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15.07.13

Ysop Kraut, 20 g – Kräuterparadies seit 1887

Ysop: Bibelkraut, Bauerngarten und Küche

Das Wichtigste in Kürze

Ysop (Hyssopus officinalis) ist ein kleiner, blau blühender Halbstrauch aus der Familie der Lippenblütler, verwandt mit Thymian und Salbei. Er stammt aus Südeuropa, wächst bei uns seit dem Mittelalter in Kloster- und Bauerngärten und ist eine beliebte Bienenpflanze. Das Kraut schmeckt intensiv würzig, leicht bitter und minzig-kampferartig und passt sparsam dosiert zu Bohnen, Lamm und Eintöpfen. Bekannt ist der Name auch aus der Bibel.

Lesezeit: etwa 6 Minuten

Was ist Ysop?

Ysop ist eines jener alten Gartenkräuter, die man fast vergessen hätte. Dabei stand er früher in jedem Klostergarten, und wer ihn einmal im Spätsommer voller Bienen gesehen hat, möchte ihn nicht mehr missen. Bei uns im Kräuterhof ist Ysop ein Kraut für Neugierige: Wer ihn probiert, ist meist überrascht, wie kräftig er schmeckt.

Botanisch heißt die Pflanze Hyssopus officinalis. Sie gehört zu den Lippenblütlern und ist mit Thymian, Salbei und Bohnenkraut verwandt. Ysop ist ein Halbstrauch: Unten verholzen die Triebe, oben bleiben sie krautig. Er wird 20 bis 60 Zentimeter hoch und hat vierkantige Stängel mit schmalen, gegenständigen Blättern.

Von Juli bis September erscheinen die Blüten in dichten, einseitigen Ähren. Meist sind sie tiefblau bis violett, es gibt aber auch rosa und weiß blühende Sorten. Die ganze Pflanze duftet stark aromatisch, etwas nach Minze, Kampfer und Thymian zugleich.

Ysop Pulver aus fein gemahlenem Ysopkraut, Hyssopus officinalis

Ysop Pulver: fein gemahlen, für Saucen, Dressings und Gewürzmischungen.

Ysop in der Bibel: Was hat es mit dem Bibelkraut auf sich?

Viele kennen den Namen Ysop zuerst aus der Bibel. Am bekanntesten ist der Vers aus Psalm 51: „Entsündige mich mit Ysop, dass ich rein werde.“ Beim Auszug aus Ägypten sollen die Israeliten mit einem Büschel Ysop die Türpfosten bestrichen haben, und auch in der Passionsgeschichte des Johannesevangeliums wird ein Ysopzweig erwähnt. Ysop wurde so zum Sinnbild für Reinheit.

Interessant ist: Der Ysop der Bibel war vermutlich gar nicht unser Gartenysop. Das hebräische Wort ezov meint nach heutiger Auffassung wohl eher den Syrischen Oregano (Origanum syriacum), der im Nahen Osten wild wächst und bis heute in der Würzmischung Za'atar steckt. Über das griechische hyssopos wanderte der Name dann auf die europäische Pflanze.

In Mitteleuropa wurde Ysop im Mittelalter in den Klostergärten heimisch. Karl der Große ließ ihn um das Jahr 800 in seiner Landgüterverordnung, dem Capitulare de villis, unter den Pflanzen aufführen, die auf seinen Gütern angebaut werden sollten. Auch Hildegard von Bingen schrieb über ihn. Mehr über ihre Pflanzenwelt lesen Sie in unserem Ratgeber Hildegard von Bingen und ihre Kräuter.

Wie pflanzt man Ysop im Garten?

Ysop ist ein genügsamer Gartenbewohner. Er liebt Sonne, Wärme und trockene, eher magere und kalkhaltige Böden. Staunässe verträgt er dagegen gar nicht. Im Kräuterbeet steht er gut neben Thymian, Lavendel und Salbei, die ähnliche Ansprüche haben.

  1. Pflanzen: Jungpflanzen im Frühjahr setzen, mit 30 Zentimetern Abstand. Für eine Einfassung etwas enger.
  2. Standort: Vollsonnig und durchlässig, gern auch im Steingarten, an einer Trockenmauer oder im Topf.
  3. Rückschnitt: Im Frühjahr, wenn kein starker Frost mehr droht, um etwa ein Drittel zurückschneiden. So bleibt er buschig.
  4. Vermehren: Im Frühsommer lassen sich leicht Stecklinge schneiden, die in sandiger Erde gut bewurzeln.

Besonders hübsch ist Ysop als niedrige Beeteinfassung, so wie man sie aus alten Klostergärten kennt. Seit der Buchsbaum vielerorts Probleme macht, entdecken ihn viele Gärtner als Alternative wieder. Im Hochsommer ist er eine wertvolle Bienenweide, denn Honigbienen, Hummeln und Schmetterlinge fliegen seine Blüten gern an.

Getrocknete Lavendelblüten, Lavendel wächst im Kräuterbeet gern neben Ysop

Lavendel und Ysop teilen sich gern ein sonniges Beet.

Wie verwendet man Ysop in der Küche?

Ysop schmeckt intensiv würzig, leicht bitter und kampferartig, mit einer deutlichen Minznote und einem Hauch Anis. Das Wichtigste in der Küche ist deshalb: sparsam würzen. Schon ein paar frische Blättchen oder eine Prise getrocknetes Kraut reichen für einen ganzen Topf.

Traditionell passt Ysop zu kräftigen und deftigen Gerichten, ähnlich wie Bohnenkraut:

  1. Bohnen und Hülsenfrüchte: in Bohnensalat, Linsensuppe und Erbseneintopf.
  2. Fleisch: zu Lamm, Wild und Schweinebraten, gern zusammen mit Thymian und Knoblauch.
  3. Kartoffeln: fein gehackt in Kartoffelsalat oder über Ofenkartoffeln.
  4. Salate und Quark: ein paar frische Blätter oder Blüten im grünen Salat oder im Kräuterquark.

Ein einfaches Rezept aus unserer Küche ist der Bohnensalat mit Ysop. Kochen Sie 500 Gramm grüne Bohnen bissfest, schrecken Sie sie kalt ab und mischen Sie sie mit einer fein gewürfelten roten Zwiebel. Für die Marinade drei Esslöffel Öl, zwei Esslöffel Weißweinessig, Salz, Pfeffer und einen halben Teelöffel getrockneten Ysop verrühren. Eine halbe Stunde durchziehen lassen, fertig.

Sabines Tipp: Wer den Geschmack erst kennenlernen möchte, mischt Ysop zu gleichen Teilen mit Thymian. So wird er milder, und Sie bekommen ein Gefühl dafür, wie viel Ihnen schmeckt. Das Pulver lässt sich besonders fein dosieren.

Getrocknetes Thymiankraut, ein naher Verwandter des Ysop aus der Familie der Lippenblütler

Thymian ist ein naher Verwandter und mildert den kräftigen Ysop in Mischungen.

Ysop als Tee und in Likören

Als Tee übergießen Sie einen Teelöffel getrocknetes Ysopkraut mit einem Viertelliter kochendem Wasser und lassen ihn einige Minuten ziehen. Der Aufguss schmeckt würzig, herb und frisch. Mit einem Löffel Honig wird er runder. In Kräutertee-Mischungen bringt Ysop eine kräftige, minzige Note mit.

Auch in der Welt der Kräuterliköre hat Ysop seinen Platz. Er gehört traditionell zu den Kräutern, mit denen Absinth seine grüne Farbe bekommt, und taucht in alten Rezepten für Kräuterliköre auf. Wer selbst ansetzen möchte, findet Grundrezepte in unserem Ratgeber Kräuterlikör selber machen. Ein Zweiglein Ysop passt zum Beispiel gut zu einem Ansatz mit Wermut und Zitrusschalen.

Ysop, Eisenkraut und Anis-Ysop: Was ist der Unterschied?

Gelegentlich wird Ysop mit Eisenkraut (Verbene) verwechselt. Das ist eine ganz andere Pflanze aus einer anderen Familie. Auch der sogenannte Anis-Ysop oder die Duftnessel (Agastache) ist kein echter Ysop, sondern eine meist nordamerikanische Verwandtschaft mit süßlichem Anisduft. Echter Ysop trägt immer den Namen Hyssopus officinalis.

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Häufige Fragen zum Ysop

Wie schmeckt Ysop?

Intensiv würzig, leicht bitter und kampferartig, mit einer deutlichen Minznote und einem Hauch Anis. Wegen des kräftigen Aromas sollten Sie ihn sparsam verwenden.

Wofür verwendet man Ysop in der Küche?

Vor allem für deftige Gerichte: Bohnen, Linsen und Erbsen, Lamm, Wild, Schweinebraten und Kartoffeln. Frische Blätter und Blüten passen in Salat und Kräuterquark.

Ist Ysop winterhart?

Ja, an einem sonnigen, durchlässigen Standort ist Ysop bei uns in der Regel winterhart. Probleme macht ihm vor allem nasse Erde im Winter. In rauen Lagen schützt ihn eine Abdeckung mit Reisig.

Wann blüht Ysop?

Von Juli bis September. Die meist blauvioletten Blüten sitzen in dichten Ähren und werden von Bienen, Hummeln und Schmetterlingen gern besucht.

Ist der Ysop aus der Bibel derselbe wie im Garten?

Vermutlich nicht. Mit dem biblischen Ysop war wohl eher der Syrische Oregano gemeint, der im Nahen Osten wächst. Unser Gartenysop stammt aus Südeuropa und hat den Namen später übernommen.