Das Wichtigste in Kürze
Das Kleinblütige Weidenröschen (Epilobium parviflorum) ist eine heimische Staude aus der Familie der Nachtkerzengewächse. Sie wird 20 bis 80 Zentimeter hoch, trägt von Juni bis September kleine, blassrosa Blüten mit vier eingekerbten Kronblättern und wächst an Gräben, Bachufern und auf feuchten Wiesen. Typisch sind die weich behaarten Stängel, die kreuzförmige Narbe und die lange Fruchtkapsel mit weißer Samenwolle. Getrocknet ergibt das Kraut einen milden, krautigen Tee; der russische Iwan-Tee stammt dagegen vom Schmalblättrigen Weidenröschen.
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Inhalt
- Was ist das Kleinblütige Weidenröschen?
- Wie erkennt man das Kleinblütige Weidenröschen?
- Womit kann man Weidenröschen verwechseln?
- Was ist Iwan-Tee vom Weidenröschen?
- Wie schmeckt Tee aus Kleinblütigem Weidenröschen?
- Weidenröschen im Garten und in der Natur
- Was Sie dafür brauchen
- Häufige Fragen zum Weidenröschen
Was ist das Kleinblütige Weidenröschen?
Man muss sich schon bücken, um das Kleinblütige Weidenröschen genau zu betrachten. Es ist keine Pflanze, die sich in den Vordergrund drängt. Wer aber im Sommer an einem Wassergraben oder einer feuchten Wiese stehen bleibt, entdeckt die zarten rosa Blüten zwischen Gräsern, Mädesüß und Blutweiderich. Bei uns im Kräuterhof gehört es zu den stillen Schönheiten unter den Wildkräutern.
Botanisch heißt die Pflanze Epilobium parviflorum. Der Beiname parviflorum bedeutet schlicht „kleinblütig“. Sie gehört zu den Nachtkerzengewächsen (Onagraceae), zu denen auch die Nachtkerze und die Fuchsie aus dem Blumenkasten zählen. In Mitteleuropa gibt es rund ein Dutzend wild wachsende Weidenröschen-Arten, die sich teils sehr ähnlich sehen und gern miteinander kreuzen.
Der deutsche Name ist leicht zu erklären: Die schmalen, länglichen Blätter erinnern an Weidenblätter, die Blüten an kleine Röschen. Der Gattungsname Epilobium kommt aus dem Griechischen und heißt sinngemäß „auf der Schote“. Tatsächlich sitzt die Blüte oben auf einem langen, dünnen Fruchtknoten, der aussieht wie ein Stiel und später zur Samenkapsel wird.

Rotkleeblüten wachsen auf denselben Sommerwiesen und passen gut in eine Teemischung mit Weidenröschen.
Wie erkennt man das Kleinblütige Weidenröschen?
Am sichersten erkennen Sie das Kleinblütige Weidenröschen an einer Kombination aus mehreren Merkmalen. Einzelne Merkmale allein reichen bei dieser Gattung selten aus.
- Wuchs: aufrechte Staude, meist 20 bis 80 Zentimeter hoch, selten bis einen Meter.
- Stängel: rund und dicht mit weichen, abstehenden Haaren besetzt, er fühlt sich samtig an.
- Blätter: lanzettlich, fein gezähnt, beidseitig behaart. Sie sitzen am Stängel, umfassen ihn aber nicht.
- Blüten: klein, nur etwa 6 bis 12 Millimeter breit, blassrosa bis hell lila. Jede Blüte hat vier Kronblätter, die vorne eine kleine Kerbe haben.
- Narbe: In der Blütenmitte steht eine Narbe mit vier kurzen Zipfeln, die ein kleines Kreuz bilden. Das ist ein wichtiges Merkmal gegenüber Arten mit keulenförmiger Narbe.
- Blütezeit: Juni bis September.
Besonders hübsch ist der Herbst. Dann springen die bis zu zehn Zentimeter langen, schmalen Kapseln in vier Streifen auf und rollen sich nach außen. Zum Vorschein kommen winzige Samen mit einem Schopf aus seidig weißen Haaren. Diese Samenwolle trägt der Wind weit über Wiesen und Gräben. So besiedelt das Weidenröschen auch kleine Ritzen, Wegränder und frisch aufgeschüttete Erde.
Womit kann man Weidenröschen verwechseln?
Die häufigste Verwechslung ist das Zottige Weidenröschen (Epilobium hirsutum). Es wächst am selben Standort, wird aber deutlich größer, oft über einen Meter. Seine Blüten sind mit 15 bis 25 Millimetern viel größer und kräftig purpurrosa. Die Blätter umfassen den Stängel mit ihrem Grund halb. Wer beide nebeneinander sieht, erkennt den Unterschied sofort: Das Kleinblütige wirkt zierlich und blass, das Zottige üppig und leuchtend.
Am Ufer wächst oft auch der Blutweiderich (Lythrum salicaria). Er hat ebenfalls weidenähnliche Blätter und purpurne Blüten, gehört aber zu einer ganz anderen Familie. Seine Blüten stehen dicht in langen Ähren und haben meist sechs Kronblätter statt vier. Das Schmalblättrige Weidenröschen schließlich ist mit seinen langen, leuchtend pinkfarbenen Blütentrauben kaum zu übersehen. Dazu gleich mehr.

Blutweiderich: wächst am gleichen Standort, hat aber sechs Kronblätter und dichte Ähren.
Sorgfalt beim Sammeln: Weidenröschen-Arten sind schwer auseinanderzuhalten. Sammeln Sie nur, was Sie sicher bestimmen können, und nur dort, wo es erlaubt ist. In Naturschutzgebieten bleibt jede Pflanze stehen. Schneiden Sie nur einzelne Triebe ab, damit der Bestand erhalten bleibt.
Was ist Iwan-Tee vom Weidenröschen?
Wer nach „Weidenröschen Tee“ sucht, stößt schnell auf den Iwan-Tee. Er stammt nicht vom Kleinblütigen, sondern vom Schmalblättrigen Weidenröschen (Epilobium angustifolium, heute oft Chamerion angustifolium). Diese Art wird bis zu zwei Meter hoch und blüht im Hochsommer in langen, pinkfarbenen Trauben. Sie liebt offene, helle Flächen: Waldlichtungen, Kahlschläge und vor allem Brandflächen. Daher der Name Feuerkraut, im Englischen „fireweed“. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs es in London so üppig auf den Trümmergrundstücken, dass man es dort „bombweed“ nannte.
In Russland hat das Schmalblättrige Weidenröschen als Teepflanze eine lange Geschichte. Der Iwan-Tee (Iwan-Tschai) ist auch als Koporje-Tee bekannt, nach einem Dorf in der Nähe von Sankt Petersburg. Der Überlieferung nach wurde er dort im 19. Jahrhundert in größeren Mengen hergestellt und gehandelt. Das Besondere ist die Verarbeitung: Die Blätter werden ähnlich wie beim Schwarztee fermentiert.
- Welken: Frische Blätter ausbreiten und einige Stunden welken lassen, bis sie weich sind.
- Rollen: Die Blätter zwischen den Handflächen kräftig rollen, bis sie dunkler werden und Saft austritt.
- Fermentieren: In eine Schüssel geben, mit einem feuchten Tuch abdecken und an einem warmen Ort mehrere Stunden ruhen lassen, bis sie fruchtig duften.
- Trocknen: Im Backofen bei niedriger Temperatur und leicht geöffneter Tür trocknen, bis die Blätter brüchig sind.
Der fertige Iwan-Tee ist bernsteinfarben bis rotbraun und schmeckt mild, leicht süßlich und fruchtig, manche sagen auch honigartig. Da er aus keiner Teepflanze stammt, ist er von Natur aus koffeinfrei.
Wie schmeckt Tee aus Kleinblütigem Weidenröschen?
Für den Tee aus dem Kleinblütigen Weidenröschen werden Blätter, Blüten und Stängel des blühenden Krauts getrocknet und geschnitten. Der Aufguss ist hellgelb bis goldgrün. Er schmeckt mild, krautig und leicht grasig, mit einer dezent süßlichen und fein herben Note. Wer ihn zum ersten Mal trinkt, denkt oft an eine Sommerwiese.
- Abmessen: 1 bis 2 Teelöffel Weidenröschenkraut in eine Tasse geben.
- Aufgießen: Mit einem Viertelliter kochendem Wasser übergießen.
- Ziehen lassen: Etwa 8 bis 10 Minuten ziehen lassen und abseihen.
Weil der Geschmack so zurückhaltend ist, eignet sich das Weidenröschen gut als Grundlage für Wiesenkräutermischungen. Schön passen Rotklee mit seiner leichten Süße, die herb-aromatische Schafgarbe und ein wenig würziger Gundermann. Wie Sie Mengen und Verhältnisse finden, lesen Sie in unserem Ratgeber Kräutertee selber mischen.

Schafgarbenblüte: bringt eine herb-aromatische Note in den Wiesenkräutertee.
Sabines Tipp
„Mein Sommerwiesen-Tee: zwei Teile Weidenröschen, ein Teil Rotkleeblüten und ein halber Teil Schafgarbe. Wer es würziger mag, gibt eine Prise Gundelrebe dazu. Im Winter erinnert mich diese Tasse an die Wiesen am Bach hinter dem Hof.“
Weidenröschen im Garten und in der Natur
Im Naturgarten ist das Kleinblütige Weidenröschen ein dankbarer Gast. Es braucht einen sonnigen bis halbschattigen Platz und einen Boden, der nicht austrocknet, etwa am Rand eines Teichs oder in einer feuchten Wiesenecke. Meist kommt es von selbst, denn die Samenwolle fliegt weit. Wer es ansiedeln möchte, sät die feinen Samen im Herbst oder Frühjahr einfach auf feuchte, offene Erde.
Die Blüten werden von Wildbienen, Schwebfliegen und anderen Insekten besucht. Auf Weidenröschen leben außerdem die Raupen des Mittleren Weinschwärmers, eines rosa-olivgrünen Nachtfalters. Seine großen Raupen mit den auffälligen Augenflecken überraschen so manchen Gärtner im Spätsommer.
Das Schmalblättrige Weidenröschen ist für kleine Gärten oft zu wüchsig, weil es sich über Ausläufer stark ausbreitet. In Nordamerika ist es eine bekannte Bienenweide, aus seinem Nektar wird dort ein heller Sortenhonig gewonnen.

Gundelrebe: kräftig würzig, schon eine kleine Menge genügt in der Mischung.
Was Sie dafür brauchen
Kleinblütiges WeidenröschenGetrocknetes Kraut für Tee und MischungenAnsehen
RotkleeblütenMild-süßliche Blüten für den WiesenteeAnsehen
SchafgarbenblüteHerb-aromatisch, für mehr Tiefe in der TasseAnsehen
GundelrebenkrautWürzige Note in kleinen MengenAnsehen
BlutweiderichWildkraut vom gleichen StandortAnsehenHäufige Fragen zum Weidenröschen
Wann blüht das Kleinblütige Weidenröschen?
Von Juni bis September. Danach öffnen sich die langen, schmalen Kapseln und geben Samen mit weißen Haarschöpfen frei, die der Wind verbreitet.
Ist Iwan-Tee dasselbe wie Weidenröschentee?
Nicht ganz. Iwan-Tee wird aus den fermentierten Blättern des Schmalblättrigen Weidenröschens hergestellt und schmeckt fruchtig-mild wie ein sanfter Schwarztee. Der klassische Kräutertee aus dem Kleinblütigen Weidenröschen ist unfermentiert und schmeckt krautig.
Wie unterscheidet man Kleinblütiges und Zottiges Weidenröschen?
Das Kleinblütige hat kleine, blassrosa Blüten unter 12 Millimetern und Blätter, die den Stängel nicht umfassen. Das Zottige wird größer, blüht kräftig purpurrosa mit Blüten bis 25 Millimeter und seine Blätter umgreifen den Stängel halb.
Wo wächst das Kleinblütige Weidenröschen?
An feuchten Standorten: an Gräben, Bach- und Teichufern, auf nassen Wiesen und an Waldwegen. Es ist in weiten Teilen Europas heimisch und auch in Deutschland verbreitet.
Warum heißt das Schmalblättrige Weidenröschen auch Feuerkraut?
Weil es oft als eine der ersten Pflanzen auf Brandflächen, Kahlschlägen und Lichtungen erscheint. Seine flugfähigen Samen erreichen offene Flächen schnell, und die Pflanze breitet sich dort rasch aus.
Wie bereitet man Weidenröschentee zu?
1 bis 2 Teelöffel getrocknetes Kraut mit einem Viertelliter kochendem Wasser übergießen und 8 bis 10 Minuten ziehen lassen. Der Tee schmeckt mild, krautig und leicht süßlich.