Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
Ausgewählte Lieferanten & kleine Ernten
Handverlesene Premium-Qualität
Schneller Versand mit DHL

30.10.26

Chinarinde, 20 g – Kräuterparadies seit 1887

Chinarinde: Vom Andenbaum zum Tonic Water

Das Wichtigste in Kürze

Chinarinde ist die getrocknete Rinde von Cinchona-Bäumen aus den Bergwäldern der Anden. Sie enthält den Bitterstoff Chinin, dem Tonic Water und Bitter Lemon ihren typischen Geschmack verdanken. Jesuiten brachten die Rinde im 17. Jahrhundert nach Europa, 1820 wurde das Chinin erstmals aus ihr gewonnen, und im 19. Jahrhundert entstand in Britisch-Indien der Gin Tonic.

Lesezeit: etwa 6 Minuten

Was ist Chinarinde?

Wer schon einmal ein Glas Tonic Water getrunken hat, kennt den Geschmack der Chinarinde, oft ohne es zu wissen. Die feine, trockene Bitterkeit stammt aus der Rinde eines Baumes, der in den Bergwäldern Südamerikas wächst. Bei uns im Kräuterhof gehört die Chinarinde zu den Kräutern mit der spannendsten Geschichte, und um genau diese Geschichte geht es in diesem Ratgeber.

Chinarindenbäume bilden die Gattung Cinchona in der Familie der Rötegewächse, zu der auch der Kaffeestrauch gehört. Es gibt rund zwei Dutzend Arten. Bekannt sind vor allem die Rote Chinarinde (Cinchona pubescens) und die Gelbe Chinarinde (Cinchona calisaya). Die immergrünen Bäume und Sträucher wachsen ursprünglich von Kolumbien über Ecuador und Peru bis nach Bolivien, meist in Höhen zwischen 1.000 und 3.000 Metern.

Die Bäume tragen große, glänzende, gegenständige Blätter und duftende Blütenrispen in Rosa bis Weiß. Verwendet wird die Rinde von Stamm und Ästen. Getrocknet ist sie rotbraun, außen rau und innen fein faserig.

Der Name hat übrigens nichts mit dem Land China zu tun. Er geht auf quina zurück, ein Wort der Quechua für Rinde. Daraus wurde im Spanischen quinaquina, im Französischen quinquina und schließlich das Wort Chinin.

Woher kommt die Chinarinde?

Um die Ankunft der Rinde in Europa rankt sich eine berühmte Erzählung. Die Gräfin von Chinchón, Ehefrau des spanischen Vizekönigs von Peru, soll die Rinde um 1638 in Lima kennengelernt und nach Spanien gebracht haben. Historiker halten diese Geschichte heute für eine Legende. Spuren hat sie trotzdem hinterlassen: Der schwedische Botaniker Carl von Linné benannte die Gattung 1742 nach der Gräfin. Dabei fiel ihm ein Buchstabe unter den Tisch, deshalb heißt sie bis heute Cinchona und nicht Chinchona.

Belegt ist, dass Jesuiten-Missionare die Rinde im 17. Jahrhundert nach Europa brachten. Dort wurde sie als „Jesuitenrinde“ oder „Jesuitenpulver“ bekannt und war bald ein begehrtes und teures Handelsgut. Weil die wilden Bestände in den Anden schrumpften, versuchten Niederländer und Briten im 19. Jahrhundert, die Bäume in ihren Kolonien anzubauen.

Den Durchbruch brachten Samen, die der Händler Charles Ledger 1865 aus Bolivien beschaffte. Auf Java entstanden daraus große Plantagen, die über Jahrzehnte den Weltmarkt bestimmten. Schon 1820 war es den französischen Chemikern Pierre Joseph Pelletier und Joseph Bienaimé Caventou in Paris gelungen, aus der Rinde ihren Hauptbitterstoff zu gewinnen: das Chinin.

Ganze Wacholderbeeren, das Gin-Gewürz zur Geschichte von Chinarinde und Tonic Water

Wacholder gibt dem Gin sein Aroma, die Chinarinde dem Tonic.

Wie kam das Chinin ins Tonic Water?

In Britisch-Indien gehörte Chinin im 19. Jahrhundert zur täglichen Ration vieler Offiziere und Beamter. Pur in Wasser gelöst war es so bitter, dass man anfing, den Geschmack zu mildern: mit Sodawasser, Zucker und Limette. Irgendwann kam ein Schuss Gin dazu, und der Gin Tonic war geboren. Um 1870 brachte Schweppes ein fertiges „Indian Tonic Water“ in Flaschen auf den Markt.

Heute ist Tonic Water ein Erfrischungsgetränk, bei dem die Bitterkeit nur noch ein Akzent ist. Weil Chinin ein besonderer Stoff ist, steht es auf dem Etikett eigens mit Namen im Zutatenverzeichnis. Auch Bitter Lemon ist im Grunde ein Tonic mit Zitrone. Und ein schöner Versuch für Gäste: Unter Schwarzlicht leuchtet Tonic Water hellblau, denn Chinin fluoresziert.

Auch in der Welt der Aperitifs hat die Rinde Spuren hinterlassen. In Frankreich heißen mit Chinarinde aromatisierte Weine bis heute Quinquina, im Piemont gibt es den Barolo Chinato. Sie stehen in einer Reihe mit Wermutwein und Kräuterbittern, in denen Enzian, Pomeranze und Wermut den herben Ton angeben. Mehr über diese Pflanzenfamilie lesen Sie in unserem Ratgeber zu den Bitterkräutern.

Getrocknete Pomeranzenschalen, bittere Orange klassischer Aperitifs neben Chinarinde

Pomeranzenschalen: die bittere Orange klassischer Aperitifs und Kräuterbitter.

Wie schmeckt und riecht Chinarinde?

Chinarinde duftet leicht holzig und erdig. Ihr Geschmack ist kräftig und lange anhaltend bitter, mit einer herben, etwas zusammenziehenden Note, die von den Gerbstoffen kommt. Wer Tonic Water mag, erkennt den Grundton sofort wieder, nur sehr viel intensiver und ohne die frische Süße des Getränks.

Zur Familie der bitteren Aromen gehören viele Pflanzen, die Sie aus dem Kräuterregal kennen. Die Enzianwurzel ist der Bitterklassiker der Alpen, Pomeranzenschalen bringen eine bittere Zitrusnote, und Wermut ist so bitter, dass er sprichwörtlich wurde. Die Chinarinde reiht sich in diese Gruppe ein, mit einem eigenen, trockenen, fast mineralischen Charakter.

Geschnittene Enzianwurzel, Bitterklassiker der Alpen wie die Chinarinde aus den Anden

Enzianwurzel: der Bitterklassiker aus den Alpen.

Kann man Tonic Water selber machen?

Viele Leserinnen und Leser fragen uns, ob man Tonic Water aus Chinarinde selbst ansetzen kann. Davon raten wir ab, und deshalb finden Sie in diesem Ratgeber auch kein Rezept dafür. Der Gehalt an Chinin schwankt in der Rinde von Natur aus stark, und für Chinin in Getränken gibt es genaue lebensmittelrechtliche Vorgaben. Zu Hause lässt sich das nicht zuverlässig treffen.

Sorgfalt: Setzen Sie keine Getränke, Sirupe oder Liköre aus Chinarinde selbst an. Für Tonic-Getränke greifen Sie zu fertigem Tonic Water. Chinarinde gehört außer Reichweite von Kindern.

Was Sie aber gut selbst machen können, ist Ihren Gin Tonic oder ein alkoholfreies Tonic mit Kräutern zu verfeinern. Ein paar angedrückte Wacholderbeeren, ein Streifen Orangenschale oder ein Stück Zitronengras im Glas bringen Duft und Farbe. Die Wacholderbeere ist dabei die ideale Partnerin, denn sie ist das Leitaroma des Gins. Mehr über sie erfahren Sie im Ratgeber Wacholder.

Sabines Tipp

„Für Gäste stelle ich gern eine kleine Garnierbar neben das Tonic: ein Schälchen Wacholderbeeren, getrocknete Orangenschalen und Zitronengras. Jeder würzt sein Glas selbst, und schon ist man mitten im Gespräch über die Geschichte der Chinarinde.“

Getrocknetes Zitronengras zum Verfeinern von Gin Tonic, passend zur Geschichte der Chinarinde

Zitronengras bringt eine helle, zitronige Note ins Glas.

Wer gern selbst Liköre mit herben Kräutern ansetzt, findet passende Anleitungen und Mischungen ohne Chinarinde in unserem Ratgeber Kräuterlikör selber machen.

Was Sie dafür brauchen

Alle Einzelkräuter ansehen

Häufige Fragen zur Chinarinde

Kann man Chinin kaufen?

Reines Chinin ist ein isolierter Stoff, den wir nicht führen. Bei uns erhalten Sie getrocknete, geschnittene Chinarinde, in der Chinin als natürlicher Bitterstoff enthalten ist.

Was ist der Unterschied zwischen Chinarinde und Chinin?

Chinarinde ist die getrocknete Rinde des Cinchona-Baumes. Chinin ist einer ihrer Inhaltsstoffe, ein Alkaloid, das 1820 erstmals aus der Rinde gewonnen wurde und für den bitteren Geschmack sorgt.

Kann ich mit Chinarinde Tonic Water selber machen?

Davon raten wir ab. Der Chiningehalt der Rinde schwankt stark, und für Chinin in Getränken gelten genaue Vorgaben. Verfeinern Sie lieber fertiges Tonic Water mit Wacholder, Zitrusschalen oder Zitronengras.

Warum heißt die Chinarinde so?

Der Name geht auf das Quechua-Wort quina für Rinde zurück. Mit dem Land China hat er nichts zu tun.

Wo wächst der Chinarindenbaum?

Ursprünglich in den Bergwäldern der Anden von Kolumbien bis Bolivien. Seit dem 19. Jahrhundert wird er auch in Asien und Afrika angebaut, lange vor allem auf Java.

Warum leuchtet Tonic Water unter Schwarzlicht?

Das enthaltene Chinin fluoresziert. Unter UV-Licht schimmert Tonic Water deshalb bläulich, ein hübscher Effekt für einen Abend mit Gästen.