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29.08.24

Schwedenkräuteransatz für 2 Ltr., 100 g – Kräuterparadies seit 1887

Schwedenkräuter: Geschichte und Zutaten des Schwedenbitters

Das Wichtigste in Kürze

Schwedenkräuter sind eine traditionsreiche Mischung aus getrockneten Wurzeln, Kräutern, Harzen und Gewürzen. In Alkohol angesetzt entsteht daraus der Schwedenbitter, auch Schwedentrunk genannt. Der Name geht auf schwedische Gelehrte des 17. und 18. Jahrhunderts zurück, vor allem Urban Hjärne und den legendären Dr. Claus Samst. Bekannt gemacht hat die Mischung ab 1980 die österreichische Kräuterkundige Maria Treben. Die klassische „kleine“ Rezeptur umfasst elf Zutaten, darunter Myrrhe, Safran, Manna, Theriak und Angelikawurzel.

Lesezeit: etwa 7 Minuten

Was sind Schwedenkräuter?

Kaum eine Kräutermischung wird bei uns im Kräuterhof so oft verlangt wie die Schwedenkräuter. Viele Kundinnen und Kunden kennen sie noch aus dem Küchenschrank der Großmutter, wo eine dunkle Flasche mit dem bitteren Schwedenbitter selbstverständlich zum Hausrat gehörte.

Genau genommen muss man zwei Dinge unterscheiden. Schwedenkräuter sind die trockene Mischung: geschnittene Wurzeln, Blätter, Harze und Gewürze, die in einer festen Rezeptur zusammengestellt werden. Der Schwedenbitter oder Schwedentrunk ist der flüssige Kräuterauszug, der entsteht, wenn diese Mischung in Alkohol angesetzt wird.

Es gibt nicht die eine Rezeptur. Im Lauf der Jahrhunderte haben sich viele Varianten entwickelt. Am bekanntesten sind der „kleine“ Schwedenbitter mit elf Zutaten und der „große“ Schwedenbitter, der deutlich mehr Bestandteile enthält.

Woher kommen Schwedenkräuter? Die Legende von Dr. Samst

Wie bei vielen alten Mischungen ranken sich um den Schwedenbitter Geschichten, die sich nur zum Teil belegen lassen. Die bekannteste erzählt von einem schwedischen Doktor namens Claus (oder Klaus) Samst. In seinem Nachlass soll man im 18. Jahrhundert eine handschriftliche Rezeptur gefunden haben, die in seiner Familie seit Generationen weitergegeben, dann aber in Vergessenheit geraten war. Ob es Dr. Samst wirklich gab, ist bis heute nicht sicher belegt.

Greifbarer ist eine andere Spur: der schwedische Naturforscher und Chemiker Urban Hjärne (1641–1724). Er betrieb in Stockholm auf der Insel Kungsholmen ein Laboratorium und stellte dort Zubereitungen nach eigenen, geheim gehaltenen Rezepten her. 1692 erhielt er die Erlaubnis, sein bitteres Elixier, das „Elixir amarum“, öffentlich zu verkaufen. Manche Historiker vermuten, dass in der Überlieferung die Geschichten von Hjärne, seinem Sohn und dem sagenhaften Dr. Samst ineinandergeflossen sind.

Gelegentlich wird die Mischung sogar mit dem Gelehrten Paracelsus im 16. Jahrhundert in Verbindung gebracht. Auch das bleibt eine Vermutung. Sicher ist: Bittere Kräuterauszüge aus Wurzeln, Harzen und Gewürzen waren in Klöstern und Laboratorien Europas seit dem Mittelalter verbreitet. Der Schwedenbitter steht in dieser Tradition, ähnlich wie der Theriak, der sogar selbst zu seinen Zutaten zählt.

Theriak-Pulver, braunes Gewürzpulver, eine der historischen Zutaten der Schwedenkräuter

Theriak: eine uralte Mischung aus Angelika, Zimt, Kardamom, Myrrhe, Baldrian und Zitwer und selbst Bestandteil der Schwedenkräuter.

Wer war Maria Treben?

Dass Schwedenkräuter im deutschsprachigen Raum heute so bekannt sind, verdanken sie vor allem einer Frau: Maria Treben (1907–1991). Sie wurde in Böhmen geboren und lebte später im oberösterreichischen Grieskirchen. Dort sammelte und beschrieb sie Kräuter und hielt Vorträge, zu denen oft Hunderte Menschen kamen.

Ihr Kräuterbuch erschien 1980 und wurde ein Bestseller, der in viele Sprachen übersetzt wurde. Darin widmete sie dem Schwedenbitter ein eigenes, ausführliches Kapitel und veröffentlichte ihre Rezeptur des kleinen Schwedenbitters. Seitdem verbinden viele Menschen den Namen Schwedenkräuter untrennbar mit Maria Treben.

Aus heutiger Sicht ist ihr Buch vor allem ein Zeitdokument: Es zeigt, wie stark in den Jahrzehnten nach dem Krieg das Interesse an alten Kräuterrezepturen wieder erwachte. Die Mischung selbst ist allerdings, wie oben beschrieben, deutlich älter.

Welche Zutaten sind in Schwedenkräutern?

Die überlieferte Rezeptur des kleinen Schwedenbitters liest sich wie ein Gang durch die Gewürz- und Harzkammern der alten Welt. Viele der Zutaten kamen über lange Handelswege aus Asien, Arabien und dem Mittelmeerraum nach Europa:

  • Aloe: der eingedickte, sehr bittere Saft der Aloe. In vielen heutigen Mischungen wird sie durch Wermut oder Enzianwurzel ersetzt, auch in unserem Ansatz durch Wermutkraut.
  • Myrrhe: das balsamisch duftende Gummiharz des Myrrhenstrauchs aus Nordostafrika und Arabien, eines der ältesten Handelsgüter der Welt. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Myrrhe.
  • Safran: die roten Blütennarben des Safrankrokus, bis heute eines der kostbarsten Gewürze.
  • Sennesblätter: die Blätter eines Kassienstrauchs aus Nordafrika und Arabien.
  • Kampfer: eine weiße, kristalline Substanz aus dem Holz des ostasiatischen Kampferbaums mit frischem, durchdringendem Duft.
  • Rhabarberwurzel: die gelbe Wurzel des Chinesischen Rhabarbers, nicht zu verwechseln mit dem Gartenrhabarber.
  • Zitwerwurzel: der Wurzelstock eines indischen Ingwergewächses mit würzig-herbem Aroma.
  • Manna: der getrocknete, süßliche Saft der Manna-Esche aus Sizilien.
  • Theriak venezian: eine eigene Gewürzmischung mit langer Geschichte, benannt nach Venedig, wo sie im Mittelalter berühmt war.
  • Eberwurz: die Wurzel der Silberdistel aus den Alpen. Mehr zu dieser besonderen Pflanze lesen Sie im Ratgeber Silberdistel.
  • Angelikawurzel: die aromatische Wurzel der Engelwurz, eines großen Doldenblütlers. Mehr dazu im Ratgeber zur Angelikawurzel.
Myrrhe Harz in Stücken, rotbraun, historische Zutat der Schwedenkräuter

Myrrhe: das balsamische Harz aus Nordostafrika gehört seit jeher zu den Schwedenkräutern.

Schon diese Liste zeigt, warum die Mischung früher so geschätzt war: Safran, Myrrhe und Kampfer waren teure Importwaren, die sich nicht jeder leisten konnte. Eine fertige Mischung aus dem Kräuterladen war deshalb etwas Besonderes.

Manna, getrockneter Saft der Manna-Esche als weißes Pulver, Zutat der Schwedenkräuter

Manna: der süßliche, getrocknete Saft der Manna-Esche aus Sizilien.

Was ist der Unterschied zwischen kleinem und großem Schwedenbitter?

Der kleine Schwedenbitter folgt weitgehend der Rezeptur mit den elf oben genannten Zutaten. In unserem kleinen Schwedenkräuteransatz stecken Angelikawurzel, Zitwerwurzel, Wermutkraut, Manna, Sennesblätter, Theriak, Eberwurzel, Rhabarberwurzel, Myrrhe, Kampfer und Safran. Wermut, Angelika, Zitwer und Rhabarberwurzel prägen den kräftig herben Charakter, die Harze geben eine balsamische Note.

Der große Schwedenbitter ist umfangreicher. In unserer Mischung kommen unter anderem Enzianwurzel, Tormentillwurzel, Muskatnuss und Muskatblüte dazu. Das macht ihn würziger und vielschichtiger, mit einer ausgeprägt bitteren Grundnote.

Angelikawurzel geschnitten, helle Wurzelstücke der Engelwurz, Zutat im Schwedenbitter

Angelikawurzel: aromatisch und herb, sie steckt sowohl im kleinen als auch im großen Schwedenbitter.

Daneben gibt es fertige Kräuterauszüge, die sich an der alten Geschmackswelt orientieren, aber eigene Rezepturen haben. Unser Schwedenkräuter-Elixier etwa setzt auf Enzian, Pomeranzenschale, Kalmus und Angelika mit Gewürzen wie Ingwer, Muskat, Zimt und Nelke.

Wie schmecken Schwedenkräuter?

Kurz gesagt: bitter. Sehr bitter. Der Schwedenbitter gehört in die Familie der Kräuterbitter, zu der auch Enzianschnaps, Magenbitter und Klosterliköre zählen. Neben der kräftigen Bitterkeit schmeckt man Würze von Zitwer und Safran, eine harzig-balsamische Tiefe von Myrrhe und eine frische Note von Kampfer. Der Nachhall ist lang.

Wer sich für die ganze Bandbreite bitterer Pflanzen interessiert, von Wermut bis Tausendgüldenkraut, findet mehr in unserem Ratgeber zu Bitterkräutern.

Hinweis: Schwedenbitter ist ein alkoholischer Kräuterauszug und daher nur für Erwachsene bestimmt. Bewahren Sie Ansätze und fertige Flaschen außer Reichweite von Kindern auf.

Sabines Tipp

„Viele fragen mich, ob man die Schwedenkräuter auch riechen soll, bevor man sie kauft. Unbedingt. Öffnen Sie die Tüte und nehmen Sie sich einen Moment: Erst kommt der Kampfer, dann die Myrrhe, ganz zum Schluss der Safran. Für mich ist das jedes Mal ein Stück Kräuterladen-Geschichte zum Riechen.“

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Häufige Fragen zu Schwedenkräutern

Was sind Schwedenkräuter?

Eine traditionsreiche Mischung aus getrockneten Wurzeln, Kräutern, Harzen und Gewürzen. In Alkohol angesetzt wird daraus der Schwedenbitter, auch Schwedentrunk genannt.

Warum heißen Schwedenkräuter so?

Der Name geht auf schwedische Gelehrte zurück: den Naturforscher Urban Hjärne, der 1692 sein bitteres „Elixir amarum“ verkaufen durfte, und den legendären Dr. Claus Samst, in dessen Nachlass die Rezeptur gefunden worden sein soll.

Wer war Maria Treben?

Eine österreichische Kräuterkundige (1907–1991) aus Grieskirchen. Ihr 1980 erschienenes Kräuterbuch wurde ein Bestseller und machte den Schwedenbitter im deutschsprachigen Raum bekannt.

Welche Kräuter sind im kleinen Schwedenbitter?

Die klassische Rezeptur nennt elf Zutaten: Aloe (heute oft durch Wermut oder Enzian ersetzt), Myrrhe, Safran, Sennesblätter, Kampfer, Rhabarberwurzel, Zitwerwurzel, Manna, Theriak, Eberwurz und Angelikawurzel.

Was ist der Unterschied zwischen kleinem und großem Schwedenbitter?

Der große Schwedenbitter enthält mehr Zutaten, zum Beispiel zusätzlich Enzianwurzel, Tormentillwurzel, Muskatnuss und Muskatblüte. Er schmeckt dadurch würziger und vielschichtiger.

Ist Schwedenbitter alkoholisch?

Ja. Schwedenbitter ist ein Kräuterauszug auf Alkoholbasis und deshalb nur für Erwachsene bestimmt.