Das Wichtigste in Kürze
Die Echte Kamille (Matricaria chamomilla) ist ein einjähriger Korbblütler, der von Mai bis August auf Äckern und an Wegrändern blüht. Sicher erkennen Sie sie am hohen, kegelförmigen und innen hohlen Blütenboden sowie am süßlichen Duft nach Apfel. Hundskamille, Geruchlose Kamille und Mutterkraut haben dagegen einen gefüllten Blütenboden. Als Tee schmeckt Kamille mild, weich und leicht honigartig: 1 bis 2 Teelöffel Blüten auf 250 ml Wasser, 8 bis 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen.
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Inhalt
Was ist Echte Kamille?
Kaum ein Kraut kennen so viele Menschen schon aus Kindertagen wie die Kamille. Der Duft einer Tasse Kamillentee gehört für viele zu den ersten Kräutererinnerungen überhaupt. Bei uns im Kräuterhof ist die Kamille seit Generationen eine der Pflanzen, nach denen Kundinnen und Kunden am häufigsten fragen.
Botanisch heißt die Echte Kamille Matricaria chamomilla, in älteren Büchern auch Matricaria recutita. Sie gehört zur Familie der Korbblütler. Der Name Kamille stammt aus dem Griechischen: chamaimelon bedeutet so viel wie „Erdapfel“ oder „Apfel am Boden“ und spielt auf den apfelartigen Duft der niedrigen Pflanze an. Liebevoll nennt man sie auch Apfelblümelein.
Die Kamille ist einjährig und wird 15 bis 50 Zentimeter hoch. Ursprünglich stammt sie aus Süd- und Osteuropa und Vorderasien, heute wächst sie in fast ganz Europa. Ihr Lebensraum sind Getreidefelder, Brachen, Wegränder und Schuttplätze. Im alten Ägypten soll sie als Blume des Sonnengottes gegolten haben, ein schönes Bild für die kleinen gelben Sonnen mit weißem Strahlenkranz.
Wie erkennt man Echte Kamille?
Die Echte Kamille hat drei Merkmale, an denen Sie sie sicher bestimmen können. Am besten prüfen Sie alle drei.
- Der hohle Blütenboden: Schneiden Sie ein Blütenköpfchen der Länge nach durch. Der gelbe Blütenboden ist hoch gewölbt bis kegelförmig und innen hohl. Dieses Merkmal ist das zuverlässigste.
- Der Duft: Zerreiben Sie eine Blüte zwischen den Fingern. Echte Kamille riecht süßlich, warm und nach Apfel.
- Die Blätter: Sie sind zwei- bis dreifach fiederteilig und in feine, fast fadenförmige Zipfel zerteilt, ähnlich wie Dill.
Auch die Zungenblüten verraten etwas: Bei jungen Blüten stehen die 12 bis 20 weißen Strahlen waagerecht ab, bei älteren klappen sie nach unten, während sich der gelbe Kegel immer weiter aufwölbt. Die Blütenköpfchen sind etwa 1,5 bis 2,5 Zentimeter groß und stehen einzeln an den Enden der verzweigten Stängel.

Mutterkraut: sieht der Kamille ähnlich, riecht aber herb und hat einen gefüllten Blütenboden.
Echte Kamille oder Hundskamille?
Die Kamille hat einige Doppelgänger, die sich auf derselben Wiese tummeln. Mit dem Schnitt durch das Blütenköpfchen und einem Schnuppern lassen sie sich aber gut auseinanderhalten.
- Acker-Hundskamille: Der Blütenboden ist gefüllt und trägt zwischen den Röhrenblüten kleine, spitze Spreublättchen. Sie riecht kaum oder leicht unangenehm. Die Blätter sind etwas gröber und behaart.
- Geruchlose Kamille: Sie sieht der Echten Kamille zum Verwechseln ähnlich, hat aber einen gefüllten, halbkugeligen Blütenboden und duftet nicht.
- Strahlenlose Kamille: Ihr fehlen die weißen Strahlen ganz, es gibt nur grüngelbe Köpfchen. Sie wächst gern auf festgetretenen Wegen und riecht ebenfalls nach Kamille.
- Römische Kamille: Eine ausdauernde Verwandte, oft mit gefüllten Blüten. Sie duftet kräftiger und etwas herber und wird gern als Gartenpflanze gezogen.
- Mutterkraut: Breitere, gezähnte Blätter, flacher gefüllter Blütenboden und ein kräftig herber Geruch. Mehr dazu in unserem Ratgeber Mutterkraut.
Sorgfalt beim Sammeln: Sammeln Sie nur Pflanzen, die Sie sicher bestimmen können, und nur dort, wo es erlaubt ist. Meiden Sie Feldränder, die gespritzt werden, und Straßenränder. In Schutzgebieten ist das Pflücken verboten.
Wann und wie erntet man Kamillenblüten?
Die Kamille blüht von Mai bis August. Geerntet werden nur die Blütenköpfchen, und zwar am besten in den ersten Tagen nach dem Aufblühen, wenn die weißen Zungenblüten noch waagerecht stehen. Dann ist der Duft am vollsten. Hängen die Strahlen schon nach unten, zerfallen die Köpfchen beim Trocknen leicht.
- Zeitpunkt wählen: An einem sonnigen Vormittag pflücken, wenn der Tau abgetrocknet ist.
- Köpfchen abzupfen: Die Blüten mit den Fingern oder einem Kamillenkamm abstreifen, möglichst ohne lange Stiele.
- Trocknen: Locker auf Papier oder einem Gitter ausbreiten, an einem schattigen, luftigen Ort. Nach etwa einer Woche rascheln die Blüten.
- Aufbewahren: In einem dunklen, gut schließenden Glas oder einer Dose lagern. So halten sich Kamillenblüten etwa ein Jahr.
Weitere Tipps zum Trocknen finden Sie im Ratgeber Kräuter trocknen. Früher zogen Sammler im Sommer in Scharen über die Felder. Heute ist die wilde Kamille auf vielen Äckern selten geworden, weil Felder intensiver bewirtschaftet werden. Der Großteil der Kamille im Handel stammt deshalb aus Anbau.

Zitronenmelisse und Kamille: eine klassische, milde Teemischung.
Wie bereitet man Kamillentee zu?
Kamillentee ist goldgelb und duftet nach Heu, Apfel und Honig. Er schmeckt mild, weich und dezent süßlich und passt zu jeder Tageszeit. Wichtig ist nur, dass Sie die Tasse beim Ziehen abdecken, damit der feine Duft nicht mit dem Dampf entweicht.
- Abmessen: 1 bis 2 Teelöffel Kamillenblüten in eine Tasse geben.
- Aufgießen: Mit 250 ml kochendem Wasser übergießen.
- Zugedeckt ziehen lassen: 8 bis 10 Minuten, dann abseihen. Warm oder abgekühlt genießen.
Pur ist Kamillentee ein Klassiker, doch er verträgt auch Gesellschaft. Ein paar Blätter Zitronenmelisse machen ihn frischer, eine Prise Lavendel blumiger, ein Teelöffel Honig runder. Im Sommer schmeckt er gekühlt mit einer Scheibe Zitrone. Mehr Ideen finden Sie in unserem Ratgeber Kräutertee.
Sabines Tipp
„Ein Kunde, der viel wandert, hat mir einmal erzählt, dass er nach langen Touren eine Handvoll Kamillenblüten mit warmem Wasser übergießt und die Füße darin badet. Ich mache das inzwischen auch gern, einfach weil der Duft im ganzen Bad hängt und den Abend so gemütlich macht.“

Lavendel und Kamille: blumig im Tee und im Duftkissen.
Kamille im Garten und im Brauchtum
Die Kamille lässt sich leicht selbst säen. Streuen Sie die winzigen Samen im Frühjahr oder schon im Herbst breitwürfig auf ein sonniges Beet und drücken Sie sie nur an, denn sie keimen im Licht. Die Pflanze kommt mit kargem, lehmigem Boden gut zurecht. Einmal angesiedelt, sät sie sich oft selbst wieder aus. Bienen, Schwebfliegen und kleine Käfer besuchen die Blüten gern.
Die Römische Kamille wird dagegen gern als duftender Rasen gepflanzt. In England gibt es ganze Kamillenrasen, die beim Darüberlaufen nach Apfel duften.
Auch im Haus hat die Kamille ihren Platz. Getrocknete Blüten in einem kleinen Baumwollkissen verströmen ihren sanften Duft im Wohnzimmer oder in der Leseecke. Wie Sie solche Kissen selbst füllen, zeigt unser Ratgeber Kräuterkissen. Ein altes Schönheitsritual ist die Kamillenspülung für blondes Haar: Dafür übergießt man 3 Esslöffel Blüten mit einem halben Liter kochendem Wasser, lässt alles 10 Minuten ziehen, seiht ab und spült das Haar nach der Wäsche mit dem abgekühlten Aufguss. Viele Großmütter haben das schon so gemacht, vor allem wegen des Dufts.
Was Sie dafür brauchen
KamilleGanze Kamillenblüten für Tee und DuftkissenAnsehen
Melissenblätter geschnittenZitronige Frische für KamillenteeAnsehen
Lavendel 1 extraBlumige Note für Tee und KissenAnsehen
Mutterkraut/ChrysanthemenkrautMutterkraut zum VergleichenAnsehen
GänseblümchenZarte Wiesenblüten für BlütenteeAnsehen
KissenhülleBaumwollhülle für Ihr KamillenkissenAnsehenHäufige Fragen zur Kamille
Woran erkennt man Echte Kamille?
Am hohen, kegelförmigen und innen hohlen Blütenboden, am süßlichen Apfelduft und an den fein zerteilten, fadenförmigen Blättern. Schneiden Sie zur Sicherheit ein Köpfchen der Länge nach durch.
Was ist der Unterschied zwischen Echter Kamille und Hundskamille?
Die Hundskamille hat einen gefüllten Blütenboden mit kleinen Spreublättchen und riecht kaum. Die Echte Kamille hat einen hohlen Blütenboden ohne Spreublätter und duftet nach Apfel.
Wann blüht die Kamille?
Von Mai bis August. Am aromatischsten sind die Blüten in den ersten Tagen nach dem Aufblühen, wenn die weißen Strahlen noch waagerecht stehen.
Wie lange muss Kamillentee ziehen?
8 bis 10 Minuten, am besten zugedeckt. So bleibt der feine Duft in der Tasse.
Wie schmeckt Kamillentee?
Mild, weich und dezent süßlich mit einem Duft nach Apfel, Heu und Honig. Er passt pur oder mit Melisse, Lavendel und etwas Honig.
Wie lange sind getrocknete Kamillenblüten haltbar?
Dunkel, trocken und gut verschlossen gelagert etwa ein Jahr. Danach lassen Duft und Farbe nach.