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01.06.12

Melissenblätter geschn., 20 g – Kräuterparadies seit 1887

Melisse: Zitronenmelisse in Garten, Küche und Karmelitergeist

Das Wichtigste in Kürze

Die Melisse, meist Zitronenmelisse genannt (Melissa officinalis), ist ein winterharter Lippenblütler aus dem östlichen Mittelmeerraum, dessen Blätter frisch und zitronig duften. Ihr Name kommt vom griechischen Wort melissa für Biene, denn ihre kleinen Blüten sind eine beliebte Bienenweide. In der Küche passen die frischen Blätter zu Obstsalat, Bowle, Limonade, Quark und Fisch, als Tee schmeckt sie mild und zitronig. Berühmt wurde sie auch durch den Karmelitergeist, ein Melissendestillat, das Karmelitermönche in Paris ab 1611 herstellten.

Lesezeit: etwa 6 Minuten

Was ist Melisse?

Wer im Sommer an einem Melissenbusch vorbeistreift, hat sofort einen frischen Zitronenduft in der Nase. Dabei ist die Pflanze gar nicht mit der Zitrone verwandt. Bei uns im Kräuterhof wächst sie in großen Büschen am Gartenrand, und an warmen Tagen summt es dort von Bienen.

Botanisch heißt sie Melissa officinalis und gehört zu den Lippenblütlern, wie Minze, Salbei und Thymian. Sie ist eine ausdauernde Staude und wird 30 bis 80 Zentimeter hoch. Typisch für ihre Familie ist der vierkantige Stängel. Die Blätter stehen sich paarweise gegenüber, sind eiförmig bis herzförmig, am Rand gekerbt und leicht runzelig. Von Juni bis August sitzen in den Blattachseln kleine weiße bis zartrosa Lippenblüten.

Ihren Zitronenduft verdankt die Melisse Aromastoffen wie Citral und Citronellal, die auch in Zitronengras und Zitronenschale vorkommen. Die Blätter enthalten davon aber nur sehr wenig, und der Duft verfliegt beim Trocknen leicht. Deshalb schmeckt frische Melisse immer intensiver als getrocknete.

Ganz ähnlich sehen manche Minzen und die Zitronen-Katzenminze aus. Der Unterschied zeigt sich beim Zerreiben eines Blattes: Melisse riecht klar nach Zitrone, ohne die kühle Schärfe der Pfefferminze.

Fein geschnittenes französisches Eisenkraut, die Zitronenverbene, in einer Schale

Zitronenverbene: eine zitronige Schwester im Geiste der Melisse, kräftiger im Aroma.

Woher kommt der Name Melisse?

Das griechische Wort melissa bedeutet Biene. Schon in der Antike nannte man die Pflanze deshalb Bienenkraut, und die Imker pflanzten sie gern in die Nähe ihrer Bienenstöcke. Überliefert ist, dass sie die Körbe mit Melissenblättern ausrieben, damit ein neuer Schwarm sich dort heimisch fühlte. Der Beiname officinalis kommt vom lateinischen officina, der Werkstatt, in der früher Kräuter verarbeitet wurden.

Im Volksmund heißt sie bis heute auch Zitronenkraut oder eben Bienenkraut. Beide Namen erzählen davon, wie gern man diese freundlich duftende Pflanze in der Nähe hatte, Mensch wie Biene.

Melisse im Klostergarten und der Karmelitergeist

Man nimmt an, dass die Melisse mit den Mönchen über die Alpen kam. In den Klostergärten des Mittelalters gehörte sie bald zum festen Bestand, und von dort wanderte sie in die Bauerngärten. Mehr über die Geschichte der Klostergärten lesen Sie in unserem Ratgeber Kräuterkunde: Geschichte des Kräuterwissens.

Berühmt wurde die Melisse durch ein Getränk aus Frankreich. Im Jahr 1611 begannen die Karmelitermönche in Paris, ein Melissenwasser zu destillieren, das bald im ganzen Land bekannt war und sogar am Königshof geschätzt wurde. Dieses Eau de Mélisse des Carmes, auf Deutsch Karmelitergeist, war ein alkoholisches Destillat aus Melisse und Gewürzen. Überliefert sind Rezepte mit Zitronenschale, Muskatnuss, Zimt, Gewürznelken, Koriander und Angelikawurzel. Die genaue Rezeptur hüteten die Mönche als Geheimnis.

Im 19. Jahrhundert kam der Melissengeist auch nach Deutschland.

Getrocknete Zitronenmyrte, Blätter mit besonders intensivem Zitronenaroma

Zitronenmyrte aus Australien: noch zitroniger als die Melisse, deshalb sparsam verwenden.

Zitronenmelisse im Garten

Melisse ist eine dankbare Gartenpflanze, die auch Anfänger kaum enttäuscht. Sie ist winterhart, treibt jedes Frühjahr neu aus und wird mit den Jahren zu einem stattlichen Busch.

  1. Standort: Sonnig bis halbschattig, an einem geschützten Platz. In voller Mittagssonne duftet sie am stärksten.
  2. Boden: Locker, humusreich und durchlässig. Staunässe mag sie nicht.
  3. Aussaat: Melisse ist ein Lichtkeimer. Die Samen nur andrücken, nicht mit Erde bedecken. Vorziehen ab März auf der Fensterbank oder ab Mai direkt ins Beet. Einfacher ist es, einen alten Busch im Frühjahr zu teilen.
  4. Rückschnitt: Nach der ersten Ernte im Juni die ganze Pflanze kräftig zurückschneiden. Dann treibt sie mit frischen, aromatischen Blättern neu aus.
  5. Aufpassen: Melisse sät sich gern selbst aus. Wenn Sie das nicht möchten, schneiden Sie die Blütenstände nach der Blüte ab.

Geerntet wird am besten kurz vor der Blüte an einem trockenen Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist. Dann ist das Aroma am kräftigsten. Wie Sie die Blätter schonend trocknen, ohne dass der Duft verfliegt, steht in unserem Ratgeber Kräuter trocknen.

Melisse in der Küche

Frische Melisse bringt eine sanfte Zitronennote in viele Gerichte, ohne Säure. Geben Sie sie immer erst kurz vor dem Servieren dazu, denn Hitze nimmt ihr schnell das Aroma.

  • Süß: In Obstsalat, über Erdbeeren, Pfirsiche und Melone, in Quarkspeisen, zu Vanilleeis oder als Melissenzucker, für den Sie fein gehackte Blätter mit Zucker mischen und trocknen lassen.
  • Herzhaft: In grünem Salat, Kräuterquark und Frischkäse, zu gedünstetem Fisch und Hähnchen, in Kräuterbutter oder einer hellen Soße.
  • Getränke: In Bowle, Limonade, Wasser mit Gurkenscheiben oder einem sommerlichen Hugo.

Eine einfache Melissen-Limonade: Eine große Handvoll frische Melissenblätter, eine unbehandelte Zitrone in Scheiben und zwei Esslöffel Honig in einen Krug geben, mit einem Liter kaltem Wasser auffüllen und über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen. Vor dem Servieren mit Mineralwasser und Eiswürfeln auffüllen. Weitere Rezepte finden Sie im Ratgeber Eistee selber machen.

Sabines Tipp

Im Sommer friere ich frische Melissenblättchen mit Wasser in Eiswürfelformen ein. Die grünen Würfel sehen in einem Glas Mineralwasser oder Weißweinschorle hübsch aus, und wenn sie schmelzen, kommt nach und nach der Zitronenduft heraus. So habe ich frische Melisse auch dann noch, wenn der Busch im Garten längst eingezogen ist.

Melissentee zubereiten

Melissentee schmeckt mild, frisch und zitronig. Frisch gepflückt ist er ein Sommervergnügen, getrocknet begleitet er Sie durch das ganze Jahr.

  1. Abmessen: Eine kleine Handvoll frische Blätter oder 1 bis 2 Teelöffel getrocknete Melissenblätter in eine Tasse geben.
  2. Aufgießen: Mit 250 ml heißem, nicht mehr sprudelnd kochendem Wasser übergießen.
  3. Abdecken: Die Tasse während des Ziehens abdecken, damit der flüchtige Zitronenduft im Tee bleibt.
  4. Ziehen lassen: 5 bis 10 Minuten ziehen lassen und abseihen.

Melisse ist eine gute Partnerin in Mischungen. Sie verträgt sich gut mit Pfefferminze und Krauseminze, mit Zitronenverbene, Rosenblüten oder einer kleinen Prise Lavendel. Eine weitere zitronige Teepflanze stellen wir im Ratgeber Zitronengras vor.

Melissenöl: Vorsicht beim Namen

Echtes Melissenöl aus Melissa officinalis ist sehr selten, weil die Blätter nur winzige Mengen ätherisches Öl enthalten. Für einen Tropfen braucht man eine riesige Menge Kraut. Was im Handel als „Melissenöl Indikum“ angeboten wird, stammt deshalb von einer ganz anderen Pflanze: einem Zitronengras aus Java. Der Name ist eine alte Handelsbezeichnung. Es duftet leicht, frisch und zitrusartig und eignet sich für die Duftlampe. Mehr dazu im Ratgeber Duftöle als Raumduft.

Fläschchen mit Melissenöl Indikum, einem ätherischen Öl aus Zitronengras, für die Duftlampe

Melissenöl Indikum: trotz des Namens ein Öl aus Zitronengras, mit frischem Zitrusduft.

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Häufige Fragen zur Melisse

Ist Melisse dasselbe wie Zitronenmelisse?

Ja. Mit Melisse ist fast immer die Zitronenmelisse Melissa officinalis gemeint. Der Zusatz „Zitronen-“ beschreibt nur ihren Duft.

Wie schmeckt Melissentee?

Mild, frisch und zitronig, ganz ohne Säure. Frische Blätter schmecken intensiver als getrocknete. Decken Sie die Tasse beim Ziehen ab, dann bleibt mehr vom Duft im Tee.

Wann erntet man Zitronenmelisse?

Am besten kurz vor der Blüte im Juni an einem trockenen Vormittag. Nach einem kräftigen Rückschnitt treibt die Pflanze neu aus, sodass Sie im Spätsommer ein zweites Mal ernten können.

Was ist Karmelitergeist?

Ein alkoholisches Destillat aus Melisse und Gewürzen, das Karmelitermönche in Paris ab 1611 herstellten. Als Eau de Mélisse des Carmes wurde es in ganz Frankreich bekannt.

Kann man Melisse einfrieren?

Ja, das bewahrt das Aroma oft besser als Trocknen. Frieren Sie die Blätter ganz oder gehackt mit etwas Wasser in Eiswürfelformen ein und geben Sie sie direkt in Getränke oder Speisen.