Das Wichtigste in Kürze
Storchenschnabel, botanisch richtig Storchschnabel (Geranium), ist eine Gattung mit mehreren Hundert Arten. Für Tee wird vor allem das Ruprechtskraut oder der Stinkende Storchschnabel (Geranium robertianum) verwendet: eine kleine, rosa blühende Wildpflanze mit rötlichen Stängeln, die beim Zerreiben streng riecht. Getrocknet duftet das Kraut dagegen nach Heu und ergibt einen herb-krautigen Tee. Seinen Namen hat der Storchenschnabel von seinen langen, schnabelförmigen Früchten.
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Inhalt
Was ist Storchenschnabel?
Vielleicht ist er Ihnen schon begegnet: an einer schattigen Gartenmauer, am Rand eines Waldwegs oder zwischen den Steinen einer alten Treppe. Ein zartes, rötlich überlaufenes Kraut mit fein zerteilten Blättern und kleinen, rosa Blüten. Das ist das Ruprechtskraut, auch Stinkender Storchschnabel genannt, der bekannteste wilde Vertreter seiner Familie.
Botanisch gehört er zur Gattung Geranium und zur Familie der Storchschnabelgewächse. Weltweit gibt es mehrere Hundert Storchschnabel-Arten, von zarten Wildkräutern bis zu prächtigen Gartenstauden. Übrigens schreiben Botaniker den Namen ohne „en“: Storchschnabel. Im Alltag hat sich „Storchenschnabel“ aber genauso eingebürgert, und wenn jemand nach Storchenschnabel Tee fragt, ist fast immer das Ruprechtskraut gemeint.
Woher kommen die Namen Storchenschnabel und Ruprechtskraut?
Schauen Sie sich nach der Blüte die Früchte an, und der Name erklärt sich von selbst. Aus jeder Blüte wächst eine lange, spitze Frucht, die wie der Schnabel eines Vogels aussieht. Die Griechen dachten dabei an einen Kranich: geranos heißt Kranich, daher Geranium. Auch im Englischen heißt die Pflanze cranesbill, Kranichschnabel.
Die Vogelnamen ziehen sich durch die ganze Familie. Die Balkon-„Geranien“ heißen botanisch Pelargonium, nach pelargos, dem Storch. Und der Reiherschnabel (Erodium), der an sandigen Wegrändern wächst, ist nach dem Reiher benannt.
Für den Namen Ruprechtskraut gibt es zwei Erklärungen. Die eine führt zum heiligen Rupert, dem ersten Bischof von Salzburg, der die Pflanze bekannt gemacht haben soll. Die andere zum althochdeutschen rōtpreht, „rötlich“, was gut zu den roten Stängeln passt. Der botanische Beiname robertianum greift den Namen Ruprecht oder Robert auf. Bereits im 13. Jahrhundert ist das Kraut als Herba Roberti beschrieben.

Geraniumöl stammt nicht vom Storchschnabel, sondern von der Duftpelargonie.
Wie erkennt man Ruprechtskraut?
Das Ruprechtskraut ist leicht zu bestimmen, wenn Sie auf diese Merkmale achten:
- Wuchs: 10 bis etwa 50 Zentimeter hoch, locker verzweigt. Die Pflanze ist meist zweijährig: Im ersten Jahr bildet sie eine Rosette, im zweiten blüht sie.
- Stängel: brüchig, drüsig behaart und oft kräftig rot überlaufen.
- Blätter: handförmig in drei bis fünf Abschnitte geteilt und diese wiederum fein gefiedert, fast wie Petersilie. In der Sonne und im Herbst färben sie sich leuchtend rot.
- Blüten: rosa, etwa 1 bis 2 Zentimeter groß, mit fünf Kronblättern und feinen hellen Streifen. Sie stehen meist zu zweit und erscheinen von April bis weit in den Herbst.
- Geruch: Beim Zerreiben riecht das Kraut streng und unangenehm. Daher der Name Stinkender Storchschnabel.
Das Ruprechtskraut ist erstaunlich genügsam, was das Licht angeht. Es gedeiht noch an Stellen, die nur einen Bruchteil des normalen Tageslichts bekommen, etwa in Mauerritzen, unter Hecken und sogar an Höhleneingängen. Bienen, Hummeln und Schwebfliegen besuchen die Blüten.
Besonders raffiniert ist die Verbreitung der Samen. Wenn die Früchte reif sind und austrocknen, lösen sich die Teilfrüchte plötzlich von der Mittelsäule und werden als Ganzes bis zu sechs Meter weit fortgeschleudert. Wer das Ruprechtskraut einmal im Garten hat, findet es deshalb bald an vielen Stellen wieder.
Storchenschnabel im Volksglauben und Brauchtum
Von allen Storchschnabel-Arten wurde das Ruprechtskraut wohl als erstes in Gärten gezogen. Entsprechend viele Geschichten ranken sich um die Pflanze.
Wegen seines Namens brachte der Volksglaube den Storchenschnabel mit dem Storch in Verbindung, der der alten Sage nach die Kinder bringt. So erklärt sich auch, warum in alten Hausbüchern ein „Storchenschnabelwein“ auftaucht, ein mit dem Kraut angesetzter Wein. Er gehört in die Welt der Überlieferung und des Brauchtums, ein Rezept stellen wir hier bewusst nicht vor. Die Geschichte zeigt aber schön, wie eng Pflanzennamen und Volksglaube früher miteinander verwoben waren.
Der strenge Geruch des frischen Krauts hat ihm im Volksmund noch weitere, wenig schmeichelhafte Namen eingebracht, etwa Stinkstorchschnabel. Getrocknet verliert sich dieser Geruch fast vollständig.

Gundelrebe: Sie wächst oft an ähnlich schattigen Plätzen wie das Ruprechtskraut.
Wie schmeckt Storchenschnabel Tee?
Wer das frische Kraut gerochen hat, wird beim getrockneten überrascht sein. Wenn bei uns eine Lieferung Storchenschnabelkraut ankommt, duftet es nach Heu und frischen Wiesenkräutern, vom strengen Geruch ist kaum noch etwas zu merken. Der Tee ist herb und krautig, mit einer leicht zusammenziehenden Note, wie man sie von gerbstoffreichen Kräutern kennt.
- Abmessen: 1 bis 2 Teelöffel getrocknetes Storchenschnabelkraut in eine Tasse geben.
- Aufgießen: Mit ¼ Liter kochendem Wasser übergießen.
- Ziehen lassen: Zugedeckt 8 bis 10 Minuten ziehen lassen, dann abseihen.
- Abrunden: Nach Geschmack mit etwas Honig süßen oder mit milderen Kräutern mischen.
Pur ist der Tee recht herb. Runder wird er mit Kräutern wie Gundermann, Frauenmantel, Veilchenblättern oder Melisse. Wie Sie solche Mischungen ausgewogen zusammenstellen, erklärt der Ratgeber Kräutertee selber mischen.

Frauenmantel: mild und krautig, ein guter Partner im Tee.
Sabines Tipp
„Ich mische das Storchenschnabelkraut gern mit Frauenmantel und ein paar Melissenblättern. Der Frauenmantel nimmt die Herbe, die Melisse bringt Frische hinein. Den Tee lasse ich nicht zu lange ziehen, sonst wird er schnell sehr herb.“
Storchschnabel im Garten: robuste Bodendecker
Während das Ruprechtskraut sich als Wildkraut von selbst ansiedelt, sind viele seiner Verwandten beliebte Gartenstauden. Sie sind langlebig, pflegeleicht und decken den Boden dicht ab. Einige bewährte Arten:
- Balkan-Storchschnabel (Geranium macrorrhizum): würzig duftende Blätter, rosa Blüten im Frühsommer, schöne Herbstfärbung. Er kommt auch mit trockenem Schatten unter Bäumen zurecht.
- Blutroter Storchschnabel (Geranium sanguineum): leuchtend purpurrote Blüten, ideal für sonnige, trockene Beete und Steingärten.
- Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense): große, himmelblaue Blüten für naturnahe Wiesen und Beetränder.
- Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum): violette Blüten für halbschattige, frische Plätze.
- Pflanzen: Setzen Sie Storchschnabel im Frühjahr oder Herbst, je nach Art in die Sonne oder in den Halbschatten.
- Zurückschneiden: Schneiden Sie viele Arten nach der ersten Blüte kräftig zurück. Dann treiben sie frisch aus und blühen oft ein zweites Mal.
- Teilen: Alle paar Jahre lassen sich große Horste im Frühjahr teilen und neu pflanzen.
- Ruprechtskraut lenken: Das Ruprechtskraut darf in schattigen Ecken gern bleiben. Wo es stört, lässt es sich mit seinen flachen Wurzeln leicht auszupfen.

Duftveilchen: Es teilt sich gern die schattigen Gartenecken mit dem Ruprechtskraut.
Was Sie dafür brauchen
Storchenschnabel Kraut rotGetrocknetes Ruprechtskraut für herb-krautigen TeeAnsehen
FrauenmantelkrautMildes Kraut für runde MischungenAnsehen
GundelrebenkrautWürziges Wildkraut für schattige PlätzeAnsehen
Veilchenblätter/odorataBlätter des DuftveilchensAnsehen
Melissenblätter geschnittenZitronige Frische für den TeeAnsehen
GeraniumölÄtherisches Öl der Duftpelargonie für die DuftlampeAnsehenHäufige Fragen zum Storchenschnabel
Wie schmeckt Storchenschnabel Tee?
Herb und krautig mit einer leicht zusammenziehenden Note. Das getrocknete Kraut duftet nach Heu. Mit Frauenmantel, Melisse oder etwas Honig wird der Tee milder.
Warum heißt Storchenschnabel auch Ruprechtskraut?
Der Name soll auf den heiligen Rupert von Salzburg zurückgehen. Eine andere Erklärung führt ihn auf das althochdeutsche Wort für „rötlich“ zurück, passend zu den roten Stängeln.
Warum stinkt der Stinkende Storchschnabel?
Die frischen Blätter und Stängel riechen beim Zerreiben streng und unangenehm. Getrocknet verliert sich der Geruch weitgehend, das Kraut duftet dann eher nach Heu.
Sind Geranien und Storchschnabel dasselbe?
Nein. Die Balkongeranien sind botanisch Pelargonien. Sie gehören zwar zur selben Familie, sind aber eine eigene Gattung. Echte Storchschnäbel tragen den botanischen Namen Geranium.
Was ist Storchenschnabelwein?
Ein mit Storchenschnabelkraut angesetzter Wein aus alten Hausbüchern. Er gehört zum Volksglauben rund um den Storch und wird heute nur noch als Teil der Brauchtumsgeschichte erzählt.
Ist Ruprechtskraut einjährig oder mehrjährig?
Meist zweijährig, manchmal auch einjährig. Es sät sich aber so zuverlässig selbst aus, dass es an einem passenden Platz jedes Jahr wieder erscheint.