Das Wichtigste in Kürze
Johannisbeerblätter stammen meist vom Strauch der Schwarzen Johannisbeere (Ribes nigrum). Kleine Drüsen auf der Blattunterseite geben ihnen den typischen Cassis-Duft, der beim Zerreiben deutlich wird. Geerntet werden junge, makellose Blätter von Mai bis Juli, getrocknet ergeben sie einen mild-herben, dezent fruchtigen Kräutertee. Klassisch ist die Mischung mit Himbeer-, Brombeer- und Erdbeerblättern als Haustee.
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Inhalt
Was sind Johannisbeerblätter?
Wer im Garten an einem Strauch der Schwarzen Johannisbeere vorbeistreift, kennt den Duft: würzig, fruchtig, ein wenig herb. Er kommt nicht nur von den Beeren, sondern auch von den Blättern. Genau diese Blätter sammeln wir für den Tee.
Die Schwarze Johannisbeere, botanisch Ribes nigrum, gehört zu den Stachelbeergewächsen. Der Strauch wird ein bis zwei Meter hoch. Seine Blätter sind drei- bis fünflappig, am Rand gesägt und etwa handtellergroß. Auf der Unterseite sitzen winzige gelbliche Drüsen. Sie enthalten das ätherische Öl, das den Cassis-Duft verströmt, sobald man ein Blatt zwischen den Fingern zerreibt. Die Blätter der Roten Johannisbeere duften dagegen kaum. Für Tee werden deshalb fast immer die Blätter der Schwarzen genommen.
Ihren Namen hat die Johannisbeere vom Johannistag am 24. Juni, um den herum die ersten Beeren reifen. Im Volksmund hatte die Schwarze Johannisbeere viele weitere Namen, darunter Albeere, Bocksbeere und Wanzenbeere. Die beiden letzten spielen auf ihren kräftigen Eigengeruch an, den nicht jeder mochte.

Getrocknete schwarze Johannisbeeren: süßlich, herb und leicht säuerlich.
Omas Johannisbeerzeit: Saft, Gelee und Cassis
Bei meiner Oma war die Einmachzeit im Sommer ein Ereignis. Wenn die Schwarzen Johannisbeeren reif waren, funkelte die halbe Küche dunkelblau und lila von den vielen Gläsern mit Saft und Marmelade. Gepflückt wurde mit der ganzen Familie, gezupft am Küchentisch, und am Abend hatten alle dunkle Finger.
Aus den Beeren entstanden Saft, Gelee und Konfitüre. Wer heute keinen eigenen Strauch hat, findet bei uns eine im Kupferkessel gerührte schwarze Johannisbeerkonfitüre. Getrocknete Beeren schmecken im Müsli und im Joghurt. Weichen Sie sie dafür am Abend in etwas heißem Wasser ein.
Berühmt ist die Schwarze Johannisbeere auch als Likör. In Burgund wurde im 19. Jahrhundert die Crème de Cassis bekannt, ein süßer Likör aus schwarzen Johannisbeeren. Mit trockenem Weißwein aufgefüllt wird daraus der Kir, benannt nach Félix Kir, dem langjährigen Bürgermeister von Dijon. Einen eigenen Ansatz können Sie leicht selbst machen:
- Zutaten bereitlegen: 300 g frische schwarze Johannisbeeren, 200 g brauner Kandiszucker, 1 Vanilleschote, ein Stück unbehandelte Orangenschale, ein kleines Stück Ingwer und 0,7 Liter Obstler.
- Ansetzen: Beeren waschen und von den Stielen zupfen, Ingwer klein schneiden. Alles in ein großes Glas geben und mit dem Obstler auffüllen.
- Reifen lassen: Das Glas verschlossen etwa drei Wochen an einem warmen Ort stehen lassen und ab und zu schütteln.
- Abfüllen: Durch ein feines Sieb oder Tuch abseihen und in saubere Flaschen füllen.
Weitere Ideen für eigene Ansätze finden Sie in unserem Ratgeber Kräuterlikör selber machen.
Wann erntet man Johannisbeerblätter?
Die Blätter werden von Mai bis Juli geerntet, wenn sie voll entwickelt, aber noch jung und frisch grün sind. Nach der Beerenernte können Sie ebenfalls noch Blätter pflücken. So gehen Sie vor:
- Makellose Blätter wählen: Nehmen Sie nur saubere Blätter ohne Flecken oder Fraßspuren, möglichst von Sträuchern, die nicht gespritzt wurden.
- Den Strauch schonen: Pflücken Sie über den Strauch verteilt nur einige Blätter, damit er genug Kraft für Beeren und neue Triebe behält.
- Am Vormittag ernten: An einem trockenen Tag, wenn der Tau abgetrocknet ist. Nasse Blätter trocknen schlecht.
- Trocknen: Die Blätter einzeln auf einem Gitter oder Tuch an einem schattigen, luftigen Ort ausbreiten. Nach einigen Tagen sind sie trocken, wenn sie beim Zerdrücken rascheln.
- Lagern: In einem dunklen, gut verschlossenen Glas aufbewahren und mit dem Datum beschriften.
Mehr über die verschiedenen Methoden lesen Sie im Ratgeber Kräuter trocknen.

Himbeerblätter: herb und leicht süßlich, ideal zu Johannisbeerblättern.
Wie schmeckt Johannisbeerblättertee?
Ein Tee aus Johannisbeerblättern schmeckt mild-herb, fein krautig und dezent fruchtig. Der Cassis-Duft der frischen Blätter klingt im Aufguss leise mit. Er ist ein echter Haustee: unaufdringlich und schön für jeden Tag.
- Abmessen: 1 bis 2 Teelöffel getrocknete Johannisbeerblätter in eine Tasse geben.
- Aufgießen: Mit 250 ml kochendem Wasser übergießen.
- Ziehen lassen: 8 bis 10 Minuten ziehen lassen und abseihen.
Besonders harmonisch schmecken Johannisbeerblätter mit anderen Blättern aus Garten und Waldrand. Für unseren Blätter-Haustee mischen wir je einen Teil Johannisbeer-, Himbeer- und Brombeerblätter mit einem halben Teil Erdbeerblätter. Früher waren solche Mischungen auf dem Land ein Ersatz für den teuren Schwarztee. Im Sommer schmeckt der Tee auch kalt, mit ein paar Zitronenscheiben.
In der Küche Osteuropas haben Johannisbeerblätter noch eine andere Aufgabe: Sie kommen mit ins Glas, wenn Gurken in Salzlake eingelegt werden, und geben ihnen eine feine, würzige Note.
Sabines Tipp
Ich nehme im Sommer gern ein paar frische Johannisbeerblätter direkt vom Strauch, reibe sie kurz zwischen den Händen und gieße sie mit heißem Wasser auf. Der Duft, der dann aus der Kanne steigt, ist für mich der Geruch von Omas Garten.
Die Schwarze Johannisbeere im Garten
Ein Johannisbeerstrauch ist pflegeleicht und schenkt Ihnen Beeren und Blätter zugleich. Er mag einen sonnigen bis halbschattigen Platz und einen humusreichen, eher feuchten Boden. Gepflanzt wird am besten im Herbst. Eine Mulchschicht aus Rasenschnitt oder Laub hält den Boden feucht.
Die Schwarze Johannisbeere trägt ihre Früchte vor allem am einjährigen Holz. Schneiden Sie deshalb nach der Ernte oder im Winter einige der ältesten, dunklen Triebe bodennah heraus. So treibt der Strauch kräftig neu aus und bleibt licht. Diese frischen Triebe liefern im nächsten Jahr die Beeren und die schönsten Blätter.

Erdbeerblätter: ein Haustee mit Tradition, der an Schwarztee erinnert.
Was Sie dafür brauchen
JohannisbeerblätterMild-herber Blättertee mit Cassis-DuftAnsehen
Schwarze JohannisbeerenGetrocknete Beeren für Müsli, Joghurt und TeeAnsehen
HimbeerblätterHerb-süßlich, ideal für den Blätter-HausteeAnsehen
BrombeerblätterHerb-fruchtig, früher Schwarztee-ErsatzAnsehen
ErdbeerblätterLeicht herb, rundet die Mischung abAnsehenPassend dazu: Schwarze Johannisbeeren
Häufige Fragen zu Johannisbeerblättern
Kann man Johannisbeerblätter als Tee trinken?
Ja. Getrocknete oder frische Blätter der Schwarzen Johannisbeere ergeben einen mild-herben, dezent fruchtigen Kräutertee. 1 bis 2 Teelöffel mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und 8 bis 10 Minuten ziehen lassen.
Wann erntet man Johannisbeerblätter?
Von Mai bis Juli, wenn die Blätter voll entwickelt und noch frisch grün sind. Gepflückt wird an einem trockenen Vormittag, über den Strauch verteilt und nur so viel, dass er gut weiterwachsen kann.
Kann man auch Blätter der Roten Johannisbeere nehmen?
Grundsätzlich ja, sie duften aber kaum. Den typischen Cassis-Duft haben die Blätter der Schwarzen Johannisbeere, deshalb werden sie für Tee bevorzugt.
Ist Johannisbeerkraut dasselbe wie Johannisbeerblätter?
Nein, das wird oft verwechselt. Mit „Johannisbeerkraut“ ist meist das Johanniskraut gemeint, eine ganz andere Pflanze. Wer Tee vom Johannisbeerstrauch sucht, sucht nach Johannisbeerblättern.
Was ist Cassis?
Cassis ist der französische Name der Schwarzen Johannisbeere. Bekannt ist vor allem die Crème de Cassis, ein Likör aus Burgund, der mit Weißwein zum Kir gemischt wird.