Das Wichtigste in Kürze
Die Silberdistel (Carlina acaulis) ist ein fast stängelloser Korbblütler magerer, kalkreicher Bergwiesen. Ihre großen Blütenköpfe sind von silbrig glänzenden, strohartigen Hüllblättern umgeben, die sich bei feuchter Luft schließen, daher der Name Wetterdistel. Sie blüht von Juli bis September, war 1997 Blume des Jahres und ist in Deutschland besonders geschützt: Wildpflanzen dürfen weder gepflückt noch ausgegraben werden. Ihre Wurzel ist als Eberwurz bekannt.
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Inhalt
- Was ist die Silberdistel?
- Warum heißt die Silberdistel Wetterdistel?
- Woher kommt der Name Carlina? Die Legende von Karl dem Großen
- Was ist Jägerbrot? Die Silberdistel als Almkost
- Eberwurz: Wie duftet die Wurzel der Silberdistel?
- Ist die Silberdistel geschützt?
- Silberdistel kaufen und im Garten pflanzen
- Was Sie dafür brauchen
- Häufige Fragen
Was ist die Silberdistel?
Wer im Spätsommer über eine Almweide in den bayerischen Alpen oder einen Trockenrasen auf der Fränkischen Alb wandert, entdeckt sie oft erst auf den zweiten Blick: große, silbern schimmernde Sterne, die direkt am Boden zu liegen scheinen. Für mich gehört die Silberdistel zu den schönsten Pflanzen unserer Heimat.
Botanisch heißt sie Carlina acaulis und gehört zu den Korbblütlern, ist also mit Artischocke, Mariendistel und Kamille verwandt. Der Beiname acaulis bedeutet „stängellos“: Die Blätter liegen als flache, stachelige Rosette am Boden, und der Blütenkopf sitzt meist direkt darin. Es gibt aber auch eine Form mit kurzem Stängel, die bis etwa 40 Zentimeter hoch werden kann.
Was wie eine silberne Blüte aussieht, sind eigentlich die inneren Hüllblätter. Sie sind trocken, strohartig und glänzend und umgeben den Blütenboden, auf dem viele kleine, weißliche bis rosa Röhrenblüten sitzen. Die Blütenköpfe können über zehn Zentimeter Durchmesser erreichen. Blütezeit ist von Juli bis September.

Katzenpfötchen: wie die Silberdistel eine „Strohblume“, deren Blüten getrocknet ihre Form behalten.
Ähnlich strohig und trocken fühlen sich übrigens die Blüten des Katzenpfötchens an, das ebenfalls auf mageren, sonnigen Böden wächst.
Warum heißt die Silberdistel Wetterdistel?
Die Silberdistel ist ein kleines lebendes Hygrometer. Steigt die Luftfeuchtigkeit, etwa vor einem Regen oder am Abend, krümmen sich die Hüllblätter nach innen und schließen sich über der Blüte. So schützen sie Blütenstaub und Nektar vor Nässe. Bei trockenem, sonnigem Wetter öffnen sie sich wieder weit.
Diese Eigenschaft hat ihr in Bayern und Österreich den Namen Wetterdistel eingebracht. Und sie funktioniert sogar noch an getrockneten Blütenköpfen. Deshalb nagelte man früher eine Silberdistel an die Haustür oder das Scheunentor. War sie geschlossen, wusste man: Heute besser das Heu nicht mähen.
Im Volksglauben war die Silberdistel an der Tür außerdem ein Glücks- und Schutzzeichen für Haus und Hof. Man sieht sie im Alpenraum bis heute an alten Bauernhäusern, auch wenn die Blüten dafür längst nicht mehr in der Natur gesammelt werden dürfen.
Woher kommt der Name Carlina? Die Legende von Karl dem Großen
Um den Gattungsnamen Carlina rankt sich eine alte Legende. Als das Heer Karls des Großen in großer Not war, soll dem Kaiser im Traum ein Engel erschienen sein. Er trug ihm auf, einen Pfeil abzuschießen. Die Pflanze, die der Pfeil traf, sollte seinen Männern helfen. Der Pfeil blieb in einer Silberdistel stecken, und die Pflanze trug fortan den Namen des Kaisers, Carolus.
Ob der Name wirklich auf Karl den Großen zurückgeht oder auf einen späteren Herrscher namens Karl, ist nicht sicher. Die Geschichte zeigt aber, wie besonders die Silberdistel den Menschen früher erschien.
Auch der Name Eberwurz hat eine Erklärung: Wildschweine wühlen die Wurzeln gern aus dem Boden. Im Volksglauben hieß es sogar, Schweine würden besser gedeihen, wenn sie Silberdistelwurzeln fressen.

Mariendistelsamen: von einer Verwandten der Silberdistel aus dem Mittelmeerraum.
Mehr über diese Verwandte lesen Sie in unserem Ratgeber zur Mariendistel.
Was ist Jägerbrot? Die Silberdistel als Almkost
Der fleischige Blütenboden der Silberdistel ist essbar. Hirten und Jäger auf den Almen schnitten ihn früher aus den Blütenköpfen und aßen ihn roh oder gekocht, ganz ähnlich wie den Boden einer Artischocke. Daher stammt der Name Jägerbrot oder mundartlich „Jagerbrot“. Der Geschmack soll nussig und leicht an Artischocke erinnernd sein.
Heute ist das Geschichte: Weil die Silberdistel geschützt ist, darf man ihre Blütenköpfe in der Natur nicht ernten. Wer den Geschmack kennenlernen möchte, greift zur Artischocke.
Eberwurz: Wie duftet die Wurzel der Silberdistel?
Die Wurzel der Silberdistel ist eine kräftige Pfahlwurzel. Getrocknet und geschnitten kommt sie als Eberwurz in den Kräuterhandel. Sie hat einen eigenen, charakteristischen Duft, aromatisch, würzig und etwas harzig, und schmeckt herb.
Eberwurz ist eine historische Zutat in alten Kräutermischungen. Sie steckt zum Beispiel in den klassischen Rezepturen des kleinen und großen Schwedenbitters, deren Geschichte wir im Ratgeber zu den Schwedenkräutern erzählen. Daneben wird sie traditionell als Räucherwerk verwendet, allein oder in alpenländischen Mischungen mit Wacholder und Harzen.
Sicherheit beim Räuchern: Räuchern Sie nur in gut gelüfteten Räumen, auf einer feuerfesten Unterlage und nie unbeaufsichtigt. Halten Sie Kinder und Haustiere fern und denken Sie an Rauchmelder.
Ist die Silberdistel geschützt?
Ja, und das schon lange. In Deutschland steht die Silberdistel seit den 1920er-Jahren unter Schutz. Heute ist sie nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Sie darf weder gepflückt noch beschädigt oder ausgegraben werden. 1997 wurde sie zur Blume des Jahres gewählt, um auf ihre Gefährdung aufmerksam zu machen.
Ihr Lebensraum sind magere, kalkreiche Trockenrasen, Almweiden, steinige Hänge und lichte Kiefernwälder. Schwerpunkte in Deutschland sind die Alpen und die Kalkmittelgebirge wie die Schwäbische und die Fränkische Alb. Bedroht ist sie vor allem dadurch, dass Wiesen gedüngt, aufgeforstet oder nicht mehr beweidet werden und verbuschen. Auch Stickstoff aus der Luft fördert kräftigere Pflanzen, die die kleine Distel verdrängen.
Silberdistel kaufen und im Garten pflanzen
Wer die Silberdistel aus der Nähe erleben möchte, holt sie sich am besten in den Garten. Staudengärtnereien bieten Pflanzen aus Kultur an. Sie braucht einen vollsonnigen Platz und einen mageren, kalkhaltigen, sehr durchlässigen Boden, zum Beispiel im Steingarten, in einer Kiesfläche oder auf einer Trockenmauer. Dünger mag sie nicht, Staunässe auch nicht.
Sabines Tipp
„Setzen Sie Silberdisteln im Garten in kleinen Gruppen zwischen Thymian, Katzenpfötchen und Steine, dann kommen die silbernen Sterne am schönsten zur Geltung. Einen verblühten, trockenen Blütenkopf schneiden Sie im Herbst ab und hängen ihn neben die Haustür: So sehen Sie morgens gleich, ob Sie den Regenschirm brauchen.“

Weihnachtspotpourri: duftet in der Schale, schön zusammen mit getrockneten Silberdisteln aus dem eigenen Garten.
Getrocknete Blütenköpfe aus dem eigenen Garten halten jahrelang. In der Adventszeit sehen sie in Gestecken und Kränzen zusammen mit Zapfen, Zimtstangen und duftendem Potpourri besonders schön aus. Bei uns im Kräuterhof bekommen Sie außerdem die getrocknete Eberwurz und zahlreiche Kräuter, die Sie mit ihr kombinieren können, etwa für Räuchermischungen, wie sie unser Ratgeber Kräuter zum Räuchern beschreibt.
Was Sie dafür brauchen
Eberwurz/SilberdistelGetrocknete Wurzel der SilberdistelAnsehen
Katzenpfötchen gelbGoldgelbe Strohblumen für Tee und DekoAnsehen
MariendistelsamenSamen der verwandten MariendistelAnsehen
ArtischockenblätterBlätter der Artischocke, einer VerwandtenAnsehen
WeihnachtspotpourriWinterliches Potpourri für Schale und GesteckAnsehenHäufige Fragen zur Silberdistel
Darf man Silberdisteln pflücken?
Nein. Die Silberdistel ist in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Wildpflanzen dürfen weder gepflückt noch ausgegraben werden. Pflanzen für den Garten gibt es in Staudengärtnereien.
Warum schließt sich die Silberdistel?
Bei hoher Luftfeuchtigkeit krümmen sich die strohartigen Hüllblätter nach innen und schützen die Blüte vor Nässe. Bei trockenem Wetter öffnen sie sich wieder. Deshalb heißt sie auch Wetterdistel.
Wann blüht die Silberdistel?
Von Juli bis September. Die getrockneten Blütenköpfe bleiben lange erhalten und reagieren sogar dann noch auf die Luftfeuchtigkeit.
Was ist Eberwurz?
Eberwurz ist die getrocknete Wurzel der Silberdistel. Sie duftet aromatisch-würzig und ist eine historische Zutat in alten Kräutermischungen wie den Schwedenkräutern sowie in Räucherwerk.
Was ist der Unterschied zwischen Silberdistel und Golddistel?
Die Golddistel (Carlina vulgaris) ist eine verwandte Art mit Stängel, mehreren kleineren Blütenköpfen und gelblich glänzenden Hüllblättern. Die Silberdistel hat meist einen einzelnen, großen, silbrig weißen Blütenkopf dicht über dem Boden.
Warum hängt man eine Silberdistel an die Tür?
Als Wetteranzeiger, weil sie sich bei Feuchtigkeit schließt, und im Volksglauben als Glücks- und Schutzzeichen für Haus und Hof. Der Brauch ist im Alpenraum bis heute zu sehen.