Das Wichtigste in Kürze
Das Wilde Stiefmütterchen (Viola tricolor) ist ein kleines Veilchengewächs mit violett, gelb und weiß gezeichneten Blüten, das von April bis in den Herbst auf Wiesen und Äckern blüht. Getrocknet ergibt das blühende Kraut einen milden, leicht süßlichen Stiefmütterchen-Tee. Die Blüten von wilden und Garten-Stiefmütterchen sind essbar und schmücken Salate, Desserts und Kuchen. Ihren Namen verdanken sie einer alten Legende von einer Stiefmutter und ihren Töchtern.
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Inhalt
Was ist das Wilde Stiefmütterchen?
Wer im Frühsommer über einen Feldrain oder eine magere Wiese geht, entdeckt es oft erst auf den zweiten Blick: ein zierliches Pflänzchen mit Blüten, die aussehen wie kleine Gesichter. Das Wilde Stiefmütterchen ist die Urform jener großblütigen Stiefmütterchen, die wir aus Balkonkästen und Grabschalen kennen.
Botanisch heißt es Viola tricolor, das „dreifarbige Veilchen“, und gehört zu den Veilchengewächsen. Es wird zehn bis dreißig Zentimeter hoch und blüht von April bis in den Oktober. Die Blüten sind etwa zwei Zentimeter groß, die oberen Blütenblätter meist violett, die unteren gelb bis weiß mit feinen dunklen Strichen. Diese Linien sind Saftmale und führen Bienen und Hummeln zum Nektar.
Ein gutes Erkennungsmerkmal sind die großen, fiederteilig eingeschnittenen Nebenblätter am Stängel, die fast größer wirken als die eigentlichen Blätter. Ganz ähnlich ist das Acker-Stiefmütterchen (Viola arvensis), dessen kleinere Blüten cremeweiß bis hellgelb sind. Beide werden traditionell als Stiefmütterchenkraut gesammelt.
Die großblütigen Garten-Stiefmütterchen (Viola × wittrockiana) entstanden im 19. Jahrhundert in England durch Kreuzung des Wilden Stiefmütterchens mit anderen Veilchenarten. Die kleineren Hornveilchen sind eine eigene Art mit einem langen Sporn.
Woher hat das Stiefmütterchen seinen Namen?
Schauen Sie sich eine Blüte einmal genau an. Sie hat fünf Blütenblätter und darunter fünf grüne Kelchblätter. Daraus erzählt eine alte Legende eine ganze Familiengeschichte:
Das große, prächtig gefärbte untere Blütenblatt ist die Stiefmutter. Sie sitzt breit auf zwei Kelchblättern, also auf zwei Stühlen. Die beiden bunten seitlichen Blätter sind ihre eigenen Töchter, die jede einen eigenen Stuhl bekommen. Die zwei oberen, schlichter gefärbten Blätter aber sind die Stieftöchter. Sie müssen sich zusammen einen einzigen Stuhl teilen.
Wegen der drei Farben hieß die Pflanze früher auch Dreifaltigkeitsblume. Im Englischen nennt man sie pansy, vom französischen pensée für „Gedanke“. Bei Shakespeare reicht Ophelia im „Hamlet“ Stiefmütterchen weiter, „that’s for thoughts“, die sind für die Gedanken. Und im „Sommernachtstraum“ träufeln Oberon und Puck den Saft einer kleinen Blume, die meist als Stiefmütterchen gedeutet wird, der Elfenkönigin Titania und zwei jungen Athenern auf die Augenlider. Wer die Augen öffnet, verliebt sich in das erste Wesen, das er sieht.

Veilchenblätter vom Duftveilchen: ein naher Verwandter des Stiefmütterchens.
Wie schmeckt Stiefmütterchen-Tee und wie bereitet man ihn zu?
Für Stiefmütterchen-Tee wird das ganze blühende Kraut gesammelt und getrocknet: Stängel, Blätter und Blüten. In der Tüte sieht man noch die kleinen, violett-gelben Blüten. Der Aufguss ist hell, schmeckt mild, krautig und leicht süßlich, ganz ohne Bitterkeit. Wer kräftige Kräutertees gewohnt ist, empfindet ihn als zart.
- Abmessen: Ein bis zwei Teelöffel Stiefmütterchenkraut in ein Teesieb oder eine Kanne geben.
- Aufgießen: Mit einem Viertelliter heißem Wasser übergießen.
- Ziehen lassen: Zugedeckt acht bis zehn Minuten ziehen lassen und abseihen.
- Verfeinern: Pur genießen oder mit etwas Honig süßen. Auch kalt als Eistee mit einer Zitronenscheibe schmeckt er gut.
Weil er so mild ist, eignet sich Stiefmütterchenkraut gut für Blütentee-Mischungen. Es verträgt sich mit Gänseblümchen, Kornblume, Veilchenblättern und Rosenblüten. Wie Sie eigene Mischungen zusammenstellen, zeigt unser Ratgeber Kräutertee selber mischen.
Sabines Tipp
„Für eine bunte Wiesenmischung nehme ich zwei Teile Stiefmütterchenkraut, einen Teil Gänseblümchen und eine Handvoll Kornblumenblüten. In einer Glaskanne sieht der Tee schon vor dem ersten Schluck nach Sommer aus.“
Sind Stiefmütterchen essbar?
Ja, die Blüten von Wilden Stiefmütterchen, Garten-Stiefmütterchen und Hornveilchen sind essbar. Sie schmecken mild, frisch und leicht süßlich, ein wenig wie junger Blattsalat. In der Küche zählen sie zu den beliebtesten essbaren Blüten, weil sie so farbenfroh sind und lange frisch bleiben.
- Salat: ganze Blüten erst kurz vor dem Servieren über Blattsalat streuen.
- Brot und Frischkäse: auf Frischkäse- oder Kräuterbrote legen.
- Kuchen und Kekse: Blüten auf noch weichen Zuckerguss drücken oder vor dem Backen auf Mürbeteigplätzchen pressen.
- Eiswürfel: einzelne Blüten in Eiswürfelformen mit Wasser einfrieren, ein Hingucker in der Bowle.
Bitte beachten: Verwenden Sie nur Blüten, die Sie sicher erkennen und die nicht gespritzt wurden. Pflanzen aus Gärtnerei und Baumarkt sind meist als Zierpflanzen behandelt und nicht zum Essen gedacht. Am besten säen Sie Stiefmütterchen selbst oder kaufen ausgewiesene essbare Blüten.
Kandierte Stiefmütterchenblüten
Kandierte Blüten machen aus jedem Kuchen ein kleines Kunstwerk.
Zutaten:
- 20 bis 30 frische, unbehandelte Blüten
- 1 frisches Eiweiß
- 50 g feiner Zucker
- ein feiner Pinsel
- Vorbereiten: Blüten vorsichtig abzupfen, nicht waschen, sondern nur sanft abschütteln.
- Bepinseln: Eiweiß leicht verquirlen und jede Blüte auf beiden Seiten hauchdünn bestreichen.
- Zuckern: Mit Zucker bestreuen, bis alles fein bedeckt ist.
- Trocknen: Auf Backpapier ein bis zwei Tage an einem warmen, trockenen Ort trocknen lassen. In einer Dose halten sie einige Wochen.
Mehr Blüten für Teller und Torte stellen wir in unserem Ratgeber über essbare Blüten vor.

Getrocknete essbare Blüten: eine bunte Ergänzung zu frischen Stiefmütterchen.
Wie pflanzt man Stiefmütterchen im Garten?
Das Wilde Stiefmütterchen ist genügsam. Es mag sonnige bis halbschattige Plätze und eher magere, lockere Böden. Säen Sie es im Frühjahr oder im Spätsommer direkt ins Beet oder in einen Balkonkasten, die Samen nur leicht andrücken. Ist es einmal da, sät es sich meist von selbst weiter aus.
Dafür hat die Pflanze einen eigenen Trick: Die reifen Samenkapseln springen in drei Klappen auf und schleudern die Samen einige Meter weit. Außerdem tragen die Samen ein kleines nahrhaftes Anhängsel, für das Ameisen sie fortschleppen. So taucht das Stiefmütterchen jedes Jahr an neuen Stellen im Garten auf.
Garten-Stiefmütterchen pflanzt man im September und Oktober oder im zeitigen Frühjahr. Sie sind frosthart, blühen schon an milden Wintertagen und dann reich bis in den Mai. Wenn Sie verwelkte Blüten regelmäßig abzupfen, bilden sich laufend neue.
Stiefmütterchen sammeln und trocknen
Zum Trocknen schneiden Sie das Kraut an einem sonnigen Vormittag während der Blüte, etwa eine Handbreit über dem Boden. Locker gebündelt oder auf einem Gitter ausgebreitet trocknet es an einem schattigen, luftigen Ort in wenigen Tagen. Sammeln Sie in der Natur nur dort, wo die Pflanze reichlich wächst, und lassen Sie immer genug stehen.

Gänseblümchen passen als Wiesenblüte gut zum milden Stiefmütterchenkraut.
Was Sie dafür brauchen
StiefmütterchenkrautBlühendes Kraut für milden Stiefmütterchen-TeeAnsehen
Veilchenblätter/odorataBlätter des verwandten DuftveilchensAnsehen
GänseblümchenZarter WiesenblütenteeAnsehen
Kornblumenblüten blau mit KelchBlaue Blüten für Tee und DekoAnsehen
Blütenmischung bunt essbarBunte essbare Blüten zum AufstreuenAnsehen
Blütenmischung blau/violett essbarEssbare Blüten in Blau und ViolettAnsehen
TausendschönKräutertee mit Stiefmütterchen und ErdrauchAnsehenHäufige Fragen zum Stiefmütterchen
Wie schmeckt Stiefmütterchen-Tee?
Mild, krautig und leicht süßlich, ganz ohne Bitterkeit. Er ist zarter als viele andere Kräutertees und lässt sich gut mit Blüten wie Gänseblümchen oder Kornblume mischen.
Welche Teile des Stiefmütterchens verwendet man für Tee?
Das ganze blühende Kraut, also Stängel, Blätter und Blüten. Es wird während der Blütezeit geschnitten und schonend getrocknet.
Kann man Stiefmütterchen essen?
Ja, die Blüten von wilden und Garten-Stiefmütterchen sowie Hornveilchen sind essbar. Verwenden Sie nur unbehandelte Pflanzen, am besten selbst gezogen.
Was ist der Unterschied zwischen Stiefmütterchen und Hornveilchen?
Hornveilchen sind eine eigene Veilchenart mit kleineren Blüten und einem langen Sporn. Sie blühen oft noch reicher und länger als Garten-Stiefmütterchen.
Warum heißt das Stiefmütterchen so?
Nach einer alten Legende: Das große untere Blütenblatt ist die Stiefmutter auf zwei Stühlen, die seitlichen Blätter ihre Töchter mit je einem Stuhl, und die beiden oberen Stieftöchter müssen sich einen Stuhl teilen.
Wann blüht das Wilde Stiefmütterchen?
Von April bis Oktober. Garten-Stiefmütterchen blühen schon im Herbst und an milden Wintertagen und dann wieder reich im Frühling.