Das Wichtigste in Kürze
Die Kalmuswurzel ist der getrocknete Wurzelstock des Kalmus (Acorus calamus), einer schilfartigen Sumpfpflanze mit schwertförmigen Blättern, die ursprünglich aus Asien stammt. Im 16. Jahrhundert kam sie nach Mitteleuropa und wächst seither an Teichen und Ufern. Weil die Pflanze hier keine Früchte bildet, vermehrt sie sich nur über ihren Wurzelstock. Kalmus duftet warm, würzig und leicht kampferartig, war früher eine Zutat in Kräuterlikören und Parfüm, wurde zu Pfingsten gestreut und wird bis heute gern geräuchert.
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Inhalt
Was ist Kalmuswurzel?
Am Ufer eines Weihers sieht der Kalmus auf den ersten Blick aus wie Schilf oder eine Sumpf-Schwertlilie ohne Blüten. Erst wenn man ein Blatt knickt oder ein Stück Wurzel bricht, verrät er sich: Ein warmer, würziger Duft steigt auf, ein bisschen wie Zimt, Mandarine und Kampfer zugleich. Bei uns im Kräuterhof ist Kalmus eine dieser alten Pflanzen, um die sich besonders viele Geschichten ranken.
Als Kalmuswurzel bezeichnet man den getrockneten Wurzelstock, botanisch genauer das Rhizom, der Pflanze Acorus calamus. Er ist fleischig, etwa daumendick und kriecht waagerecht durch den Schlamm. Im Handel wird er geschnitten oder fein gemahlen als Kalmuspulver angeboten.
Der Name hat eine lange Reise hinter sich. Er geht über das lateinische calamus auf das griechische kálamos zurück, was Halm, Rohr oder Schilf bedeutet. Aus derselben Wurzel stammt übrigens das Wort Karamell. Im Volksmund hieß der Kalmus auch Deutscher Ingwer, Schwertheu oder Gewürzkalmus.
Wie sieht die Kalmuspflanze aus?
Kalmus ist eine ausdauernde Sumpf- und Röhrichtpflanze. Er bildet die eigene Familie der Kalmusgewächse, die Botaniker zu den ältesten noch lebenden Linien der Einkeimblättrigen zählen. Früher ordnete man ihn den Aronstabgewächsen zu.
- Wuchs: 60 bis 100 Zentimeter hoch, selten bis 120 Zentimeter, in dichten Beständen am Wasser.
- Blätter: schwertförmig, gelbgrün, mit einer deutlichen Mittelrippe und oft welligen Rändern. Zerrieben duften sie aromatisch.
- Blüte: Im Juni und Juli erscheint ein 4 bis 10 Zentimeter langer, grünlicher Blütenkolben. Er sitzt scheinbar seitlich am Stängel, weil das Hochblatt darüber wie eine Verlängerung des Stängels aussieht.
- Früchte: In Mitteleuropa reifen keine. Der bei uns verbreitete Kalmus ist eine unfruchtbare Form und vermehrt sich nur über seinen Wurzelstock.
Gerade dieser letzte Punkt ist spannend: Jeder Kalmusbestand an einem europäischen Teich geht letztlich auf Wurzelstücke zurück, die irgendwann von Menschen gepflanzt oder vom Wasser verfrachtet wurden.

Kalmuswurzel Pulver: fein gemahlen und mit warm-würzigem Duft.
Wie kam der Kalmus nach Europa?
Ursprünglich stammt der Kalmus aus Asien. Die bei uns wachsende Form entstand vermutlich in der Himalaya-Region. In Indien und China gehört der Wurzelstock seit Jahrtausenden zu den bekannten Duftpflanzen, und auch die Völker Nordamerikas kannten verwandte Kalmusformen.
Nach Mitteleuropa kam die lebende Pflanze im 16. Jahrhundert. Gern erzählt wird, dass um 1574 Wurzelstöcke aus dem Osmanischen Reich nach Wien gelangten, wo der Botaniker Carolus Clusius sie pflanzte und an Gärten in ganz Europa weitergab. Ende des 16. Jahrhunderts wuchs Kalmus bereits in England. Von den Gärten aus fand er seinen Weg an Teiche, Gräben und Flussufer.
Als Handelsware war der getrocknete Wurzelstock schon früher bekannt. Unter dem Namen Calamus aromaticus wurde er über die Gewürzrouten aus dem Orient gehandelt. Heute ist der Kalmus in Mittel- und Osteuropa bis nach Sibirien eingebürgert.
Kalmus im Brauchtum: Pfingsten, Likör und Parfüm
In Polen heißt der Kalmus tatarak. Einer Überlieferung nach sollen ihn die Tataren mitgebracht haben. Zu Pfingsten, dem „Grünen Fest“, schmückte man in vielen Dörfern Stuben, Hoftore und Kirchen mit frischen Kalmusblättern und streute sie auf den Boden. Bei jedem Schritt stieg dann der würzige Duft auf. Ähnliche Bräuche mit grünen Zweigen und duftenden Kräutern kannte man auch in anderen Gegenden Mitteleuropas.
Wegen seines Aromas war der Kalmus lange eine Zutat in Kräuterlikören und Bittern. Er stand dort neben Klassikern wie Enzian, Angelika, Wermut und Pomeranze. Früher wurden die Wurzelstücke auch in Zuckersirup gekocht und kandiert, ähnlich wie Ingwer. In der Parfümherstellung wird das aus dem Wurzelstock gewonnene Kalmusöl wegen seiner warmen, würzigen Note geschätzt.
Heute begegnet uns Kalmus vor allem als Pflanze für Liebhaber alter Kräutertraditionen. Rezepte zum Verzehr geben wir in diesem Ratgeber bewusst nicht. Wer sich für herbe Kräuterliköre interessiert, findet in unserem Ratgeber Kräuterlikör selber machen Anregungen mit anderen Kräutern.

Enzianwurzel: wie der Kalmus eine traditionelle Zutat herber Kräuterliköre.
Wie räuchert man mit Kalmuswurzel?
Beim Räuchern zeigt die Kalmuswurzel ihren Duft besonders schön. Auf der Glut oder dem Stövchen entfaltet sie eine warme, würzig-erdige Note mit einem leicht süßlichen, kampferartigen Unterton. Pur erinnert sie fast ein wenig an den Orient, in Mischungen gibt sie eine kräftige, holzige Basis.
- Vorbereiten: Eine feuerfeste Schale mit Sand füllen oder ein Räucherstövchen mit Sieb bereitstellen.
- Glut oder Teelicht: Eine Räucherkohle anzünden und durchglühen lassen, bis sie mit einer grauen Ascheschicht überzogen ist. Beim Stövchen einfach das Teelicht entzünden.
- Kalmus auflegen: Einige kleine Stücke geschnittene Kalmuswurzel oder eine Messerspitze Kalmuspulver auf die Kohle oder das Sieb geben.
- Kombinieren: Kalmus passt gut zu Weihrauch, Wacholder und Beifuß. Ein Teil Kalmus auf drei Teile Harz ist ein guter Anfang.
- Lüften: Nach dem Räuchern das Fenster öffnen und frische Luft hereinlassen.
Sicherheit: Räuchern Sie nur in gut gelüfteten Räumen und stellen Sie Schale oder Stövchen auf eine feuerfeste Unterlage. Lassen Sie Glut und Teelicht nie unbeaufsichtigt, halten Sie Kinder und Haustiere fern und denken Sie an den Rauchmelder. Räucherwerk ist nicht zum Verzehr bestimmt.
Wenn Sie neu im Räuchern sind, finden Sie alle Grundlagen in unserem Ratgeber Räuchern für Anfänger. Weitere Pflanzen für die Räucherschale stellt der Ratgeber Kräuter zum Räuchern vor.
Sabines Tipp
„Kalmus räuchere ich am liebsten auf dem Sieb über dem Teelicht. Dort verglimmt er langsam, und der Duft bleibt weich und würzig, statt scharf zu werden. Ein paar Stücke Kalmus mit etwas Weihrauch, das riecht für mich nach alter Dorfkirche an einem Pfingstsonntag.“

Mit dem Räuchersieb verglimmt Kalmuswurzel langsam und sanft.
Kalmus am Gartenteich
Wer einen Gartenteich hat, kann den Kalmus leicht selbst ansiedeln. Er wächst in der Sumpfzone und im flachen Wasser bis etwa 20 Zentimeter Tiefe, am liebsten in voller Sonne bis Halbschatten. Gepflanzt wird im Frühjahr, am besten in einem Pflanzkorb, damit sich der kriechende Wurzelstock nicht über den ganzen Teichrand ausbreitet.
- Pflege: Kalmus ist winterhart und braucht kaum Pflege. Alle paar Jahre lässt sich der Wurzelstock im Frühjahr teilen.
- Sorten: Die Form ‚Variegatus‘ hat cremeweiß gestreifte Blätter und ist eine schöne Zierde am Teichrand.
- Nachbarn: Gut passen Sumpf-Schwertlilie, Blutweiderich und Sumpfdotterblume.
Für Libellen sind die steifen Blätter beliebte Sitzwarten, und zwischen den Stängeln finden Molche und Wasserinsekten Unterschlupf.

Für Liebhaber herber Aromen: ein klassischer Liköransatz mit Kräutern und Gewürzen.
Was Sie dafür brauchen
Kalmuswurzel geschnittenGeschnittene Wurzel mit warm-würzigem DuftAnsehen
Kalmuswurzel PulverFein gemahlen für RäuchermischungenAnsehen
Räuchersiebgefäß ESieb zum sanften Räuchern über dem TeelichtAnsehen
RäucherkohleKohle zum Räuchern in der SchaleAnsehen
EnzianwurzelKlassische Bitterwurzel der AlpenAnsehen
Boonekamp-LiköransatzLiköransatz mit herben KräuternAnsehenHäufige Fragen zum Kalmus
Was ist Kalmuswurzel?
Kalmuswurzel ist der getrocknete Wurzelstock des Kalmus (Acorus calamus), einer schilfartigen Sumpfpflanze. Sie wird geschnitten oder als Pulver angeboten und duftet warm, würzig und leicht kampferartig.
Wie riecht Kalmus?
Der Wurzelstock riecht warm, würzig und erdig mit einem kampferartigen, leicht süßlichen Unterton. Zerriebene Blätter duften frischer, manche denken dabei an Mandarine oder Zimt.
Wo wächst Kalmus in Deutschland?
An Teichen, Weihern, Gräben und langsam fließenden Gewässern, im Röhricht und in der Sumpfzone. Er ist in ganz Mitteleuropa eingebürgert.
Woher kommt der Name Kalmus?
Er geht über das lateinische calamus auf das griechische kálamos für Halm, Rohr oder Schilf zurück. Auch das Wort Karamell hat hier seinen Ursprung.
Was ist der Unterschied zwischen Kalmuswurzel geschnitten und Kalmus Pulver?
Beides ist derselbe getrocknete Wurzelstock. Geschnittene Stücke verglimmen beim Räuchern langsamer, das Pulver lässt sich fein dosieren und gut unter Räuchermischungen mengen.
Kann man Kalmus im Gartenteich pflanzen?
Ja. Kalmus wächst in der Sumpfzone und im flachen Wasser bis etwa 20 Zentimeter Tiefe. Ein Pflanzkorb verhindert, dass sich der Wurzelstock zu weit ausbreitet.