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17.05.19

Cardobenediktenkraut, 20 g – Kräuterparadies seit 1887

Cardobenediktenkraut: Die Distel der Klostergärten

Das Wichtigste in Kürze

Cardobenediktenkraut ist das getrocknete Kraut der Benediktendistel (Cnicus benedictus, heute auch Centaurea benedicta), einer einjährigen, distelartigen Pflanze aus dem Mittelmeerraum mit gelben Blütenköpfen. Der Name kommt vom lateinischen carduus benedictus, „gesegnete Distel“, und erinnert an ihre lange Geschichte in den Klostergärten. Das Kraut schmeckt ausgeprägt bitter und ist eine klassische Zutat für Bittertees, Kräuterwein und selbst angesetzte Bitterliköre.

Lesezeit: etwa 6 Minuten

Was ist Cardobenediktenkraut?

Unter den Kräutern der alten Klostergärten ist die Benediktendistel eine der eigenwilligsten. Sie sieht aus wie eine Distel, sticht wie eine Distel und schmeckt so bitter, dass man beim ersten Schluck Tee die Augen zusammenkneift. Bei uns im Kräuterhof ist sie trotzdem, oder gerade deshalb, eine Pflanze mit treuen Liebhabern.

Botanisch heißt sie Cnicus benedictus, in neueren Bestimmungsbüchern auch Centaurea benedicta. Sie gehört zu den Korbblütlern und ist mit den Flockenblumen verwandt. Die einjährige Pflanze wird 20 bis 60 Zentimeter hoch, verzweigt sich buschig und ist am ganzen Stängel fein und klebrig behaart. Die länglichen Blätter haben einen buchtigen, stacheligen Rand und eine helle, netzartige Aderung.

Von Juni bis August erscheinen kleine, hellgelbe Blütenköpfe. Sie sitzen tief eingebettet zwischen den obersten Blättern und sind von stacheligen Hüllblättern umgeben, die wie feine Spinnweben behaart sind. Ursprünglich stammt die Benediktendistel aus dem Mittelmeerraum und Vorderasien. Bei uns wächst sie nur in Gärten oder verwildert ganz selten an warmen Stellen.

Geschnittene Enzianwurzel, eine klassische Bitterwurzel aus den Alpen

Enzianwurzel: die bekannteste Bitterwurzel der Alpen und eine gute Partnerin der Benediktendistel.

Woher kommt der Name Benediktenkraut?

Der Name Cardobenediktenkraut ist eigentlich ein lateinisch-deutsches Wortpaar. Carduus heißt Distel, benedictus heißt gesegnet. Gemeint ist also die „gesegnete Distel“. Ob die Pflanze nach dem heiligen Benedikt und seinem Orden benannt wurde oder ob einfach ihr hohes Ansehen gemeint war, lässt sich nicht sicher sagen. Wahrscheinlich ist beides miteinander verwoben, denn in den Gärten der Benediktinerklöster war sie zu Hause.

Die Schreibweise schwankt: Cardobenediktenkraut, Kardobenediktenkraut, Benediktendistel, Benediktenkraut oder kurz Bitterdistel. Weil die Hüllblätter wie mit Spinnweben überzogen sind, heißt sie auch Spinnendistel.

Vorsicht, Namensvetter

Nicht jedes Benediktenkraut ist eine Distel. In alten Kräuterbüchern heißt auch die Echte Nelkenwurz (Geum urbanum) Benediktenkraut oder Benediktenwurz. Sie ist eine ganz andere Pflanze aus der Familie der Rosengewächse, mit gelben, fünfzähligen Blüten und einer Wurzel, die nach Gewürznelken duftet. Mehr über sie lesen Sie in unserem Ratgeber Nelkenwurz. Auch mit der Mariendistel und der Silberdistel ist die Benediktendistel nicht zu verwechseln. Im Zweifel entscheidet der botanische Name.

Getrocknetes Nelkenwurzkraut von Geum urbanum, das in alten Büchern ebenfalls Benediktenkraut heißt

Nelkenwurz: der Namensvetter, den alte Kräuterbücher ebenfalls Benediktenkraut nennen.

Die Distel der Klostergärten

Die Benediktiner lebten nach der Regel ihres Ordensgründers Benedikt von Nursia, die Gebet und Arbeit verband. Zur Arbeit gehörte der Klostergarten, in dem Gemüse, Gewürze und Kräuter wuchsen. Über das Netz der Klöster wanderten viele Pflanzen aus dem Süden über die Alpen, und die Benediktendistel war wohl eine davon. Spätestens in den gedruckten Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts war die gesegnete Distel nördlich der Alpen gut bekannt.

Im Volksglauben galt sie lange als Schutzpflanze gegen böse Einflüsse. Man trug ein Stück davon bei sich oder räucherte das getrocknete Kraut im Haus. Solche Bräuche erzählen viel darüber, wie eng Kräuter, Glaube und Alltag früher verbunden waren. Wie diese Verbindung in den Klöstern entstand, beschreibt unser Ratgeber Kräuterkunde: Geschichte des Kräuterwissens. Über die berühmteste Benediktinerin der Kräutergeschichte lesen Sie unter Hildegard von Bingen und ihre Kräuter.

Bis heute ist der kräftig bittere Geschmack das, was die Benediktendistel ausmacht. Er geht vor allem auf den Bitterstoff Cnicin zurück. Deshalb taucht sie in vielen alten Rezepten für Kräuterbitter, Kräuterwein und Bittertee auf.

Wie schmeckt Cardobenediktenkraut als Tee?

Pur aufgegossen ist Cardobenediktenkraut herb, kräftig und ausgeprägt bitter. Wer bittere Aromen mag, etwa einen guten Espresso, dunkle Schokolade oder Chicorée, wird ihn zu schätzen wissen. Für den Einstieg empfehlen wir eine Mischung mit milderen Kräutern.

  1. Abmessen: 1 Teelöffel Cardobenediktenkraut in eine Tasse geben. Wer es kräftiger mag, nimmt 2 Teelöffel.
  2. Aufgießen: Mit 250 ml kochendem Wasser übergießen.
  3. Ziehen lassen: 8 bis 10 Minuten ziehen lassen und abseihen.
  4. Abrunden: Etwas Fenchel, Pfefferminze oder ein Streifen Orangenschale machen den Tee runder. Mit Löwenzahn und Brennnessel entsteht ein herber Wiesentee.

Mehr über die Welt der bitteren Kräuter, von Enzian bis Wermut, erfahren Sie in unserem Ratgeber Bitterkräuter.

Getrocknetes Wermutkraut mit silbrig-grünen, fein gefiederten Blättern

Wermut: noch ein Klassiker der Bitterkräuter, der in vielen Kräuterbittern steckt.

Bitterlikör und Kräuterwein mit Benediktenkraut

In Klöstern wurden über Jahrhunderte Kräuterliköre und Kräuterweine angesetzt. Bitterkräuter wie die Benediktendistel geben ihnen Tiefe und einen langen, herben Nachklang. Mit wenigen Zutaten können Sie das zu Hause nachmachen.

Gewürzwein mit Benediktenkraut

  1. Zutaten: 20 g Cardobenediktenkraut, 4 Sternanis, eine halbe Zimtstange und 750 ml trockener Weißwein.
  2. Erwärmen: Alles in einem Topf langsam erhitzen, aber nicht kochen lassen. Kurz vor dem Siedepunkt vom Herd nehmen.
  3. Ziehen lassen: Abgedeckt abkühlen und über Nacht ziehen lassen.
  4. Abfüllen: Am nächsten Tag durch ein feines Sieb abgießen, in eine saubere Flasche füllen und kühl lagern. In kleinen Gläsern als Aperitif servieren.

Einfacher Bitterlikör

Für einen Kräuterbitter setzen Sie 10 g Cardobenediktenkraut, die Schale einer unbehandelten Orange oder 10 g getrocknete Pomeranzenschalen, eine Prise Enzianwurzel und 2 Sternanis mit 0,7 Liter Korn oder Wodka an. Nach zwei bis drei Wochen an einem dunklen Ort abseihen und nach Geschmack mit einem Zuckersirup aus 100 g Zucker und 100 ml Wasser abrunden. Danach sollte der Likör noch einige Wochen reifen. Wer lieber zu einer fertigen Mischung greift, findet in unserem Boonekamp-Liköransatz eine alte Rezeptur für einen würzigen Bitterlikör. Die ausführliche Anleitung steht im Ratgeber Kräuterlikör selber machen.

Sabines Tipp

Bei Bitterkräutern ist weniger oft mehr. Ich setze den Likör immer zuerst mit der kleineren Menge Benediktenkraut an und probiere nach einer Woche mit einem Löffel. Ist er mir zu mild, gebe ich noch ein paar Gramm dazu. Zu bitter lässt sich dagegen kaum wieder rückgängig machen.

Benediktendistel im Garten

Wer die gesegnete Distel selbst ziehen möchte, braucht nur ein sonniges, warmes Plätzchen. Sie mag lockeren, eher mageren und durchlässigen Boden und verträgt keine Staunässe. Da sie einjährig ist, säen Sie sie im April oder Mai direkt ins Beet. Schon nach wenigen Wochen bilden sich die buschigen Pflanzen.

Geerntet wird das blühende Kraut im Hochsommer. Ziehen Sie dabei Handschuhe an, denn die Hüllblätter stechen. Schneiden Sie die Triebe an einem trockenen Vormittag ab und trocknen Sie sie gebündelt an einem schattigen, luftigen Ort. Wenn Sie ein paar Blütenköpfe stehen lassen, sät sich die Distel oft selbst wieder aus.

Boonekamp-Liköransatz mit Pomeranzenschale, Angelikawurzel und Wermut zum Ansetzen eines Bitterlikörs

Boonekamp-Liköransatz: eine alte Rezeptur für einen würzigen Kräuterbitter.

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Häufige Fragen zum Cardobenediktenkraut

Was ist der Unterschied zwischen Cardobenediktenkraut und Benediktenkraut?

Meist ist dasselbe gemeint: die Benediktendistel Cnicus benedictus. In alten Büchern heißt allerdings auch die Nelkenwurz Geum urbanum Benediktenkraut. Achten Sie deshalb beim Kauf auf den botanischen Namen.

Wie schmeckt Cardobenediktenkraut?

Herb, kräftig und ausgeprägt bitter. Pur ist es etwas für Liebhaber bitterer Aromen, mit Fenchel, Minze oder Orangenschale wird der Tee milder.

Warum heißt die Pflanze „gesegnete Distel“?

Der Name kommt vom lateinischen carduus benedictus. Er erinnert an das hohe Ansehen der Pflanze und an die Benediktinerklöster, in deren Gärten sie seit dem Mittelalter wuchs.

Kann man Benediktendistel im Garten anbauen?

Ja. Sie ist einjährig und wird im April oder Mai an einem sonnigen Platz mit lockerem, magerem Boden direkt ausgesät. Im Hochsommer erntet man das blühende Kraut, am besten mit Handschuhen.

Wofür verwendet man Cardobenediktenkraut?

Vor allem für Bittertees, Kräuterwein und selbst angesetzte Kräuterbitter. Wegen seiner kräftigen Bitterkeit genügen schon kleine Mengen.