 g – Kräuterparadies seit 1887

Ginkgo: Der Baum aus der Urzeit und Goethes Gedicht

Das Wichtigste in Kürze

Der Ginkgo (Ginkgo biloba) ist die einzige noch lebende Art einer Pflanzengruppe, deren Verwandte schon vor über 200 Millionen Jahren wuchsen. Deshalb nennt man ihn ein lebendes Fossil. Er ist weder Laub- noch Nadelbaum, sondern ein Nacktsamer mit fächerförmigen, oft zweilappigen Blättern, die sich im Herbst goldgelb färben. Goethe widmete ihm 1815 das Gedicht „Gingo biloba“, und in Hiroshima trieben 1945 mehrere Ginkgobäume nach der Atombombe wieder aus. Getrocknete Ginkgoblätter ergeben einen milden, leicht herben Tee.

Lesezeit: etwa 7 Minuten

Was ist der Ginkgo für ein Baum?

Im Herbst gibt es in vielen Städten einen Tag, an dem ein Baum plötzlich wie aus Gold aussieht. Und oft liegt wenige Tage später sein ganzes Laub auf einmal am Boden, ein leuchtend gelber Teppich. Das ist der Ginkgo. Wer genauer hinsieht, merkt schnell, dass dieser Baum anders ist als alle anderen.

Botanisch heißt er Ginkgo biloba. Er ist die einzige noch lebende Art seiner Pflanzengruppe und gehört weder zu den Laubbäumen noch zu den Nadelbäumen. Wie die Nadelbäume ist er ein Nacktsamer, seine Samen liegen also nicht in einem Fruchtknoten verborgen. Seine Blätter aber sehen aus wie kleine Fächer. Ihre Adern verzweigen sich immer wieder gabelig, eine Mittelrippe gibt es nicht. Viele Blätter sind in der Mitte eingeschnitten. Daher kommt der Beiname biloba, „zweilappig“.

Ein Ginkgo kann 30 bis 40 Meter hoch und weit über tausend Jahre alt werden. In China, Japan und Korea stehen an Tempeln Bäume, die schon viele Jahrhunderte überdauert haben.

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Warum heißt der Ginkgo lebendes Fossil?

Versteinerte Blätter zeigen, dass Verwandte des Ginkgo schon vor über 200 Millionen Jahren wuchsen, lange bevor es Blumen gab und zur Zeit der Dinosaurier. Damals waren Ginkgogewächse auf der ganzen Nordhalbkugel verbreitet. Im Lauf der Erdgeschichte und vor allem während der Eiszeiten verschwanden sie fast überall. Nur in China überlebte eine einzige Art.

Dort pflanzten buddhistische Mönche den Baum in ihre Tempelgärten, von China kam er nach Korea und Japan. In Europa machte ihn der deutsche Forschungsreisende Engelbert Kaempfer bekannt, der Ende des 17. Jahrhunderts in Japan war und den Baum 1712 beschrieb. Der Name Ginkgo geht vermutlich auf eine verschriebene Lesart des japanischen Wortes für „Silberaprikose“ zurück. Um 1730 wurde in Utrecht einer der ersten Ginkgos in Europa gepflanzt.

Wie urtümlich der Baum ist, zeigte sich 1896. Der japanische Forscher Sakugoro Hirase entdeckte, dass die Befruchtung beim Ginkgo über bewegliche Samenzellen geschieht, die ein kleines Stück schwimmen. Das kannte man sonst nur von Farnen und Moosen, nicht von Bäumen.

Der Ginkgo von Hiroshima

Am 6. August 1945 zerstörte die Atombombe die Stadt Hiroshima. Auch die Bäume im Umkreis verbrannten. Doch schon im folgenden Frühjahr trieben mehrere Ginkgobäume, die nur ein bis zwei Kilometer vom Explosionsort entfernt standen, aus ihren Stümpfen wieder aus. Einige von ihnen leben bis heute.

In Japan werden diese Überlebenden als Zeichen der Hoffnung verehrt. Ihre Samen wurden in viele Länder geschickt und dort als Friedensbäume gepflanzt. Der Ginkgo ist außerdem der Baum der Stadt Tokio, sein Blatt begegnet Ihnen dort auf Schritt und Tritt.

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Goethe und das Ginkgo-Gedicht

In Deutschland ist der Ginkgo untrennbar mit Johann Wolfgang von Goethe verbunden. Im September 1815 schrieb der 66-jährige Dichter in Heidelberg ein Gedicht für Marianne von Willemer, die er sehr verehrte. Auf einer Reinschrift des Gedichts sind zwei Ginkgoblätter aufgeklebt. 1819 erschien es in seiner Sammlung „West-östlicher Divan“ unter dem Titel „Gingo biloba“, in Goethes eigener Schreibweise.

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Dass man sie als eines kennt?

Solche Frage zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn;
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Dass ich eins und doppelt bin?

Das zweigeteilte Blatt wird für Goethe zum Bild für zwei Menschen, die sich gefunden haben und doch zwei bleiben, und auch für ihn selbst, den Dichter mit den zwei Seiten. Seitdem gilt das Ginkgoblatt als Symbol für Freundschaft und Liebe. Ein gepresstes Blatt in einer Karte ist bis heute ein schönes Geschenk.

Sabines Tipp

Im Herbst sammle ich ein paar der schönsten goldgelben Ginkgoblätter und presse sie zwischen Löschpapier in einem dicken Buch. Nach zwei Wochen sind sie flach und trocken. Ich klebe sie auf Karten und schreibe die erste Strophe von Goethes Gedicht dazu. Das ist mein liebster Gruß, wenn jemand Geburtstag hat.

Männliche und weibliche Ginkgobäume

Ginkgos sind zweihäusig. Es gibt also männliche Bäume, die Blütenstaub bilden, und weibliche Bäume, die Samen tragen. Von außen sieht man ihnen das lange nicht an, denn ein Ginkgo blüht zum ersten Mal oft erst mit 20 bis 30 Jahren.

Die Samen der weiblichen Bäume haben eine fleischige, gelbliche Außenhülle. Wenn sie im Herbst herabfallen und am Boden zerdrückt werden, riechen sie unangenehm nach ranziger Butter, denn sie enthalten Buttersäure. Deshalb pflanzen Städte heute fast nur männliche Ginkgos, die aus Stecklingen oder durch Veredeln vermehrt werden.

Ginkgo im Garten pflanzen

Der Ginkgo ist erstaunlich anspruchslos. Er ist frosthart, verträgt Stadtluft, Hitze und Trockenheit gut und wird kaum von Schädlingen befallen. Er braucht einen sonnigen bis halbschattigen Platz und einen durchlässigen Boden ohne Staunässe. In den ersten Jahren wächst er langsam und sieht etwas sparrig aus, später wird er zu einem eindrucksvollen Baum.

  • Für kleine Gärten: Zwergsorten wie ‘Mariken’ bleiben kugelig und klein und eignen sich auch für Kübel und Steingärten.
  • Für schmale Plätze: Säulenformen wie ‘Fastigiata’ wachsen schlank in die Höhe.
  • Als Bonsai: Wegen seiner kleinen Blätter und der kräftigen Stämme ist der Ginkgo ein beliebter Bonsai-Baum.

Achten Sie beim Kauf auf eine männliche, veredelte Sorte, wenn Sie später keine duftenden Samen auf der Terrasse haben möchten.

Ginkgoblätter als Tee

Getrocknete Ginkgoblätter ergeben einen klaren, hellen Kräuteraufguss. Er schmeckt mild, leicht herb und dezent grasig, ein wenig wie ein zarter grüner Tee ohne dessen Bitterkeit.

  1. Abmessen: 1 bis 2 Teelöffel getrocknete Ginkgoblätter in eine Tasse geben.
  2. Aufgießen: Mit 250 ml kochendem Wasser übergießen.
  3. Ziehen lassen: 8 bis 10 Minuten ziehen lassen und abseihen.
  4. Kombinieren: Ginkgoblätter vertragen sich gut mit Minze, Zitronenmelisse oder Brennnessel.

Wer sich für die Teekultur Ostasiens interessiert, aus der der Ginkgo stammt, findet in unseren Ratgebern zu grünem Tee und zur Teezeremonie viele Anregungen. Eine andere verehrte Pflanze Asiens stellen wir unter Tulsi vor.

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Häufige Fragen zum Ginkgo

Ist der Ginkgo ein Laubbaum oder ein Nadelbaum?

Keins von beidem. Der Ginkgo ist ein Nacktsamer wie die Nadelbäume, hat aber fächerförmige Blätter, die er im Herbst abwirft. Er ist die einzige lebende Art seiner eigenen Pflanzengruppe.

Wie alt kann ein Ginkgo werden?

Weit über tausend Jahre. In China, Japan und Korea stehen an Tempeln Bäume, die viele Jahrhunderte alt sind. Die Pflanzengruppe selbst ist über 200 Millionen Jahre alt.

Was bedeutet Goethes Gedicht „Gingo biloba“?

Goethe schrieb es 1815 für Marianne von Willemer. Das zweigeteilte Blatt steht darin für zwei Menschen, die eins sind und doch zwei bleiben. Seitdem gilt das Ginkgoblatt als Zeichen für Liebe und Freundschaft.

Warum stinken manche Ginkgobäume?

Nur weibliche Bäume tragen Samen. Deren fleischige Hülle enthält Buttersäure und riecht nach ranziger Butter, wenn sie am Boden zerdrückt wird. Städte pflanzen deshalb meist männliche Bäume.

Wie schmeckt Ginkgo-Tee?

Mild, leicht herb und dezent grasig. Für eine Tasse übergießen Sie 1 bis 2 Teelöffel getrocknete Blätter mit 250 ml kochendem Wasser und lassen ihn 8 bis 10 Minuten ziehen.