Das Wichtigste in Kürze
Theriak war die berühmteste Kräuterlatwerge der Antike und des Mittelalters: eine Honigpaste aus oft über 60 Gewürzen, Harzen, Wurzeln und tierischen Zutaten. Die Geschichte führt von König Mithridates VI. von Pontos über die Theriaca Andromachi am Hof Kaiser Neros bis zum venezianischen Theriak, der in öffentlichen Zeremonien hergestellt wurde. Heute lebt der Name in Kräutermischungen wie unserem Theriak-Pulver aus Angelika, Zimt, Kardamom, Myrrhe, Baldrian und Zitwer weiter.
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Inhalt
Was ist Theriak?
Kaum eine Kräutermischung hat eine so lange und schillernde Geschichte wie der Theriak. Über fast zwei Jahrtausende war er die berühmteste Kräuterlatwerge der Antike und des Mittelalters, kostbar, geheimnisumwittert und aus Dutzenden Zutaten aus aller Welt gemischt. Kaiser, Könige und Kaufleute schätzten ihn, und ganze Städte wurden mit seiner Herstellung reich.
Eine Latwerge ist eine dicke, streichfähige Paste aus Honig, in die fein gemahlene Gewürze, Kräuter, Wurzeln und Harze eingerührt werden. Der Honig hielt die Mischung zusammen und machte sie lange haltbar. Ähnlich alt ist der Sauerhonig aus Honig und Essig, über den Sie im Ratgeber Oxymel mehr lesen.
Der Name kommt aus dem Griechischen. „Thēríon“ heißt wildes Tier, gemeint war vor allem die Giftschlange. Daraus wurde lateinisch „theriaca“ und im Deutschen der Theriak. In alten Mundarten hieß er auch Driakel, Dryackel oder Tyriaker. Ursprünglich war die Mischung gegen Schlangenbisse gedacht. Mit den Jahrhunderten traute man ihr dann nahezu alles zu, und so wurde der Theriak zu einer Legende.
Woher kommt Theriak?
Die Geschichte beginnt mit einem misstrauischen König. Mithridates VI. Eupator herrschte von etwa 120 bis 63 vor Christus über das Königreich Pontos an der Südküste des Schwarzen Meeres. Er fürchtete ständig, vergiftet zu werden, und ließ deshalb ein Gegenmittel aus immer mehr Zutaten zusammenstellen. Er soll es selbst regelmäßig eingenommen haben. Nach ihm hieß diese Mischung Mithridat.
Als die Römer Pontos besiegten, gelangte das Rezept nach Rom. Dort soll Andromachos, der am Hof des Kaisers Nero wirkte, es noch einmal erweitert haben, unter anderem um Vipernfleisch. Seine Latwerge aus 64 Bestandteilen wurde als Theriaca Andromachi berühmt und galt noch im 17. Jahrhundert als das Maß aller Dinge. Der griechische Gelehrte Galen beschrieb im 2. Jahrhundert sogar eine Fassung mit 70 Zutaten. Auch Kaiser Mark Aurel soll den Theriak regelmäßig genommen haben, aus Furcht vor einem Giftmord.
Über Byzanz und die arabische Gelehrtenwelt kam das Wissen um den Theriak ins mittelalterliche Europa. Hier wurde er zum Inbegriff der Kostbarkeit. Lateinisch nannte man ihn um 1300 „tyriaca“, und in Klöstern und Städten schrieb man die langen Zutatenlisten immer wieder ab. Wer sich für die Geschichte der überlieferten Kräuterkunde interessiert, findet im Ratgeber Kräuterkunde einen Überblick.
Was ist venezianischer Theriak?
Die bedeutendste Herstellung lag über Jahrhunderte in Venedig. Der venezianische Theriak, italienisch „Triaca“, war ein Exportschlager der Lagunenstadt. Seine Zubereitung war ein öffentliches Ereignis: Über mehrere Tage wurden die Zutaten auf Plätzen ausgestellt, gemahlen und gemischt, im Beisein hoher Würdenträger und mit großem Schaugepränge. Eine Abbildung aus dem Jahr 1512 zeigt eine solche Zeremonie.
Der Grund für den Aufwand war handfest. Theriak war teuer, und Fälschungen waren verbreitet. Deshalb ließ man ihn vielerorts nur unter Aufsicht von Ratsherren und Fachleuten herstellen. Weitere Zentren lagen in Nürnberg und Amsterdam. Aufbewahrt wurde der Theriak in kostbaren, beschrifteten Gefäßen, von denen heute einige in Museen zu sehen sind.
Mit der Zeit wuchs die Zutatenliste auf bis zu 300 Bestandteile. Die Mischung war so kostspielig, dass sie nur für Vermögende erschwinglich war. Auf dem Land behalf man sich anders: Der Knoblauch bekam den Spitznamen „Bauerntheriak“.
Neben dem offiziellen Theriak gab es die Theriakkrämer. Diese fahrenden Händler zogen über Märkte und Jahrmärkte und priesen ihre Ware lautstark an. Was in ihren Dosen steckte, wusste oft niemand so genau. Der Begriff wurde deshalb bald zum Spottnamen für Marktschreier.

Myrrhe: Das kostbare Harz gehörte schon in der Antike zu den Zutaten des Theriak.
Welche Zutaten hatte Theriak?
Die alten Rezepte lesen sich wie eine Landkarte des antiken und mittelalterlichen Handels. In einem Theriak kamen Schätze aus drei Kontinenten zusammen:
- Gewürze aus dem Orient: Zimt, Pfeffer, Ingwer, Kardamom und Safran, damals so wertvoll wie Gold.
- Harze und Balsame: Myrrhe und andere duftende Harze aus Arabien und Ostafrika.
- Wurzeln und Zwiebeln: etwa Zitwer, Baldrian, Meerzwiebel und in späteren Fassungen auch die Angelikawurzel aus dem Norden.
- Tierische Zutaten: allen voran das Vipernfleisch, das der Mischung ihren Ruf gab.
- Bindemittel: Honig und Wein, die alles zu einer dunklen, zähen Latwerge verbanden.
Meist gehörte auch Mohnsaft dazu. Auch deshalb ist der historische Theriak heute nur noch ein Stück Kulturgeschichte. Die fertige Masse musste übrigens reifen, oft über Monate oder Jahre, bevor sie verkauft wurde. Wie bei einem guten Wein galt ein älterer Theriak als wertvoller.

Zitwerwurzel: eine würzige Wurzel, die bis heute in Theriak-Mischungen steckt.
Gibt es Theriak heute noch?
Den alten Theriak mit Vipernfleisch und Mohnsaft gibt es nicht mehr. Der Name lebt aber in Kräuter- und Gewürzmischungen nach überlieferter Art weiter. Unser Theriak-Pulver ist eine solche Mischung. Es besteht aus Angelikawurzel, Zimt, Kardamom, Myrrhe, Baldrian und Zitwer, ganz ohne tierische Zutaten.
Diese Auswahl kommt nicht von ungefähr. In einer späteren, stark vereinfachten Fassung des Theriak, die bis in die Neuzeit überliefert ist, finden sich genau diese Pflanzen wieder: Engelwurz, Baldrian, Zimt, Zitwer, Kardamom und Myrrhe, damals verbunden mit Honig, Sherry, Meerzwiebel und Mohnsaft.
Der Duft ist warm, würzig und harzig, mit einer deutlich bitteren Note der Wurzeln und der Süße von Zimt und Kardamom. Wer an der Dose riecht, bekommt eine Ahnung davon, wie die Gewürzhändler von Venedig geduftet haben müssen.
Heute begegnet Ihnen Theriak vor allem als Zutat in traditionellen Kräuteransätzen. Im Kleinen Schwedenkräuteransatz zum Beispiel steckt Theriak zusammen mit Wermut, Angelikawurzel, Zitwer, Myrrhe, Safran und weiteren klassischen Bestandteilen. Die Geschichte dieser bekannten Bittermischung erzählen wir im Ratgeber Schwedenkräuter. Wer gern eigene Ansätze macht, findet weitere Ideen unter Kräuterlikör selber machen.

Kleiner Schwedenkräuteransatz: Theriak gehört hier bis heute zu den klassischen Zutaten.
Sabines Tipp
„Bevor ich einen Kräuteransatz mache, rieche ich an jeder Zutat einzeln. Beim Theriak-Pulver kommt zuerst der Zimt, dann die Myrrhe und ganz am Ende die bittere Angelika. Bewahren Sie das Pulver immer gut verschlossen und dunkel auf, dann bleibt dieser Duft lange erhalten.“

Angelikawurzel: würzig-bitter und ein fester Bestandteil unseres Theriak-Pulvers.
Mehr über die Angelika, die im Norden Europas zu einer der wichtigsten Theriak-Zutaten wurde, lesen Sie im Ratgeber Angelikawurzel.
Was Sie dafür brauchen
Theriak-PulverMischung nach überlieferter ArtAnsehen
Schwedenkräuteransatz für 2 LiterBittermischung mit Theriak zum SelbstansetzenAnsehen
MyrrheDas kostbare Harz der alten RezepteAnsehen
ZitwerwurzelWürzige Wurzel aus dem OrientAnsehen
Angelikawurzel geschnitten EngelwurzWürzig-bittere Wurzel aus dem NordenAnsehen
Kalmuswurzel geschnittenBittere Wurzel mit langer TraditionAnsehen
Boonekamp-LiköransatzAlte Klostermischung für einen KräuterbitterAnsehen
Oxymel AnsatzSauerhonig mit Kräutern zum AnsetzenAnsehenHäufige Fragen zu Theriak
Was bedeutet das Wort Theriak?
Es kommt vom griechischen „thēríon“, das wildes oder giftiges Tier bedeutet, gemeint waren vor allem Schlangen. Über das lateinische „theriaca“ wurde daraus der Theriak, mundartlich auch Driakel genannt.
Wer hat Theriak erfunden?
Als Urheber gilt König Mithridates VI. von Pontos, der im 1. Jahrhundert vor Christus eine vielteilige Mischung zusammenstellen ließ. Andromachos am Hof Kaiser Neros erweiterte sie zur berühmten Theriaca Andromachi mit 64 Bestandteilen.
Was ist venezianischer Theriak?
So hieß der Theriak, der über Jahrhunderte in Venedig in öffentlichen, mehrtägigen Zeremonien hergestellt und in die ganze Welt gehandelt wurde. Er war so begehrt, dass er zum Reichtum der Stadt beitrug.
Woraus besteht Theriak-Pulver heute?
Unser Theriak-Pulver ist eine Kräuter- und Gewürzmischung aus Angelikawurzel, Zimt, Kardamom, Myrrhe, Baldrian und Zitwer. Tierische Zutaten oder Mohnsaft wie im historischen Theriak enthält es nicht.
Wo kann man Theriak kaufen?
Theriak-Pulver nach überlieferter Art bekommen Sie bei uns im Kräuterhof. Außerdem steckt Theriak als Zutat in unserem Kleinen Schwedenkräuteransatz zum Selbstansetzen.