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30.10.26

Angelikawurzel geschn./Engelwurz, 20 g – Kräuterparadies seit 1887

Angelikawurzel (Engelwurz): Legende, Garten und Likör

Das Wichtigste in Kürze

Angelikawurzel ist die getrocknete Wurzel der Echten Engelwurz (Angelica archangelica), eines bis zu zwei Meter hohen Doldenblütlers aus Nord- und Osteuropa. Sie schmeckt kräftig würzig, leicht bitter und harzig und ist eine klassische Zutat in Kräuterlikören, Bitterschnäpsen und Gin. Ihren Namen verdankt die Pflanze einer Engelslegende; kandierte Stängel und duftende Räuchermischungen gehören ebenfalls zu ihrer Geschichte.

Lesezeit: etwa 6 Minuten

Was ist Angelikawurzel?

Wer im Sommer an einem feuchten Bachufer in Skandinavien steht, sieht sie manchmal: mannshohe Stauden mit kugeligen, grünlich-weißen Dolden, die wie kleine Leuchter über dem Gras schweben. Das ist die Echte Engelwurz, die Mutterpflanze unserer Angelikawurzel. Bei uns im Kräuterhof duftet es jedes Mal würzig und warm, wenn wir einen Sack davon öffnen.

Die Echte Engelwurz (Angelica archangelica) gehört zur Familie der Doldenblütler, wie Fenchel, Kümmel und Petersilie. Sie ist eine zwei- bis vierjährige Pflanze, die nur einmal blüht und danach abstirbt. Im ersten Jahr bildet sie eine kräftige Blattrosette, später einen hohlen, bis armdicken Stängel, der zwei Meter und höher werden kann.

Die großen Blätter sind doppelt bis dreifach gefiedert und sitzen mit bauchigen Blattscheiden am Stängel. Von Juni bis August erscheinen die runden Dolden mit unzähligen kleinen, grünlich-gelben Blüten. Daraus reifen flache, geflügelte Samen. Ursprünglich wächst die Engelwurz in Nord- und Osteuropa, auf Island, den Färöern und bis nach Sibirien, gern an Ufern und auf feuchten Wiesen. In Mitteleuropa ist sie seit Jahrhunderten als Gartenpflanze bekannt.

Fein gemahlenes Angelikawurzel Pulver aus der Wurzel der Echten Engelwurz

Angelikawurzel Pulver: kräftig, würzig und leicht harzig im Duft.

Warum heißt die Engelwurz so?

Der Name Angelika kommt vom lateinischen angelus, Engel. Der Zusatz archangelica bedeutet „erzengelhaft“. Einer alten Legende nach soll der Erzengel Raphael die Pflanze einem Mönch im Traum gezeigt haben, in einer Zeit großer Not. Seitdem galt sie im Volksglauben als Schutzpflanze, als eine Art Schutzengel in Pflanzengestalt.

Auch ihre Gestalt passt zu dieser Vorstellung. Die Blütendolden sind vor dem Aufblühen in schützende Blatthüllen eingepackt, und die Samen tragen kleine Flügel. Volksnamen wie Engelwurz, Erzengelwurz oder Heiligenbitter erzählen von dieser Verehrung, zu der auch der bittere Geschmack der Wurzel passt.

Im Norden war die Engelwurz schon früh eine Kulturpflanze. In Norwegen und auf Island wurde sie nach Überlieferungen bereits im Mittelalter in Gärten gezogen, die jungen Stängel aß man als Gemüse. Über Klöster gelangte sie dann in die Kräutergärten Mitteleuropas.

Wofür verwendet man Angelikawurzel im Likör?

Den größten Ruhm erlangte die Angelikawurzel als Aroma in Spirituosen. Ihr Duft ist würzig, erdig und leicht moschusartig, und er verbindet die anderen Kräuter in einer Rezeptur miteinander. Deshalb gehört sie zu den klassischen Zutaten von Kräuterlikören und Bitterschnäpsen.

In Klosterlikören wie Chartreuse und Bénédictine wird Angelika traditionell genannt, auch wenn die genauen Rezepturen bis heute geheim sind. Im Gin zählt die Angelikawurzel neben Wacholder und Koriander zu den häufigsten Zutaten. Und auch der Boonekamp, ein herber Kräuterbitter, enthält typischerweise Angelika. Unser Boonekamp-Liköransatz verbindet sie mit Wermut, Pomeranze und Galgant.

Boonekamp-Liköransatz mit Angelikawurzel, Wermut und Pomeranzenschalen

Unser Boonekamp-Liköransatz: Angelikawurzel trifft auf Wermut und Pomeranze.

Wie Sie mit Kräutern und Gewürzen einen eigenen Likör ansetzen, zeigt Schritt für Schritt unser Ratgeber Kräuterlikör selber machen. Wer die herben Wurzeln mag, sollte sich auch die Meisterwurz ansehen, eine Verwandte aus den Alpen.

Angelikasamen duften ebenfalls intensiv und werden zum Aromatisieren von Wermutwein und Likören verwendet. In der Küche geben sie Kompott, Gebäck oder einer Teemischung einen würzigen, leicht bitteren Ton.

Getrocknete Angelika Samen der Echten Engelwurz für Tee und Liköre

Angelikasamen: würzig, herb und aromatisch.

Wie macht man kandierte Angelika?

Eine fast vergessene Spezialität sind kandierte Angelikastängel. Leuchtend grün und süß, wurden sie früher in Früchtebrot und Weihnachtsgebäck verwendet oder als Konfekt gereicht. Im französischen Niort sind sie bis heute eine Spezialität. Für das Kandieren brauchen Sie junge, frische Stängel, also am besten aus dem eigenen Garten.

  1. Ernten: Im späten Frühjahr junge, zarte Stängel schneiden, bevor sie hart und faserig werden.
  2. Vorbereiten: In etwa zehn Zentimeter lange Stücke schneiden und einige Minuten in Wasser blanchieren, bis sie biegsam sind. Die äußeren Fasern mit einem kleinen Messer abziehen.
  3. Sirup kochen: 500 g Zucker mit 500 ml Wasser aufkochen, die Stängel hineinlegen und über Nacht ziehen lassen.
  4. Wiederholen: An den nächsten vier bis fünf Tagen den Sirup jeweils abgießen, aufkochen und wieder über die Stängel gießen. So nehmen sie nach und nach Zucker auf.
  5. Trocknen: Die Stängel abtropfen lassen, auf einem Gitter an einem warmen, luftigen Ort trocknen und in Zucker wälzen. In einer Dose halten sie sich lange.

Sorgfalt beim Sammeln: Ernten Sie Engelwurz nur aus dem eigenen Garten oder wenn Sie die Pflanze ganz sicher kennen. Giftige Doldenblütler wie der Gefleckte Schierling oder der Wasserschierling sehen ihr ähnlich. Auch der Riesen-Bärenklau gehört zu den Doppelgängern, ihn sollten Sie gar nicht berühren. Im Zweifel lassen Sie die Pflanze stehen.

Im Garten braucht die Engelwurz einen feuchten, humusreichen Boden im Halbschatten. Die Samen keimen im Licht und verlieren ihre Keimkraft schnell, deshalb sät man sie am besten frisch im Spätsommer aus. Die getrockneten Angelikasamen aus unserem Sortiment sind zum Würzen gedacht, nicht als Saatgut.

Kann man Angelikawurzel räuchern?

Auch beim Räuchern hat die Angelikawurzel ihren Platz. Auf der Kohle verströmt sie einen erdigen, würzigen, leicht süßlichen Duft, der harzige Räucherstoffe wie Weihrauch schön erdet. In unseren Räuchermischungen ErdMitte und der Hausräuchermischung ist sie deshalb ein fester Bestandteil. Für eigene Mischungen zerkleinern Sie die geschnittene Wurzel am besten im Mörser.

In der Überlieferung war die Engelwurz eine typische Pflanze für das Räuchern von Haus und Stall, besonders in den Rauhnächten. Wie Sie dabei Schritt für Schritt vorgehen, erklären die Ratgeber Haus ausräuchern und Kräuter zum Räuchern.

Sabines Tipp

„Für eine eigene Räuchermischung zerreibe ich ein paar Stückchen Angelikawurzel im Mörser und mische sie mit etwas Fichtenharz und Beifuß. Die Wurzel gebe ich immer erst auf die Kohle, wenn das Harz schon schmilzt, dann verbinden sich die Düfte am schönsten.“

Hausräuchermischung mit Angelikawurzel, Beifuß, Salbei und Kiefernharz

Unsere Hausräuchermischung enthält Angelikawurzel.

Sicherheit: Glut und Räucherkohle nie unbeaufsichtigt lassen. Stellen Sie das Gefäß auf eine feuerfeste Unterlage, halten Sie Kinder und Haustiere fern und räuchern Sie nicht direkt unter einem Rauchmelder. Lüften Sie während und nach dem Räuchern. Räuchermischungen sind nur zum Räuchern bestimmt, nicht zum Verzehr.

Was Sie dafür brauchen

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Häufige Fragen zur Angelikawurzel

Ist Angelikawurzel dasselbe wie Engelwurz?

Ja. Angelikawurzel ist die getrocknete Wurzel der Echten Engelwurz, Angelica archangelica. Angelika ist der lateinische, Engelwurz der deutsche Name.

Wie schmeckt Angelikawurzel?

Kräftig würzig, erdig, leicht bitter und fein harzig. Pur ist sie sehr ausdrucksstark, in Mischungen verbindet sie andere Kräuter und Gewürze miteinander.

Wofür verwendet man Angelikawurzel?

Vor allem als Aroma in Kräuterlikören, Bitterschnäpsen und Gin, außerdem in Kräuterteemischungen und Räuchermischungen. Die Samen würzen Liköre, Wermutwein und Gebäck.

Was ist kandierte Angelika?

Junge Stängel der Engelwurz, die mehrere Tage lang in Zuckersirup gegart und dann getrocknet werden. Sie sind leuchtend grün und wurden früher gern für Früchtebrot und Weihnachtsgebäck verwendet.

Kann man Engelwurz selbst sammeln?

Nur mit sehr guter Pflanzenkenntnis. Die Engelwurz kann mit giftigen Doldenblütlern wie dem Schierling verwechselt werden. Sicherer ist der Anbau im eigenen Garten oder getrocknete Ware aus dem Handel.

Wo kann ich Angelikawurzel kaufen?

Bei uns im Shop erhalten Sie Angelikawurzel geschnitten und als Pulver, dazu Angelikasamen und Angelikawurzelöl.