Das Wichtigste in Kürze
Das Julfest ist das alte Fest der Wintersonnenwende in Nordeuropa. Es fällt in die Zeit um den 21. Dezember, den kürzesten Tag und die längste Nacht des Jahres, ab dem die Tage wieder länger werden. Typische Jul-Farben sind Rot, Grün und Gold, zu den Bräuchen gehören Kerzenlicht, immergrüne Zweige, der Julklapp und das Räuchern. In Skandinavien heißt Weihnachten bis heute „Jul“.
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Inhalt
Was ist das Julfest?
Wenn die Nächte im Dezember am längsten sind, feierten die Menschen im Norden Europas seit alter Zeit ein Fest des Lichts: das Julfest. Es markiert die Wintersonnenwende, den Wendepunkt, an dem die Sonne zurückkehrt und die Tage wieder länger werden. Sabine hat es in einem unserer Newsletter so zusammengefasst: Dunkle Zeiten haben auch ein Ende. Es gibt eine Zukunft.
Wie die vorchristlichen Germanen und Skandinavier Jul genau gefeiert haben, ist nur bruchstückhaft überliefert. Sicher ist, dass es ein Mittwinterfest war, das mit Festmahlen und Zusammenkünften verbunden wurde. Mit der Christianisierung verschmolz es mit dem Weihnachtsfest. Das Wort aber lebt weiter: Im Schwedischen, Dänischen und Norwegischen heißt Weihnachten bis heute „jul“, im Finnischen „joulu“, und im Englischen kennt man „Yule“.
Für uns im Kräuterhof bedeutet Julfest feiern vor allem, im Einklang mit der Natur zu sein. Es ist eine Gelegenheit, innezuhalten, Kerzen anzuzünden und mit etwas Demut auf den Lauf der Jahreszeiten zu schauen.

Warm und balsamisch: Unsere Adventsräucherung passt gut in die Zeit vor der Wintersonnenwende.
Wann ist Wintersonnenwende?
Die Wintersonnenwende fällt auf der Nordhalbkugel auf den 21. oder 22. Dezember. An diesem Tag steht die Sonne mittags so tief wie an keinem anderen Tag im Jahr, der Tag ist am kürzesten und die Nacht am längsten. Im Jahr 2026 ist es der 21. Dezember. Von da an wächst das Tageslicht wieder, zunächst nur um wenige Minuten, dann immer deutlicher.
Viele, die heute Jul feiern, begehen den Abend oder die Nacht der Sonnenwende selbst. Andere sehen in Jul eine ganze Festzeit, die von der Sonnenwende bis in die Tage nach Weihnachten reicht. Eine verbindliche Regel gibt es nicht.
Welche Bedeutung haben die Jul-Farben?
Die typischen Farben der Julzeit sind Rot, Grün und Gold. Jede steht für einen eigenen Gedanken:
- Rot ist die Farbe der Menschen und Tiere. Sie steht für Leben und Liebe.
- Grün symbolisiert die Natur, die Fruchtbarkeit und die Hoffnung. Darum schmückt man in der dunklen Zeit mit immergrünen Zweigen.
- Gold ist die Sonne: rund, hell und leuchtend. Kerzen, Strohsterne und goldene Bänder holen sie ins Haus.
Auch Formen spielen eine Rolle. Kreis, Spirale, Schnecke und Brezel gelten als Sonnensymbole, die für die Wiederkehr des Lichts stehen. Wer an Jul backt, kann diese Formen aufgreifen, etwa mit Hefeschnecken, kleinen Brezeln oder runden Plätzchen.

Fichtennadeln bringen den Duft des Winterwaldes in die Julzeit.
Welche Bräuche gehören zum Julfest?
Licht und Kerzen
Im Mittelpunkt steht das Licht. Am Abend der Sonnenwende zündet man Kerzen an, oft eine nach der anderen, als Zeichen dafür, dass die Sonne zurückkehrt. Stellen Sie Kerzen dabei immer sicher in ein Windlicht oder eine feuerfeste Schale und löschen Sie sie, bevor Sie den Raum verlassen.
Immergrün
Zweige von Fichte, Tanne, Kiefer, Efeu oder Stechpalme bleiben auch im tiefsten Winter grün. Seit Jahrhunderten holt man sie in der dunklen Jahreszeit ins Haus, als Zeichen dafür, dass das Leben weitergeht. Unser Adventskranz und der Christbaum stehen in dieser Tradition. Über die Fichte und ihren Duft lesen Sie mehr im Beitrag Fichtennadeln.
Der Julklotz
In vielen Gegenden Europas wurde zur Mittwinterzeit ein besonders großes Holzscheit ins Herdfeuer gelegt, der Julklotz oder Julblock. Er sollte möglichst lange brennen. Heute erinnert der französische Weihnachtskuchen „Bûche de Noël“ in Form eines Baumstamms an diesen Brauch.
Julklapp und Julbock
Der Julklapp stammt aus Skandinavien und Norddeutschland. Ein Geschenk wurde in viele Lagen Papier gewickelt, an die Tür geworfen, und der Schenker rief „Julklapp“, bevor er unerkannt verschwand. Heute versteht man darunter oft das Wichteln im Freundeskreis. Der Julbock, eine Ziegenfigur aus Stroh, ist in Schweden ein beliebter Weihnachtsschmuck.
Ein weiterer stiller Brauch beginnt schon früher im Dezember: Am 4. Dezember schneidet man Zweige von Kirsche oder Forsythie, die an Weihnachten blühen sollen. Wie das gelingt, lesen Sie im Beitrag über die Barbarazweige.

Fichtenharz duftet kräftig, warm und harzig nach Nadelwald.
Wie räuchert man zur Wintersonnenwende?
Räuchern gehört bei uns fest zur dunklen Jahreszeit. Zur Wintersonnenwende passen Düfte, die an Wald, Harz und Kerzenschein erinnern: Fichtennadeln und Fichtenharz für die Frische des Winterwaldes, Weihrauch für eine klare, feierliche Note und Myrrhe für Tiefe und Wärme. Wer es einfach mag, greift zu einer fertigen Mischung wie unserer Raunacht mit Rose, Schlehdorn, Nelke, Zimt, Sandelholz, Myrrhe und Fichte.
- Vorbereiten: Stellen Sie ein Räucherstövchen mit Sieb oder ein Räuchergefäß mit Sand auf eine feuerfeste Unterlage. Ohne Kohle gelingt es mit dem Stövchen besonders leicht.
- Erhitzen: Das Teelicht im Stövchen anzünden oder eine Räucherkohle entzünden und durchglühen lassen, bis sie mit weißer Asche überzogen ist.
- Auflegen: Eine kleine Prise Fichtennadeln, ein, zwei Körnchen Weihrauch oder Myrrhe oder etwas Raunacht-Mischung auflegen. Weniger ist mehr.
- Innehalten: Genießen Sie den Duft eine Weile, gehen Sie durch die Räume oder setzen Sie sich einfach ans Kerzenlicht und denken Sie an das vergangene Jahr.
- Lüften: Öffnen Sie danach das Fenster und lassen Sie frische Winterluft herein.
Sicherheit: Glut, Kohle und Teelicht nie unbeaufsichtigt lassen. Stellen Sie das Gefäß auf eine hitzefeste Unterlage, halten Sie Kinder und Haustiere fern und lüften Sie gut. Achten Sie darauf, dass Rauchmelder nicht direkt über dem Räuchergefäß hängen, und halten Sie Abstand zu Vorhängen und Zweigen. Räucherwerk ist nicht zum Verzehr bestimmt.
Sabines Tipp
Ich lege zur Sonnenwende gern ein paar getrocknete Fichtennadeln zusammen mit einem Körnchen Myrrhe auf das Sieb. Die Nadeln knistern leise, und es duftet nach Wald und Harz zugleich. Dazu brennt bei uns eine einzelne goldene Kerze in einem Glas, und für einen Abend lang ist das Haus ganz still.

Äthiopischer Weihrauch: goldgelbe Stücke mit klarem, frischem Duft.
Vom Julfest zu den Rauhnächten
Auf die Wintersonnenwende folgen bald die Rauhnächte, die zwölf Nächte zwischen den Jahren. Meist zählt man sie vom 25. Dezember bis zum 6. Januar, in manchen Gegenden beginnen sie schon mit der Thomasnacht um den 21. Dezember. Für viele ist das Julfest deshalb der Auftakt einer stillen Zeit des Innehaltens, Erinnerns und Neuordnens.
Welche Bräuche und Rituale zu den Rauhnächten gehören, haben wir in unserem großen Ratgeber zu den Rauhnächten zusammengestellt. Einen Überblick über alle Feste im Jahr, zu denen traditionell geräuchert wird, finden Sie im Beitrag Räuchern im Jahreskreis.

Myrrhe gibt jeder Winterräucherung einen tiefen, balsamischen Grundton.
Was Sie dafür brauchen
RaunachtMischung für die Zeit zwischen den JahrenAnsehen
AdventsräucherungWarm und balsamisch für die AdventszeitAnsehen
FichtennadelnWaldduft der Fichte für JulAnsehen
Fichtenharz, BurgunderharzKräftig-harziges FichtenharzAnsehen
Weihrauch Äthiopien 1.GradKlarer Weihrauch für feierliche MomenteAnsehen
MyrrheTiefe, balsamische NoteAnsehenAlle Räuchermischungen ansehen
Passend dazu: Luciafest am 13. Dezember · Dreikönigskuchen und Galette des Rois
Häufige Fragen zum Julfest
Wann feiert man das Julfest?
Das Julfest wird zur Wintersonnenwende gefeiert, also am 21. oder 22. Dezember. Manche verstehen unter Jul auch die ganze Festzeit von der Sonnenwende bis nach Weihnachten.
Was bedeutet das Wort Jul?
Jul ist ein altes nordisches und germanisches Wort für das Mittwinterfest. Seine genaue Herkunft ist nicht geklärt. In den skandinavischen Sprachen ist „jul“ heute einfach das Wort für Weihnachten.
Welche Farben gehören zu Jul?
Rot, Grün und Gold. Rot steht für Leben und Liebe, Grün für Natur und Hoffnung, Gold für die Sonne, die nach der längsten Nacht zurückkehrt.
Was macht man an der Wintersonnenwende?
Viele zünden Kerzen an, schmücken mit immergrünen Zweigen, räuchern mit Fichte, Weihrauch oder Myrrhe und nehmen sich Zeit für einen Rückblick auf das Jahr. Auch ein gemeinsames Essen mit Familie oder Freunden gehört dazu.
Was ist ein Julklapp?
Der Julklapp ist ein alter Schenkbrauch aus Skandinavien und Norddeutschland. Ein mehrfach eingewickeltes Geschenk wurde an die Tür geworfen, begleitet vom Ruf „Julklapp“. Heute wird der Begriff oft für das Wichteln verwendet.
Ist Jul dasselbe wie Weihnachten?
Ursprünglich nicht. Jul war ein Fest zur Mittwinterzeit, das später mit dem christlichen Weihnachtsfest zusammenfiel. In Skandinavien werden beide Begriffe heute gleichbedeutend verwendet.