Das Wichtigste in Kürze
Weidenrinde ist die getrocknete Rinde junger Weidenzweige, bei uns von der Silberweide (Salix alba), die im zeitigen Frühjahr geerntet wird. Sie schmeckt deutlich bitter und herb. Die Gattung Salix umfasst rund 450 Arten, darunter die Salweide mit den Palmkätzchen für den Palmbuschen und die Korbweide, aus deren biegsamen Ruten seit Jahrhunderten Körbe geflochten werden.
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Inhalt
Was ist Weidenrinde?
Weiden begleiten uns durch das ganze Jahr. Im Vorfrühling tragen sie die ersten silbrigen Kätzchen, im Sommer spenden sie am Bach Schatten, und im Winter leuchten ihre Ruten gelb, rot oder grün in der kahlen Landschaft. Die Weidenrinde ist die getrocknete Rinde junger Weidenzweige. Bei uns im Sortiment stammt sie von der Silberweide (Salix alba).
Geerntet wird sie traditionell im zeitigen Frühjahr, wenn der Saft in die Zweige steigt. Dann löst sich die Rinde leicht vom Holz, und man kann sie in Streifen abziehen. Getrocknet ist sie außen graubraun bis olivgrün und innen hell, fast zimtfarben. Für den Handel wird die Silberweide heute meist auf Plantagen angebaut, was eine schonende Ernte ermöglicht.
Volkstümlich kennt man die Weide unter vielen Namen, etwa Katzenstrauch, Maiholz oder Weihbuschen. Schon diese Namen zeigen, wie eng der Baum mit Frühling, Palmkätzchen und kirchlichem Brauchtum verbunden ist.
Welche Weidenarten gibt es?
Die Gattung Salix umfasst rund 450 Arten, von bis zu 30 Meter hohen Bäumen bis zu winzigen Zwergsträuchern in der Arktis und im Hochgebirge. Der deutsche Name kommt vom althochdeutschen „wīda“, was so viel wie „die Biegsame“ bedeutet. Wer einmal eine Weidenrute um den Finger gewickelt hat, versteht sofort, warum.
Diese Weiden begegnen Ihnen bei uns am häufigsten:
- Silberweide (Salix alba): großer Baum an Flüssen und in Auen, mit schmalen Blättern, deren Unterseite seidig silbrig glänzt. Von ihr stammt unsere Weidenrinde.
- Salweide (Salix caprea): Strauch oder kleiner Baum mit rundlicheren Blättern. Sie trägt die dicken, flauschigen Palmkätzchen.
- Korbweide (Salix viminalis): drei bis fünf Meter hoher Strauch mit langen, sehr biegsamen Ruten. Der Beiname kommt vom lateinischen „vimen“ für Rute oder Flechtwerk.
- Purpurweide (Salix purpurea): mit rötlich überlaufenen Zweigen, ebenfalls beliebt bei Flechtern.
- Trauerweide: Gartenform mit lang herabhängenden Zweigen, ein klassischer Baum für Teichufer und Parks.
Weiden sind zweihäusig. Auf einem Baum wachsen entweder nur männliche oder nur weibliche Kätzchen. Die männlichen färben sich zur Blüte leuchtend gelb vom Pollen, die weiblichen bleiben grünlich. Zu den Weidengewächsen gehören übrigens auch die Pappeln, etwa die Zitterpappel mit ihren ständig flatternden Blättern.

Zitterpappelblätter: Die Espe ist eine nahe Verwandte der Weide.
Nicht verwechseln sollten Sie die Weide mit dem Weidenröschen. Das ist eine Staude, deren schmale Blätter an Weidenlaub erinnern, botanisch aber ganz woanders hingehört. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Weidenröschen. Und wenn Ihnen beim Spaziergang ein Hopfen begegnet, der sich um eine Weide rankt: Die Römer nannten ihn deshalb „Weidenwolf“, wie Sie im Ratgeber zur Hopfenblüte nachlesen können.
Was haben Palmkätzchen mit dem Palmsonntag zu tun?
In Bayern und Österreich gehört die Weide fest zum Osterbrauchtum. Weil echte Palmzweige bei uns nicht wachsen, nimmt man zum Palmsonntag die Zweige der Salweide mit ihren silbrigen Kätzchen. Daraus bindet man den Palmbuschen, je nach Gegend auch Palmbesen oder Palmstange genannt.
Zum Palmbuschen kommen neben den „Palmkatzerln“ oft Buchs, Wacholder, Stechpalme oder Eibe, dazu bunte Bänder und manchmal Äpfel oder Brezen. Die Buschen werden in der Kirche geweiht und dann nach Hause getragen. Viele stecken sie in den Herrgottswinkel, an den Stall oder auf das Feld. Im Volksglauben galt ein geweihter Palmbuschen als Schutz für Haus und Hof, etwa vor Blitz und Unwetter. Wie man ihn bindet und welche Pflanzen noch zu Ostern dazugehören, lesen Sie in unserem Ratgeber Ostern mit Kräutern.
Naturschutz: Die Weidenkätzchen gehören zu den ersten Futterquellen des Jahres für Bienen, Hummeln und andere Insekten. Schneiden Sie in der freien Natur deshalb nur wenige Zweige für den eigenen Strauß und niemals in Naturschutzgebieten. Am schonendsten ist eine Salweide im eigenen Garten.
Wie flicht man mit Weidenruten?
Lange bevor es Plastik gab, war die Weide das Material für fast alles, was getragen, gelagert oder geschützt werden musste. Aus den Ruten flocht man Körbe, Reusen, Wiegen, Zäune und sogar die Füllungen von Fachwerkwänden, die dann mit Lehm verstrichen wurden. Als Faustregel gilt: Je schmaler die Blätter einer Weide, desto besser lässt sie sich flechten.
Ein Zentrum dieses Handwerks liegt in Oberfranken. Lichtenfels am Main ist als „Korbstadt“ bekannt. Seit dem 19. Jahrhundert brachten Korbmacher aus dem Oberen Maintal ihre Waren dorthin, und bis heute gibt es in Lichtenfels eine staatliche Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung. Jedes Jahr im September lockt der Korbmarkt viele Besucher an.
Typisch für alte Flechtlandschaften sind die Kopfweiden. Sie entstehen, wenn man eine Weide immer wieder auf gleicher Höhe zurückschneidet, um junge Ruten zu ernten. Mit den Jahren bildet sich ein dicker, knorriger „Kopf“. Die oft hohlen Stämme sind Wohnung für Steinkauz, Fledermäuse, Käfer und Wildbienen.
Ein Kinderbrauch, den viele noch kennen, ist die Weidenpfeife. Im Frühjahr schneidet man ein fingerdickes Stück frischen Zweig, klopft mit dem Messergriff rundherum auf die Rinde, bis sie sich löst, und schnitzt ein Mundstück. Das funktioniert nur, solange der Saft im Holz steht.

Eichenrinde: neben der Weide eine der bekanntesten heimischen Baumrinden.
Wie schmeckt Weidenrinde als Tee?
Weidenrinde schmeckt deutlich bitter und herb, mit einem erdig-holzigen Charakter und einem leicht zusammenziehenden Gefühl auf der Zunge. Wer sie als Tee probieren möchte, kocht sie als Sud, denn die feste Rinde gibt ihr Aroma nur langsam ab.
- Geschnittene Rinde: 1 Teelöffel Weidenrinde mit einem Viertelliter kaltem Wasser aufsetzen, kurz aufkochen und einige Minuten ziehen lassen, dann abseihen.
- Weidenrinde Pulver: 1 Teelöffel Pulver in eine Tasse geben, mit heißem Wasser übergießen oder kurz aufkochen und umrühren.
Pur ist Weidenrinde vielen zu herb. In Mischungen mit Birkenblättern, Zitterpappelblättern oder Lindenblüten wird sie runder. Über die Birke als weiteren Baum unserer Landschaft lesen Sie mehr im Ratgeber Birke.

Weidenrinde Pulver: fein vermahlen, herb-bitter und erdig im Geschmack.
Kann man eine Weide im Garten pflanzen?
Kaum ein Gehölz wächst so willig an wie die Weide. Ein einfacher Steckling, im Spätwinter in feuchte Erde gesteckt, bildet innerhalb weniger Wochen Wurzeln. Diese Eigenschaft nutzt man für lebende Weidenbauten.
- Ruten schneiden: Im Februar oder März, vor dem Austrieb, kräftige einjährige Ruten von Korb- oder Purpurweiden schneiden.
- Stecken: Die Ruten etwa 30 Zentimeter tief in lockeren, feuchten Boden stecken, für ein Weidentipi im Kreis, für einen Zaun in einer Reihe.
- Verflechten: Die oberen Enden zusammenbinden oder diagonal verflechten.
- Pflegen: Im ersten Jahr regelmäßig gießen und jedes Jahr im Winter die neuen Triebe einflechten oder zurückschneiden.
Kinder lieben solche grünen Hütten. Und wer eine Salweide pflanzt, hat jedes Frühjahr eigene Palmkätzchen und tut zugleich den ersten Hummeln einen Gefallen. Bedenken Sie aber: Große Baumweiden brauchen viel Platz und Wasser und gehören nicht direkt neben Haus oder Leitungen. Weitere Bräuche rund um Bäume und Kräuter finden Sie in unserem Ratgeber Kräuterbräuche.
Sabines Tipp
„Ein paar Salweidenzweige stelle ich schon im Februar in eine Vase mit Wasser. In der warmen Stube öffnen sich die Kätzchen nach wenigen Tagen, und meistens bilden die Zweige sogar Wurzeln. Die pflanze ich dann im Frühjahr in den Garten.“

Weidenröschen: Der Name kommt von den schmalen, weidenartigen Blättern.
Was Sie dafür brauchen
WeidenrindeGeschnittene Rinde der SilberweideAnsehen
Weidenrinde PulverFein vermahlen, herb und erdigAnsehen
ZitterpappelblätterBlätter der Espe, einer Verwandten der WeideAnsehen
EichenrindeEine weitere heimische BaumrindeAnsehen
Kleinblütiges WeidenröschenStaude mit weidenähnlichen BlätternAnsehenHäufige Fragen zur Weidenrinde
Von welcher Weide stammt Weidenrinde?
Unsere Weidenrinde stammt von der Silberweide (Salix alba). Sie wächst an Flussufern und in feuchten Auen und wird für den Handel heute meist auf Plantagen angebaut.
Wann wird Weidenrinde geerntet?
Traditionell im zeitigen Frühjahr, wenn der Saft in die Zweige steigt. Dann löst sich die Rinde von jungen Zweigen leicht vom Holz und kann in Streifen abgezogen und getrocknet werden.
Wie schmeckt Weidenrinde?
Deutlich bitter und herb, mit erdig-holzigem Charakter. Als Tee wird die geschnittene Rinde kurz aufgekocht, das Pulver mit heißem Wasser übergossen.
Welche Weide hat Palmkätzchen?
Die dicken, silbrig-flauschigen Palmkätzchen trägt vor allem die Salweide (Salix caprea). Ihre Zweige werden in Bayern zum Palmbuschen für den Palmsonntag gebunden.
Darf man Weidenkätzchen abschneiden?
In der freien Natur sind nur kleine Mengen für den eigenen Strauß üblich, in Naturschutzgebieten ist es verboten. Die Kätzchen sind im Vorfrühling eine wichtige Futterquelle für Bienen und Hummeln.
Welche Weide eignet sich zum Flechten?
Vor allem die Korbweide (Salix viminalis) und die Purpurweide mit ihren langen, biegsamen Ruten. Als Faustregel gilt: Je schmaler die Blätter, desto besser lässt sich eine Weide flechten.