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17.09.20

Klettenwurzel, 20 g – Kräuterparadies seit 1887

Klettenwurzel: Die Klette in Botanik, Küche und Geschichte

Das Wichtigste in Kürze

Die Klettenwurzel ist die lange Pfahlwurzel der Großen Klette (Arctium lappa), eines zweijährigen Korbblütlers. Geerntet wird sie im Herbst des ersten oder im Frühjahr des zweiten Jahres, bevor die Pflanze blüht. In Japan ist sie als Gobo ein beliebtes Gemüse mit erdig-süßlichem Geschmack. Die hakigen Blütenköpfe der Klette waren das Vorbild für den Klettverschluss.

Lesezeit: etwa 5 Minuten

Was ist Klettenwurzel?

Nach einem Spaziergang am Feldrand hängen sie plötzlich am Pullover oder im Fell des Hundes: kleine, stachelige Kugeln, die sich kaum lösen lassen. Das sind die Blütenköpfe der Klette. Unter der Erde hat dieselbe Pflanze eine lange, kräftige Wurzel, die Klettenwurzel.

Die Große Klette heißt botanisch Arctium lappa und gehört zu den Korbblütlern, wie Artischocke, Distel und Sonnenblume. Der Gattungsname wird meist vom griechischen arktos für „Bär“ abgeleitet, wohl wegen der rauen, struppigen Blütenköpfe. Das deutsche Wort Klette ist mit „kleben“ verwandt und beschreibt, was jeder von ihr kennt. Im Volksmund hieß die Wurzel früher auch Grindwurzel.

Die Wurzel ist außen braun bis schwarzbraun und innen hell. Sie kann über einen halben Meter tief in den Boden reichen. Getrocknet und geschnitten kommt sie als Klettenwurzel in den Handel, fein vermahlen als Klettenwurzelpulver.

Wie erkennt man die Große Klette?

Die Große Klette ist zweijährig. Ihr Aussehen ändert sich deshalb stark vom ersten zum zweiten Jahr:

  1. Erstes Jahr: Die Pflanze bildet nur eine flache Rosette aus großen, herzförmigen Blättern. Sie sind oft 30 bis 50 Zentimeter lang, oben grün und auf der Unterseite graufilzig.
  2. Zweites Jahr: Aus der Rosette wächst ein kräftiger, verzweigter Stängel, der 1 bis 2 Meter hoch werden kann.
  3. Blüte: Von Juli bis September erscheinen kugelige Köpfchen mit purpurroten Röhrenblüten. Die grünen Hüllblätter darum enden in feinen Widerhaken.
  4. Standort: Die Klette wächst an Wegrändern, Waldrändern, auf Schuttplätzen und an Zäunen, gern auf stickstoffreichem Boden.

Bei uns kommen mehrere Arten vor: die Große Klette, die Kleine Klette mit kleineren Köpfchen und die Filz-Klette, deren Köpfchen wie von Spinnweben überzogen aussehen. Junge Blattrosetten ähneln auf den ersten Blick anderen großblättrigen Pflanzen. Wer Wurzeln selbst ausgraben möchte, sollte die Pflanze deshalb im Sommer zuvor an ihren Blüten sicher bestimmt haben. Wie Sie solche Pflanzen am Wegrand kennenlernen, lesen Sie im Ratgeber Wildkräuter.

Getrocknete Klettenblätter der Großen Klette

Die großen Blätter der Klette, getrocknet und geschnitten.

Die Klette und der Klettverschluss

Die Klette ist ein Lehrbuchbeispiel dafür, was der Mensch von Pflanzen abschauen kann. Ihre Köpfchen sind darauf angelegt, an Tieren hängen zu bleiben. So tragen Fuchs, Reh und Hund die Samen weit fort.

Genau das fiel dem Schweizer Ingenieur George de Mestral Anfang der 1940er-Jahre nach einem Jagdausflug mit seinem Hund auf. Er betrachtete die Kletten aus dem Hundefell unter dem Mikroskop und sah unzählige winzige Häkchen, die sich in Schlaufen verhaken. Nach jahrelangem Tüfteln meldete er 1951 sein Patent für einen Verschluss aus Häkchen- und Schlaufenband an. Der Markenname Velcro setzt sich aus den französischen Wörtern velours und crochet zusammen, Samt und Haken. Heute gilt der Klettverschluss als einer der bekanntesten Fälle von Bionik.

Gobo: Klettenwurzel in der Küche

Was bei uns am Wegrand wächst, ist in Japan ein geschätztes Gemüse. Dort heißt die Klettenwurzel Gobo und wird auf Feldern angebaut, mit besonders langen, geraden Wurzeln. Sie schmeckt erdig, leicht süßlich und nussig, ein wenig wie eine Mischung aus Schwarzwurzel und Artischocke. Frischen Gobo bekommen Sie gelegentlich in Asialäden.

Rezept: Kinpira Gobo für zwei Personen

  1. Vorbereiten: Eine frische Klettenwurzel von etwa 30 Zentimetern und eine Karotte waschen, die Wurzel nur abbürsten. Beides in streichholzdünne Stifte schneiden. Die Wurzel kurz in kaltes Wasser legen, damit sie hell bleibt.
  2. Anbraten: Einen Esslöffel Sesamöl in einer Pfanne erhitzen und die abgetropften Stifte drei bis vier Minuten unter Rühren braten.
  3. Würzen: Mit je einem Esslöffel Sojasauce und Mirin sowie einem Teelöffel Zucker ablöschen und einköcheln lassen, bis die Flüssigkeit fast verschwunden ist.
  4. Servieren: Mit geröstetem Sesam bestreuen, nach Geschmack mit einer Prise Chili. Dazu passt Reis.

Getrocknete Klettenwurzel: Gobo-Tee und Pulver

Mit getrockneter Klettenwurzel lässt sich ein Getränk nach japanischem Vorbild zubereiten. Rösten Sie die Wurzelstückchen in einer trockenen Pfanne, bis sie duften und etwas dunkler werden. Mit heißem Wasser aufgegossen ergeben sie einen nussigen, leicht röstigen Aufguss. Klettenwurzelpulver können Sie in kleinen Mengen in Brotteig oder herzhafte Suppen rühren, für eine erdige Note.

Sesamkörner natur zum Bestreuen von Kinpira Gobo mit Klettenwurzel

Gerösteter Sesam gehört zu Kinpira Gobo.

Sabines Tipp

„Die Klettenwurzel röste ich bei mittlerer Hitze und rühre dabei ständig. Sobald es in der Küche nach geröstetem Brot duftet, ist sie fertig. Abgekühlt bewahre ich sie im Schraubglas auf, dann habe ich sie gleich zur Hand.“

Klettenwurzelöl: ein altes Pflegeritual

Ein Ölauszug aus Klettenwurzel gehört seit Generationen zur traditionellen Haarpflege. Für viele ist er heute ein kleines Ritual: ein paar Tropfen in die Haarspitzen oder den Bart einmassieren, eine Weile einwirken lassen und mit einem milden Shampoo auswaschen. Wer es nicht selbst ansetzen möchte, findet bei uns ein fertiges Klettenwurzelhaar- und Bartöl.

Klettenwurzelöl selbst ansetzen

  1. Ansetzen: 100 Gramm getrocknete, zerkleinerte Klettenwurzel in ein sauberes Glas geben und mit 500 ml Mandelöl übergießen, bis alles bedeckt ist.
  2. Ziehen lassen: Das Glas gut verschließen und etwa vier Wochen an einem dunklen Ort stehen lassen. Ab und zu umschütteln.
  3. Abseihen: Das Öl durch ein feines Tuch abseihen und in eine dunkle, verschließbare Flasche füllen. Mit Datum beschriften.

Sorgfalt: Verwenden Sie nur gut getrocknete Wurzeln und saubere, trockene Gläser. Riecht das Öl ranzig, wird es trüb oder zeigt sich Schimmel, gehört es weggeworfen. Weitere Rezepte für die eigene Pflege finden Sie im Ratgeber Naturkosmetik selber machen.

Klettenwurzelhaar- und Bartöl in einer Flasche

Fertig angesetzt: unser Klettenwurzelhaar- und Bartöl.

Was Sie dafür brauchen

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Häufige Fragen zur Klettenwurzel

Wie heißt Klettenwurzel auf Latein?

Die Große Klette heißt botanisch Arctium lappa. Die getrocknete Wurzel findet man im Handel auch unter der Bezeichnung Radix Bardanae.

Wie schmeckt Klettenwurzel?

Frisch schmeckt sie erdig, leicht süßlich und nussig, ähnlich wie Schwarzwurzel oder Artischocke. Geröstet bekommt sie ein röstiges, an Brotkruste erinnerndes Aroma.

Was ist Gobo?

Gobo ist der japanische Name für die Klettenwurzel. In Japan wird sie als Gemüse angebaut und zum Beispiel als Kinpira Gobo mit Karotte, Sojasauce und Sesam gebraten.

Wann erntet man Klettenwurzel?

Im Herbst des ersten Jahres oder im zeitigen Frühjahr des zweiten Jahres, solange die Pflanze nur eine Blattrosette hat. Bildet sie den Blütenstängel, wird die Wurzel holzig.

Kann man Klettenblätter verwenden?

Die getrockneten Blätter werden gern in Kräutermischungen verwendet. Frisch schmecken sie recht bitter und werden in der Küche kaum gegessen.

Wo kann man Klettenwurzel kaufen?

Getrocknete Klettenwurzel, Klettenwurzelpulver und Klettenblätter finden Sie bei uns im Shop unter den Einzelkräutern und Kräuterpulvern.

Quellen: Wikipedia: Klettverschluss