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30.10.26

Hopfenblüte geschnitten, 20 g – Kräuterparadies seit 1887

Hopfenblüte: Hopfen zwischen Bier, Duftkissen und Garten

Das Wichtigste in Kürze

Die Hopfenblüte ist der zapfenartige Blütenstand der weiblichen Hopfenpflanze (Humulus lupulus), einer ausdauernden Kletterpflanze aus der Familie der Hanfgewächse. Ihr gelbes Lupulin liefert Bitterstoffe und Aroma für das Bier. In Bayern wird Hopfen vor allem in der Holledau angebaut, dem größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiet der Welt. Getrocknet wird die Hopfenblüte als herb-bitterer Kräutertee und als Füllung für duftende Hopfenkissen verwendet.

Lesezeit: etwa 7 Minuten

Was ist die Hopfenblüte?

Wer im Spätsommer durch die Holledau fährt, sieht sie kilometerweit: grüne Wände aus Hopfenranken, die an hohen Drahtgerüsten bis in den Himmel klettern. Was dort zwischen den Blättern hängt, nennen wir umgangssprachlich die Hopfenblüte. Gemeint sind die weiblichen Blütenstände des Echten Hopfens, die Brauer und Bauern „Dolden“ nennen. Botanisch sind es eher kleine Zapfen.

Der Echte Hopfen (Humulus lupulus) gehört zur Familie der Hanfgewächse. Er ist eine ausdauernde Kletterpflanze: Im Frühjahr treibt er aus dem Wurzelstock neu aus, wächst in wenigen Wochen mehrere Meter in die Höhe und zieht im Herbst wieder ein. Die Ranken winden sich dabei immer im Uhrzeigersinn um ihre Stütze. Feine, hakige Klimmhaare an Stängel und Blättern geben zusätzlich Halt und fühlen sich rau an.

Hopfen ist zweihäusig. Es gibt also männliche und weibliche Pflanzen. Nur die weiblichen bilden die begehrten Dolden, etwa zwei bis fünf Zentimeter lang, hellgrün und aus vielen dünnen Deckblättern geschuppt. In den Anbaugebieten werden männliche Pflanzen ferngehalten, denn bestäubte Dolden bilden Samen, und die wollen Brauer nicht im Kessel haben.

Der Artname lupulus bedeutet „kleiner Wolf“. Schon der römische Gelehrte Plinius sprach von einem „Weidenwolf“, weil die Ranken junge Weiden umschlingen wie ein Wolf seine Beute. Wenn Sie mehr über diese Bäume am Wasser lesen möchten, finden Sie es in unserem Ratgeber zur Weidenrinde.

Was ist Lupulin im Hopfen?

Zupft man eine reife Dolde auseinander, sieht man am Grund der Deckblätter ein feines, gelbes Pulver. Das sind die Lupulindrüsen. Sie kleben leicht an den Fingern und duften intensiv harzig, würzig und ein wenig nach Zitrus. Genau hier steckt alles, was Hopfen für Brauer so wertvoll macht: Bitterstoffe, Harze und ätherisches Öl.

Je nach Sorte schwankt die Zusammensetzung stark. Deshalb gibt es Bitterhopfen, die vor allem für die herbe Note im Bier sorgen, und Aromahopfen, die eher für Duft und Blume zuständig sind. Die Hallertauer Aromasorten sind weltweit bekannt.

Lupulin, das gelbe Harzpulver aus der Hopfenblüte, in einer Schale

Lupulin: das gelbe, harzig duftende Pulver aus den Drüsen der Hopfendolde.

Ausgesiebtes Lupulin gibt es auch einzeln zu kaufen. Es ist sehr konzentriert, schmeckt deutlich bitter und duftet kräftig nach Hopfen. Hobbybrauer nutzen es gern, und in einem Duftkissen oder einer Kräuterschale bringt schon eine kleine Menge den typischen Hopfenduft ins Zimmer.

Woher kommt der Hopfen im Bier?

Bier wurde schon gebraut, lange bevor jemand Hopfen hineingab. Im frühen Mittelalter würzte man mit sogenannter Grut, einer Mischung aus Kräutern wie Gagel, Schafgarbe oder Porst. Erst nach und nach setzte sich Hopfen durch. Er gab dem Bier eine klare, herbe Note und machte es haltbarer, was für Klöster und städtische Brauhäuser ein großer Vorteil war.

In Bayern wurde der Hopfen schließlich Gesetz. Am 23. April 1516 erließen die Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. in Ingolstadt eine Verordnung, die als Reinheitsgebot berühmt wurde: Ins Bier durften nur Gerste, Hopfen und Wasser. Die Hefe kannte man damals noch nicht als eigene Zutat.

Die Holledau, oder Hallertau, liegt zwischen Ingolstadt, Freising und Landshut, mitten in Bayern. Sie gilt als das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt. Die Pflanzen wachsen dort in „Hopfengärten“ an rund sieben Meter hohen Gerüstanlagen. Früher kamen zur Ernte im August und September Tausende Hopfenzupfer in die Dörfer, um die Dolden von Hand zu pflücken. Heute übernehmen Maschinen die Arbeit, die Erinnerung lebt in Hopfenfesten und Museen weiter.

Ein Leckerbissen aus den Hopfengärten ist der Hopfenspargel. So heißen die jungen, zarten Triebe, die im Frühjahr beim Ausputzen der Stöcke anfallen. Kurz in Salzwasser gegart und mit Butter serviert, schmecken sie fein, nussig und leicht herb. Sie sind nur wenige Wochen im Jahr zu haben und eine echte regionale Spezialität.

Wie schmeckt Hopfenblüten-Tee?

Getrocknete Hopfenblüten kann man auch als Kräutertee aufgießen. Der Aufguss ist hell goldgelb und schmeckt so, wie das Bier riecht: leicht bitter, herb und würzig, mit einer harzigen Note im Abgang. Wer die herbe Seite von Kräutern mag, wird ihn schätzen. Allen anderen empfehle ich, Hopfen mit milderen Kräutern zu mischen.

  1. Abmessen: 1 Teelöffel geschnittene Hopfenblüte in eine Tasse geben.
  2. Aufgießen: Mit einem Viertelliter heißem Wasser übergießen.
  3. Ziehen lassen: Einige Minuten ziehen lassen und abseihen. Je länger, desto bitterer wird der Tee.

Gut passen Melisse und Rosenblüten, die etwas Süße und Blumigkeit mitbringen. Wie Sie solche Mischungen selbst zusammenstellen, zeigt unser Ratgeber Kräutertee selber mischen. Auch in selbst angesetzten Kräuterbittern ist Hopfen eine schöne herbe Zutat, mehr dazu unter Kräuterlikör selber machen.

Was ist ein Hopfenkissen?

Hopfenkissen gehören zu den ältesten Duftkissen auf dem Land. Man füllte kleine Leinensäckchen mit getrockneten Hopfendolden und legte sie aufs Sofa, in den Wäscheschrank oder neben das Kopfkissen. Der Duft ist warm, heuartig und herb, ein bisschen wie ein Brauhaus im Herbst. Viele Menschen aus der Holledau verbinden ihn mit Kindheitserinnerungen an die Erntezeit.

Kräuterkissen mit Hopfen, Lavendel und Kamille als Duftkissen

Unser Kräuterkissen: Hopfen, Lavendel, Kamille und weitere Kräuter in einer Duftmischung.

Ein eigenes Hopfenkissen ist schnell genäht. Sie brauchen nur ein Säckchen aus Baumwolle oder Leinen, etwa 20 mal 30 Zentimeter groß, und eine Füllung aus getrockneten Hopfenblüten. Wer den Duft weicher mag, mischt Lavendel oder Heublumen dazu. Nach einigen Monaten lässt der Duft nach. Dann öffnen Sie das Kissen und füllen frische Kräuter ein. Mehr Ideen und Mischungen finden Sie im Ratgeber Kräuterkissen.

Getrocknete Lavendelblüten als Füllung für ein Hopfenkissen

Lavendel macht den herben Hopfenduft im Kissen weicher und blumiger.

Sabines Tipp

„Für ein Hopfenkissen mische ich zwei Teile Hopfenblüte mit einem Teil Lavendel und einer Handvoll Heublumen. Das Säckchen knete ich ab und zu durch, dann duftet es gleich wieder frischer.“

Kann man Hopfen im Garten pflanzen?

Ja, und es lohnt sich. Hopfen ist eine der schnellsten Kletterpflanzen, die man in unseren Gärten setzen kann. An einer Pergola, einem Zaun oder einem stabilen Rankgitter bildet er im Sommer einen dichten grünen Vorhang, der im Herbst mit seinen Dolden schmückt. Im Winter ist die Fläche wieder frei, weil die Ranken absterben.

  1. Standort wählen: Sonnig bis halbschattig, mit tiefgründigem, humusreichem und frischem Boden. Wild wächst Hopfen in Auwäldern, Hecken und an Bachufern.
  2. Rankhilfe stellen: Senkrechte Schnüre, Drähte oder Stangen von mehreren Metern Höhe. Waagrechte Stützen mag Hopfen weniger.
  3. Pflanzen: Im Frühjahr oder Herbst eine weibliche Sorte setzen, wenn Sie Dolden ernten möchten. Für reine Begrünung gibt es auch Zierhopfen mit goldgelbem Laub.
  4. Zurückschneiden: Im Spätherbst oder zeitigen Frühjahr die abgestorbenen Ranken bodennah abschneiden.
  5. Ernten: Die Dolden sind reif, wenn sie sich papierartig anfühlen und beim Zerreiben gelbes Lupulin zeigen, meist ab Ende August.

Sorgfalt bei der Ernte: Tragen Sie beim Ernten Handschuhe und lange Ärmel. Die rauen Klimmhaare der Ranken kratzen, und das klebrige Lupulin färbt die Finger gelb. Getrocknet werden die Dolden luftig und schattig, danach dunkel und trocken gelagert.

Heublumenkissen als Duftkissen, ergänzt mit Hopfenblüte

Heublumenkissen: der Wiesenduft passt gut zu einer Prise Hopfen.

Was Sie dafür brauchen

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Häufige Fragen zur Hopfenblüte

Ist die Hopfenblüte eine Blüte oder eine Frucht?

Botanisch ist die „Hopfenblüte“ der zapfenartige Blütenstand der weiblichen Pflanze, der später zum Fruchtstand wird. Brauer und Bauern sprechen von Dolden. Im Handel heißt das getrocknete Erntegut meist einfach Hopfenblüte.

Wo wird in Deutschland Hopfen angebaut?

Das bekannteste Gebiet ist die Hallertau oder Holledau in Bayern, zwischen Ingolstadt, Freising und Landshut. Weitere Anbaugebiete liegen zum Beispiel um Tettnang am Bodensee, im Elbe-Saale-Gebiet und in der Gegend um Spalt in Mittelfranken.

Wie schmeckt Hopfenblüten-Tee?

Leicht bitter, herb und würzig, mit einer harzigen Note. Gießen Sie 1 Teelöffel mit einem Viertelliter heißem Wasser auf und lassen Sie ihn einige Minuten ziehen. Mit Melisse oder Rosenblüten wird er milder.

Was ist Hopfenspargel?

So heißen die jungen Hopfentriebe, die im Frühjahr beim Ausputzen der Hopfenstöcke abgeschnitten werden. Sie werden wie Spargel kurz gegart und gelten in den Anbaugebieten als saisonale Delikatesse.

Wie lange duftet ein Hopfenkissen?

Je nach Lagerung einige Monate. Danach können Sie das Kissen öffnen und mit frischen, getrockneten Hopfenblüten füllen. Zwischendurch lohnt sich kräftiges Durchkneten, damit der Duft wieder aufsteigt.