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06.05.13

Frauenmantelkraut, 20 g – Kräuterparadies seit 1887

Frauenmantelkraut: Tautropfen, Alchemisten und Gartenstaude

Das Wichtigste in Kürze

Frauenmantelkraut sind die getrockneten Blätter, Stängel und Blüten des Frauenmantels (Alchemilla vulgaris), eines Rosengewächses der Wiesen und Berge. Bekannt ist die Pflanze für die Wassertropfen auf ihren Blättern. Das ist kein Tau, sondern Wasser, das sie nachts selbst ausscheidet (Guttation). Ihren Namen verdankt sie dem Mantel der Gottesmutter Maria. Als Tee schmeckt Frauenmantelkraut mild, leicht herb und krautig.

Lesezeit: etwa 7 Minuten

Was ist Frauenmantelkraut?

Wer an einem Sommermorgen über eine Bergwiese geht, sieht ihn sofort: grüne, gefaltete Blätter, auf denen wie kleine Perlen glitzernde Wassertropfen sitzen. Das ist der Frauenmantel. Als Frauenmantelkraut bezeichnet man die getrockneten oberirdischen Teile der Pflanze, also Blätter, Stängel und Blüten, die zur Blütezeit geerntet werden.

Der Frauenmantel (Alchemilla) gehört zu den Rosengewächsen und ist damit entfernt mit Rose, Apfel und Erdbeere verwandt. Am bekanntesten ist der Gewöhnliche Frauenmantel (Alchemilla vulgaris), eine ausdauernde Staude von 10 bis 50 Zentimetern Höhe. Er wächst auf Wiesen, Weiden, an Wegrändern und Bachufern, besonders gern in den Bergen.

Seine Blätter sind rundlich und in sieben bis elf flache Lappen geteilt, mit fein gezähntem Rand. In der Knospe sind sie mehrfach gefaltet wie ein Fächer, und diese Falten sieht man auch am ausgewachsenen Blatt noch. Von Mai bis September erscheinen kleine, gelbgrüne Blüten in lockeren Rispen. Eine Besonderheit: Sie haben keine Kronblätter, nur Kelchblätter und vier Staubblätter.

Warum hat der Frauenmantel Tautropfen?

Die Tropfen auf den Frauenmantelblättern sind in Wahrheit gar kein Tau. Die Pflanze scheidet das Wasser selbst aus. Dieser Vorgang heißt Guttation, vom lateinischen „gutta“ für Tropfen.

So funktioniert es: In der Nacht, wenn die Luft feucht ist und kaum Wasser über die Blätter verdunstet, drücken die Wurzeln weiter Wasser nach oben. An den Spitzen der Blattzähne sitzen winzige Wasserspalten, sogenannte Hydathoden. Dort tritt das überschüssige Wasser aus und bildet am Blattrand eine Kette feiner Perlen. Weil die Blätter fein behaart sind, perlt das Wasser ab und sammelt sich oft als großer, glänzender Tropfen in der Blattmitte.

Silbermantelkraut, getrocknet, ein naher Verwandter des Frauenmantelkrauts

Silbermantelkraut: Der Alpen-Frauenmantel trägt eine silbrig behaarte Blattunterseite.

Ein guter Zeitpunkt zum Beobachten ist ein milder Morgen nach einer feuchten, windstillen Nacht. Auch an Erdbeeren, Kapuzinerkresse oder Gräsern können Sie Guttation entdecken, aber kaum eine Pflanze zeigt sie so schön wie der Frauenmantel.

Woher hat der Frauenmantel seinen Namen?

Der deutsche Name stammt aus der Marienfrömmigkeit des Mittelalters. Das gefaltete, rundum gewellte Blatt erinnerte an den weiten Mantel, den die Gottesmutter auf alten Bildern trägt, etwa auf den Darstellungen der Schutzmantelmadonna. „Unserer lieben Frauen Mantel“ nannte man die Pflanze, daraus wurde der Frauenmantel. Andere Volksnamen sind Muttergottesmäntelchen, Taumantel oder Sinau, was so viel wie „immerwährender Tau“ bedeutet.

Der lateinische Name Alchemilla führt zu einer anderen Geschichte. Der Überlieferung nach sammelten die Alchemisten des Mittelalters die Tropfen von den Blättern. Sie hielten das Wasser, das scheinbar aus dem Nichts entstand, für besonders rein, eine Art Himmelstau, und wollten es für ihre Versuche nutzen, aus unedlen Stoffen Gold zu machen. Ob das wirklich der Ursprung des Namens ist, ist nicht sicher belegt, aber die Erklärung hält sich seit Jahrhunderten.

In manchen Gegenden gehört der Frauenmantel wegen seiner Verbindung zu Maria auch in den Kräuterbuschen, der zu Mariä Himmelfahrt am 15. August geweiht wird. Welche Pflanzen noch dazukommen, erfahren Sie im Ratgeber Kräuterbuschen.

Was ist der Unterschied zwischen Frauenmantel und Silbermantel?

Der Silbermantel (Alchemilla alpina), auch Alpen-Frauenmantel genannt, ist ein enger Verwandter aus den Hochlagen der Gebirge. Er wächst auf Felsen, steinigen Rasen und Schutthalden. Seine Blätter sind nicht nur gelappt, sondern bis zum Grund in fünf bis sieben schmale Finger geteilt. Die Unterseite ist dicht mit seidigen Haaren besetzt und schimmert silbrig, daher der Name.

Botanisch ist die Gattung Frauenmantel ein kleines Rätsel. Viele Arten bilden ihre Samen ohne Befruchtung. Dabei entstehen Nachkommen, die der Mutterpflanze genau gleichen. Über Jahrtausende haben sich so unzählige, oft nur von Fachleuten unterscheidbare Kleinarten gebildet. Für Sammler und Gärtner reicht es, den Frauenmantel der Wiesen und den Silbermantel der Berge auseinanderzuhalten.

Im Geschmack sind sich beide ähnlich: mild, leicht herb und angenehm krautig. Der bekannte Schweizer Kräuterpfarrer Künzle beschrieb den Silbermantel und nahm ihn in viele seiner Kräutermischungen auf. Mehr über ihn lesen Sie im Ratgeber Kräuterpfarrer Künzle.

Wie pflanzt man Frauenmantel im Garten?

Im Garten ist vor allem der Weiche Frauenmantel (Alchemilla mollis) beliebt. Er stammt aus Osteuropa und dem Kaukasus, wird etwas größer als die Wiesenart und trägt im Frühsommer dichte, schaumige Wolken aus gelbgrünen Blüten. Mit seinem frischen Grün ist er ein klassischer Begleiter für Rosen, Storchschnabel und Lavendel.

  1. Standort: Sonnig bis halbschattig, auf normalem, frischem Gartenboden. Frauenmantel ist sehr anspruchslos und winterhart.
  2. Pflanzen: Im Frühjahr oder Herbst als Beeteinfassung, am Wegrand oder als Bodendecker unter Sträuchern setzen.
  3. Rückschnitt: Nach der Hauptblüte im Juli die ganze Pflanze bodennah zurückschneiden. Sie treibt dann frisches Laub und oft eine zweite, kleinere Blüte.
  4. Vermehren: Ältere Horste im Frühjahr teilen. Frauenmantel sät sich auch gern selbst aus. Wer das nicht möchte, schneidet die Blüten vor der Samenreife ab.

Die Blütenstiele halten lange in der Vase und lockern jeden Sommerstrauß auf. Getrocknet behalten sie ihre gelbgrüne Farbe und sind schön in Trockengestecken.

Sorgfalt beim Sammeln: Wenn Sie Frauenmantel auf Wiesen sammeln, nehmen Sie nur von großen Beständen und schneiden Sie die Pflanze ab, statt sie auszureißen. In Naturschutzgebieten ist das Sammeln nicht erlaubt.

Wie schmeckt Frauenmantel Tee?

Frauenmantel Tee aus dem getrockneten Kraut ist hellgrün bis goldgelb und schmeckt mild, leicht herb und angenehm krautig, ein wenig wie eine Bergwiese im Sommer. Er ist nicht aufdringlich und eignet sich deshalb gut als Grundlage für eigene Mischungen.

  1. Abmessen: 1 bis 2 Teelöffel klein geschnittenes Frauenmantelkraut in eine Tasse geben.
  2. Aufgießen: Mit einem Viertelliter kochendem Wasser übergießen.
  3. Ziehen lassen: 8 bis 10 Minuten ziehen lassen und abseihen.
Getrocknete Rotkleeblüten für eine Teemischung mit Frauenmantelkraut

Rotkleeblüten: leicht süßlich, eine schöne Ergänzung zum krautigen Frauenmantel.

Für eine Wiesenmischung kombiniere ich Frauenmantel gern mit Rotkleeblüten, Mädesüß und etwas Melisse. Das Mädesüß bringt einen feinen, honigartigen Duft mit. Wie Sie Kräuter in das richtige Verhältnis bringen, zeigt der Ratgeber Kräutertee selber mischen. Wenn Sie lieber zu einer fertigen Mischung greifen, finden Sie unsere Auswahl unter Haustee.

Sabines Tipp

„Frauenmantel sammle ich am liebsten am späten Vormittag, wenn die Tropfen abgetrocknet sind. Feuchte Blätter werden beim Trocknen schnell fleckig. Ich lege das Kraut locker auf ein Leinentuch an einen schattigen, luftigen Platz.“

Mädesüßblüten, auch Spierblüte genannt, für eine Wiesenteemischung

Mädesüß: Die cremeweißen Blüten duften fein nach Honig und Mandel.

Was Sie dafür brauchen

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Häufige Fragen zum Frauenmantel

Was ist Frauenmantelkraut?

Frauenmantelkraut sind die getrockneten oberirdischen Teile des Frauenmantels (Alchemilla vulgaris), also Blätter, Stängel und Blüten. Sie werden zur Blütezeit geerntet und als Kräutertee aufgegossen.

Sind die Tropfen auf dem Frauenmantel Tau?

Nein. Die Pflanze scheidet nachts über winzige Wasserspalten an den Blatträndern selbst Wasser aus. Dieser Vorgang heißt Guttation. Die Tropfen sammeln sich oft als großer Tropfen in der Blattmitte.

Warum heißt der Frauenmantel so?

Das gefaltete, gewellte Blatt erinnerte im Mittelalter an den Mantel der Gottesmutter Maria. Aus „Unserer lieben Frauen Mantel“ wurde der Name Frauenmantel. Der lateinische Name Alchemilla wird mit den Alchemisten in Verbindung gebracht, die die Tropfen gesammelt haben sollen.

Wie bereitet man Frauenmantel Tee zu?

1 bis 2 Teelöffel Frauenmantelkraut mit einem Viertelliter kochendem Wasser übergießen und 8 bis 10 Minuten ziehen lassen. Der Tee schmeckt mild, leicht herb und krautig.

Was ist Silbermantel?

Silbermantel (Alchemilla alpina) ist ein enger Verwandter aus den Hochgebirgen. Seine Blätter sind fingerförmig geteilt und auf der Unterseite silbrig behaart.

Wann schneidet man Frauenmantel zurück?

Direkt nach der Hauptblüte im Juli. Bodennah zurückgeschnitten treibt die Staude frisches Laub und blüht oft ein zweites Mal.