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01.05.12

Haferkraut, 20 g – Kräuterparadies seit 1887

Haferkraut: Grüner Hafer vom Feld in die Tasse

Das Wichtigste in Kürze

Haferkraut, auch grünes Haferkraut oder grüner Hafer genannt, sind die oberirdischen Teile des Saat-Hafers (Avena sativa), die geerntet werden, solange die Pflanze noch grün ist und blüht. Getrocknet und geschnitten ergibt es einen milden, grasig-süßlichen Kräutertee, der an Heu und Sommerwiesen erinnert. Mit Haferflocken hat das Kraut nur die Pflanze gemeinsam: Für Flocken wird das reife Korn verwendet, für Haferkraut das junge Grün.

Lesezeit: etwa 6 Minuten

Was ist Haferkraut?

Im Frühsommer sehen Haferfelder ganz anders aus als zur Ernte im August. Die Halme stehen saftig grün, und an ihren Spitzen hängen die zarten, noch grünen Rispen. Genau in diesem Moment, kurz vor oder während der Blüte, wird das Haferkraut geschnitten. Getrocknet und geschnitten kommt es als grünes Haferkraut in den Handel.

Vom Hafer werden drei ganz verschiedene Teile genutzt:

  • Haferkraut: das grüne, blühende Kraut mit Halmen, Blättern und jungen Rispen. Daraus wird Tee.
  • Haferkorn: die reifen Körner, aus denen Haferflocken, Hafermehl und Haferdrink entstehen.
  • Haferstroh: die trockenen, goldgelben Halme, die nach der Kornernte übrig bleiben.

Wenn Sie also Haferkraut Tee aufgießen, trinken Sie sozusagen die grüne Wiese, nicht das Frühstücksmüsli.

Wie sieht Hafer aus? Die Rispe verrät ihn

Der Saat-Hafer (Avena sativa) ist ein einjähriges Süßgras und wird 60 bis 150 Zentimeter hoch. Unter den heimischen Getreiden ist er leicht zu erkennen. Weizen, Roggen und Gerste tragen ihre Körner in einer dichten Ähre. Der Hafer dagegen bildet eine lockere, 15 bis 30 Zentimeter lange Rispe, an deren feinen Ästchen die Ährchen wie kleine Glöckchen herabhängen.

Hafer mag es kühl und feucht. Weil er auch auf kargen Böden und bei schlechtem Wetter noch verlässlich wächst, wurde er früher gerade in rauen Gegenden gern angebaut. In Bayern und Österreich hört man bis heute den alten Namen „Haber“, etwa im Habermus, einem Brei aus Hafermehl.

Getrocknete Heublumen, die wie grünes Haferkraut nach Heu und Sommerwiese duften

Heublumen: Sie teilen mit dem Haferkraut den warmen Duft nach Heu.

Hafer im Brauchtum: vom Pferdefutter bis zum Stephanstag

Über Jahrhunderte war Hafer vor allem eines: Pferdefutter. Wo Pferde den Pflug zogen, wuchs auch Hafer auf dem Acker. Daher stammt die Redensart „Den sticht der Hafer“. Gemeint ist jemand, der übermütig wird wie ein Pferd, das zu viel Hafer bekommen hat.

Eng mit Pferd und Hafer verbunden ist der Stephanstag am 26. Dezember. Der heilige Stephanus gilt als Patron der Pferde. In vielen Orten Bayerns und Österreichs wurden an diesem Tag die Pferde gesegnet, mancherorts ritt man zum Stephaniritt aus, und auch der Hafer als Futter für das kommende Jahr wurde geweiht.

Wie andere Getreide war der Hafer zudem ein Zeichen für Fülle. Vielerorts warf man früher Körner über das Brautpaar, damit es dem jungen Hausstand nie an etwas fehle. Und für die Aussaat kannten die Bauern eine eigene Regel: Hafer säte man bei zunehmendem Mond, dann sollte zwischen den Halmen wenig Unkraut aufkommen. Ob es stimmt, dürfen Sie gern selbst ausprobieren.

Wie schmeckt Haferkraut Tee?

Ein Aufguss aus grünem Haferkraut ist hell, goldgrün und angenehm unaufgeregt. Er schmeckt mild, grasig und leicht süßlich, mit einem Duft, der an frisch gemähtes Heu und warme Sommertage erinnert. Bittere oder herbe Töne hat er kaum. Deshalb mögen ihn auch Menschen, denen viele Kräutertees zu kräftig sind.

  1. Abmessen: 1 bis 2 Teelöffel Haferkraut in eine Tasse oder Kanne geben.
  2. Aufgießen: Mit 250 Millilitern kochendem Wasser übergießen.
  3. Ziehen lassen: Zugedeckt 8 bis 10 Minuten ziehen lassen, dann abseihen.
  4. Verfeinern: Pur genießen oder mit etwas Honig süßen. Im Sommer schmeckt der Tee auch gut gekühlt.

Weil das Haferkraut so mild ist, eignet es sich gut als Grundlage für eigene Mischungen. Gut passen Rosenblüten, Melisse und Pfefferminze, für eine würzigere Note auch etwas Betonie oder Passionsblumenkraut.

Getrocknete Rosenblüten als blumige Ergänzung zu grünem Haferkraut Tee

Rosenblüten geben dem milden Haferkraut eine blumige Note.

Sabines Tipp

„Wer im Frühsommer an frische, blühende Haferhalme kommt, kann einen grünen Hafertrunk machen wie bei uns früher: Die Halme mit ein paar Rosinen fein zerkleinern, mit warmem Wasser übergießen, zwei Minuten ziehen lassen und abseihen. Die Rosinen süßen ganz von selbst.“

Hafer säen und Haferkraut selbst ernten

Hafer ist eine der einfachsten Kulturen für Garten, Hochbeet und sogar Balkonkasten. Er keimt schon bei kühlen Temperaturen und ist anspruchslos.

  1. Säen: Säen Sie von März bis April, sobald der Boden offen ist, etwa 2 bis 3 Zentimeter tief in Reihen oder breitwürfig.
  2. Feucht halten: Halten Sie die Erde nach der Aussaat gleichmäßig feucht. Nach ein bis zwei Wochen zeigen sich die ersten grünen Spitzen.
  3. Ernten: Nach etwa zwei bis drei Monaten schieben sich die Rispen aus den Halmen. Jetzt das Kraut eine Handbreit über dem Boden abschneiden.
  4. Trocknen: Die Halme zu lockeren Bündeln binden und an einem schattigen, luftigen Ort kopfüber trocknen. Anschließend klein schneiden und trocken, dunkel und gut verschlossen aufbewahren.

Ein kleiner Nebennutzen für Katzenhalter: Junger Hafer im Topf ist als Katzengras sehr beliebt. Und wer im Garten eine Fläche ruhen lassen möchte, kann Hafer auch als Gründüngung säen.

Haferkraut in Kräuterkissen und grünen Pulvern

Getrocknetes Haferkraut duftet so angenehm nach Heu, dass es sich gut für Duftkissen eignet. Zusammen mit Heublumen und ein paar Rosenblüten entsteht eine Füllung, die an einen Sommertag auf der Wiese erinnert. Eine Anleitung finden Sie im Ratgeber Kräuterkissen.

Nahe Verwandte des Haferkrauts sind die grünen Graspulver. Gerstengras und Weizengras werden ebenfalls aus den jungen, grünen Halmen gewonnen und fein vermahlen. Sie schmecken ähnlich mild und grasig und lassen sich in Smoothies, Joghurt oder Müsli rühren. Mehr darüber lesen Sie im Ratgeber grüne Pulver. Und wer lieber das reife Korn genießt, findet Rezeptideen in unserem Ratgeber Overnight Oats.

Gerstengraspulver aus jungen grünen Gerstenhalmen, ein Verwandter des Haferkrauts

Gerstengraspulver: junges Getreidegrün, fein vermahlen.

Leuchtend grünes Weizengraspulver aus jungen Weizenhalmen

Weizengraspulver: frisch, grasig und leicht süßlich.

Was Sie dafür brauchen

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Häufige Fragen zum Haferkraut

Was ist grünes Haferkraut?

Die oberirdischen Teile des Saat-Hafers, geerntet in der Blütezeit, solange die Pflanze noch grün ist. Getrocknet und geschnitten wird daraus Kräutertee.

Wie schmeckt Haferkraut Tee?

Mild, grasig und leicht süßlich mit einem Duft nach Heu. Er ist kaum herb und lässt sich gut mit Rosenblüten, Melisse oder Pfefferminze kombinieren.

Ist Haferkraut dasselbe wie Haferflocken?

Nein. Haferflocken werden aus den reifen Körnern gemacht. Haferkraut ist das junge, grüne Kraut, das vor der Kornreife geschnitten wird.

Was ist der Unterschied zwischen Haferkraut und Haferstroh?

Haferkraut wird grün und blühend geerntet. Haferstroh sind die trockenen, gelben Halme, die nach der Kornernte auf dem Feld zurückbleiben.

Wann sät man Hafer?

Von März bis April, sobald der Boden bearbeitbar ist. Hafer keimt schon bei kühlen Temperaturen. Das Kraut kann nach etwa zwei bis drei Monaten geerntet werden, wenn die Rispen erscheinen.

Woher kommt die Redensart „Den sticht der Hafer“?

Sie stammt aus der Pferdehaltung. Pferde, die reichlich Hafer bekamen, wurden lebhaft und übermütig. So nennt man auch einen Menschen, der übermütig wird.