Das Wichtigste in Kürze
Die Zistrose (Gattung Cistus) ist ein immergrüner Strauch des Mittelmeerraums und prägt dort die Macchia und Garigue. Die im Handel bekannte Cistus incanus, botanisch heute meist Kretische Zistrose (Cistus creticus) genannt, trägt rosa, wie zerknittert wirkende Blüten, die sich jeweils nur für einen Tag öffnen. Ihre klebrigen Blätter sondern in der Sonne ein duftendes Harz ab, das Labdanum, das seit der Antike für Räucherwerk und Parfum begehrt ist. Getrocknet duftet die Zistrose herb-aromatisch und leicht harzig.
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Inhalt
Was ist die Zistrose?
Wer im Frühsommer auf Kreta, in Griechenland oder an der Küste Kroatiens wandert, hat ihn sicher schon gerochen: diesen warmen, harzig-würzigen Duft, der an heißen Tagen über den Hängen liegt. Ein großer Teil davon stammt von der Zistrose.
Zistrosen bilden eine eigene Pflanzengattung, Cistus, in der Familie der Zistrosengewächse. Mit unseren Gartenrosen sind sie nicht verwandt. Den Namen verdanken sie ihren großen, rosenähnlichen Blüten. Es sind buschige, stark verzweigte Sträucher und Halbsträucher, je nach Art niedrig oder mannshoch.
Die bekannteste Art ist die Kretische Zistrose (Cistus creticus), im Handel meist unter dem älteren Namen Cistus incanus zu finden. Der Beiname incanus bedeutet „grau“ und beschreibt die fein behaarten, graugrünen Blätter. Der Zwergstrauch wird 30 bis 100 Zentimeter hoch, seine Äste sind dicht weißlich behaart und klebrig.
Die Blüten sind ein kleines Schauspiel. Fünf purpurrosa Blütenblätter umgeben ein Büschel aus vielen goldgelben Staubblättern. Die Blütenblätter sehen aus wie zerknittertes Seidenpapier, denn sie sind schon in der Knospe gefaltet. Jede einzelne Blüte öffnet sich morgens und fällt oft schon am Nachmittag ab. Weil ständig neue Knospen nachkommen, blüht der Strauch trotzdem über Wochen. Auf Kreta reicht die Blütezeit von Dezember bis Juni.

Zistrosenpulver: fein vermahlene Blätter der Cistus incanus.
Wo wächst die Zistrose?
Zistrosen sind im gesamten Mittelmeerraum und auf den Kanarischen Inseln zu Hause. Die größte Artenvielfalt findet sich im Westen, in Spanien, Portugal, Südfrankreich und Nordafrika. Die Kretische Zistrose wächst fast überall rund ums Mittelmeer, außer auf der Iberischen Halbinsel.
Ihr Lebensraum sind trockene, steinige Hänge, lichte Wälder und vor allem die Macchia und Garigue, die typischen Buschlandschaften des Südens. Hier wachsen sie zusammen mit Thymian, Salbei, Rosmarin, Lavendel und Wacholder auf kargen, steinigen Böden. In der Sommerhitze schwitzen ihre Blätter ein klebriges, duftendes Harz aus, das sie vor dem Austrocknen schützt.
Zistrosen sind echte Überlebenskünstler, auch was Feuer betrifft. In der Macchia kommt es im Sommer immer wieder zu Bränden. Die harzreichen Sträucher brennen zwar leicht, ihre hartschaligen Samen aber überdauern im Boden. Die Hitze des Feuers bricht die Samenschale auf, und nach dem Brand keimen zahlreiche junge Zistrosen. Pflanzen mit dieser Fähigkeit nennt man Feuerkeimer.
Labdanum: das Harz der Zistrose
Das Harz der Zistrose heißt Ladanum oder Labdanum. Der Name stammt aus dem syrisch-phönizischen Sprachraum, wo die Pflanze „Ladan“ hieß, das klebrige Kraut. Schon im alten Ägypten war das Harz begehrt. Es gehörte zur berühmten Räuchermischung Kyphi und wird sogar in der Bibel erwähnt.
Wie man es gewann, klingt heute fast unglaublich. Der griechische Gelehrte Dioskurides beschrieb, wie Hirten ihre Ziegen durch das dichte Zistrosengebüsch trieben. Das klebrige Harz blieb im Fell hängen, besonders im Ziegenbart, und wurde anschließend herausgekämmt. Auf Kreta zog man später Stricke und dann dünne Lederriemen durch die Büsche, an denen das Harz haften blieb. Vereinzelt wird diese alte Technik dort bis heute gepflegt.
Heute wird Labdanum vor allem in Spanien aus der Lack-Zistrose (Cistus ladanifer) gewonnen, die besonders viel Harz bildet. Sein Duft ist warm, balsamisch und erinnert an Ambra und Honig. In der Parfumherstellung ist es ein wichtiger Rohstoff, vor allem für die sogenannten Chypre-Düfte, und es hält andere Duftnoten länger fest. Auch unser Cistusöl wird durch Wasserdampfdestillation aus der Lack-Zistrose gewonnen. Es duftet warm, harzig und leicht erdig und passt in die Duftlampe, wie wir es im Ratgeber Duftöle und Raumduft beschreiben.

Cistusöl aus der Lack-Zistrose duftet warm, harzig und leicht erdig.
Zistrose räuchern
Was die Ägypter mit dem Harz taten, können Sie auch mit dem getrockneten Kraut tun: Zistrose ist ein schönes Räucherwerk. Auf dem Stövchen verglimmen die Blätter herb-aromatisch und leicht harzig. Auf der Kohle wird der Duft kräftiger und würziger.
Besonders stimmig ist eine mediterrane Mischung, die den Duft der Macchia ins Haus holt: Zistrose, Salbei und Thymian zu gleichen Teilen, nach Wunsch mit einer Prise Lavendel. Wer es feierlicher mag, gibt ein paar Körnchen Weihrauch oder Myrrhe dazu. Welche heimischen und südlichen Kräuter sich noch zum Räuchern eignen, lesen Sie im Ratgeber Kräuter zum Räuchern.
- Mischen: Zistrose, Salbei und Thymian in einer kleinen Schale mischen und zwischen den Fingern etwas zerreiben.
- Stövchen oder Kohle: Für einen sanften Duft ein Räuchersieb auf das Stövchen legen. Für mehr Rauch eine Räucherkohle in einer feuerfesten Schale mit Sand durchglühen lassen, bis sie grau ist.
- Auflegen: Eine kleine Prise der Mischung auflegen und lieber öfter wenig nachlegen.
- Abschließen: Kohle in der Schale vollständig ausglühen lassen, Teelicht löschen und lüften.
Sicherheit beim Räuchern: Räuchern Sie nur auf einer feuerfesten Unterlage, lassen Sie Glut und Teelicht nie unbeaufsichtigt und halten Sie Kinder und Haustiere fern. Lüften Sie nach dem Räuchern gut und decken Sie den Rauchmelder nicht ab.

Salbei und Zistrose wachsen in der Macchia Seite an Seite.
Sabines Tipp
„Wenn draußen im November der Nebel über den Feldern liegt, räuchere ich gern meine Macchia-Mischung aus Zistrose, Salbei und Thymian. Dann riecht das Wohnzimmer nach einem warmen Nachmittag auf Kreta. Ein paar Tropfen Cistusöl in der Duftlampe machen den Urlaub komplett.“
Zistrose und Zistrosenpulver verwenden
Vielleicht kennen Sie die Zistrose als Tee. Unsere getrocknete Zistrose und unser Zistrosenpulver bieten wir bewusst nicht als Lebensmittel an. Sie sind gedacht als Duftkraut: für Räucherwerk, Duftsäckchen und selbst gemachte Naturkosmetik.
Duftsäckchen: Füllen Sie kleine Leinen- oder Baumwollsäckchen mit Zistrose und Lavendel und legen Sie sie in den Kleiderschrank oder die Wäscheschublade. Überlieferungen zufolge füllte man schon in der Antike getrocknete Blüten und Blätter der Zistrose in Duftsäckchen für Räume und Kleidung. Wie Sie Kräutersäckchen und Kissen nähen und füllen, zeigen wir im Ratgeber Kräuterkissen.
Naturkosmetik: Das fein vermahlene Zistrosenpulver lässt sich wie andere Pflanzenpulver in selbst gegossene Seife oder in Badesalz einarbeiten. Es bringt eine grünliche Farbe und einen herb-mediterranen Duft mit. Anleitungen finden Sie unter Naturkosmetik selber machen und Badesalz selber machen.

Thymian gehört wie die Zistrose zum Duft des Mittelmeers.
Zistrosen im Garten
Wer den Süden in den eigenen Garten holen will, kann es mit einer Zistrose versuchen. Sie braucht einen vollsonnigen, warmen Platz und durchlässigen, eher mageren Boden. Staunässe verträgt sie nicht. Am besten gedeiht sie im Kübel auf der Terrasse oder an einer geschützten Hauswand.
Die meisten Zistrosen sind bei uns nicht zuverlässig winterhart. Einige Arten überstehen leichten Frost, viele überwintern aber besser hell und kühl im Haus, ähnlich wie Rosmarin oder Oleander. Gießen Sie im Winter nur wenig. Im Frühjahr können Sie den Strauch leicht in Form schneiden, dann blüht er im Sommer üppig.
Getrocknete Zistrose und Zistrosenpulver bewahren Sie in einer gut schließenden Dose auf, trocken und vor Licht geschützt. So bleibt der harzige Duft lange erhalten.
Was Sie dafür brauchen
ZistroseGetrocknetes Kraut für Räucherwerk und DuftsäckchenAnsehen
ZistrosenpulverFein vermahlen für Naturkosmetik und RäucherwerkAnsehen
CistusölÄtherisches Öl der Lack-ZistroseAnsehen
Salbeiblätter fein/geschnittenWürziger Partner für die Macchia-MischungAnsehen
ThymiankrautMediterraner Duft zum RäuchernAnsehen
Räucherstövchen B mit HolzgriffSanft räuchern ohne KohleAnsehen
RäucherkohleFür kräftigen RauchAnsehenHäufige Fragen zur Zistrose
Was ist Cistus incanus?
Cistus incanus ist der im Handel übliche Name der Kretischen Zistrose (Cistus creticus). Der immergrüne Zwergstrauch wächst im Mittelmeerraum, hat graugrün behaarte Blätter und rosa Blüten.
Ist die Zistrose mit der Rose verwandt?
Nein. Zistrosen bilden eine eigene Pflanzenfamilie, die Zistrosengewächse. Den Namen tragen sie wegen ihrer großen, rosenähnlichen Blüten.
Wie lange blüht eine Zistrose?
Jede einzelne Blüte hält nur einen Tag. Weil ständig neue Knospen aufgehen, blüht der Strauch aber über viele Wochen.
Was ist Labdanum?
Labdanum oder Ladanum ist das klebrige, duftende Harz der Zistrose. Es duftet warm und balsamisch nach Ambra und Honig und wird seit der Antike für Räucherwerk und Parfum verwendet.
Wie räuchert man Zistrose?
Am besten auf dem Stövchen mit Räuchersieb oder auf glühender Räucherkohle. Schön ist eine Mischung mit Salbei und Thymian. Immer auf feuerfester Unterlage räuchern und danach lüften.
Ist die Zistrose winterhart?
Die meisten Arten sind bei uns nicht zuverlässig winterhart. Im Kübel überwintern sie am besten hell und kühl im Haus.
Quellen: Wikipedia: Zistrosen · Wikipedia: Ladanum · Wikipedia: Kretische Zistrose