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06.01.14

Odermennigkraut, 20 g – Kräuterparadies seit 1887

Odermennig: Gelbe Ähren am Wegrand

Das Wichtigste in Kürze

Der Odermennig (Agrimonia eupatoria) ist ein heimisches Rosengewächs mit langen, gelben Blütenähren, das von Juni bis September an sonnigen Wegrändern und Waldsäumen blüht. Seine kleinen Früchte tragen Hakenborsten und bleiben als Kletten im Fell von Tieren hängen. Getrocknet kommt das blühende Kraut als Odermennigkraut in den Handel: Als Tee schmeckt es mild, herb und leicht bitter. Früher färbte man mit der Pflanze außerdem Wolle gelb.

Lesezeit: etwa 7 Minuten

Was ist Odermennig?

Wer im Hochsommer einen Feldweg entlanggeht, sieht ihn oft schon von Weitem: schlanke, aufrechte Stängel mit einer langen Kerze aus kleinen, goldgelben Blüten. Das ist der Odermennig, genauer der Gewöhnliche oder Kleine Odermennig. Botanisch heißt er Agrimonia eupatoria und gehört zur großen Familie der Rosengewächse, ist also ein entfernter Verwandter von Rose, Frauenmantel und Nelkenwurz.

Die Pflanze ist eine ausdauernde Staude. Sie treibt jedes Frühjahr aus einem tief im Boden sitzenden Wurzelstock neu aus und wird meist zwischen 30 Zentimetern und einem Meter hoch, an guten Stellen auch deutlich mehr. Der Odermennig liebt Sonne und kalkhaltige, eher trockene Böden. Sie finden ihn an Wegrainen, Böschungen, Hecken, Waldrändern und auf mageren Wiesen in fast ganz Europa.

Die Blütezeit reicht von Juni bis September. In dieser Zeit wird das Kraut auch geerntet, denn Odermennigkraut besteht aus den getrockneten, oberirdischen Teilen der blühenden Pflanze.

Wie erkennt man Odermennig?

Mit ein wenig Übung ist der Odermennig gut zu bestimmen. Achten Sie auf diese Merkmale:

  • Blütenstand: eine lange, ährenartige Traube mit vielen kleinen, gelben Blüten. Jede Blüte hat fünf Kronblätter, wie es sich für ein Rosengewächs gehört.
  • Blätter: unterbrochen gefiedert. Große, gesägte Fiederblättchen wechseln sich mit ganz kleinen ab. Auf der Unterseite sind sie graufilzig behaart.
  • Stängel: aufrecht, meist unverzweigt und rau behaart.
  • Früchte: kleine, kreiselförmige Nüsschen mit einem Kranz aus Hakenborsten.

Diese Früchte sind das schönste Erkennungszeichen. Sie bleiben im Spätsommer an Hosenbeinen, Socken und Hundefell hängen. In der Natur übernehmen Schafe, Rinder, Rehe und Wildschweine den Transport, und so reist der Odermennig mit ihnen oft weit über die Wiese hinaus. Nicht umsonst nannte man ihn auch Klettenkraut oder Schafklette.

Sehr ähnlich ist der seltenere Wohlriechende Odermennig (Agrimonia procera). Er wird größer, duftet beim Zerreiben deutlich harzig und wächst gern etwas schattiger und auf kalkärmeren Böden. Bei seinen Früchten stehen die untersten Borsten zurückgebogen ab. Für den Teegenuss wird in der Regel der Gewöhnliche Odermennig gesammelt.

Getrocknete Schafgarbenblüten, ein Wiesenkraut, das wie der Odermennig an sonnigen Wegrändern wächst

Schafgarbe: Nachbarin des Odermennigs am sonnigen Wegrand und eine gute Partnerin im Tee.

Woher kommt der Name Odermennig?

Der Name klingt urdeutsch, ist aber ein Wanderwort. Er geht auf den lateinischen Gattungsnamen Agrimonia zurück, der wiederum vom griechischen Pflanzennamen argemōnion abgeleitet ist. Über das Althochdeutsche avermonia und das Mittelhochdeutsche odermenie wurde das fremde Wort so lange im Volksmund geschliffen, bis daraus „Odermennig“ wurde.

Daneben gibt es eine bunte Reihe von Volksnamen. „Ackermennig“ und „Ackerkraut“ verraten den Standort am Feldrand. „Kirchturm“ spielt auf den langen, aufrechten Blütenstängel an, der aus der Wiese ragt. Und der schöne Name „Sängerkraut“ erinnert daran, dass Sänger und Redner sich früher gern eine Tasse Odermennigtee aufgossen, so jedenfalls erzählt es die Überlieferung.

Die Pflanze hat eine lange Geschichte in den Gärten. Schon der Reichenauer Mönch Walahfrid Strabo nannte die agrimonia im 9. Jahrhundert in seinem Gartengedicht, und auch die großen Kräuterbücher des 16. Jahrhunderts widmeten ihr ein eigenes Kapitel. Welche Pflanze die antiken Autoren genau meinten, lässt sich allerdings nicht immer sicher sagen.

Odermennig als Färberpflanze

Weniger bekannt ist, dass der Odermennig zu den alten Färberpflanzen gehört. Mit dem Kraut oder der ganzen Pflanze lässt sich Schafwolle, die vorher mit Alaun gebeizt wurde, in einem warmen Gelbton färben. Je später im Jahr die Pflanzen geerntet werden, desto kräftiger und dunkler fällt das Gelb aus.

Wer Freude am Pflanzenfärben hat, kann es mit einem kleinen Wollstrang ausprobieren:

  1. Beizen: Die Wolle nach der Anleitung Ihres Alauns in einem eigenen Topf vorbeizen und gut ausspülen.
  2. Sud ansetzen: Etwa gleich viel frisches oder getrocknetes Odermennigkraut wie Wolle (nach Gewicht) über Nacht in Wasser einweichen, dann rund eine Stunde sanft köcheln und abseihen.
  3. Färben: Die feuchte Wolle in den abgekühlten Sud legen, langsam erhitzen und etwa eine Stunde knapp unter dem Siedepunkt ziehen lassen.
  4. Abkühlen: Die Wolle im Sud abkühlen lassen, lauwarm ausspülen und im Schatten trocknen.

Hinweis: Verwenden Sie zum Färben eigene Töpfe und Löffel, die Sie nicht mehr für Lebensmittel nutzen, und arbeiten Sie bei gutem Lüften. Die Licht- und Waschechtheit des Gelbtons gilt als mittelmäßig.

Wie schmeckt Odermennig Tee?

Odermennigkraut ergibt einen hellen, goldgelben Aufguss. Der Geschmack ist mild-herb und leicht bitter, mit einer feinen, krautigen Würze. Durch die enthaltenen Gerbstoffe fühlt sich der Tee im Mund etwas trocken an, ähnlich wie ein kräftiger Schwarztee. Wer herbe Kräutertees mag, wird ihn gern pur trinken. Allen anderen empfehle ich, ihn mit milderen Kräutern zu mischen.

  1. Abmessen: 1 bis 2 Teelöffel Odermennigkraut in eine Tasse oder ein Teesieb geben.
  2. Aufgießen: Mit ¼ Liter kochendem Wasser übergießen.
  3. Ziehen lassen: Den Tee zugedeckt etwa 8 bis 10 Minuten ziehen lassen. Je länger, desto herber wird er.
  4. Verfeinern: Abseihen und nach Geschmack mit etwas Honig süßen.

Gute Partner sind Schafgarbe, Gundelrebe und Spitzwegerich, die alle ebenfalls an Wegrändern und Wiesen zu Hause sind. Etwas Melisse oder Pfefferminze bringt Frische hinein. Wie Sie eigene Mischungen zusammenstellen, lesen Sie in unserem Ratgeber Kräutertee selber mischen.

Getrocknetes Gundelrebenkraut, würziger Partner für Odermennig Tee

Gundelrebe bringt eine würzig-balsamische Note in den Odermennigtee.

Sabines Tipp

„Ich mische Odermennig gern zu gleichen Teilen mit Gundermann und Schafgarbe. Das ergibt einen runden, herb-würzigen Wiesentee, den ich im Spätsommer auch einmal kalt als Eistee ansetze.“

Odermennig sammeln, trocknen und im Garten ansiedeln

Der Gewöhnliche Odermennig ist weit verbreitet und steht in Deutschland nicht unter besonderem Schutz. Für den eigenen Bedarf dürfen Sie deshalb an Wegrändern eine kleine Menge pflücken, etwa einen Handstrauß. In Naturschutzgebieten ist das Sammeln dagegen tabu. Meiden Sie außerdem Stellen direkt an viel befahrenen Straßen und gespritzte Ackerränder.

  1. Zeitpunkt: Ernten Sie an einem trockenen Vormittag zur Blütezeit, wenn die unteren Blüten offen sind und oben noch Knospen sitzen.
  2. Schneiden: Schneiden Sie nur das obere Drittel der Stängel mit Blüten und Blättern ab. So treibt die Pflanze weiter.
  3. Trocknen: Binden Sie kleine Sträuße und hängen Sie sie kopfüber an einem luftigen, schattigen Ort auf.
  4. Aufbewahren: Wenn die Blätter rascheln, das Kraut grob zerkleinern und dunkel, trocken und gut verschlossen lagern.

Mehr dazu finden Sie im Ratgeber Kräuter trocknen.

Im Naturgarten ist der Odermennig eine dankbare Staude. Er braucht einen sonnigen Platz und durchlässigen, gern kalkhaltigen Boden, Dünger braucht er nicht. Am schönsten sieht er in Gruppen am Rand einer Blumenwiese oder in einem trockenen Staudenbeet aus. Bienen, Hummeln und Schwebfliegen besuchen die gelben Blüten gern. Säen Sie im Herbst direkt ins Freie oder setzen Sie Jungpflanzen aus der Staudengärtnerei.

Getrocknetes Spitzwegerichkraut, ein Wegrandkraut wie der Odermennig

Spitzwegerich wächst oft gleich neben dem Odermennig am Wegrand.

Was Sie dafür brauchen

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Häufige Fragen zum Odermennig

Wie schmeckt Odermennig Tee?

Mild-herb, leicht bitter und krautig. Durch die Gerbstoffe fühlt er sich im Mund etwas trocken an. Mit Melisse, Pfefferminze oder etwas Honig wird er runder.

Was ist Odermennigkraut?

Odermennigkraut sind die getrockneten, oberirdischen Teile des blühenden Odermennigs, also Stängel, Blätter und Blüten. Es wird geschnitten als Kräutertee angeboten.

Wie heißt Odermennig botanisch?

Der Gewöhnliche Odermennig heißt Agrimonia eupatoria und gehört zu den Rosengewächsen. Der seltenere Wohlriechende Odermennig heißt Agrimonia procera.

Wann blüht Odermennig?

Von Juni bis September. Zur Blütezeit wird auch das Kraut für Tee geerntet.

Ist Odermennig geschützt?

Der Gewöhnliche Odermennig steht in Deutschland nicht unter besonderem Schutz. Eine kleine Menge für den eigenen Bedarf dürfen Sie außerhalb von Schutzgebieten pflücken.

Kann man Odermennig im Garten pflanzen?

Ja. Er braucht Sonne und einen durchlässigen, gern kalkhaltigen Boden. Im Naturgarten oder am Rand einer Blumenwiese fühlt er sich wohl und lockt viele Insekten an.