Das Wichtigste in Kürze
„Staade Zeit“ ist bairisch und heißt „stille Zeit“. Gemeint ist der Advent, die vier Wochen vor Weihnachten, in denen man früher zur Ruhe kam, weil auf den Höfen die Ernte eingebracht war. Zu den Adventsbräuchen in Bayern gehören Adventskranz, Barbarazweige am 4. Dezember, der Nikolaus am 6. Dezember, Anklöpfeln, Frauentragen und das Plätzchenbacken. Mit der Thomasnacht am 21. Dezember und den Rauhnächten klingt die staade Zeit aus.
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Inhalt
Was heißt „staade Zeit“?
„Staad“ ist ein bairisches Wort für still, ruhig und leise. Wer in Bayern „sei staad“ hört, soll leise sein. Die staade Zeit ist also die stille Zeit, und damit meint man den Advent.
In einem Weihnachtsflyer habe ich einmal beschrieben, was diese Wochen für mich ausmacht: Es ist die Zeit, in der die Spaziergänge kürzer werden, die Menschen gern zu Hause bleiben und sich alles Leben mehr von außen nach innen kehrt. Die stille oder auch die staade Zeit, in der man es sich mit einem duftenden Tee oder einem schönen Buch gemütlich macht, Plätzchen backt und sich eine kleine Auszeit in der Badewanne gönnt. Eine Zeit der Besinnung auf das, was wir sind und sein wollen.
Früher hatte diese Ruhe einen ganz praktischen Grund. Auf den Höfen waren die letzten Ernten eingebracht, die Feldarbeit ruhte, und die langen Abende verbrachte man in der warmen Stube. Heute ist der Advent oft die hektischste Zeit des Jahres. Gerade deshalb lohnt es sich, die staade Zeit wieder ein wenig staader werden zu lassen.

Plätzchenbacken gehört zur staaden Zeit wie der Adventskranz.
Welche Adventsbräuche gibt es in Bayern?
Bayern ist reich an Adventsbräuchen. Manche werden in jedem Dorf gepflegt, andere nur in einzelnen Regionen. Hier die bekanntesten im Überblick.
Adventskranz
Der Adventskranz geht auf den Hamburger Theologen Johann Hinrich Wichern zurück, der 1839 für die Kinder in seinem Rettungshaus einen Holzreifen mit Kerzen aufhängte. Von dort aus verbreitete er sich in ganz Deutschland. In Bayern ist er heute meist aus Tannengrün gebunden und trägt vier Kerzen, für jeden Adventssonntag eine.
Barbarazweige am 4. Dezember
Am Barbaratag schneidet man Kirsch- oder andere Blütenzweige und stellt sie in die Vase. Blühen sie an Weihnachten, verheißt das nach altem Volksglauben Glück für das neue Jahr. Wie das gelingt, lesen Sie im Beitrag Barbarazweige.
Nikolaus am 6. Dezember
Der heilige Nikolaus kommt am Vorabend oder am Morgen des 6. Dezember und bringt Nüsse, Äpfel, Lebkuchen und Mandarinen. In Bayern und Österreich wird er oft vom Krampus begleitet, einer zotteligen Gestalt mit Rute und Kette.
Anklöpfeln und Frauentragen
Beim Anklöpfeln ziehen Gruppen an den Donnerstagabenden im Advent von Haus zu Haus, singen Lieder und erhalten dafür kleine Gaben. Beim Frauentragen wird in manchen Gemeinden in den Tagen vor Weihnachten ein Marienbild von Familie zu Familie getragen, in Erinnerung an die Herbergssuche.
Plätzchen und Lebkuchen
Kaum ein Brauch ist so lebendig wie das Plätzchenbacken. Zu meinen liebsten Adventserinnerungen gehört das Backen bei meiner Mutter in der Oberpfalz. Wenn Anis, Vanille und Zimt durchs Haus ziehen, ist dieses Gefühl von Geborgenheit sofort wieder da.
Lebkuchen: alte Bräuche rund um das Adventsgebäck
Der Lebkuchen hat eine lange Geschichte, und manche alte Überlieferung ist heute fast vergessen. Lebkuchen aus Honigteig verschenkte man früher nicht nur an Weihnachten, sondern auch zu Ostern, zur Hochzeit oder als Gabe zur Taufe.
In den Teig kamen Nüsse und Mandeln, die mit Schale und Kern als Zeichen für Tod und Auferstehung galten. Erfahrene Lebküchner ließen den Teig aus Mehl, Honig und Triebmittel der Überlieferung nach in Fässern lange reifen, bevor er geknetet und gebacken wurde.
Ein schöner Brauch kommt vom Land: So manche Bäuerin strich ihre vom Lebkuchenteig verschmierten Hände an den Obstbäumen ab. Im folgenden Jahr sollten die Bäume dann reichlich tragen.
Heute rührt man Lebkuchengewürz längst nicht mehr nur in den Teig. Eine Prise schmeckt im Kaffee, im Pfannkuchen, im Tiramisu oder im Frühstücksmüsli. Welche Gewürze hineingehören, erklärt der Ratgeber Lebkuchengewürz.
Wie wir im Kräuterhof den Advent verbringen
Bei uns im Kräuterhof ist der November die Zeit, in der die letzten Ernten eingebracht sind. Dann beginnt für uns ein besonderer Moment im Jahr, und mit dem ersten Advent wird es im Haus spürbar ruhiger. Kräuter und Gewürze begleiten uns durch diese Wochen, vor allem auf drei Arten.
Tee am Nachmittag
Eine Kanne Tee ist für mich der einfachste Weg, mitten im Trubel innezuhalten. Für einen eigenen Adventstee mischen Sie zum Beispiel Kardamom für die würzige Note und Fenchel für eine sanfte Süße mit Apfelstücken und Orangenschale. Etwa ein bis zwei Teelöffel pro Tasse mit heißem Wasser aufgießen und acht bis zehn Minuten ziehen lassen. Fertige Mischungen und mehr Ideen finden Sie im Ratgeber Weihnachtstee.

Glühapfel: Apfel, Orange und Wintergewürze in der Teetasse.
Ein Räucherabend
Fichten- oder Tannennadeln bringen einen frischen Waldduft ins Haus, der an verschneite Winterwälder erinnert. Myrrhe zusammen mit Weihrauch entfaltet eine ruhige, tiefe Note. Ein tägliches Tee- oder Räucherritual, begleitet von einem kurzen Moment der Stille oder einem Dankesgedanken, macht aus einem gewöhnlichen Abend einen Adventsabend.
Sicherheit beim Räuchern: Immer auf einer feuerfesten Unterlage räuchern, Glut und Teelicht nie unbeaufsichtigt lassen, Kinder und Haustiere fernhalten, danach gut lüften und nicht direkt unter einem Rauchmelder räuchern.

Das Räucherset Advent: Stövchen, Löffel und zwei Mischungen für die Adventszeit.
Plätzchen und ein Pfannkuchen-Sonntag
Spekulatius, Lebkuchen und Weihnachtspralinen wären ohne ihre Gewürze kaum denkbar. Kardamom, Orangenschale, Vanille, Zimt, Piment, Nelken und Macis entführen in die Kindheit. Ein Tipp aus meinen Flyern: Pfannkuchenteig mit einer Prise Spekulatiusgewürz schmeckt herrlich, gerade an einem gemütlichen Adventssonntag. Welche Gewürze in die Weihnachtsbäckerei gehören, lesen Sie im Ratgeber Weihnachtsgewürze.
Sabines Tipp
„Nutzen Sie die Düfte Ihrer Kindheit. Ich stelle im Advent gern ein kleines Schälchen mit Zimtstangen, Sternanis und getrockneten Orangenschalen neben den Adventskranz. Anis, Vanille und Zimt rufen bei vielen Menschen Erinnerungen an Weihnachten von früher wach, und genau dieses Gefühl von Geborgenheit gehört für mich zur staaden Zeit.“
Einfache Rezeptideen für die staade Zeit
Wer Gäste hat oder sich selbst etwas Gutes tun möchte, braucht im Advent keine aufwendigen Rezepte. Ein paar einfache Klassiker genügen:
- Glühwein: einen Liter Rot- oder Weißwein mit zwei Esslöffeln Glühweingewürz langsam erwärmen, nicht kochen lassen, ziehen lassen und abseihen. Nur für Erwachsene und in Maßen.
- Apfelpunsch: die alkoholfreie Variante für die ganze Familie, das Rezept steht im Beitrag Apfelpunsch.
- Porridge im Advent: eine kleine Prise Honig-Lebkuchengewürz hebt das Frühstück in adventliche Höhen.
- Kaffee mit Gewürz: eine kleine Prise Lebkuchen- oder Spekulatiusgewürz in den Kaffee.
Die ersten Aufzeichnungen über gewürzten Wein sind übrigens sehr alt. Schon damals wurde er über offenem Feuer geköchelt, fast genauso wie heute. Er gehört in Deutschland zum Advent wie Lebkuchen, feines Essen und Geschenke.

Wer nicht räuchern möchte, holt den Advent mit der Duftlampe ins Haus.
Von der staaden Zeit in die Rauhnächte
Je näher Weihnachten rückt, desto stiller wird es. Die Thomasnacht vom 20. auf den 21. Dezember fällt in die Zeit der längsten Nächte des Jahres. In manchen Gegenden beginnen mit ihr bereits die Rauhnächte, in anderen erst mit der Heiligen Nacht. Sie führen bis zum Dreikönigstag am 6. Januar.
Für viele Familien ist das der Übergang von der staaden Zeit in die Zeit zwischen den Jahren: zurückblicken, räuchern, Wünsche für das neue Jahr sammeln. Alles darüber lesen Sie in unserem Beitrag über die Rauhnächte.
Wie unsere Familie seit 1887 mit Kräutern und Gewürzen durch die Jahreszeiten geht, erzählen wir in der Geschichte des Kräuterhofs. Wir wünschen Ihnen eine staade, duftende Adventszeit.
Was Sie dafür brauchen
WinterzauberHoneybush, Sternanis, Orange und ZimtAnsehen
GlühapfelFrüchtetee mit WintergewürzenAnsehen
SpekulatiusgewürzFür Plätzchen und PfannkuchenAnsehen
GlühweingewürzFür Glühwein und PunschAnsehen
Räucherset AdventStövchen, Löffel und zwei MischungenAnsehen
Duftset WeihnachtsglückDuftlampe mit zwei WeihnachtsölenAnsehenAlle milden und fruchtigen Tees ansehen
Passend dazu: Adventskranz binden
Häufige Fragen
Was bedeutet „staade Zeit“?
„Staad“ ist bairisch für still oder ruhig. Die staade Zeit ist der Advent, also die stillen Wochen vor Weihnachten.
Wann ist die staade Zeit?
Sie beginnt mit dem ersten Adventssonntag und dauert bis Weihnachten. Im Jahr 2026 ist der erste Advent am 29. November.
Welche Adventsbräuche gibt es in Bayern?
Zu den bekanntesten gehören Adventskranz, Barbarazweige am 4. Dezember, der Nikolaus mit dem Krampus am 6. Dezember, Anklöpfeln, Frauentragen, Rorate-Messen bei Kerzenlicht und natürlich das Plätzchenbacken.
Warum heißt der Advent die stille Zeit?
Früher waren im Spätherbst die Ernten eingebracht und die Arbeit auf dem Feld ruhte. Die langen Abende verbrachte man in der Stube. Außerdem ist der Advent im Kirchenjahr eine Zeit der Vorbereitung und Besinnung auf Weihnachten.
Was kann man in der Adventszeit Schönes machen?
Plätzchen backen, eine Kanne Wintertee kochen, Barbarazweige schneiden, einen Räucherabend einlegen oder bewusst einen Abend lang gar nichts planen. Kleine Rituale machen den Advent oft schöner als ein voller Kalender.