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07.08.09

Kardenwurzel, 50 g – Kräuterparadies seit 1887

Kardenwurzel: Die Weberkarde in Geschichte und Garten

Das Wichtigste in Kürze

Kardenwurzel ist die getrocknete Wurzel der Wilden Karde (Dipsacus fullonum, auch Dipsacus sylvestris), einer bis zu zwei Meter hohen, stacheligen Pflanze von Wegrändern und Brachflächen. Sie schmeckt erdig und leicht bitter und wird im Herbst des ersten oder im Frühjahr des zweiten Jahres gegraben. Ihre nahe Verwandte, die Weberkarde, diente über Jahrhunderte zum Aufrauen von Wollstoffen. Obwohl sie so aussieht, ist die Karde keine Distel.

Lesezeit: etwa 6 Minuten

Was ist die Wilde Karde?

Im Spätsommer stehen sie an Bahndämmen, Feldwegen und auf Brachflächen: hohe, stachelige Pflanzen mit eiförmigen Köpfen, die auch im Winter noch stehen bleiben, wenn alles andere längst verblüht ist. Das ist die Wilde Karde. Wer einmal genauer hinschaut, entdeckt eine der spannendsten Pflanzen am Wegrand.

Botanisch heißt die Wilde Karde Dipsacus fullonum, in älteren Büchern auch Dipsacus sylvestris. Früher bildete sie mit ihren Verwandten eine eigene Familie, die Kardengewächse. Heute zählt man sie zu den Geißblattgewächsen. Mit Disteln, die zu den Korbblütlern gehören, ist sie also gar nicht näher verwandt.

Die Karde ist zweijährig. Im ersten Jahr bildet sie nur eine flache Rosette aus großen, runzeligen Blättern. Im zweiten Jahr schiebt sie einen kantigen, mit Stacheln besetzten Stängel nach oben, der ein bis zwei Meter hoch werden kann. Nach der Samenreife stirbt die Pflanze ab.

Woran erkennt man die Karde?

Am auffälligsten sind die Blütenköpfe. Sie sind eiförmig, vier bis acht Zentimeter lang und rundherum mit spitzen, steifen Spreublättern besetzt. Unter jedem Kopf stehen lange, nach oben gebogene Hochblätter, die ihn wie ein Kranz umgeben.

Von Juli bis August blühen die Köpfe hellviolett, und zwar auf eine ganz besondere Weise. Die ersten Blüten öffnen sich in einem schmalen Ring um die Mitte des Kopfes. Von dort wandert die Blüte in zwei Ringen nach oben und nach unten. So sieht man oft zwei violette Gürtel an einem Kopf. Hummeln, Bienen und Schmetterlinge lieben die Karde.

Ein zweites Erkennungszeichen sind die Blätter am Stängel. Sie stehen sich paarweise gegenüber und sind an ihrem Grund miteinander verwachsen. So entstehen kleine Becken, in denen sich Regen und Tau sammeln. Im Volksmund hießen sie „Venusbad“ oder „Venusbecken“. Auch der Gattungsname Dipsacus spielt darauf an: Er geht auf das griechische Wort für Durst zurück.

Eberwurz, die Wurzel der Silberdistel, getrocknet und geschnitten

Die Silberdistel ist eine echte Verwandte der Disteln, die Karde dagegen nicht.

Die Weberkarde: Wie raute man damit Wolle auf?

Die Geschichte der Karde ist eng mit dem Tuchmacherhandwerk verbunden. Ihre Kulturform, die Weberkarde (Dipsacus sativus), hat Spreublätter mit kleinen, nach unten gebogenen Haken an der Spitze. Genau diese Häkchen machten sie über Jahrhunderte unverzichtbar.

Gewebte Wollstoffe wirken zunächst flach und hart. Um sie weich und flauschig zu machen, wurden sie aufgeraut. Dafür setzte man getrocknete Kardenköpfe dicht an dicht in Holzrahmen oder später auf große, sich drehende Walzen und strich damit über das feuchte Tuch. Die Häkchen zogen feine Fasern aus dem Gewebe und richteten sie auf. So entstanden Stoffe wie Loden und feine Wolltuche mit weicher Oberfläche.

Die Weberkarde wurde dafür in vielen Gegenden Europas eigens angebaut. Ihr großer Vorteil galt als unschlagbar: Blieb ein Kopf im Stoff hängen, brach er ab, statt das Tuch zu zerreißen. Später ersetzten Metallbürsten die Karden weitgehend. Vereinzelt sollen sie für besondere Stoffe bis heute verwendet werden.

Auch die Sprache erinnert daran. Das Wort Karde geht auf das lateinische carduus für Distel zurück. In der Spinnerei heißt die Maschine, die Fasern auflockert und ausrichtet, bis heute Karde, und das Arbeiten damit nennt man kardieren.

Getrocknete Klettenwurzel, wie die Kardenwurzel die Wurzel einer zweijährigen Pflanze

Auch die Klette ist zweijährig, und auch ihre Wurzel wird im ersten Herbst gegraben.

Kardenwurzel: Wann wird sie geerntet und wie schmeckt sie?

Für die Kardenwurzel kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an. Weil die Pflanze zweijährig ist, gräbt man die Wurzel im Spätherbst des ersten Jahres oder im zeitigen Frühjahr des zweiten Jahres, bevor der Stängel austreibt. Dann ist die Rübe kräftig und fest. Sobald die Karde blüht, verholzt die Wurzel und wird hart und faserig.

Getrocknet und geschnitten ist die Kardenwurzel hell- bis graubraun. Sie schmeckt erdig, leicht bitter und kräftig pflanzlich. Bei uns im Kräuterhof wird sie vor allem für Wurzelaufgüsse und eigene Kräuteransätze gekauft. Weil Wurzeln fester sind als Blätter, setzen Sie sie für einen Aufguss mit kaltem Wasser an, erhitzen langsam und lassen sie einige Minuten leise köcheln.

Sabines Tipp: Lassen Sie die Kardenwurzel vor dem Aufkochen ein paar Stunden im kalten Wasser stehen, am besten über Nacht. So wird der Aufguss runder im Geschmack. Ein Stück Süßholz oder etwas Zimt nimmt der erdigen Note die Strenge.

Die Wilde Karde ist bei uns verbreitet, trotzdem dürfen Sie Wurzeln wild wachsender Pflanzen nicht einfach ausgraben. Auf fremdem Grund brauchen Sie die Erlaubnis des Eigentümers, in Schutzgebieten ist es verboten. Viel einfacher ist es, die Karde im eigenen Garten zu säen.

Wie pflanzt man Karden im Garten?

Wer Platz hat, holt sich mit der Karde eine Pflanze ins Beet, die das ganze Jahr etwas zu bieten hat. Sie ist anspruchslos, verträgt fast jeden Gartenboden und liebt Sonne.

  1. Aussaat: Von April bis Juni direkt an Ort und Stelle säen oder in Töpfe vorziehen. Die Sämlinge später mit 40 bis 50 Zentimetern Abstand setzen.
  2. Erstes Jahr: Die Pflanze bildet nur eine Rosette. Jetzt ist die Zeit für die Wurzelernte im Herbst.
  3. Zweites Jahr: Der hohe Blütenstängel erscheint. Im Juli und August blüht die Karde und ist voller Insekten.
  4. Winter: Die Köpfe stehen lassen. Stieglitze picken die Samen heraus, und mit Raureif sehen die Köpfe zauberhaft aus.

Tragen Sie bei der Arbeit mit Karden Handschuhe, denn Stängel und Köpfe sind sehr stachelig. Die getrockneten Köpfe sind übrigens eine beliebte Zutat für Trockensträuße und Adventsgestecke. Weitere Pflanzen, die am Wegrand wachsen, stellen wir im Ratgeber Wildkräuter vor.

Mariendistelsamen, die Samen einer echten Distel aus der Familie der Korbblütler

Die Mariendistel gehört wie die Silberdistel zu den echten Disteln.

Ist die Karde eine Distel?

Nein, auch wenn sie mit ihren Stacheln und den Köpfen täuschend ähnlich aussieht. Echte Disteln wie die Silberdistel oder die Mariendistel gehören zu den Korbblütlern, genau wie die Artischocke, die im Grunde eine Riesendistel für die Küche ist. Die Karde dagegen steht dem Geißblatt und dem Baldrian näher. Ein schnelles Unterscheidungsmerkmal sind die verwachsenen Wasserbecken am Stängel: Die hat nur die Karde.

Was Sie dafür brauchen

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Häufige Fragen zur Kardenwurzel

Was ist Kardenwurzel?

Die getrocknete, geschnittene Wurzel der Wilden Karde (Dipsacus fullonum). Sie schmeckt erdig, leicht bitter und kräftig pflanzlich und wird für Wurzelaufgüsse und Kräuteransätze verwendet.

Wann erntet man Kardenwurzel?

Im Spätherbst des ersten Jahres oder im zeitigen Frühjahr des zweiten Jahres, solange die Pflanze nur eine Rosette hat. Sobald der Blütenstängel austreibt, verholzt die Wurzel.

Was ist der Unterschied zwischen Wilder Karde und Weberkarde?

Die Weberkarde ist die Kulturform. Ihre Spreublätter tragen kleine Haken, mit denen man früher Wollstoffe aufraute. Bei der Wilden Karde sind die Spitzen gerade.

Warum sammelt sich Wasser in der Karde?

Die gegenständigen Stängelblätter sind am Grund zu kleinen Becken verwachsen. Darin sammeln sich Regen und Tau. Im Volksmund hießen sie Venusbad.

Wo kann man Kardenwurzel kaufen?

Getrocknet und geschnitten bei uns im Shop, in Packungen mit 50 und 100 Gramm. Das schont die Bestände und erspart Ihnen das mühsame Graben der tiefen Wurzel.