Das Wichtigste in Kürze
Der Sonnentau (Drosera) ist eine kleine fleischfressende Pflanze, die in Mooren wächst. Seine Blätter tragen rote Drüsenhaare mit klebrigen Tropfen, die wie Tau in der Sonne glänzen und kleine Insekten festhalten. In Deutschland gibt es drei heimische Arten, am häufigsten den Rundblättrigen Sonnentau (Drosera rotundifolia); alle sind besonders geschützt. Pflanzen für Fensterbank und Garten stammen aus Gärtnereien.
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Inhalt
Was ist Sonnentau?
Wer im Sommer auf einem Bohlenweg durch ein Hochmoor geht und genau hinschaut, entdeckt zwischen den Torfmoosen winzige rote Rosetten, die funkeln, als hätte es gerade getaut. Das ist der Sonnentau, eine der erstaunlichsten Pflanzen unserer Heimat. Er ist kaum größer als eine Münze und doch ein echter Jäger.
Der Sonnentau bildet eine eigene Pflanzenfamilie, die Sonnentaugewächse. Weltweit sind weit über hundert Arten bekannt, viele davon in Australien und Südafrika. In Deutschland wachsen drei Arten:
- Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia): die häufigste Art, mit runden, lang gestielten Blättern in einer flachen Rosette.
- Mittlerer Sonnentau (Drosera intermedia): mit länglich-spateligen Blättern, oft an nassen Stellen und Schlenken.
- Langblättriger Sonnentau (Drosera anglica): mit schmalen, aufrecht stehenden Blättern, bei uns sehr selten.
Die Blätter des Rundblättrigen Sonnentaus sind nur etwa einen Zentimeter breit. Auf jeder Blattspreite sitzen rund zweihundert rote Drüsenhaare, die Tentakel. An ihrer Spitze glänzt ein Tropfen klebriger Schleim. Im Sommer wächst aus der Mitte ein dünner Stiel mit kleinen weißen Blüten, die sich nur bei Sonnenschein für wenige Stunden öffnen.

Der Bitterklee wächst wie der Sonnentau in Mooren und auf nassen Wiesen.
Wie fängt der Sonnentau Insekten?
Die glänzenden Tropfen locken kleine Insekten wie Mücken und Fliegen an. Wer landet, bleibt am zähen Schleim kleben. Je mehr das Tier zappelt, desto mehr Tentakel berührt es. Innerhalb von Minuten beugen sich die Drüsenhaare zur Blattmitte, nach einigen Stunden rollt sich oft das ganze Blatt um die Beute.
Dann geben die Drüsen Enzyme ab, die das Insekt zersetzen. Die Pflanze nimmt vor allem Stickstoff und Phosphor auf. Nach einigen Tagen öffnet sich das Blatt wieder, übrig bleibt nur die harte Hülle des Insekts. Der Wind trägt sie fort, und die Falle ist wieder bereit.
Warum der Aufwand? Der Sonnentau lebt in Hochmooren und auf nassen, sauren Torfböden, in denen kaum Stickstoff zu finden ist. Die Insekten sind sein Zusatzfutter. Die Photosynthese betreibt er trotzdem selbst, die grünen Teile der Blätter arbeiten wie bei jeder anderen Pflanze. Im Herbst zieht sich der heimische Sonnentau zu einer kleinen Winterknospe zusammen und treibt im Frühjahr neu aus.
Charles Darwin und der Sonnentau
Kein Naturforscher hat sich so intensiv mit dem Sonnentau beschäftigt wie Charles Darwin. Im Sommer 1860 entdeckte er auf einer Heide in Südengland, wie viele Insekten an den kleinen Blättern klebten. Daraus wurden Jahre voller Versuche.
Darwin legte winzige Stückchen Fleisch, Eiweiß, Glas oder Sand auf die Blätter und beobachtete, wie die Tentakel reagierten. Er stellte fest, dass sich die Drüsenhaare bei Nahrung deutlich stärker und länger krümmten als bei unverdaulichen Dingen, und dass schon erstaunlich kleine Teilchen genügten. In einem Brief schrieb er sinngemäß, der Sonnentau interessiere ihn im Moment mehr als der Ursprung aller Arten. 1875 veröffentlichte er sein Buch „Insectivorous Plants“ über fleischfressende Pflanzen, in dem der Sonnentau einen großen Teil einnimmt.

Preiselbeeren sind typische Nachbarn an Moorrändern und in Heiden.
Woher hat der Sonnentau seinen Namen?
Morgens glänzt im Moor vieles vom Tau. Doch während der echte Tau in der Mittagssonne verdunstet, funkeln die Tropfen des Sonnentaus weiter. So kam die Pflanze zu ihrem Namen. Der wissenschaftliche Name Drosera kommt vom griechischen Wort für Tau und bedeutet so viel wie „die Betaute“.
Im Volksmund hatte der Sonnentau viele Namen, etwa Himmelstau, Immertau, Jungferntröpfle oder Marienträne. Auch der italienische Likör Rosolio trägt seinen Namen wohl vom lateinischen ros solis, „Tau der Sonne“. Frühe Rezepte sollen tatsächlich Sonnentau enthalten haben. Heute wird Rosolio mit ganz anderen Zutaten gemacht, etwa mit Rosenblüten oder Zitrusschalen.
In alten Kräuterbüchern taucht der Sonnentau immer wieder auf. Viele dieser Bücher stellen wir in unserem Ratgeber Kräuterkunde vor.
Ist Sonnentau geschützt?
Ja. Alle heimischen Sonnentau-Arten sind in Deutschland besonders geschützt und stehen auf der Roten Liste. Sie dürfen in der Natur weder gepflückt noch ausgegraben werden. Viele Moore wurden in den vergangenen zweihundert Jahren entwässert oder abgetorft, und mit ihnen verschwand der Sonnentau.
Wer ihn sehen möchte, besucht am besten ein Moor mit Bohlenweg oder Moorlehrpfad. Bleiben Sie auf den Stegen, denn der Moorboden ist empfindlich und zertretene Torfmoose brauchen Jahre, um sich zu erholen. Eine Lupe im Rucksack lohnt sich: Darunter sehen die Tentakel aus wie kleine rote Stecknadeln mit Glaskopf.
Sabines Tipp: Viele Naturschutzzentren bieten im Sommer Moorführungen an. Gehen Sie im Juli mit. Dann blüht der Sonnentau, und mit etwas Glück sehen Sie ein Blatt, das sich gerade um eine Mücke schließt.
Sonnentau kaufen und pflegen
Lebende Sonnentau-Pflanzen bekommen Sie in Gärtnereien, die sich auf fleischfressende Pflanzen spezialisiert haben. Für Einsteiger eignet sich besonders der Kap-Sonnentau (Drosera capensis) aus Südafrika. Er wächst willig auf der hellen Fensterbank und blüht reich. Heimische Arten gibt es aus Nachzucht für Moorbeet oder Kübel im Freien.
- Licht: Ein sehr heller, gern sonniger Platz. Bei zu wenig Licht bleiben die Tentakel grün und bilden kaum Tropfen.
- Wasser: Nur Regenwasser oder destilliertes Wasser. Im Sommer steht der Topf in einem Untersetzer mit ein bis zwei Zentimetern Wasser.
- Erde: Spezialerde für fleischfressende Pflanzen. Inzwischen gibt es auch torfreduzierte Mischungen, die die Moore schonen.
- Nicht düngen, nicht füttern: Normaler Dünger schadet den Wurzeln. Insekten fängt der Sonnentau selbst, Fleischstückchen sind unnötig.
Getrocknetes Sonnentau-Kraut ist dagegen etwas für Liebhaber alter Kräuter. Es schmeckt mild, leicht herb und dezent krautig. Bei uns im Kräuterhof führen wir es als Einzelkraut für eigene Kräutermischungen.

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Ist Sonnentau fleischfressend?
Ja. Der Sonnentau fängt mit klebrigen Drüsenhaaren kleine Insekten und nimmt daraus vor allem Stickstoff auf. So gleicht er aus, dass Moorböden sehr arm daran sind. Seine Energie gewinnt er trotzdem wie jede grüne Pflanze aus dem Sonnenlicht.
Wo wächst Sonnentau in Deutschland?
In Hochmooren, Übergangsmooren und auf nassen, sauren Torfböden, meist zwischen Torfmoosen. Am häufigsten ist der Rundblättrige Sonnentau, etwa im Alpenvorland, in Norddeutschland und in Mittelgebirgsmooren.
Darf man Sonnentau aus dem Moor mitnehmen?
Nein. Alle heimischen Arten sind besonders geschützt. Pflücken und Ausgraben sind verboten. Pflanzen aus Nachzucht gibt es in spezialisierten Gärtnereien.
Wo kann man Sonnentau kaufen?
Lebende Pflanzen in Gärtnereien für fleischfressende Pflanzen, für die Fensterbank besonders den Kap-Sonnentau. Getrocknetes Sonnentau-Kraut für Kräutermischungen finden Sie bei uns im Shop.
Wie gießt man Sonnentau richtig?
Mit kalkfreiem Regenwasser oder destilliertem Wasser. Im Sommer steht der Topf am besten dauerhaft in einem Untersetzer mit wenig Wasser, im Winter etwas trockener.