Das Wichtigste in Kürze
Der Weißdorn (Crataegus) ist ein dorniger Strauch aus der Familie der Rosengewächse, der in Hecken und an Waldrändern wächst. Im Mai trägt er dichte, weiße Blütendolden mit roten Staubbeuteln, im Herbst rote, mehlige Früchte, die man früher „Mehlfässchen“ nannte. Blüten und Blätter werden als milder Kräutertee getrocknet, die Beeren eignen sich für Gelee und Mus. Als Hagedorn ist er seit jeher Grenzpflanze, Vogelschutzgehölz und Teil vieler Bräuche.
Lesezeit: etwa 7 Minuten
Inhalt
- Was ist Weißdorn?
- Wann blüht der Weißdorn und wie sieht die Blüte aus?
- Wie unterscheidet man Weißdorn und Schlehe?
- Kann man Weißdornbeeren essen?
- Warum ist der Weißdorn so wichtig für die Hecke?
- Welche Bedeutung hat der Weißdorn im Brauchtum?
- Wie sammelt und trocknet man Weißdornblüten?
- Was Sie dafür brauchen
- Häufige Fragen
Was ist Weißdorn?
Wenn im Mai die Hecken entlang der Feldwege plötzlich wie verschneit aussehen, blüht der Weißdorn. Bei uns in Niederbayern steht er an fast jedem Waldrand und zwischen den Feldern. Aus der Ferne wirkt er zart. Wer näher kommt, sieht die kräftigen Dornen, die ihm seinen Namen gegeben haben.
Der Weißdorn gehört zu den Rosengewächsen und ist damit mit Apfel, Birne und Eberesche verwandt. In Mitteleuropa sind zwei Arten verbreitet: der Eingriffelige Weißdorn (Crataegus monogyna) und der Zweigriffelige Weißdorn (Crataegus laevigata). Beide wachsen als dichter Strauch oder kleiner Baum und können mehrere Meter hoch werden. Sie kreuzen sich gern untereinander, deshalb ist die genaue Bestimmung oft schwierig.
Die Dornen sind umgewandelte Kurztriebe und bis zu zwei Zentimeter lang. Die Blätter sind gelappt: beim Eingriffeligen tief eingeschnitten mit drei bis sieben Lappen, beim Zweigriffeligen flacher. Der Gattungsname Crataegus wird meist vom griechischen kratos für Stärke abgeleitet und spielt auf das sehr harte, zähe Holz an.
Wann blüht der Weißdorn und wie sieht die Blüte aus?
Die Weißdorn-Blüte beginnt meist Anfang bis Mitte Mai, wenn die Blätter schon ausgetrieben sind. Jede einzelne Blüte hat fünf runde, weiße Kronblätter und in der Mitte viele Staubblätter mit rötlichen bis purpurnen Staubbeuteln. Dutzende Blüten sitzen zusammen in flachen Doldenrispen, sodass der ganze Strauch weiß leuchtet.
Der Duft ist eigen. Aus der Nähe riechen die Blüten süßlich, viele Menschen nehmen zusätzlich eine herbe, fast etwas fischige Note wahr. Damit lockt der Weißdorn vor allem Fliegen, Käfer und Wildbienen an. Getrocknet verliert sich diese Note, dann duften die Blüten zart und blumig.
In Gärten und an Straßen sieht man oft den Rotdorn. Er ist keine eigene Wildart, sondern eine rot gefüllt blühende Gartenform des Zweigriffeligen Weißdorns.

Weißdornkraut: junge Blätter und Zweigspitzen, zusammen mit den Blüten gesammelt.
Wie unterscheidet man Weißdorn und Schlehe?
In der Hecke wachsen Weißdorn und Schlehe oft Seite an Seite. Beide sind dornig und blühen weiß, trotzdem sind sie leicht auseinanderzuhalten:
- Blütezeit: Die Schlehe (Schwarzdorn) blüht schon im März und April, bevor sich die Blätter zeigen. Der Weißdorn blüht später im Mai, zwischen frischem Grün.
- Blätter: Weißdornblätter sind gelappt, Schlehenblätter klein, länglich und am Rand fein gesägt.
- Rinde: Die Schlehe hat dunkle, fast schwarze Zweige. Beim Weißdorn sind sie heller und graubraun.
- Früchte: Schlehen sind blauschwarz und bereift, Weißdornfrüchte rot.

Schlehdornblüten: Die Schlehe blüht in der Hecke einige Wochen vor dem Weißdorn.
Kann man Weißdornbeeren essen?
Ja, die roten Früchte sind essbar. Im September und Oktober färben sie sich leuchtend rot. Ihr Fruchtfleisch ist trocken und mehlig, deshalb hießen sie früher Mehlbeeren oder „Mehlfässchen“. Der Geschmack ist mild, leicht süßlich und etwas herb, ein wenig wie ein mehliger Apfel.
Roh nascht man höchstens ein paar. Die harten Kerne sollte man, wie beim Apfel, nicht mitessen. Am besten verarbeiten Sie die Früchte zu Mus oder Gelee und streichen sie dafür durch ein Sieb. Getrocknete Weißdornbeeren ergeben einen rötlichen, fruchtig-milden Aufguss.
Heckengelee aus Weißdornbeeren und Äpfeln
Ein Rezept für den Herbstspaziergang: mild, fruchtig und schön rot.
Zutaten:
- 500 g frische Weißdornbeeren, entstielt
- 500 g säuerliche Äpfel
- 500 ml Wasser
- Saft von 1 Zitrone
- Gelierzucker 2:1 (Menge nach Saft)
- Kochen: Beeren waschen, Äpfel grob würfeln und mit dem Wasser etwa 20 Minuten weich kochen.
- Passieren: Die Masse durch ein Tuch oder ein feines Sieb abtropfen lassen, damit Kerne und Schalen zurückbleiben.
- Gelieren: Den Saft abmessen, mit Zitronensaft und Gelierzucker nach Packungsangabe sprudelnd kochen.
- Abfüllen: Heiß in saubere Gläser füllen und sofort verschließen.
Wer mag, mischt einige Hagebutten dazu. Sie wachsen oft in derselben Hecke und bringen eine säuerliche Note mit.

Getrocknete Weißdornbeeren: mild, fruchtig und leicht herb im Geschmack.
Warum ist der Weißdorn so wichtig für die Hecke?
Kaum ein Strauch passt so gut in eine Naturhecke. Der Weißdorn verträgt Schnitt, wird mit den Jahren dicht und undurchdringlich und hält mit seinen Dornen ungebetene Gäste fern. Für Vögel ist das ideal: In seinem Inneren brüten Amsel, Grasmücke und Goldammer geschützt vor Katzen und Greifvögeln.
Die Blüten sind im Mai eine reiche Nahrungsquelle für Insekten, die Früchte im Winter für Drosseln, Amseln und Seidenschwänze. Der Neuntöter nutzt die Dornen auf seine Weise: Er spießt erbeutete Käfer darauf auf und legt sich so einen Vorrat an.
Wer eine Weißdornhecke pflanzen möchte, setzt im Herbst wurzelnackte Jungpflanzen, etwa drei bis vier pro Meter. Gut kombinieren lässt er sich mit Schlehe, Heckenrose, Haselnuss und Holunder.
Heckenschnitt: Zwischen 1. März und 30. September sind starke Rückschnitte von Hecken nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten, schonende Formschnitte bleiben erlaubt. Schauen Sie vor dem Schneiden immer nach besetzten Nestern.
Welche Bedeutung hat der Weißdorn im Brauchtum?
Sein alter Name ist Hagedorn. Ein Hag war ein umzäuntes, geschütztes Stück Land, und dornige Hecken bildeten seine Grenze. Eine verbreitete Deutung leitet sogar das Wort Hexe davon ab: Das althochdeutsche hagazussa wird oft als „die auf dem Hag Sitzende“ übersetzt, als Wesen an der Grenze zwischen Dorf und Wildnis.
Im Volksglauben galt die Dornenhecke als Schutz für Haus und Hof. Wer an Dornröschen denkt, sieht ebenfalls eine Hecke vor sich, die hundert Jahre lang ein Schloss umschließt. Viele stellen sich dabei Weißdorn oder Heckenrose vor. Auch rund um den Mai und die Walpurgisnacht spielte der blühende Strauch eine Rolle.
In England heißt der Weißdorn bis heute „May“, nach seinem Blühmonat. Dort galt es lange als Unglück, blühende Zweige ins Haus zu holen. In Irland lässt man einzeln stehende Weißdornbüsche auf Feldern traditionell stehen, weil sie als Feenbäume gelten. Und im englischen Glastonbury erzählt man die Legende eines Weißdorns, der um die Weihnachtszeit ein zweites Mal blüht.
Wie sammelt und trocknet man Weißdornblüten?
- Zeitpunkt: Sammeln Sie im Mai, wenn die ersten Blüten gerade aufgegangen sind und viele Knospen noch geschlossen sind.
- Ernte: An einem trockenen, sonnigen Vormittag kleine Blütenstände mit den jungen Blättern abzwicken. Nur von gesunden Sträuchern abseits von Straßen und gespritzten Feldern sammeln.
- Trocknen: Locker auf Papier oder einem Gitter ausbreiten und an einem schattigen, luftigen Ort trocknen. Mehr dazu in unserem Ratgeber Kräuter trocknen.
- Lagern: Die raschelnd trockenen Blüten in einem dunklen, gut schließenden Glas aufbewahren und innerhalb eines Jahres verbrauchen.
Als Tee schmecken Weißdornblüten mild, zart blumig und kaum herb. Gießen Sie ein bis zwei Teelöffel mit einem Viertelliter heißem Wasser auf und lassen Sie den Aufguss einige Minuten ziehen. Allein ist er sehr dezent, deshalb mischt man ihn gern mit anderen Kräutern. Ideen dafür finden Sie im Beitrag Kräutertee selber mischen.
Sabines Tipp
„Ich mische mir im Herbst gern einen Heckentee aus Weißdornblüten, ein paar Weißdornbeeren, Hagebuttenschalen und Schlehdornblüten. Alles, was in einer Feldhecke wächst, kommt so in eine Tasse. Er schmeckt mild und fruchtig und hat eine schöne rötliche Farbe.“
Was Sie dafür brauchen
WeißdornblütenZart blumige Blüten für milden KräuterteeAnsehen
WeißdornbeerenDie roten Mehlfässchen, getrocknetAnsehen
WeißdornkrautJunge Blätter und ZweigspitzenAnsehen
SchlehdornblütenDie weißen Blüten der SchleheAnsehen
SchlehdornfrüchteGetrocknete Schlehen für Ansätze und TeeAnsehen
Hagebutten SchalenFür den fruchtigen HeckenteeAnsehenHäufige Fragen zum Weißdorn
Wann blüht der Weißdorn?
Meist im Mai, je nach Lage und Höhe von Ende April bis Anfang Juni. Er blüht damit einige Wochen nach der Schlehe und nach dem Blattaustrieb.
Wie riecht die Weißdorn-Blüte?
Frisch riecht sie süßlich mit einer herben, für manche leicht fischigen Note, die vor allem Fliegen und Käfer anlockt. Getrocknet duften die Blüten zart und blumig.
Sind Weißdornbeeren giftig?
Nein, das Fruchtfleisch ist essbar, aber mehlig und mild. Die harten Kerne sollte man wie beim Apfel nicht mitessen. Am besten verarbeiten Sie die Beeren zu Gelee oder Mus und passieren sie dabei.
Was ist der Unterschied zwischen Weißdorn und Rotdorn?
Rotdorn ist eine Gartenform des Zweigriffeligen Weißdorns mit rosa bis roten, meist gefüllten Blüten. Er wird gern als Straßen- und Hausbaum gepflanzt.
Wie schmeckt Weißdornblütentee?
Sehr mild, zart blumig und kaum herb. Mit Weißdornbeeren oder Hagebutten wird er fruchtiger und färbt sich rötlich.
Wann schneidet man eine Weißdornhecke?
Ein kräftiger Rückschnitt ist nur von Oktober bis Ende Februar erlaubt. Einen leichten Formschnitt können Sie nach der Brutzeit im Sommer machen, wenn keine Nester mehr besetzt sind.