Das Wichtigste in Kürze
Eichelkaffee ist ein koffeinfreies Röstgetränk aus gewässerten, getrockneten und gerösteten Eicheln. Er schmeckt nussig, malzig und leicht herb und war vom 18. Jahrhundert bis in die Nachkriegszeit einer der verbreiteten Kaffee-Ersatzstoffe, zusammen mit Zichorie, Gerste und Löwenzahnwurzel. Zubereitet wird er wie Filterkaffee: etwa ein Teelöffel Pulver pro Tasse mit kochendem Wasser aufgießen, gern mit Milch und einer Prise Zimt.
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Inhalt
Was ist Eichelkaffee?
Fragt man ältere Menschen nach dem Kaffee ihrer Kindheit, geht es selten um Bohnen aus Übersee. Echter Bohnenkaffee war teuer und in schlechten Zeiten kaum zu bekommen. Getrunken wurde, was Feld und Wald hergaben: geröstete Gerste, Zichorienwurzel und eben Eicheln. Wer heute eine Tasse Eichelkaffee trinkt, schmeckt ein Stück dieser Geschichte.
Eichelkaffee wird aus den Früchten der heimischen Stieleiche und Traubeneiche hergestellt. Die Eicheln werden geschält, gewässert, getrocknet, geröstet und gemahlen. Das Ergebnis ist ein dunkelbraunes Pulver, das nach Röstnuss, Malz und ein wenig nach Brotrinde duftet. Koffein enthält es nicht, denn das steckt nur in Kaffeebohnen, Tee und einigen anderen Pflanzen.
Geschmacklich ist Eichelkaffee milder als Bohnenkaffee, dabei aber kräftig-herb, mit einer leicht süßlichen Röstnote. Mit Milch wird er weich und rund, fast wie ein Malzkaffee.
Wie wurde Eichelkaffee zum Kaffee-Ersatz?
Kaffee kam im 17. Jahrhundert nach Mitteleuropa und war lange ein Luxus. In Preußen machte Friedrich der Große 1781 das Kaffeerösten zum Staatsmonopol, und sogenannte Kaffeeriecher spürten in den Gassen heimlichen Röstern nach. Wer sich die Bohnen nicht leisten konnte, röstete Zichorienwurzeln, Getreide oder Eicheln.
Einen großen Aufschwung erlebten die Ersatzgetränke, als Napoleon 1806 die Kontinentalsperre verhängte und kaum noch Kolonialwaren nach Europa kamen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts machte Pfarrer Sebastian Kneipp den Malzkaffee aus gerösteter Gerste bekannt. In den beiden Weltkriegen und den Jahren danach war Ersatzkaffee dann für viele Familien der Alltag. Im Herbst sammelten Kinder Eicheln und Bucheckern, und auf dem Herd wurden sie in der Pfanne geröstet.
Woher kommt das Wort Muckefuck?
Ersatzkaffee aller Art nannte man im Volksmund Muckefuck. Gern wird das Wort auf das französische mocca faux, „falscher Mokka“, zurückgeführt. Sprachforscher halten eine rheinische Herkunft für wahrscheinlicher: Mucke stand dort für braunen, mulmigen Holzstaub, fuck für faul. Gemeint war also schlicht ein brauner, fader Trunk. Heute klingt das Wort eher liebevoll.

Wegwartwurzel: Geröstet war die Zichorie neben Eicheln die wichtigste Zutat für Muckefuck.
Wie macht man Eichelkaffee selber?
Eichelkaffee selbst herzustellen dauert ein paar Tage, ist aber ganz einfach. Sammeln Sie im September und Oktober reife, braune Eicheln, die frisch vom Baum gefallen sind. Eicheln mit kleinen Löchern lassen Sie liegen, darin wohnt meist die Larve des Eichelbohrers.
- Schälen: Die Eicheln mit einem kleinen Messer halbieren und aus der harten Schale lösen. Die dünne braune Samenhaut so gut es geht abreiben.
- Zerkleinern: Die Kerne grob hacken, damit das Wasser gut eindringen kann.
- Wässern: Roh sind Eicheln wegen ihrer vielen Gerbstoffe ungenießbar bitter. Legen Sie die Stücke deshalb zwei bis vier Tage in kaltes Wasser und wechseln Sie es täglich, bis es klar bleibt und eine Kostprobe nur noch mild nussig schmeckt. Schneller geht es, wenn Sie die Stücke mehrmals in frischem Wasser aufkochen.
- Trocknen: Gut abtropfen lassen und auf einem Backblech bei etwa 50 bis 60 Grad im Ofen trocknen, bis sie hart sind.
- Rösten: Bei 180 bis 200 Grad 30 bis 60 Minuten rösten und dabei immer wieder wenden, bis die Stücke gleichmäßig dunkelbraun sind und nach Röstnuss duften.
- Mahlen: Abkühlen lassen und in einer kräftigen Kaffeemühle mittelfein mahlen. In einer dunklen, gut schließenden Dose aufbewahren.
Wer sich die Arbeit sparen möchte, findet bei uns fertig gerösteten Eichelkaffee. So gelingt die Tasse in wenigen Minuten.
Wie bereitet man Eichelkaffee zu?
Für eine große Tasse übergießen Sie einen gehäuften Teelöffel Eichelkaffee mit einem Viertelliter kochendem Wasser. Lassen Sie ihn fünf Minuten ziehen und gießen Sie ihn durch einen Kaffeefilter oder ein feines Sieb ab. Im Topf können Sie das Pulver auch kurz mit dem Wasser aufkochen, dann wird er kräftiger.
Eichelkaffee mag Gesellschaft. Eine Prise Zimt, etwas Lebkuchengewürz oder eine Spur Kardamom passen hervorragend. Mehr Ideen dazu lesen Sie in unserem Ratgeber Kaffee würzen.
Eichel-Milchkaffee mit Zimt und Honig
An Winternachmittagen trinke ich ihn gern so, mit einem Stück Lebkuchen dazu.
Zutaten:
- 1 gehäufter TL Eichelkaffee
- 150 ml Wasser
- 150 ml Milch oder Haferdrink
- 1 Prise Ceylon-Zimt
- 1 TL Honig oder Ahornsirup
- Aufbrühen: Eichelkaffee mit dem kochenden Wasser übergießen, fünf Minuten ziehen lassen und abseihen.
- Milch erwärmen: Milch erhitzen, nicht kochen, und nach Belieben aufschäumen.
- Verfeinern: Kaffee, Milch, Zimt und Honig in einer großen Tasse verrühren und den Schaum obenauf geben.
Marks Tipp
„Für meinen Hausmischungs-Muckefuck röste ich Wegwartwurzel und Löwenzahnwurzel in einer trockenen Pfanne, bis sie duften, und mahle sie zusammen mit Eichelkaffee. Auf zwei Teile Eichel kommt je ein Teil Wurzel. Ein paar Kakaoschalen im Filter machen das Ganze noch runder.“
Welche anderen Kaffee-Ersatz-Sorten gibt es?
Eicheln waren nur eine von vielen Zutaten. Die bekanntesten Ersatzkaffees stammen aus Pflanzen, die bei uns auf Feldern und Wiesen wachsen:
- Zichorienkaffee: aus der gerösteten Wurzel der Wegwarte. Er schmeckt kräftig, leicht bitter und karamellig und war über zwei Jahrhunderte der Klassiker.
- Löwenzahnkaffee: aus gerösteter Löwenzahnwurzel, erdig und mild bitter. Mehr über die Pflanze lesen Sie im Beitrag zum Löwenzahn.
- Malzkaffee: aus gekeimter und gerösteter Gerste, mild und süßlich.
- Getreidekaffee: aus geröstetem Roggen, Gerste oder Dinkel, oft gemischt mit Zichorie.

Löwenzahnwurzel: In der Pfanne geröstet ergibt sie einen erdigen, mild bitteren Kaffee-Ersatz.
Wofür wurde Eichenrinde früher verwendet?
Nicht nur die Früchte der Eiche wurden genutzt. Ihre Rinde enthält reichlich Gerbstoffe und war über Jahrhunderte der wichtigste Rohstoff der Lohgerber. Im Frühjahr, wenn der Saft in den Stämmen steigt, schälte man die Rinde junger Eichen in großen Platten ab. Getrocknet und gemahlen wurde sie zur „Lohe“, in der Häute monatelang zu festem Leder gegerbt wurden.
Für diese Lohe legte man eigene Schälwälder an, etwa im Siegerland, im Odenwald oder im Hunsrück. Die Eichen wurden dort alle 15 bis 20 Jahre auf den Stock gesetzt, also bodennah abgeschnitten, und trieben dann neu aus. Auch zum Färben von Wolle in warmen Braun- und Grautönen nutzte man Eichenrinde.
Die Eiche selbst war schon den Germanen heilig und dem Donnergott Donar geweiht. Der Missionar Bonifatius ließ im Jahr 723 bei Geismar in Hessen eine berühmte Donar-Eiche fällen. Später wurde das Eichenlaub zum Symbol für Beständigkeit, auf Münzen, Wappen und Orden.

Eichenrinde: Aus ihr gewannen die Lohgerber früher ihre Gerberlohe.
Was Sie dafür brauchen
Eichelkaffee geröstetFertig geröstet, nussig und mildAnsehen
WegwartwurzelDie Zichorie für klassischen MuckefuckAnsehen
LöwenzahnwurzelZum Rösten für LöwenzahnkaffeeAnsehen
KakaoschalenFeine Kakaonote für die KaffeemischungAnsehen
Zimtpulver Ceylon 1 AEine Prise für den Eichel-MilchkaffeeAnsehen
Nürnberger LebkuchengewürzWürzt Eichelkaffee winterlichAnsehen
EichenrindeDie Rinde der Eiche, geschnittenAnsehenPassend dazu: Zichorienkaffee
Häufige Fragen zum Eichelkaffee
Wie schmeckt Eichelkaffee?
Nussig, malzig und leicht herb mit einer süßlichen Röstnote. Er ist milder als Bohnenkaffee und erinnert mit Milch an Malzkaffee.
Enthält Eichelkaffee Koffein?
Nein. Eicheln enthalten kein Koffein, deshalb ist Eichelkaffee von Natur aus koffeinfrei.
Kann man Eicheln roh essen?
Nein, roh sind sie wegen der vielen Gerbstoffe ungenießbar bitter. Vor dem Rösten müssen Eicheln geschält, zerkleinert und mehrere Tage gewässert oder mehrmals ausgekocht werden.
Wie viel Eichelkaffee nimmt man pro Tasse?
Etwa einen gehäuften Teelöffel auf einen Viertelliter kochendes Wasser. Fünf Minuten ziehen lassen und durch einen Filter abgießen.
Was ist der Unterschied zwischen Muckefuck und Eichelkaffee?
Muckefuck ist der volkstümliche Sammelname für alle Arten von Ersatzkaffee. Eichelkaffee ist eine davon, daneben gab es Zichorien-, Malz-, Getreide- und Löwenzahnkaffee.
Wo kann man Eichelkaffee kaufen?
Fertig gerösteten Eichelkaffee erhalten Sie in unserem Shop. Er wird wie Filterkaffee aufgebrüht und lässt sich gut mit Zimt, Lebkuchengewürz oder Kakaoschalen verfeinern.