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17.10.24

Baldrianwurzel, 20 g – Kräuterparadies seit 1887

Baldrian: Porträt der Pflanze, die Katzen lieben

Das Wichtigste in Kürze

Der Echte Baldrian (Valeriana officinalis) ist eine heimische Staude, die 50 bis 150 Zentimeter hoch wird und von Juni bis August zart süßlich duftende, weiß bis rosa Blütendolden trägt. Er wächst an feuchten Wiesen, Gräben und Waldrändern. Bekannt ist vor allem die Baldrianwurzel: Beim Trocknen entwickelt sie einen sehr kräftigen, eigenwilligen Geruch, auf den viele Katzen mit Schnuppern, Reiben und Wälzen reagieren. Im Volksglauben galt Baldrian als Schutzpflanze gegen Hexen und gehört zu den alten Kräutern im Kräuterbuschen.

Lesezeit: etwa 7 Minuten

Was ist Baldrian?

Wer eine Dose Baldrianwurzel öffnet, weiß sofort, woran er ist. Kaum ein Kraut in unserem Sortiment hat einen so unverwechselbaren Geruch. Und kaum eines sorgt im Laden für so viele Geschichten, vor allem von Katzenbesitzern. Bei uns im Kräuterhof ist der Baldrian deshalb ein Kraut mit Charakter.

Botanisch heißt die Pflanze Valeriana officinalis, auf Deutsch Echter Baldrian. Früher bildete sie mit ihren Verwandten eine eigene Familie, die Baldriangewächse. Heute zählen Botaniker sie zu den Geißblattgewächsen, zu denen auch das Geißblatt und die Schneebeere gehören.

Der Baldrian ist eine ausdauernde Staude. Er wird meist 50 bis 150 Zentimeter hoch, an guten Standorten auch höher. Der Stängel ist aufrecht, gefurcht und innen hohl. Die Blätter stehen paarweise gegenüber und sind gefiedert, mit mehreren schmalen, gezähnten Fiederblättchen. Von Juni bis August erscheinen am oberen Ende viele kleine, weiße bis zartrosa Blüten in lockeren, schirmartigen Ständen. Sie duften zart süßlich und locken Bienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge an.

Unter der Erde sitzt ein kurzer Wurzelstock mit einem dichten Büschel bräunlicher Wurzeln und einigen Ausläufern. Zu Hause ist der Baldrian in ganz Europa bis nach Westasien, vor allem auf feuchten Wiesen, an Gräben, Bachufern und Waldrändern.

Wie riecht Baldrianwurzel?

Das Erstaunliche: Die frische Wurzel riecht nur schwach. Ihren berühmten Geruch entwickelt sie erst beim Trocknen. Dann entsteht unter anderem Isovaleriansäure, ein Stoff, der nach ihr benannt ist. Der Duft ist erdig, schwer und streng. Viele vergleichen ihn mit reifem Käse oder getragenen Socken, andere finden ihn warm und holzig. Gleichgültig lässt er kaum jemanden.

Im Geschmack ist die getrocknete Wurzel erdig, herb und leicht bitter. Wer einen Aufguss probiert, rundet ihn gern mit etwas Zimt, Vanille oder Honig ab. Bewahren Sie Baldrianwurzel immer in einer gut schließenden Dose und getrennt von anderen Kräutern auf, sonst nehmen diese den Geruch schnell an.

Warum lieben Katzen Baldrian?

Der Baldrian heißt im Volksmund nicht umsonst Katzenkraut oder Katzenbaldrian. Viele Katzen reagieren auf die getrocknete Wurzel ganz ähnlich wie auf Katzenminze. Sie schnuppern intensiv, lecken daran, reiben Wangen und Kopf an der Quelle des Dufts, wälzen sich auf dem Boden und schnurren. Nach einigen Minuten ist das Schauspiel meist vorbei.

Verantwortlich sind Duftstoffe in der Wurzel, darunter das Actinidin. Es ist chemisch mit dem Nepetalacton verwandt, dem Duftstoff der Katzenminze. Nicht jede Katze reagiert. Ob ein Tier sich für Baldrian begeistert, ist zum Teil angeboren, und sehr junge Kätzchen zeigen meist noch kein Interesse. Manche Katzen, die Katzenminze kaltlässt, sind dafür bei Baldrian ganz aus dem Häuschen.

Auch im Garten kennen das viele: Steht dort ein Baldrian, kommen Nachbarskatzen gern vorbei und legen sich mitten hinein, besonders wenn Wurzeln freiliegen oder beim Umgraben verletzt werden.

Sabines Tipp

„Für unsere Hofkatzen nähe ich kleine Säckchen aus Baumwollstoff, etwa so groß wie eine Handfläche. Hinein kommen ein Teelöffel getrocknete Baldrianwurzel und etwas Füllwatte. Zunähen, fertig. Hat das Säckchen nach einigen Wochen an Duft verloren, trenne ich eine Naht auf und fülle frische Wurzel nach. Lassen Sie die Katze damit nur spielen, solange Sie dabei sind, damit sie den Stoff nicht zerbeißt.“

Woher kommt der Name Baldrian?

Der botanische Name Valeriana ist seit dem Mittelalter belegt. Meist wird er vom lateinischen Verb valere abgeleitet, das „kräftig sein“ oder „wohlauf sein“ bedeutet. Aus Valeriana wurde im Deutschen über verschiedene Zwischenformen das Wort Baldrian.

Manche bringen den Namen auch mit Baldur in Verbindung, dem germanischen Gott des Lichts. Sprachwissenschaftlich gilt die Herleitung von Valeriana aber als wahrscheinlicher, die Baldur-Deutung ist eher eine schöne Geschichte. Alte Volksnamen sind neben Katzenkraut auch Stinkwurz, was angesichts des Geruchs der Wurzel niemanden überrascht.

Baldrian in Geschichte und Brauchtum

Im Mittelalter war Baldrian in vielen Kloster- und Bauerngärten zu Hause und wurde in den Kräuterbüchern der Zeit ausführlich beschrieben. Vor allem aber hatte er einen festen Platz im Volksglauben. Er galt als Schutzpflanze gegen Hexen, Teufel und böse Geister. Man hängte Baldrian über Türen und Stalltüren. Ein alter Spruch lautet: „Baldrian, Dost und Dill, da kann die Hex nicht, wie sie will.“

Getrockneter Dost oder Wohlgemut, der zusammen mit Baldrian im alten Hexenspruch vorkommt

Dost: der wilde Oregano aus dem alten Spruch gegen Hexen, zusammen mit Baldrian und Dill.

Auch in den Kräuterbuschen zu Mariä Himmelfahrt wurde Baldrian gebunden. Eine überlieferte Neunerlei-Zusammenstellung nennt ihn zusammen mit Johanniskraut, Tausendgüldenkraut, Schafgarbe, Kamille, Wermut, Pfefferminze und Arnika.

Getrocknetes Wermutkraut, das zusammen mit Baldrian im Neunerlei-Kräuterbuschen gebunden wurde

Wermut: eines der herben Kräuter, die mit dem Baldrian im Neunerlei-Buschen stehen.

Spannend ist die Verwandtschaft. Zur selben Pflanzengruppe gehört die Narde aus dem Himalaya, deren kostbares Duftöl schon in der Bibel erwähnt wird: Im Johannesevangelium salbt Maria von Bethanien Jesus die Füße mit echtem Nardenöl, und das ganze Haus duftet danach. In den Ostalpen wächst der Echte Speik, ein kleiner Baldrian-Verwandter, dessen Wurzeln früher für Seifen und Duftwaren gesammelt wurden. Heute steht er unter Schutz.

Getrocknete Dillspitzen, ein Kraut aus dem alten Spruch Baldrian, Dost und Dill

Dill: das dritte Kraut im Spruch, heute vor allem aus der Küche bekannt.

Wie pflanzt man Baldrian im Garten?

Baldrian ist eine robuste, pflegeleichte Staude für den Natur- und Bauerngarten. Er mag einen sonnigen bis halbschattigen Platz und einen frischen bis feuchten, humusreichen Boden, zum Beispiel am Teichrand oder in einer feuchten Beetecke.

  1. Aussaat: Im Frühjahr säen. Baldrian ist ein Lichtkeimer, die Samen also nur leicht andrücken und feucht halten.
  2. Vermehrung: Leichter geht es über Teilung oder Ausläufer im Frühjahr oder Herbst.
  3. Pflege: Bei Trockenheit gießen. Lassen Sie einige Blütenstände stehen, dann sät sich der Baldrian selbst aus.
  4. Wurzelernte: Im Herbst des zweiten Jahres, etwa im September oder Oktober, die Wurzeln ausgraben, gründlich waschen, klein schneiden und an einem luftigen Ort oder im Dörrgerät bei niedriger Temperatur trocknen. Genaueres lesen Sie in unserem Ratgeber Kräuter trocknen.

In der biologisch-dynamischen Landwirtschaft gibt es übrigens eine alte Gartentradition mit Baldrian: Aus den Blüten wird ein Saft gewonnen, den man in kleinen Mengen über den Kompost sprüht.

Vorsicht Verwechslung: Weiße, schirmartige Blütenstände an feuchten Standorten können auch von giftigen Doldenblütlern wie dem Wasserschierling stammen. Typisch für Baldrian sind die paarweise gegenüberstehenden, gefiederten Blätter und später der Geruch der Wurzel. Die Rote Spornblume, die manchmal „Roter Baldrian“ genannt wird, ist eine andere Pflanze. Sammeln Sie nur, was Sie sicher bestimmen können, und nicht in Schutzgebieten.

Was Sie dafür brauchen

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Weitere Kräuter mit eigenem Porträt finden Sie in unserem Kräuterlexikon von A bis Z.

Häufige Fragen zum Baldrian

Warum riecht Baldrianwurzel so stark?

Der kräftige Geruch entsteht erst beim Trocknen der Wurzel. Dabei bildet sich unter anderem Isovaleriansäure. Die frische Wurzel riecht dagegen nur schwach.

Mögen alle Katzen Baldrian?

Nein. Viele, aber nicht alle Katzen reagieren mit Schnuppern, Reiben und Wälzen. Die Neigung ist teilweise angeboren, und sehr junge Kätzchen zeigen meist noch kein Interesse.

Was ist der Unterschied zwischen Baldrian und Katzenminze?

Es sind zwei verschiedene Pflanzen. Katzenminze ist ein Lippenblütler mit minzigem Duft, Baldrian gehört zu den Geißblattgewächsen. Auf beide reagieren viele Katzen, manche aber nur auf eine von beiden.

Wann blüht Baldrian?

Von Juni bis August. Die kleinen, weißen bis zartrosa Blüten stehen in lockeren, schirmartigen Ständen und duften zart süßlich.

Wann erntet man Baldrianwurzel?

Im Herbst, meist im September oder Oktober des zweiten Standjahrs. Die Wurzeln werden gewaschen, klein geschnitten und schonend getrocknet.

Woher kommt der Name Baldrian?

Er geht auf den mittelalterlichen Namen Valeriana zurück, der meist vom lateinischen valere für „kräftig sein“ abgeleitet wird. Die Verbindung zum Gott Baldur ist eine volkstümliche Deutung.