Das Wichtigste in Kürze
Ein Kräuterbuschen ist ein Strauß aus Wild- und Gartenkräutern, der traditionell zu Mariä Himmelfahrt am 15. August in der Kirche geweiht wird. Je nach Region gehören 7, 9, 12 oder noch mehr Kräuter hinein, oft mit einer Königskerze in der Mitte und ein paar Getreideähren. Typische Pflanzen sind Johanniskraut, Schafgarbe, Beifuß, Rainfarn, Wermut, Kamille, Tausendgüldenkraut und Labkraut. Nach der Kräuterweihe hängt man den Buschen getrocknet im Herrgottswinkel oder unter dem Dach auf.
Lesezeit: etwa 7 Minuten
Inhalt
- Was ist ein Kräuterbuschen?
- Warum werden Kräuter an Mariä Himmelfahrt geweiht?
- Welche Kräuter gehören in den Kräuterbuschen?
- Wie viele Kräuter kommen in einen Kräuterbuschen?
- Wie bindet man einen Kräuterbuschen?
- Was macht man nach der Kräuterweihe mit dem Buschen?
- Was Sie dafür brauchen
- Häufige Fragen zum Kräuterbuschen
Was ist ein Kräuterbuschen?
Wenn ich im August früh am Morgen unsere Pferde hole und der Nebel noch tief über den Wiesen liegt, sehe ich sie schon überall: die Blüten und Gräser für den Kräuterbuschen. Für mich ist das jedes Jahr ein Stück Kindheit. Mit meiner Oma bin ich in diesen Tagen über die Feldraine gegangen, und sie hat mir gezeigt, welches Kraut wohin gehört.
Ein Kräuterbuschen ist ein handgebundener Strauß aus Kräutern, Blumen und Getreideähren, der zu Mariä Himmelfahrt gesegnet wird. Je nach Gegend hat der Brauch andere Namen: In Bayern und Österreich sagt man Kräuterbuschen oder Weihbuschen, in Franken Würzbüschel, im Rheinland Krautwisch. Auch Kräuterbüschel, Sangenbuschen oder einfach Weihkräuter sind bekannt. Gemeint ist immer dasselbe: ein Strauß aus dem, was die Natur im Hochsommer schenkt.
Der Brauch ist sehr alt und vor allem in katholischen Gegenden lebendig. In vielen Dörfern binden Frauen- und Trachtenvereine, Familien oder Kindergruppen die Buschen gemeinsam und bringen sie zum Festgottesdienst mit.
Warum werden Kräuter an Mariä Himmelfahrt geweiht?
Am 15. August feiert die katholische Kirche das Fest Mariä Himmelfahrt, in Bayern auch „Großer Frauentag“ genannt. Den Zusammenhang mit den Kräutern erklärt eine alte Legende: Als die Apostel drei Tage nach dem Begräbnis Marias ihr Grab besuchten, schlug ihnen ein köstlicher Duft entgegen. Das Grab war leer, aber voller Rosen und Lilien, und ringsum blühten die Kräuter, die Maria im Leben geliebt hatte.
Daraus entstand die Kräuterweihe. Im Gottesdienst segnet der Pfarrer die mitgebrachten Buschen, meist am Ende der Messe vor dem Altar oder draußen vor der Kirche. In manchen Gegenden schließt sich an den Feiertag der sogenannte Frauendreißiger an, eine Zeit von rund dreißig Tagen. Im Volksglauben galt sie als besonders gute Sammelzeit, weil die Kräuter im Spätsommer am kräftigsten duften.

Schafgarbe: fehlt in kaum einem Kräuterbuschen, ihre weißen Dolden geben dem Strauß Fülle.
Welche Kräuter gehören in den Kräuterbuschen?
Eine feste Liste gibt es nicht. Die Auswahl hing immer davon ab, was in der Gegend wuchs, und änderte sich über die Jahrhunderte. Diese Pflanzen finden sich aber in fast allen Überlieferungen:
- Königskerze: Sie steht als „Himmelbrand“ oder Marienkerze in der Mitte und überragt alle anderen. Mehr über sie lesen Sie im Porträt der Königskerze.
- Johanniskraut: mit leuchtend gelben Blüten, die beim Zerreiben rot färben.
- Schafgarbe, Rainfarn und Beifuß: weiße Dolden, gelbe Knöpfe und silbriges Laub.
- Wermut und Tausendgüldenkraut: zwei herbe Kräuter mit langer Tradition.
- Echtes Labkraut: Es trägt den schönen alten Namen „Liebfrauenbettstroh“. Der Legende nach lag es in der Krippe von Bethlehem.
- Kamille, Thymian, Dost und Minze: für Duft und Würze.
- Getreideähren: Weizen, Roggen, Gerste und Hafer, als Dank für die Ernte.
Dazu kommen je nach Gegend Eisenkraut, Odermennig, Alant, Baldrian, Wiesenknopf, Ringelblumen, Rosen oder die blaue Wegwarte. Ich persönlich nehme gern, was bei uns rund um den Hof wächst, zum Beispiel wilde Karde oder Salbei aus dem Garten.

Johanniskraut: blüht im Sommer leuchtend gelb und gehört zu den wichtigsten Buschenkräutern.
Wie viele Kräuter kommen in einen Kräuterbuschen?
Die Zahl der Kräuter hatte früher eine eigene Bedeutung. Am häufigsten sind sieben oder neun. Die Sieben gilt seit alters als heilige Zahl, die Neun als dreimal drei. Daneben kennt man Buschen mit 12, 24, 72, 77 und sogar 99 verschiedenen Pflanzen. Für einen richtigen Kräuterbuschen, so hieß es in manchen Dörfern, braucht es 77 Kräuter und Gräser.
Bekannt ist auch der „Neunerlei“, ein Buschen aus genau neun Kräutern. Eine überlieferte Zusammenstellung nennt Johanniskraut, Tausendgüldenkraut, Schafgarbe, Kamille, Wermut, Baldrian, Pfefferminze und Arnika. Wie die neunte Pflanze aussah, unterschied sich von Dorf zu Dorf. Wichtiger als die genaue Zahl ist heute, dass der Strauß Freude macht.
Wie bindet man einen Kräuterbuschen?
Gesammelt wird idealerweise an einem trockenen Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist. Nehmen Sie eine Gartenschere, ein Körbchen und eine Schnur aus Bast oder Hanf mit.
- Sammeln: Schneiden Sie von jeder Pflanze nur wenige Stängel, so bleibt der Bestand erhalten. Lassen Sie die Stiele lang, etwa 30 bis 50 Zentimeter.
- Vorbereiten: Untere Blätter entfernen, damit sich der Strauß gut greifen lässt.
- Die Mitte: Eine Königskerze oder ein anderes hohes Kraut in die Hand nehmen.
- Rundherum binden: Die übrigen Kräuter in Spiralen um die Mitte legen, große Blütenstände eher innen, feine Gräser und Ähren außen.
- Festbinden: Den Buschen unterhalb der Blüten fest mit Bast umwickeln und die Stiele auf gleiche Länge schneiden.
- Schmücken: Wer mag, legt eine Schleife oder ein Band in den Marienfarben Blau und Weiß dazu.
Naturschutz beim Sammeln: Einige alte Buschenkräuter wie Arnika, Enzian oder Tausendgüldenkraut sind geschützt und dürfen in der Natur nicht gepflückt werden. Nehmen Sie diese aus dem eigenen Garten oder lassen Sie sie weg. Sammeln Sie nicht in Schutzgebieten und nur Pflanzen, die Sie sicher kennen. Rainfarn gehört in den Strauß, nicht in die Küche oder Teetasse.
Sabines Tipp
„Binden Sie den Buschen ruhig etwas fester, als Sie denken. Beim Trocknen werden die Stiele dünner, und ein locker gebundener Strauß fällt sonst auseinander. Ich ziehe die Schnur nach einer Woche einfach noch einmal nach.“
Was macht man nach der Kräuterweihe mit dem Buschen?
Nach dem Gottesdienst wird der Buschen kopfüber an einem schattigen, luftigen Ort getrocknet, damit die Farben erhalten bleiben. Danach bekommt er seinen Ehrenplatz. Traditionell hängt man ihn in den Herrgottswinkel, also die Ecke mit dem Kreuz in der Stube, oder unter das Dach. Im Volksglauben sollte er Haus und Hof vor Blitz und Unwetter bewahren. Bei schwerem Gewitter legte man früher ein paar Zweige ins Herdfeuer.
Auf vielen Höfen wurden einige der geweihten Kräuter dem Vieh ins Futter gemischt und die gesegneten Ähren unter das neue Saatgut gegeben. In manchen Gegenden, vor allem im Alpenvorland, nimmt man den Buschen in den Rauhnächten zwischen Weihnachten und Dreikönig zur Hand, zerkleinert ihn und räuchert damit Haus und Stall aus. So schließt sich der Kreis bis zum nächsten August. Mehr dazu, wie sich solche Bräuche über das ganze Jahr verteilen, lesen Sie unter Räuchern im Jahreskreis und in unserem Überblick über die Kräuterbräuche im Jahreskreis.
Sicher räuchern: Räuchern Sie getrocknete Kräuter nur auf einer feuerfesten Unterlage, etwa in einer Räucherschale mit Sand. Lassen Sie Glut nie unbeaufsichtigt, halten Sie Kinder und Haustiere fern, lüften Sie danach gut und denken Sie an den Rauchmelder.

Beifuß: silbrig-grünes Laub für den Buschen, später auch beliebt zum Räuchern.
Der alte Buschen vom Vorjahr wird nicht in den Müll geworfen. Man verbrennt ihn traditionell im Ofen oder Osterfeuer, oder man gibt ihn in den Garten zurück, sobald der neue geweiht ist.
Was Sie dafür brauchen
Königskerzen BlüteGetrocknete Blüten der MarienkerzeAnsehen
Johanniskraut geschnittenLeuchtendes Sommerkraut für Buschen und RäucherwerkAnsehen
SchafgarbenblüteKlassiker in jedem KräuterbuschenAnsehen
Labkraut gelbDas Liebfrauenbettstroh der LegendeAnsehen
BeifußkrautSilbriges Kraut für Buschen und RauhnächteAnsehen
WermutkrautHerbes Kraut mit langer TraditionAnsehen
Lavendel 1 extraDuftende Blüten für die MitteAnsehenHäufige Fragen zum Kräuterbuschen
Wann bindet man den Kräuterbuschen?
In den Tagen vor Mariä Himmelfahrt, meist am 13. oder 14. August, damit die Kräuter zur Weihe am 15. August noch frisch sind. Gesammelt wird an einem trockenen Vormittag.
Wie viele Kräuter gehören in einen Kräuterbuschen?
Traditionell sieben oder neun, regional auch 12, 24, 72, 77 oder 99. Die Zahlen hatten eine religiöse oder symbolische Bedeutung. Heute zählt vor allem, was in Ihrer Gegend wächst.
Was kommt in die Mitte des Kräuterbuschens?
Meist eine Königskerze, die als Marienkerze oder Himmelbrand alle anderen Kräuter überragt. Wo keine wächst, nimmt man ein anderes hohes Kraut, etwa Alant oder eine Sonnenblume.
Wo hängt man den geweihten Kräuterbuschen auf?
Traditionell im Herrgottswinkel der Stube, unter dem Dach oder im Stall. Getrocknet wird er vorher kopfüber an einem schattigen, luftigen Ort.
Was ist der Unterschied zwischen Kräuterbuschen und Würzbüschel?
Es gibt keinen, nur andere Namen für denselben Brauch. Würzbüschel sagt man vor allem in Franken, Kräuterbuschen in Altbayern und Österreich, Krautwisch im Rheinland.
Was macht man mit dem alten Kräuterbuschen?
Viele zerkleinern ihn und räuchern damit in den Rauhnächten. Was übrig bleibt, wird im Ofen oder Osterfeuer verbrannt, sobald der neue Buschen geweiht ist.