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30.10.26

Mutterkraut/Chrysanthemenkraut, 20 g – Kräuterparadies seit 1887

Mutterkraut: Botanik, Garten und Verwechslung mit Kamille

Das Wichtigste in Kürze

Mutterkraut (Tanacetum parthenium) ist ein ausdauernder Korbblütler aus dem östlichen Mittelmeerraum, der seit Jahrhunderten in Bauerngärten wächst. Es wird 30 bis 80 Zentimeter hoch, blüht von Juni bis September mit kleinen weißgelben Blütenköpfen und duftet kräftig herb. Von der Echten Kamille unterscheidet es sich vor allem durch den flachen, gefüllten Blütenboden, die breiteren Blätter und den bitter-würzigen statt apfeligen Geruch.

Lesezeit: etwa 7 Minuten

Was ist Mutterkraut?

Wer im Sommer durch einen alten Bauerngarten geht, entdeckt es oft am Zaun: ein buschiges Kraut mit unzähligen kleinen Blüten, die wie Kamille aussehen. Reibt man ein Blatt zwischen den Fingern, ist die Ähnlichkeit sofort vorbei. Das Mutterkraut riecht kräftig, herb und ein wenig nach Kampfer. Bei uns im Kräuterhof gehört es zu den Pflanzen, die Besucher am häufigsten mit Kamille verwechseln.

Botanisch heißt das Mutterkraut Tanacetum parthenium. Es gehört zur großen Familie der Korbblütler und ist ein enger Verwandter des Rainfarns. Früher führten Botaniker es auch unter dem Namen Chrysanthemum parthenium, deshalb ist es im Handel bis heute auch als Chrysanthemenkraut bekannt. Weitere alte Namen sind Falsche Kamille, Zierkamille, Jungfernkraut und Mägdeblume.

Ursprünglich stammt die Pflanze aus dem östlichen Mittelmeerraum, dem Kaukasus und Südosteuropa. In Mitteleuropa wächst sie schon so lange, dass Botaniker sie zu den Alteinwanderern zählen. Gern verwildert sie aus Gärten an Wegränder, Mauern und auf humusreiche, lehmige Böden.

Getrocknete Echte Kamille, Blütenköpfe zum Vergleich mit Mutterkraut

Echte Kamille: ähnlich auf den ersten Blick, doch Duft und Blütenboden verraten den Unterschied.

Wie sieht die Mutterkraut-Pflanze aus?

Das Mutterkraut ist eine ausdauernde Staude, die meist nur wenige Jahre lebt, sich aber fleißig selbst aussät. Die Pflanze wird 30 bis 80 Zentimeter hoch und verzweigt sich im oberen Teil stark. So entstehen lockere, schirmartige Blütenstände mit 5 bis 30 Blütenköpfchen.

  • Blätter: hellgrün bis gelbgrün, fast kahl, gestielt und fiederteilig mit zwei bis fünf Paar breiten, gezähnten Abschnitten. Sie erinnern eher an Petersilie oder Chrysanthemenlaub, nicht fein zerschlitzt wie bei der Kamille.
  • Blüten: Körbchen von etwa 1,3 bis 2,2 Zentimetern Durchmesser mit kurzen weißen Zungenblüten und einer gelben Mitte aus Röhrenblüten.
  • Blütezeit: Juni bis September, oft mit einer zweiten Blüte nach dem Rückschnitt.
  • Duft: kräftig aromatisch, herb und kampferartig, an warmen Tagen schon im Vorbeigehen zu riechen.

Typisch ist der Wuchs: Während Kamille zart und locker im Feld steht, bildet das Mutterkraut kompakte, dicht belaubte Büsche. Im Garten sieht man oft auch gefüllte Sorten, bei denen die Blüten fast nur aus weißen Zungenblüten bestehen und wie kleine Pompons aussehen. Die Sorte ‚Aureum‘ trägt goldgelbes Laub.

Mutterkraut oder Kamille: Wie unterscheidet man sie?

Die Verwechslung mit der Echten Kamille ist verständlich, denn beide tragen weiße Strahlen um eine gelbe Mitte. Mit drei einfachen Prüfungen kommen Sie aber sicher zum Ziel:

  1. Blüte aufschneiden: Schneiden Sie ein Blütenköpfchen mit dem Fingernagel oder einem Messer der Länge nach durch. Die Echte Kamille hat einen hohen, kegelförmigen und innen hohlen Blütenboden. Beim Mutterkraut ist er flach bis leicht gewölbt und mit Mark gefüllt.
  2. Blatt ansehen: Kamillenblätter sind fein und fadenförmig zerteilt, fast wie Dill. Mutterkrautblätter haben breite, gezähnte Abschnitte.
  3. Daran riechen: Kamille duftet süßlich nach Apfel und Honig. Mutterkraut riecht herb, bitter und würzig.

Auch andere Doppelgänger lassen sich so unterscheiden. Die Hundskamille hat einen gefüllten Blütenboden mit kleinen Spreublättchen zwischen den Röhrenblüten und riecht kaum. Die Geruchlose Kamille sieht der Echten sehr ähnlich, ihr Blütenboden ist aber gefüllt und sie duftet nicht. Die Margerite schließlich ist mit ihren großen Einzelblüten deutlich größer. Ein schönes Wiesenblümchen ohne Verwechslungsgefahr ist übrigens das Gänseblümchen.

Sorgfalt beim Sammeln: Sammeln Sie nur Pflanzen, die Sie sicher bestimmen können. Wie bei vielen Korbblütlern verträgt nicht jeder Mensch den frischen Pflanzensaft auf der Haut. Tragen Sie beim Schneiden größerer Mengen deshalb am besten Handschuhe.

Getrocknete Gänseblümchen, kleine weiße Korbblüten wie beim Mutterkraut

Gänseblümchen, Kamille, Mutterkraut: Die weißen Korbblüten sind nah verwandt.

Woher hat das Mutterkraut seinen Namen?

Der deutsche Name ist alt. In vielen Regionen hieß die Pflanze Matram oder Metter. Wie bei anderen Kräutern mit „Mutter“ im Namen geht er auf die alte Kräuterüberlieferung zurück, die bestimmte Pflanzen den Frauen zuordnete. Mehr als ein Stück Sprachgeschichte ist der Name heute nicht.

Spannender ist der wissenschaftliche Beiname parthenium. Er wird meist mit dem griechischen Wort parthenos für Jungfrau in Verbindung gebracht, und manche erzählen die Geschichte vom Bau des Parthenon in Athen, bei dem die Pflanze eine Rolle gespielt haben soll. Belegen lässt sich das nicht, schön erzählt ist es trotzdem. Der Gattungsname Tanacetum verbindet das Mutterkraut mit dem Rainfarn, der ebenfalls stark und herb duftet.

Mutterkraut wurde in alten Kräuterbüchern häufig beschrieben und war in Kloster- und Bauerngärten verbreitet. Schon damals schätzte man es auch als dekorative, lang blühende Staude für Beete und Sträuße.

Mutterkraut im Garten

Im Garten ist das Mutterkraut genügsam und dankbar. Es liebt einen sonnigen bis halbschattigen Platz und durchlässigen, eher humusreichen Boden. Staunässe mag es nicht. Einmal gepflanzt, sät es sich gern selbst aus, sodass Sie jedes Jahr neue Pflänzchen finden, oft auch in Pflasterfugen.

  1. Aussaat: Die feinen Samen im März und April auf Anzuchterde streuen und nur andrücken, denn sie keimen im Licht. Ab Mai ins Beet setzen, mit etwa 30 Zentimetern Abstand.
  2. Pflege: In trockenen Sommern gelegentlich gießen, sonst braucht die Pflanze wenig Aufmerksamkeit.
  3. Rückschnitt: Schneiden Sie verblühte Triebe um etwa ein Drittel zurück. Dann bildet das Mutterkraut oft bis in den Herbst neue Blüten und sät sich weniger stark aus.
  4. Vermehrung: Ältere Büsche lassen sich im Frühjahr teilen, gefüllte Sorten bleiben so sortenecht.

Die vielen offenen Blüten werden von Schwebfliegen, Wildbienen und kleinen Käfern besucht. In Sträußen hält sich Mutterkraut lange und passt schön zu Rosen, Ringelblumen und Kornblumen.

Sabines Tipp

„Wer unsicher ist, ob er Kamille oder Mutterkraut vor sich hat, sollte einfach seine Nase fragen. Mutterkraut riecht so kräftig und herb, dass man es nie wieder vergisst. Im Garten pflanze ich es gern neben Muskatellersalbei, die beiden duften zusammen nach einem richtigen Sommertag.“

Getrockneter Muskatellersalbei, Gartenkraut als Nachbar für Mutterkraut

Muskatellersalbei: ein duftender Nachbar für das Mutterkraut im Bauerngarten.

Wie schmeckt Mutterkraut-Tee?

Getrocknetes Mutterkraut wird geschnitten angeboten, mit Blättern, Stängeln und Blüten. Als Aufguss schmeckt es kräftig, herb und deutlich bitter, mit einer würzigen, leicht kampferartigen Note. Wer milde Blütentees gewohnt ist, wird überrascht sein.

  1. Abmessen: 1 bis 2 Teelöffel Mutterkraut in eine Tasse geben.
  2. Aufgießen: Mit einem Viertelliter kochendem Wasser übergießen.
  3. Ziehen lassen: 8 bis 10 Minuten ziehen lassen und abseihen.

Weil der Geschmack so ausgeprägt ist, verwenden viele das Kraut lieber in Mischungen. Zitronenmelisse, Kamille oder ein paar Blüten Lavendel runden das Herbe ab. Wie Sie dabei vorgehen, zeigt unser Ratgeber Kräutertee selber mischen. Getrocknet hält sich Mutterkraut dunkel, trocken und gut verschlossen etwa ein Jahr.

Geschnittene Melissenblätter, milder Partner für Mutterkraut-Tee

Zitronenmelisse bringt eine frische, zitronige Note in herbe Kräutermischungen.

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Häufige Fragen zum Mutterkraut

Ist Mutterkraut dasselbe wie Kamille?

Nein. Beide sind Korbblütler mit weißen Strahlen und gelber Mitte, gehören aber zu verschiedenen Gattungen. Echte Kamille hat einen hohlen, kegelförmigen Blütenboden und duftet nach Apfel, Mutterkraut einen flachen, gefüllten Blütenboden und einen herben Geruch.

Was ist der lateinische Name von Mutterkraut?

Mutterkraut heißt botanisch Tanacetum parthenium. Ältere Bezeichnungen sind Chrysanthemum parthenium und Matricaria parthenium, daher auch der Handelsname Chrysanthemenkraut.

Ist Mutterkraut winterhart?

Ja, die Staude übersteht mitteleuropäische Winter gut. Einzelne Pflanzen leben oft nur wenige Jahre, durch Selbstaussaat bleibt das Mutterkraut aber dauerhaft im Garten.

Wann blüht Mutterkraut?

Von Juni bis September. Schneiden Sie verblühte Triebe zurück, kommt häufig eine zweite Blüte bis in den Herbst.

Wie schmeckt Mutterkraut?

Kräftig, herb und bitter mit einer würzigen, kampferartigen Note. Als Tee wird es deshalb gern mit milderen Kräutern wie Melisse oder Kamille gemischt.