Das Wichtigste in Kürze
Der Spitzwegerich (Plantago lanceolata) ist eine der häufigsten Wildpflanzen Europas und wächst auf Wiesen und an Wegrändern. Sie erkennen ihn an der Blattrosette aus schmalen, lanzettlichen Blättern mit drei bis sieben deutlich parallelen Längsnerven und an den braunen Blütenähren mit einem Kranz heller Staubbeutel. Junge Blätter passen fein geschnitten in Salat, Quark und Pesto, die noch geschlossenen Blütenknospen schmecken in Butter gebraten erstaunlich nach Champignons, und getrocknet ergibt das Kraut einen milden Kräutertee.
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Inhalt
Was ist Spitzwegerich?
Es gibt Pflanzen, an denen man jeden Tag vorbeigeht, ohne sie zu bemerken. Der Spitzwegerich ist so eine. Er wächst am Feldweg, auf der Wiese hinterm Haus, am Rand des Sportplatzes und zwischen den Pflastersteinen. Wer ihn einmal bewusst angeschaut hat, entdeckt ihn plötzlich überall.
Botanisch heißt er Plantago lanceolata und gehört zur Familie der Wegerichgewächse. Er ist eine ausdauernde Pflanze, die jedes Jahr aus ihrer Wurzel neu austreibt. Aus einer bodennahen Rosette wachsen schmale, spitz zulaufende Blätter, die 10 bis 30 Zentimeter lang werden. Der Beiname lanceolata bedeutet „lanzettlich“, also lanzenförmig.
Von Mai bis September schieben sich lange, kantig gefurchte Stängel ohne Blätter aus der Rosette. An ihrer Spitze sitzt eine kurze, walzenförmige, braune Ähre. Wenn sie blüht, steht ein Kranz aus langen Staubfäden mit hellen Staubbeuteln um sie herum, wie ein kleiner Heiligenschein. Bestäubt wird der Spitzwegerich vom Wind.

Breitwegerich: der rundblättrige Bruder des Spitzwegerichs, als Tee mild und erdig.
Spitzwegerich erkennen: Unterschied zu Breitwegerich und Mittlerem Wegerich
Das sicherste Erkennungsmerkmal sind die Blattnerven. Beim Spitzwegerich laufen drei bis sieben kräftige Nerven parallel vom Blattgrund bis zur Spitze. Reißt man ein Blatt vorsichtig quer durch, bleiben die zähen Fasern als feine Fäden hängen. Daher kommt auch der Volksname Rossrippe.
In Mitteleuropa begegnen Ihnen vor allem drei Wegerich-Arten:
- Spitzwegerich (Plantago lanceolata): schmale, lanzettliche Blätter in einer aufrechten Rosette, kurze braune Blütenähre auf langem, gefurchtem Stiel.
- Breitwegerich (Plantago major): breite, eiförmige Blätter, die flach am Boden liegen, mit einem langen, schmalen Blütenstand wie eine grüne Kerze. Er ist extrem trittfest und wächst sogar in Pflasterritzen.
- Mittlerer Wegerich (Plantago media): elliptische, leicht behaarte Blätter in einer flachen Rosette, die Blütenähren leuchten mit rosa-lila Staubfäden und duften zart. Man findet ihn auf trockenen, kalkreichen Wiesen.
Gefährliche Doppelgänger, mit denen man den Spitzwegerich ernsthaft verwechseln könnte, gibt es kaum. Achten Sie trotzdem immer auf die parallelen Längsnerven: Hat ein Blatt ein verzweigtes Adernetz, ist es kein Wegerich.
Sorgfalt beim Sammeln: Sammeln Sie nur Pflanzen, die Sie sicher bestimmt haben, und lassen Sie im Zweifel die Finger davon. Pflücken Sie nicht an Straßenrändern, auf Hundewiesen oder an gespritzten Feldrändern.
Woher kommt der Name Wegerich?
Der Name verrät, wo die Pflanze zu Hause ist: am Weg. Die Silbe „-rich“ wird meist als „Herrscher“ gedeutet, wie in alten Namen wie Heinrich oder Friedrich. Der Wegerich wäre also der „König des Weges“. Das passt, denn kaum eine Pflanze hält so viele Tritte aus.
Seine Samen werden bei Nässe klebrig und haften an Schuhen, Hufen und Wagenrädern. So reiste der Wegerich mit den Menschen. Die Ureinwohner Nordamerikas nannten den Breitwegerich deshalb „Fußstapfen des weißen Mannes“, weil er überall dort auftauchte, wo europäische Siedler hinkamen.
Auch die Wissenschaft nutzt diese Treue zum Menschen. Wenn Forscher in alten Bodenschichten den Blütenstaub des Spitzwegerichs finden, ist das ein Hinweis auf Weiden und Äcker der ersten Bauern in der Jungsteinzeit. Im angelsächsischen Neunkräutersegen aus dem 10. Jahrhundert wird der Wegerich sogar als „Mutter der Kräuter“ angesprochen. Und Hildegard von Bingen erwähnt ihn sogar im Zusammenhang mit Liebeszauber, mehr über sie lesen Sie unter Hildegard von Bingen und ihre Kräuter.
Kinder kennen den Spitzwegerich von einem alten Spiel: Man legt den Stängel zu einer Schlinge um die Blütenähre, zieht ruckartig daran, und das Köpfchen fliegt im hohen Bogen davon.

Flohsamen stammen von einem Verwandten unseres Spitzwegerichs aus der gleichen Gattung Plantago.
Wann und wie sammelt man Spitzwegerich?
- Die richtige Zeit: Am zartesten sind die jungen Blätter von April bis Juni. Später werden sie fester und faseriger, lassen sich aber noch zum Trocknen verwenden.
- Der richtige Ort: Suchen Sie ungedüngte Wiesen und Feldwege abseits von Straßen. In Naturschutzgebieten ist das Sammeln verboten.
- Schonend ernten: Zupfen oder schneiden Sie nur einzelne Blätter aus der Rosette, so treibt die Pflanze nach. Nehmen Sie nur so viel, wie Sie für den eigenen Bedarf brauchen.
- Blütenknospen: Für die Küche sammeln Sie die Ähren, solange sie noch grün und geschlossen sind, also bevor sich der Kranz aus Staubfäden zeigt.
- Trocknen: Die Blätter locker auf einem Tuch oder Gitter an einem schattigen, luftigen Ort ausbreiten. Sie trocknen recht langsam und werden dabei leicht dunkel. Weitere Tipps im Ratgeber Kräuter trocknen.
Allgemeine Regeln für die Kräutertour finden Sie in unserem Ratgeber Wildkräuter sammeln.
Spitzwegerich in der Küche
Junge Spitzwegerichblätter schmecken frisch, leicht herb und ein wenig nach Pilzen. Wegen ihrer Fasern sollten Sie sie immer quer zu den Längsnerven in feine Streifen schneiden. Dann sind sie zart und angenehm im Biss.
- Im Salat: Fein geschnitten unter grünen Salat, Kartoffelsalat oder einen Frühlingssalat mit Gänseblümchen mischen.
- Im Kräuterquark: Zusammen mit Schnittlauch und etwas Salz in Quark rühren und zu Pellkartoffeln reichen.
- Als Wildkräuterpesto: Mit Brennnessel, Giersch, Olivenöl, Nüssen und Parmesan pürieren.
- Wie Spinat: Größere Blätter in Streifen schneiden und mit anderen Wildkräutern kurz dünsten, zum Beispiel für Füllungen, Knödel oder Omelett.
- Die Knospen als Pilzersatz: Die grünen, geschlossenen Blütenähren kurz in Butter schwenken, salzen und auf Brot oder Rührei geben. Sie schmecken erstaunlich nach Champignons.
Auch die reifen Samen lassen sich verwenden. Sie können sie im Spätsommer von den trockenen Ähren streifen und über Müsli oder Brotteig streuen.
Sabines Tipp
Die Knospen des Spitzwegerichs sind mein liebster Geheimtipp für Gäste. Ich sammle im Mai eine kleine Schüssel voll, brate sie mit einem Stich Butter und etwas Knoblauch zwei, drei Minuten an und gebe sie über ein Butterbrot. Fast jeder tippt auf Pilze, und keiner glaubt mir, dass das vom Wegrand kommt.
Spitzwegerich-Tee zubereiten
Getrocknetes Spitzwegerichkraut ergibt einen milden, leicht herben Kräutertee mit grasig-heuartiger Note. Er gehört zu vielen traditionellen Kräutermischungen und verträgt sich gut mit anderen Wiesenkräutern.
- Abmessen: 1 bis 2 Teelöffel Spitzwegerichkraut in eine Tasse oder Kanne geben.
- Aufgießen: Mit 250 ml kochendem Wasser übergießen.
- Ziehen lassen: 8 bis 10 Minuten ziehen lassen und abseihen.
- Kombinieren: Für mehr Frische etwas Pfefferminze oder Melisse dazugeben, für eine würzige Note ein wenig Thymian. Mit Honig gesüßt schmeckt er rund und weich.
Wie Sie aus Spitzwegerich und anderen Kräutern Ihre eigene Hausmischung zusammenstellen, zeigt unser Ratgeber Kräutertee selber mischen.

Löwenzahnkraut: noch ein Wildkraut, das uns auf jedem Spaziergang begegnet.
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Wie erkenne ich Spitzwegerich?
An der bodennahen Rosette aus schmalen, spitzen Blättern mit drei bis sieben parallelen Längsnerven. Von Mai bis September trägt er auf langen, gefurchten Stängeln kurze braune Ähren mit einem Kranz heller Staubbeutel.
Was ist der Unterschied zwischen Spitzwegerich und Breitwegerich?
Der Spitzwegerich hat schmale, lanzettliche Blätter und kurze, walzenförmige Ähren. Der Breitwegerich hat breite, eiförmige Blätter, die flach am Boden liegen, und lange, schmale Blütenstände.
Kann man Spitzwegerich roh essen?
Ja, junge Blätter lassen sich roh in Salat, Quark oder Pesto verwenden. Schneiden Sie sie quer zu den Fasern in feine Streifen, dann sind sie zart. Ältere Blätter werden besser gedünstet.
Wie schmeckt Spitzwegerich-Tee?
Mild, leicht herb und grasig, ein wenig wie frisches Heu. Für eine Tasse übergießen Sie 1 bis 2 Teelöffel mit 250 ml kochendem Wasser und lassen ihn 8 bis 10 Minuten ziehen.
Wann blüht Spitzwegerich?
Von Mai bis in den September. Die Blüten sind unscheinbar braun, auffällig ist nur der Kranz aus Staubfäden, der sich von unten nach oben um die Ähre zieht.