Das Wichtigste in Kürze
Die Echte Betonie (Betonica officinalis, früher Stachys officinalis) ist ein Lippenblütler mit purpurroten Blütenähren, der auf mageren Wiesen wächst und mit den Ziest-Arten eng verwandt ist. Ihr Name geht laut Plinius auf das iberische Volk der Vettonen zurück. Im Mittelalter stand sie in Klostergärten wie dem „Hortulus“ auf der Reichenau und galt im Volksglauben als Schutzpflanze. Getrocknetes Betonienkraut schmeckt herb-würzig und bitter.
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Inhalt
Was ist Betonie?
Es gibt Pflanzen, die einst in jedem Klostergarten standen und heute kaum noch jemand kennt. Die Betonie ist so eine. Über Jahrhunderte war sie in ganz Europa berühmt, man schrieb ganze Bücher über sie und erzählte sich Sprichwörter von ihr. Heute blüht sie still auf mageren Wiesen, und viele gehen achtlos an ihr vorbei.
Die Echte Betonie (Betonica officinalis, früher Stachys officinalis) gehört zu den Lippenblütlern. Sie ist also verwandt mit Salbei, Thymian, Melisse und Minze und gehört in die enge Verwandtschaft der Zieste. Volkstümlich heißt sie deshalb auch Echter Ziest, in manchen Gegenden Pfaffenblümlein. Als Betonienkraut bezeichnet man die getrockneten oberirdischen Teile, die zur Blütezeit geerntet werden.
Wie erkennt man die Echte Betonie?
Die Betonie ist eine ausdauernde Staude von etwa 30 bis 60 Zentimetern Höhe. Am Boden bildet sie eine Rosette aus lang gestielten, länglichen Blättern mit herzförmigem Grund und gleichmäßig gekerbtem Rand. Die Blätter fühlen sich etwas rau an. Der Stängel ist, wie bei allen Lippenblütlern, vierkantig und trägt nur wenige, kleine Blattpaare.
Von Juni bis August erscheinen die Blüten. Sie sind leuchtend purpurrot bis rosa und sitzen dicht gedrängt in einer kurzen, walzenförmigen Ähre an der Stängelspitze. Hummeln, Bienen und Schmetterlinge besuchen sie gern. Der Gattungsname Stachys kommt übrigens vom griechischen Wort für Ähre.
Zu Hause ist die Betonie auf mageren, ungedüngten Wiesen, an Waldrändern, in lichten Eichenwäldern und auf wechselfeuchten Streuwiesen. Weil solche Lebensräume selten geworden sind, ist auch die Betonie in vielen Gegenden zurückgegangen.
Verwechseln kann man sie mit anderen Ziest-Arten:
- Wald-Ziest: größer, mit dunkelroten, lockerer stehenden Blüten und einem unangenehmen Geruch, wenn man die Blätter reibt.
- Sumpf-Ziest: an feuchten Gräben, mit schmalen Blättern und blasseren Blüten.
- Woll-Ziest: eine Gartenpflanze mit dicht silbrig-filzigen Blättern, die Kinder als „Hasenohren“ oder „Eselsohren“ kennen.
- Knollen-Ziest: ein Wintergemüse aus Asien, dessen kleine, perlförmige Knollen als Japanknollen oder Crosnes in die Küche kommen.
Woher kommt der Name Betonie?
Den Namen erklärte schon der römische Gelehrte Plinius der Ältere im 1. Jahrhundert. Er führte ihn auf die Vettonen zurück, ein Volk auf der Iberischen Halbinsel, im heutigen Spanien und Portugal. Aus der lateinischen „vettonica“ wurde mit der Zeit „betonica“ und im Deutschen die Betonie.
Wie hoch die Pflanze im Ansehen stand, zeigen die Sprichwörter. In Italien sagte man „Verkaufe deinen Rock und kaufe Betonie“, und von einem Menschen mit vielen guten Eigenschaften hieß es, er habe „mehr Tugenden als die Betonie“. Aus der Spätantike ist sogar eine eigene Schrift über die Betonie überliefert, die dem Antonius Musa zugeschrieben wurde, einem Gelehrten am Hof des Kaisers Augustus. Ob er sie wirklich verfasst hat, gilt heute als fraglich.

Muskatellersalbei: stand wie die Betonie schon im Klostergarten auf der Reichenau.
Welche Rolle spielte die Betonie im Klostergarten?
Im Mittelalter waren die Klöster die Gärtnereien und Bibliotheken Europas. Hier wurden Pflanzen gezogen, beschrieben und von Generation zu Generation weitergegeben. Die Betonie hatte in diesen Gärten einen festen Platz.
Ein schönes Zeugnis stammt von der Insel Reichenau im Bodensee. Um 840 schrieb der Abt Walahfrid Strabo dort ein Gedicht über seinen Klostergarten, den „Hortulus“. Darin besingt er rund zwei Dutzend Pflanzen, darunter Salbei, Muskatellersalbei, Liebstöckel, Fenchel, Odermennig, Rose und Lilie und eben auch die „vettonica“, die Betonie. Das Lehrgedicht gilt als eines der frühen botanischen Werke des Mittelalters.
Auch Hildegard von Bingen erwähnte die Betonie im 12. Jahrhundert in ihren Schriften über die Natur. Mehr über die Pflanzen, die Hildegard beschrieben hat, lesen Sie im Ratgeber Hildegard von Bingen Kräuter. Wer einen eigenen kleinen Klostergarten anlegen möchte, findet im Ratgeber zum Salbei einen guten Anfang.
Was bedeutet die Betonie im Volksglauben?
Neben dem Garten hatte die Betonie einen zweiten Ruf: als Schutzpflanze. Im Volksglauben vieler Gegenden Europas sollte sie Haus und Bewohner vor Zauber, bösen Geistern und Unheil bewahren. Man trug getrocknete Betonie in kleinen Säckchen bei sich oder hängte sie über die Tür.
In England wurde die Betonie der Überlieferung nach gern bei Kirchen und auf Friedhöfen gepflanzt, wo sie die Ruhe der Toten bewahren sollte. All das sind Geschichten aus einer Zeit, in der Pflanzen und Glaube eng verwoben waren.
In manchen Gegenden kann die Betonie auch Teil des Kräuterbuschens zu Mariä Himmelfahrt sein. Welche Pflanzen traditionell hineingehören, lesen Sie im Ratgeber Kräuterbuschen. Weitere alte Bräuche rund um Kräuter finden Sie unter Kräuterbräuche.

Schafgarbenblüte: Sie gehört wie die Betonie zu den alten Pflanzen des Kräuterbuschens.
Wie schmeckt Betonienkraut als Tee?
Betonienkraut schmeckt herb-würzig und deutlich bitter. Deshalb wird es heute vor allem als Kräutertee und kaum als Küchenkraut verwendet. Wer kräftige, bittere Kräuter mag, trinkt es pur. Allen anderen empfehle ich eine Mischung.
- Abmessen: 1 bis 2 Teelöffel Betonienkraut in eine Tasse geben.
- Aufgießen: Mit einem Viertelliter kochendem Wasser übergießen.
- Ziehen lassen: 8 bis 10 Minuten ziehen lassen und abseihen.
Gut passen Melisse, grüner Hafer, Schafgarbe und milde Veilchenblätter, die das Bittere abrunden. Wie Sie Ihre eigene Mischung zusammenstellen, zeigt der Ratgeber Kräutertee selber mischen.

Veilchenblätter: mild und grün, sie runden das herbe Betonienkraut ab.
Sabines Tipp
„Für eine Klostergarten-Mischung nehme ich je einen Teil Betonie, Melisse und Muskatellersalbei. Der Muskatellersalbei bringt eine feine, fast weinige Süße, die das Bittere der Betonie schön auffängt. Bewahren Sie das Kraut trocken, lichtgeschützt und gut verschlossen auf.“
Kann man Betonie im Garten pflanzen?
Ja, und sie ist ein Gewinn für jeden naturnahen Garten. Die Betonie ist winterhart, langlebig und genügsam. Sie braucht einen sonnigen bis halbschattigen Platz und einen eher mageren, durchlässigen Boden. Zu viel Dünger mag sie nicht.
- Pflanzen: Im Frühjahr oder Herbst in ein Staudenbeet, eine Wildblumenwiese oder an den Rand eines Kräuterbeets setzen.
- Aussäen: Betonie ist ein Kaltkeimer. Säen Sie im Herbst direkt ins Freie oder stellen Sie die Saatschale einige Wochen kühl.
- Pflegen: Gießen nur bei langer Trockenheit. Verblühtes können Sie stehen lassen, die Samenstände sind im Winter hübsch.
- Ernten: Zur Blüte im Sommer an einem trockenen Vormittag schneiden und locker an einem schattigen, luftigen Ort trocknen.
Sorgfalt beim Sammeln: Die Betonie ist vielerorts selten geworden. Sammeln Sie bitte keine wilden Pflanzen, sondern greifen Sie auf eigenen Anbau oder getrocknetes Betonienkraut zurück.
Was Sie dafür brauchen
BetonienkrautGetrocknetes Kraut für Tee und MischungenAnsehen
MuskatellersalbeiFeine, weinige Würze aus dem KlostergartenAnsehen
SchafgarbenblüteWeiße Blüten der SommerwieseAnsehen
Veilchenblätter/odorataMilde Blätter des DuftveilchensAnsehen
Melissenblätter geschnittenZitronig-frisch, rundet die Betonie abAnsehenHäufige Fragen zur Betonie
Was ist Betonienkraut?
Betonienkraut sind die getrockneten oberirdischen Teile der Echten Betonie (Betonica officinalis), eines Lippenblütlers. Es schmeckt herb-würzig und deutlich bitter und wird heute vor allem als Kräutertee aufgegossen.
Ist Betonie dasselbe wie Ziest?
Die Betonie gehört in die enge Verwandtschaft der Zieste und wird volkstümlich auch Echter Ziest genannt. Botanisch wird sie heute meist als eigene Gattung Betonica geführt, früher als Stachys officinalis.
Woher hat die Betonie ihren Namen?
Plinius der Ältere führte den Namen auf die Vettonen zurück, ein Volk auf der Iberischen Halbinsel. Aus „vettonica“ wurde „betonica“ und im Deutschen Betonie.
Wann blüht die Betonie?
Von Juni bis August. Die purpurroten Blüten stehen dicht in einer kurzen Ähre an der Stängelspitze und werden gern von Hummeln und Schmetterlingen besucht.
Wie bereitet man Betonie-Tee zu?
1 bis 2 Teelöffel Betonienkraut mit einem Viertelliter kochendem Wasser übergießen, 8 bis 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Mit Melisse oder Veilchenblättern wird er milder.
Kann man Betonie im Garten anbauen?
Ja. Sie braucht Sonne bis Halbschatten und mageren, durchlässigen Boden und ist winterhart. Als Kaltkeimer wird sie bevorzugt im Herbst ausgesät.